Gottesbeweise/Widerlegungen und ein Elefant

Ich habe heute neben vielem anderen auch in einem Thread über Gottesbeweise bzw. -widerlegungen geschmökert. Natürlich findet man dort alles Mögliche außer gültigen Beweisen oder Widerlegungen, das geht ja bekanntlich nicht. Zunächst ein Klassiker:
Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch in der Lage sein, einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Wenn er ihn aber nicht heben kann, ist er nicht allmächtig..
Darauf kam die Antwort:
Das ist gelinde gesagt Käse: "Allmacht" kann sich natürlich nur auf in sich widerspruchsfreie Taten beziehen. Gott kann sich weder selbst töten noch der Kreiszahl den Wert drei geben noch den vielzitierten Stein erschaffen. Wenn Gott gegen die Regeln der Logik verstoßen könnte, wäre jede weitere Diskussion sinnlos, weil damit jede Argumentation sowohl der theistischen wie der atheistischen Seite zusammenbrechen würde, denn aus einer einzigen inkonsistenten Aussage kann buchstäblich alles geschlussfolgert werden.
Hm, das leuchtet nun wiederum mir nicht ein, denn wenn Gott den Regeln der Logik unterworfen ist, wer schuf dann die Regeln der Logik? Also der nächste Bekehrungsversuch:
Stell Dir vor, Du bist blind. Dann kannst du normalerweise eine rote Ampel nicht von einer grünen unterscheiden, was aber noch lange nicht heißt, dass es weder eine rote noch eine grüne (oder vielleicht nur eine ausgeschaltete) Ampel gibt. Die Eigenschaft der Ampel wäre für Dich nicht „erfahrbar“ Du könntest aber aus einem Mangel an „Erfahrbarkeit“ nicht auf einen Mangel an „Existenz“ schließen, sondern bestenfalls auf einen Mangel an „Relevanz“. Für Atheisten ist Gott eben nicht „relevant“, für gläubige Menschen aber sehr wohl – und zwar unabhängig von der Frage ob er existiert oder nicht.
Irgendwie hinkt dieses Beispiel, denn die Diskussion über rote und grüne Ampeln findet unter der Prämisse statt, dass alle Disputanten von der tatsächlichen Existenz roter und grüner Ampeln ausgehen, was als Analogie zu Gott nicht zutrifft, denn hier geht eine Seite davon aus, dass ER nicht existiert. Gefallen hat mir auch der folgende Disput:
A: Jeder nimmt an einer Lotterie teil, an der er sicher gewinnt. Sagen wir, alle spielen Lotto und der Einsatz dafür wird von jemand übernommen, den wir mal Gott nennen wollen. Jeder bekommt also einen Lottoschein. Nach der nächsten Ziehung haben alle ziemlich viel gewonnen, aber nur diejenigen, die glauben dass der Schein echt ist, werden auch ihren Gewinn abholen...

B:Finde ich ein ziemlich schlechtes Bild: wenn ich den Lottoschein habe und ich weiß, er hat gewonnen, dann gehe ich zur Lottoannahmestelle und will den Gewinn haben. Spätestens dann weiß (!) ich, ob der Schein echt oder falsch ist, ob ich wirklich gewonnen habe, oder nicht. So verhält es sich mit dem Glauben aber nicht. Ich kann nicht mal überprüfen, ob ich überhaupt einen Lottoschein bekommen habe! Gar nicht davon zu reden, ob er gewonnen hat oder sogar den Gewinn einzufordern.

C: Was hältst Du von folgendem Bild: Gott gibt uns ein Päckchen mit der Aufschrift "zu öffnen nach dem Tod des Empfängers". Wenn man es vorher aufmacht, ist es leer und gläubige Menschen sagen: "Siehst Du, hättest Du bis nach dem Tod gewartet wäre es randvoll mit Geld gewesen!" Nach dem Tod kann man es aber naturgemäß nicht mehr öffnen.
Und jetzt wieder zurück zu einem verkleideten Steineklassiker:
D: Müsste ein allmächtiges Wesen sich denn nicht gelegentlich auch mal in ein nicht allmächtiges Wesen verwandeln können, eines welches keine weiteren Verwandlungen beherrscht? Ich denke, es müsste dies eigentlich beliebig oft tun können, sofern es allmächtig wäre. Und schon sitzen wir drinnen in unserer Zwickmühle, denn mit der ersten Verwandlung sollte der Rückweg ja für immer versperrt sein.

E: Ja, die altbekannte Frage, ob Gott einen Burito so heiß machen kann, dass er ihn nicht mehr essen kann....

Gegenargument: Es gibt mindestens einen Menschen, der an Gott als allmächtiges Wesen glaubt. Wenn Gott in seiner Vorstellung allmächtig ist, besitzt er auch die Macht, aus der Welt der Gedanken in die reale Welt überzuwechseln. Somit kann er in dem Moment, da er erdacht wird, real werden.

Ob Realität nun ein erstrebenswerterer Zustand ist, als nur erdacht zu sein und ob Gott es daher tun würde, ist wieder eine andere Frage.
Meiner Meinung nach stimmt die Logik von E nicht, aber sie enthält den Ansatz für ein in sich konsistentes Gottesbild: Gott existiert, solange jemand glaubt, dass er existiert. Dieses Gottesbild erklärt auch sehr schön, warum es niemals gelingt, jemanden, der an Gott glaubt, von der Nichtexistenz Gottes zu überzeugen. Denn wenn man ihn überzeugt hätte, würde Gott nicht mehr existieren, und kann man jemanden von der Nichtexistenz von etwas überzeugen, das nicht existiert und von dem beide glauben, dass es nicht existiert? (Ich weiß, das hinkt natürlich ein bisschen, weil hier die zwei Varianten von Wenn-Dann-Konstrukten gemischt wurden. ;-) )

Hier lauert aber noch ein weiterer interessanter logischer Stolperstein, der sich auf die Unmöglichkeit von Nichtexistenzbeweisen bezieht: Wenn es keine Möglichkeit gibt, die Nichtexistenz von etwas zu beweisen, dann existiert offenbar keine Methode, die Nichtexistenz zu beweisen. Wie kann dann die Nichtexistenz einer Methode bewiesen werden, mit der die Nichtexistenz bewiesen werden könnte?

Neben solchen Intelligenzbrechern schweift man in derartigen Threads gern völlig vom Thema ab, zum Beispiel habe ich dort die folgende interessante Aufgabe gefunden:
Wieviele Dimensionen muss ein n-dimensionaler Würfel mit Kantenlänge 1cm haben, damit ein durchschnittlich großer Elefant hineinpasst? Also: n=?
Es gibt mindestens zwei Lösungen, je nachdem, wie man den Elefanten durch den Würfel bugsiert. Ich verrate sie hier schon mal, weil es ja mehr auf die Lösungsideen ankommt.
  • n=4
  • n=170.000
Die erste Lösung ist exakt, die zweite aus den durchschnittlichen Maßen eines Elefanten geschätzt, es könnten also durchaus 100.000 Dimensionen mehr oder weniger sein. Har har har...

Gehirn & Geist, Mathematik & Logik
nömix - 11. Oktober, 22:52

In der Würfelfrage ist der Elefant eine beliebige Komponente, die für das exakte Resultat bedeutungslos ist. Man erhält das gleiche Resultat =4 wenn man ihn z.B. durch einen Apfel ersetzt.

(Alfred Dorfer formuliert die Allmacht-Gottes-Frage so:
“Wenn Gott allmächtig ist, ist er dann so schnell,
dass er gegen sich selber Tischtennis spielen kann?“)

Köppnick - 12. Oktober, 10:14

Hehe, jetzt machen sich schon österreichische Kabarettisten über die Allmacht Gottes lustig. Was ist das bloß für eine moralisch verdorbene Welt!

Da du das mit n=4 herausbekommen hast, eine zweite Frage: Kann man als vierte Dimension hier die Zeit verwenden?

Und n=170.000, was ist jetzt damit?
rudolf33a - 12. Oktober, 10:39

Gott ist Liebe.
Wie ich hier all die geistigen Experimente lese...
L.G.Rudolf.

Köppnick - 12. Oktober, 12:43

"Gott ist Liebe" würde, wenn beide Begriffe identisch sein sollen, bedeuten, einer der beiden Begriffe ist überflüssig. Man kann probeweise in einigen Sätzen den einen Begriff gegen den anderen substituieren und wird finden, dass das nicht stimmt. Interpretiert man den Begriff hingegen mengentheoretisch, dann ist entweder Liebe größer oder Gott. Da Gott das Größte sein soll, muss er Liebe vollständig enthalten. Und dann muss er alle anderen Begriffe ebenfalls enthalten, z.B. Hass. Der Satz "Gott ist Hass" wäre dann ebenfalls logisch wahr. Man verstrickt sich mit der Eingangsthese also logisch in immer größere Argumentationsschwierigkeiten.

Ich würde "Gott ist Liebe" auch als religiöser Mensch lieber nicht behaupten, denn das würde bedeuten, dass ich den Willen Gottes verstünde. Dann muss ich eine gute Erklärung für andere Aussagen der Bibel finden, zum Beispiel für das hier, denn auch das AT gehört zum Kanon, also dem authentischen Wort Gottes:
So höre auf die Worte des Herrn! So spricht der Herr der Heerscharen: 'Ich will rächen, was Amalek an Israel getan hat, als er ihm auflauerte, als es aus Ägypten heraufzog. Ziehe hin, schlage Amalek und zerstöre alles, was sie haben, und schone niemand, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel.' " Saul schlug die Amalekiter von Hawila bis Sur, bei Ägypten. Agag, den König der Amalekiter, nahm er lebendig gefangen, das ganze Volk aber vernichtete er mit dem Schwert. Saul und seine Leute schonten jedoch die besten Schafe und Rinder, die fetten Tiere und die Lämmer; alles, was wertvoll war, wollten sie nicht töten. Da sprach der Herr zu Samuel: "Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe, denn er hat sich von mir abgewandt und meinen Befehlen nicht gehorcht."
Für das Töten von unschuldigen Säuglingen würde ich nicht die Liebe verantwortlich machen wollen, sondern entweder die Täter oder Gott. Waren es Menschen, dann enthält die Bibel nicht ausschließlich das Wort Gottes, war es Gott, der den Befehl gab, dann ist er nicht identisch mit der Liebe.
rudolf33a - 12. Oktober, 13:15

Gott redet zu uns Menschen.
Immer wieder -
Gott ist Liebe, Liebe ist ein Geschenk. Ich selbst, jeder mensch darf für sich selbst auswählen ein Geschenk anzunehmen oder es zu verwerfen.
Jesus selbst ist den Streitereien immer ausgewichen.
Im alten Testament ist es immer wieder wichtig, die Geschichte selbst mitzusehen. Lange bevor die von dir zitierte Begebenheit geschah, war Abraham unterwegs und er erzählte den Menschen von Gott. doch die Menschen nahmen Gott nicht an. Gott redet zu uns auch heute noch. Wie viele ihn aber ins Herz aufnahmen, denen gab er Macht Kinder Gottes zu werden. Ich darf mich freiwillig entscheiden. Entscheide ich mich für Gott, ist er es der mich liebt und führt.
L.G.Rudolf.
Köppnick - 12. Oktober, 13:36

Ich denke, wir können uns auf Folgendes einigen. Selbst Theologen erkennen an, dass die Existenz Gottes nicht bewiesen werden kann (und auch nicht widerlegt). Für jemanden, dessen Existenz nicht bewiesen werden kann, kann sicher auch nicht bewiesen werden, dass er spricht oder liebt (weil beides Existenz voraussetzt). Es sind also alles Bestandteile eines persönlichen Glaubens: Glaube an die Existenz Gottes, sein Sprechen und seine Liebe.

Vielleicht gelingt es Ihnen, gegenüber Atheisten wie mir die folgende Einstellung einzunehmen: Wenn Gott die Menschen liebt, dann wird er auch diejenigen lieben, die die Unlogik und die Fehler in den einzelnen Religionen aufdecken wollen. Wenn er allmächtig, allwissend und allgütig ist, dann sollten ihm auch diejenigen imponieren, die sich mit ihren begrenzten Fähigkeiten daran machen, "seine" Pläne zu verstehen.
rudolf33a - 18. Oktober, 22:51

...

Muster - Das Hirn fällt sich allzuleicht in seinem Denken wollen selbst in die Falle. Gut ich neheme folgende Herausforderung einmal an - Gott ist Haß. Schmerzen würden meinen Herzschlag begleiten. Haß ist gegen das Leben. Haß ist eine Wurzel des Tötens. Ich meine das so - haß hat zur Folge sich selbst bestätigen zu wollen. Allein beim Schreiben dieser Zeilen verändert sich mein Wesen...
Ich will diese Veränderung nicht weitergestalten. Haß ist gegen mich selbst - Haß ist trennung - haß ist Tod.
Mein freier Wille, den mir Gott gesgeben hat, wendet sich nun der Lebe zu.
Annehmen - Anschauen - Handeln - Füreinander da sein - Respekt - Fördern - Behüten - Vorsichtig sein -

L.G.Rudolf.

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Kommentare hier ...

Ich nehme an, dass in...
Ich nehme an, dass in deinen beiden Listen die ersten...
Köppnick - 23. November, 10:57
jööööööööööö.......
jööööööööööö.......
rosmarin (Gast) - 23. November, 03:00
Von wegen Bücher...
Von wegen Bücher können nichts verändern....
Peter42 - 23. November, 00:59
Bei meinem letzten Vortrag...
Bei meinem letzten Vortrag in Nürnberg habe ich...
steppenhund - 22. November, 23:49
na hoffentlich haben...
na hoffentlich haben die dann in guantanomo auch so...
kraM - 19. November, 20:30
die jeweils eigene paranoia
ist halt auch der jeweiligen mode/zeit unterworfen....
la-mamma - 15. November, 11:24
Aus einigen Krankheitsfällen...
Aus einigen Krankheitsfällen in meinem Umfeld...
Köppnick - 14. November, 13:39
Sensationell!
"Skalarwellen", mit denen Gott die gesamte Raumzeit...
ostfriese - 14. November, 12:32
Alle Jahre wieder
Danke, Köppnick, für die schönen Beispiele! Es...
ostfriese - 14. November, 05:54
Keine Matrix
Da stimme ich Ostfriese voll und ganz zu. Unser "Ich"...
tom-ate - 8. November, 10:45
Den letzten Absatz unterschreibe...
Den letzten Absatz unterschreibe ich voll. Das ist...
steppenhund - 25. Oktober, 18:00
Ich stelle fest, dass...
Ich stelle fest, dass ich momentan ganz schlecht denke,...
steppenhund - 25. Oktober, 17:55