Das chinesische Zimmer

Ich hatte meinen Artikel zum freien Willen noch in einem Diskussionsforum gepostet, einer der Kommentatoren dort war Martin Dresler. Ich kannte ihn bereits aus einer anderen Diskussion zu Klarträumen, er arbeitet am Max-Planck-Institut für Psychiatrie an diesem Thema. In einem seiner Kommentare wies er auf ein neues Buch von ihm hin: Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Sprache. Derzeit ist er einer der Organisatoren der diesjährigen MinD-Akademie "Freiheit und Grenzen".

Für die 130 Seiten seines neuen Buchs habe ich fünf Abende gebraucht, ich glaube nicht, dass ich alles verstanden habe. Das Niveau ist sehr hoch, ich würde sagen, dass man es, wenn er es noch ein wenig "aufbrezelt", als Dissertation auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes anerkennen könnte. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er eigentlich auf einem ganz anderen Gebiet arbeitet.

Der Untertitel des Buchs verrät Genaueres über den Inhalt: "Das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers". Die Philosophie des Geistes beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen den geistigen bzw. mentalen Zuständen, die aus der Erste-Person-Perspektive erlebt werden, und den körperlichen Zuständen, die einer objektivierbaren Messung zugänglich sind, also kurz mit dem Leib-Seele-Problem.

Lange Zeit war die Identitätstheorie in der Philosophie des Geistes vorherrschend. Verkürzt besagt sie, dass mentale Zustände mit neuronalen Zuständen identisch sind. Das bedeutet, es handelt sich um denselben Naturvorgang, der auf der einen Seite erlebt wird und auf der anderen Seite gemessen werden kann. In die Krise kam diese Auffassung vor allem wegen der Erfindung der Computer.

Die Begriffe Bewusstsein, Intelligenz und Verstehen (=Sprache) haben zwar eine unterschiedliche Wortbedeutung, doch bis zur Erfindung der Computer gab es nur eine Sorte Wesen, die alle drei Eigenschaften in sich vereinigte - der Mensch. Computerprogramme waren aber sehr schnell in der Lage Probleme zu lösen, bei denen Menschen früher die Notwendigkeit von Intelligenz vorausgesetzt hatten. Von Alan Turing stammen interessanterweise zwei Konzepte, die im Weiteren von Bedeutung sind:
  • Die Turing-Maschine beschreibt einen Automaten, der sequentiell Zeichen liest, nach ihm eigenen inneren Algorithmen und seinem inneren Zustand verarbeitet, wodurch sich dieser innere Zustand verändern kann, und der im Ergebnis dieser Verarbeitung Zeichen ausgeben kann.
  • Der Turing-Test soll die Frage beantworten, ob eine Maschine denken kann. Man setzt einem Menschen einen Gesprächspartner gegenüber, wobei der Mensch nicht weiß, ob es sich dabei um eine Maschine oder einen anderen Menschen handelt. Allein durch Fragen und Antworten soll der erste Mensch herausfinden, ob der andere ein Mensch oder eine Maschine ist.
Hier taucht ein weiterer Begriff auf, "Denken", der etwas anderes bedeutet als "Bewusstsein", aber sowohl "Intelligenz" als auch "Verstehen" und "Sprache" verwandt ist. Wie problematisch der Turing-Test ist, kann man sich in einem kleinen Gedankenexperiment überlegen: Angenommen, wir verlieben uns in eine Frau (oder alternativ einen Mann). Mit ihr lässt sich gut plaudern, sie sieht gut aus, sie riecht gut und man kann nette Sachen mit ihr machen. Plötzlich löst sich an einer Stelle ihre Haut und das Metall eines gewöhnlichen Computers kommt zum Vorschein, wir haben mit einem Computer geflirtet. Schlagartig verändert sich unsere Einstellung zu unserem Gegenüber. Intuitiv sind wir alle Carbo-Chauvinisten.

Martin Dresler erwähnt in seinem Buch Harnards Hierarchie, deren letzte Stufe der "Harte Turing-Test" ist, die vollständige Ununterscheidbarkeit zum Menschen:
from subtotal ('toy') fragments of our functions (T1), to total symbolic (pen-pal) function (T2 - the standard Turing Test), to total external sensorimotor (robotic) function (T3), to total internal microfunction (T4), to total indistinguishability in every empirically discernible respect (T5).
Zweifellos hatte die Entwicklung der Computer einen gewaltigen Einfluss auf die Wissenschaft. Es kam in Mode, das Gehirn als eine Art Computer, vielleicht gar als Turing-Maschine zu betrachten und umgekehrt an der Möglichkeit zu arbeiten, Maschinen zu entwickeln, die intelligent sind, die verstehen können und die über ein Bewusstsein verfügen. Die dazu parallele Theorie in der Philosophie des Geistes ist der Funktionalismus. Die zentrale These des Funktionalismus ist, dass mentale Zustände funktionale Zustände sind. Das kann man einfacher ausdrücken: Ein Wesen, dass sich augenscheinlich intelligent verhält, das nach außen Verständnis zeigt und das in den Augen äußerer Beobachter offenbar über Bewusstsein verfügt, ist tatsächlich intelligent, versteht und hat Bewusstsein. Damit ist die Art der Realisierung egal, der Carbo-Chauvinismus ist passe, entscheidend ist nur noch die äußere Schnittstelle des Systems.

An dieser Stelle kommt John Searles Kritik zum Tragen, die er 1980 in seinem Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers formuliert hat. Das ist fast dreißig Jahre her, nahezu alle Aspekte dieses Experiments wurden von anderen Wissenschaftlern kritisiert und widerlegt. Trotzdem ist die Diskussion bis heute noch nicht abgeschlossen und Martin Dresler hat eben zu diesem Thema sein Buch veröffentlicht. Das Problem ist konstitutiv für den Funktionalismus und für die harte künstliche Intelligenz. In der harten Form geht es um die Schaffung bewusster künstlicher Wesen, die weiche Form der KI ist von der Diskussion nicht betroffen.

Das chinesische Zimmer:
John Searle, ein englischer Muttersprachler, des Chinesischen nicht mächtig, befindet sich in einem Raum voller chinesischer Bücher und Symbole. Durch einen Schlitz in der Tür wird ihm ein Zettel durchgeschoben, auf dem eine Frage in chinesischer Sprache formuliert ist. John Searle sucht die Regale mit den chinesischen Büchern anhand der Symbole ab, schlägt nach festgelegten Regeln dort stehende Bücher auf, entnimmt ihnen chinesische Zeichen, schreibt sie auf einen Antwortzettel und schiebt diesen zurück durch den Schlitz in der Tür.
Der chinesische Muttersprachler, der die Frage gestellt hat, ist mit der Antwort sehr zufrieden, sie hat für ihn einen Sinn. - Das chinesische Zimmer hat den Turing-Test für Sprachverstehen bestanden, es kann auf eine beliebige chinesische Frage eine sinnvolle chinesische Antwort geben. Die entscheidenden Fragen:
  • Ist das Zimmer intelligent?
  • Hat das Zimmer die Frage verstanden?
  • Verfügt das Zimmer über Bewusstsein?
Wer diese Fragen für albern oder trivial hält, der sollte sich klar machen, dass sich die intelligentesten Menschen der Welt, und dazu zählen Philosophen, Kognitionswissenschaftler und KIler zweifellos, seit dreißig Jahren an diesem Problem abarbeiten. Für John Searle beweist das Experiment, dass Bewusstsein nicht durch einen rein komputationalen Prozess erklärt werden kann, folglich Computer kein Bewusstsein haben können.

Es gibt eine leichte Modifikation des Gedankenexperiments, mit der zumindest ein anderes zentrales Problem aus der Welt geschafft werden kann: Dafür ersetze man die chinesischen Bücher und Symbole durch englische, stelle eine englische Frage und erhalte darauf eine englische Antwort. In diesem Fall versteht der englisch sprechende Operateur (John Searle) die Frage und später auch die Antwort, aber trotzdem folgt er stur dem Algorithmus zur Symbolmanipulation. Sein Bewusstsein ist für die Beantwortung irrelevant. Es ist ganz offensichtlich kein Homunkulus in unserem Kopf notwendig, der irgendetwas "verstehen" müsste.

Im Buch werden unzählige Pro- und Kontraargumente gegeneinander abgewogen, viele sind so kompliziert, dass ich ihnen nicht mehr folgen kann. Es gibt jedoch einige, die ich mir gemerkt habe und die mir plausibel erscheinen. Das erste Argument zielt in Richtung Emergentismus, hier findet sich im Buch ein übersetztes Zitat von Roger Penrose:
Es ist wahr, daß wir uns hier mit prinzipiellen Fragen befassen, aber ich kann mir vorstellen, daß es einen kritischen Grad der Kompliziertheit gibt, den der Algorithmus erreichen muß, um geistige Qualitäten aufzuweisen. Vielleicht ist dieser kritische Wert ja derartig hoch, daß kein Mensch einen Algorithmus dieses Kompliziertheitsgrades jemals per Hand auf die von Searle beschriebene Weise auszuführen vermag.
Ein weiteres Argument ist das der "seltsamen Realisierungen". Der Grundgedanke ist hier, dass es zwischen dem Gehirn und Searles Zimmer keinerlei physikalische oder biologische Ähnlichkeiten gibt. Bildet man aber ein Modell anhand einiger Analogien, dann fehlen dem Modell unter Umständen einige wesentliche Eigenschaften des Originals, während ganz andere Eigenschaften in der Modellbildung hinzugefügt werden. Man kommt dann zu Fehlschlüssen, wenn die Untersuchungen durch die Modelleigenschaften beeinflusst werden, die mit dem Original überhaupt nichts zu tun haben. In diese Kategorie kann man auch den Einwand einordnen, mit dem Zimmer würde nur ein kleiner Teil des Bewusstsein bzw. des Verstehens einer Person modelliert, notwendig wäre aber die gesamte Person, also einschließlich ihres Körpers und unter Umständen sogar eines Teils ihre Lebensumwelt.

Eine sehr interessante Frage besteht darin, inwieweit das Modell einer Turing-Maschine auf das Gehirn überhaupt zutrifft. Die meisten (oder alle?) heute existierenden Computer sind Turing-Maschinen, die einen seriellen Input in einen seriellen Output verwandeln und ihren inneren Zustand ebenfalls in dem dadurch vorgegeben Rhythmus ändern. Selbst heutige neuronale Netzwerke sind von diesem Typ, weil auch hier die physikalische Realisierung durch einen herkömmlichen Computer, d.h. eine Turing-Maschine, erfolgt und jede Turing-Maschine im Prinzip jede andere modellieren kann. Aber das Gehirn könnte von einem anderen Typ sein, weil hier tatsächliche Parallelität dadurch entsteht, dass die Systemänderung zwischen Eingang und Ausgang an einer Stelle an einer anderen Stelle erst nach einer dortigen Ein- Ausgangsreaktion registriert wird. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses (akausale) Verhalten von einer Turing-Maschine beschrieben werden kann. Dann hätte Searle heute recht, seine Schlüsse würden auf die heutigen Computer zutreffen.

Ein weiterer Einwand besteht in der Überlegung, dass unter Umständen das Zeitverhalten eine wichtige Rolle spielen könnte, und Searles Zimmer ist millionenfach langsamer als ein "echter" Chinese. Dafür gibt es im Buch ein interessantes Gedankenexperiment (in einem ganz anderen Zusammenhang) von den Churchlands:
Stellen Sie sich einen dunklen Raum vor, in dem sich ein Mann befindet, der einen Stabmagneten oder einen elektrisch geladenen Gegenstand in der Hand hält. Wenn der Mann den Magneten auf und ab bewegt, dann müsste dieser nach Maxwells Theorie der künstlichen Helligkeit (KH) einen sich ausbreitenden Kreis elektromagnetischer Wellen und damit Helligkeit erzeugen. Aber wie jeder von uns, der mit Magneten oder geladenen Kugeln herumgespielt hat, nur zu gut weiß, produzieren ihre Kräfte (oder irgendwelche anderen Kräfte), selbst wenn sie bewegt werden, keinerlei Helligkeit. Es ist somit unvorstellbar, daß man wirkliche Helligkeit einfach dadurch erzeugen kann, daß man Kräfte umherbewegt!
Das Experiment beweist natürlich nicht, dass man mit Magneten kein Licht erzeugen kann, es ist eine reductio ad absurdum.

Beim Lesen musste ich die ganze Zeit an ein anderes Gedankenexperiment denken. In diesem wird ein Neuron im menschlichen Gehirn durch einen elektrischen Schaltkeis ersetzt. Ist die Person dann noch ein Mensch? Sicher. Aber was passiert, wenn man sukzessive alle Neuronen durch Schaltkreise ersetzt? Tatsächlich wird auch dieses Experiment gegen Ende des Buches beschrieben und merkwürdigerweise stammt es ebenfalls von Searle. Er wählt als Beispiel den Geschmackssinn und ist der Meinung, dass die betreffende Person dann immer noch sagen könne, ob eine Speise "süß" oder "salzig" sei, aber dabei nichts mehr empfinden würde. - Dann wäre er da, der philosophische Zombie. Die meisten anderen Wissenschaftler stimmen Searle auch in diesem Punkt nicht zu.

Ich denke, diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, sie geht in die Richtung des Arguments der seltsamen Realisierungen. Woher nehmen wir die Gewissheit, beim Ersatz eines Neurons alle wesentlichen Eigenschaften eines Neurons zu ersetzen und zugleich keine neuen konstitutiven hinzuzufügen? In Neuronen fließen Ströme, auch wenn die durch sie erzeugten elektromagnetischen Felder schwach sind, so beeinflussen sie doch statistisch das Verhalten anderer Neuronen.

Mit dieser Überlegung löse ich für mich übrigens auch den Widerspruch zwischen Identitätstheorie und Funktionalismus. Ein ähnlich aufgebautes System wird zweifellos über ähnliche innere Zustände verfügen. Ein anders aufgebautes System kann gar nicht in allen Aspekten über eine gleiche Schnittstelle verfügen. dazu muss man die Schnittstelle nämlich auf eine Teilmenge der Eigenschaften der verglichenen Systeme beschränken.

Martin Dresler verweist im Buch (und an anderen Stellen im Diskussionsforum) auf das Privatsprachenargument von Wittgenstein:
Auch der Aspekt der Privatheit mentaler Zustände wurde ausführlich kritisiert, insbesondere auf der Grundlage von Wittgensteins Ausführungen rund um sein bereits erwähntes Privatsprachenargument. Wenn ein mentales Phänomen m essenziell privat wäre, dann wüsste jeder Sprecher lediglich, was er selbst m nennt. In einer öffentlichen Sprache spielte die jeweilige konkrete Referenz von m dadurch jedoch keine Rolle mehr. Da jeder Einzelperson damit aber ein objektiv überprüfbares Kriterium zur angemessenen Anwendung des Begriffs m fehlte, kann der Begriff weder angemessen noch unangemessen und somit gar nicht sinnvoll verwendet werden. Essenzielle Privatheit impliziert damit nicht nur die Unmöglichkeit intersubjektiver Kommunikation, sondern auch die Unmöglichkeit subjektiven Wissens um mentale Entitäten.
Oder anders gesagt, mein Rot und dein Rot oder mein Schmerz und dein Schmerz müssen sich allein dadurch ähnlich anfühlen, weil man sie sonst nicht kommunizieren könnte. Hier würde ich aber (aus neurophysio- und logischer Sichtweise) ergänzen: Sie müssen sich ähnlich anfühlen, wenn ähnlich aufgebaute Wesen in ähnlicher Umwelt ähnlichen Reizen ausgesetzt sind und adäquat reagieren müssen. Sie werden aber nicht gleich sein, weil die bisherigen Erfahrungen der Betreffenden unterschiedlich waren.

Das kann man abschließend auch auf die hinter dem chinesischen Zimmer stehende Frage anwenden: Können Maschinen Bewusstsein entwickeln? Sicher können sie das, aber diese mögliche Bejahung hängt auch von der Antwort auf die Frage ab, wie weit man den Begriff des Bewusstseins fasst und dass man akzeptiert, dass ihre mentalen Erlebnisse (ihre Qualia) ganz andere Inhalte haben können als unsere, weil sie sowohl eine andere innere Struktur haben werden, als auch in einer anderen Umwelt leben und die Welt mit anderen Sensoren erfassen und andere Bedürfnisse haben.

Gehirn & Geist, Bücher
MMarheinecke - 12. September, 17:49

un-menschliche KI und Horror

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass die im Artikel erwähnten Gedankenexperimente (vor allem der Turing-Test und das "Chinesische Zimmer") zahlreiche Science-Fiction-Autoren zu mehr oder weniger klugen Spekulationen anregt.
Die Situation, in der sich z. B. eine geliebte Frau als geschickt verkleideter Roboter entpuppt, wurde so oft beschrieben, dass dieses Handlungsklischee in der aktuellen SF, ähnlich etwa der Invasion von als Menschen getarnten Außerirdischen, praktisch nur noch als Parodie vorkommt. Wobei der ursprüngliche Grund dafür, dass sowohl menschenähnliche Roboter und heimliche Alien-Invasoren zu besonders beliebten Themen der Science Fiction wurden, in offensichtlich tief verwurzelten Ängsten liegen. Tatsächlich ist der (mutmaßliche) "philosophische Zombie" humaniformer Robot auf der Ebene des "intellektuellen Horrors" etwa das, was auf der Ebene des
"Zitter & Brechreiz-Horrors" der taumelnde, grunzende, halbverweste, gehirnfressende und schier nicht zu stoppende Zombie ist.

Es gibt kaum SF-Autoren, die in ihren Geschichten eine "harte" KI für unmöglich halten. (Das besagt nichts über deren persönliche Ansichten; ich habe mich mit einigen Autoren von "Space Operas", sogar solchen, denen Raumschiffe sozusagen übers Wochenende zur Andromeda-Galaxis fliegen unterhalten: keiner von ihnen bestreitet die Richtigkeit der Relativitätstheorie, kaum einer glaubt wirklich, dass sich die Grenzgeschwindigkeit Lichtgeschwindigkeit tatsächlich irgendwie "umgehen" ließe.
Sowohl der empfindungsfähige, sich seiner Selbst bewusste Computer wie das interstellare Raumschiff sind überaus dankbare Erzählvehikel.

Dabei neigen SF-Autoren tendenziell eher dazu, sich eine "harte" KI als "menschlich" vorzustellen. Das gilt sogar dann, wenn vom Plot her eher eine "nicht-menschliche" harte KI nahe läge. Das bekannteste Beispiel ist der Computer HAL 9000 aus Arthur C. Clarkes "2001 - Odysee im Weltraum" und "2010 - Da Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen". (Wobei ich mich auf die Buchfassung beschränke.) Eigentlich läge es nahe, die buchstäblich "mörderische" Fehlfunktion HALs als Reaktion einer Maschinen, die zwar wirklich denkt, aber in völlig anderen Bahnen als ein menschliches Gehirn denkt, zu beschreiben. Aber schon im Buch zu "2001" beschreibt Clarke HALs Verhalten menschen-analog als "elektronische Neurose", in "2010" lässt er keine Zweifel, dass die neuronalen Computer der 9000er-Serie tatsächlich ähnlich wie Menschen denken und fühlen (und sogar träumen, wenn sie schlafen bzw. auf Stand-By stehen).

Dass das so ist, liegt nicht allein am Mangel an Phantasie, sich eine nicht-menschliche Intelligenz vorzustellen.
Unzählige Alien-Geschichten, in denen die Denkprozesse und Motive der Außerirdischen völlig rätselhaft bleiben, zeigen, dass es ohne weiteres ginge. Es gibt ja tatsächlich Roboter-Geschichten mit völlig "unmenschlich" handelnden Robotern - und fast alle gehen in die Richtung Horror.
Es liegt daran, dass wir eine nicht-menschliche KI nicht "intuitiv" einschätzen können, und sie daher automatisch bedrohlich wirkt.
Genial zeigte das schon vor über 60 Jahren ein Zeitgenosse und persönlicher Bekannter Allan Turings, John Wynham. Seine "Humanoiden" sind so programmiert, dass sie, frei nach Asimovs drei Robot-Gesetzen, jeden Schaden vom Menschen abwenden und es nicht zulassen, dass durch ihre Untätigkeit ein Mensch zu Schaden kommt. Das Problem: die Humanoiden denken dabei nicht in menschlichen Bahnen, weshalb sie "irrationale" menschliche Bedürfnisse wie dem nach Selbstbestimmung verkennen und ihre Fürsorge in unentrinnbare Tyrannei mündet.

Nicht nur SF-Autoren gruselt es beim Gedanken an "harte KI". Der Robotik-Experte Martin Buss sagte:
Es ist eine Glück, dass wir das Prinzip des menschlichen Gehirns nicht kennen. Sonst könnte man es einfach in Halbleiter gießen, und wir hätten eine Maschine, die eine Million mal schneller denken kann als der Mensch.
Buss ist sich anscheinend sicher, dass selbst eine perfekte "Siliziumkopie" eines menschlichen Gehirns schon aufgrund der Arbeitsgeschwindigkeit nicht-menschlich oder eigentlich un-menschlich wäre. Jedenfalls in dem Sinne, dass es uns in einer Weise überlegen wäre, dass wir seine Handlungen unmöglich nachvollziehen können.

Ich vermute, dass jede "harte" KI notwendigerweise eine nicht-menschliche KI sein wird, egal, ob mit "Bewußtsein" oder ohne. Und ich kann nicht sagen, dass mir der Gedanke an solch eine KI behagt. Da träume ich lieber von so "menschlichen" Computern wie HAL 9000 oder Asimovs positronischen Robotern. Auch wenn ich weiß, dass sie technisch so unwahrscheinlich sind wie ein Überlicht-Triebwerk.

Köppnick - 13. September, 09:26

Am Ende seines Buchs äußert Martin Dresler einen ähnlichen Gedanken:
Um seine Funktion als Werkzeug zu erfüllen, benötigt ein Computer keine Personalität; für echte Personalität hingegen werden keine Computer benötigt - Menschen bringen diese milliardenfach auf natürlichem Wege hervor.' Entgegen Searles Argumentation wäre der Versuch einer Erschaffung 'wirklicher' komputationaler Intelligenz damit schlicht „more likely irrational than impossible."
Ich habe mal einen Bekannten gefragt, warum man auf diesem Gebiet arbeitet. Die einzige wirklich plausible Antwort: "Weil es interessant ist." Brauchen tun wir bewusste Maschinen nicht.

Thomas Metzinger sieht das Ganze noch kritischer, siehe hier, gegen Ende des Artikels. (Sein Bewusstseinsmodell am Anfang des Artikels ist mir zu schwer verdaulich.)
bl (Gast) - 12. September, 19:59

Können Maschinen Bewusstsein entwickeln?

Ich denke, dass es nicht auf die Art, wie Du es in dem Artikel angerissen hast, geschehen kann. Aber es gibt eine Aussage von einem gechannelten Wesen, das beschrieben hat, wie es in ihrer Zivilisation funktioniert. Das Wesen ist Bashar, ein Essassani, eine humanoide Rasse aus der Zukunft, die in der 5. Dimension lebt. Bashar selber ist mit seinem Raumschiff sehr oft im Sonnensystem und übermittelt meistens tiefe Einblicke in das Bewusstsein und auf Anfrage eben auch Information über Technik und Lebensweise der Essassani. Es gibt auf der Website DVDs, die sich mit den technischen Aspekten der Essassani beschäftigen (bashar.org). Wer natürlich Schwierigkeiten hat, mit dieser Art von Information umzugehen, kann das ganze als Science Fiction begreifen...

Die Raumschiffe sind Ausdehnungen der Persönlichkeit und auf diese Weise natürlich intelligent und zwar so weit, wie es die Persönlichkeit für notwendig hält. Diese Raumschiffe werden auch nicht gebaut, so wie wir das kennen, sondern generiert. Für Menschen erscheint das wie Magie, aber für eine fortgeschrittenere Rasse ergibt sich das aus dem Wissen, das sie haben. Das Ganze funktioniert aufgrund von Synchronizitäten: Absicht der Persönlichkeit und Manifestation mittels Wahrnehmung durch das "höhere" oder ausgedehnte Selbst - das ganze Selbst. Die Persönlichkeit muss nicht wissen, "wie" es funktioniert, sondern sie muss nur wissen, "was" sie will, denn

Das ganze Selbst - konzipiert
Das Gehirn - rezipiert
Der Verstand - perzipiert

Das Gehirn ist also nur die Schnittstelle und "denkt" nicht selber. Genau so funktioniert es - laut Bashar - auch auf der Erde. Allerdings lassen die Menschen gewöhnlich nur einen Bruchteil der Informationen ihres ganzen Selbst zu. Und selbstverständlich spiegeln sich die erhaltenen Informationen auch in der Hardware. Der Mensch verändert sich, manchmal so stark, dass man es auch in der Physiognomie erkennen kann.

Also möglicherweise ist alles einfacher... Die Essassani haben, so viel ich weiß, keine Roboter, weil sie diese nicht brauchen. Aber wenn sie welche hätten, wären es mehr oder weniger temporäre Ausdehnungen ihrer selbst.

Übrigens: Sie "reisen" nicht. Sie sind hier und dann dort. Der Raum kollabiert sozusagen wenn sie eine andere Frequenz einstellen...

MMarheinecke - 12. September, 22:08

Ist das Science Fiction (als solche ist das akzeptabel, wenn auch nicht gerade originell) oder etwa ernst gemeint?

Ich frage, weil ich im Bereich der Esoterik und speziell auf dem der "gechannelten Botschaften" schon auf noch bizarrere und versponnenere Behauptungen stieß - die von ihren Anhängern völlig für bare Münze genommen werden.

Nachtrag: Ich fürchte nach Besuch der Website, dass diese unlogische und vor schlecht gemachter Pseudowissenschaft strotzende Spinnerei (sorry, anders kann ich es nicht nennen) ernst gemeint ist.
Das schreibe ich übrigens nicht, weil ich Esoteriker-Fresser, phantasieloser Materialist oder verkappter Inquisitor wäre. Dazu habe ich schon zu viele schamanische Reisen hinter mir ...
bl (Gast) - 13. September, 08:39

Man muss natürlich gar nichts "für bare Münze" nehmen - auch nicht die kleinen Erkenntnisse der aktuellen Wissenschaft, der man vorwerfen kann, dass die Wissenschaftler gewissermaßen außen vor bleiben. Sie begreifen sich scheinbar als getrennt von ihrer Wahrnehmung - als in die Welt "geworfen", wie die Philosophen zu sagen belieben, dabei ist alles "Innen" - auch das "Außen".

Die ganze Welt - das Universum, alles, was man wahrnimmt, ist eine Ausdehnung des Menschen (was ich "originell" genug finde) und wenn man Intelligenz erschaffen will, dann muss man zuallererst diese Intelligenz bei sich selber zulassen. Erst dann kann man intelligente - verstehende - Maschinen erschaffen. Die aktuellen Maschinen spiegeln übrigens den Intelligenzquotienten ganz deutlich. Es gibt die "guten Maschinen", wie Bagger, Traktoren, Fließbänder, etc. und die "bösen" Maschinen, zu denen die ganze Kriegsmaschinerie zählt. Computer steuern beide. So gesehen kann man nur froh sein, dass die Wissenschaftler nicht mehr bewerkstelligen können. Sie sind eben im "Wie" verhaftet...

BTW: Ich finde die Website von Bashar auch ganz schlecht gemacht. Aber um sich wirklich ein Bild machen zu können, muss man ihm zuhören. Bei YouTube gibt es z.B. jede Menge Videos. Und außerdem - die herkömmliche "Logik" muss natürlich auch dramatisch erweitert werden...
Köppnick - 13. September, 09:15

@BL
Von Bashar hats du schon mal geschrieben. Ich lese gerade das Buch von Omnec Onec: "Ich kam von der Venus" (Autobiographie). In der Einleitung schreibt die deutsche Herausgeberin Gisela Bongart, dass ihr das Vorhaben zunächst extrem lächerlich erschien, aber sie spätestens der persönliche Kontakt mit der Autorin auf einem Ufo-Treffen überzeugt hat. Nun ist es ja so, dass man, wenn man Ufo-Treffen überhaupt besucht, bereits eine gewisse Affinität dem Thema gegenüber mitbringt. Aber es interessiert mich trotzdem, mit welchen Mechanismen Menschen dazu veranlasst werden, anderen Menschen Dinge zu glauben, die wissenschaftlich nicht bewiesen werden können bzw. sogar im Widerspruch zur aktuellen Physik stehen.

Du solltest nicht versuchen, dich über die wissenschaftliche Methodik bzw. die Methoden der Logik zu echauffieren, damit begibst du dich auf ein Terrain, auf dem du immer verlieren wirst.
bl (Gast) - 13. September, 16:25

"Aber es interessiert mich trotzdem, mit welchen Mechanismen Menschen dazu veranlasst werden, anderen Menschen Dinge zu glauben, die wissenschaftlich nicht bewiesen werden können bzw. sogar im Widerspruch zur aktuellen Physik stehen."

Der "Mechanismus" ist die Fantasie, die Vorstellung, die Vision - eben das, was schon immer zu Entdeckungen und Erfindungen geführt hat. Und wie Du selber schreibst, stehen diese Vorstellungen möglicherweise im Widerspruch zur aktuellen Physik. Aber was heißt das schon... Und es geht nicht darum, "anderen Menschen" oder Wesen zu glauben, sondern um Impulse, die man so oder so pausenlos aufnimmt und die selbstverständlich geprüft werden müssen. Aber es ist doch wohl offensichtlich, dass man ohne Fantasie und Ideen nichts Neues erfinden kann.

Ach, und ich "echauffiere" mich nicht über die Logik. Aber es ist doch offensichtlich, dass die aktuelle Logik nur ein Nebenprodukt der aktuellen Überzeugungen ist, so wie die Moral. Kein Grund, diese Logik mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Es gibt nichts zu "verlieren"... -)
Peter42 - 12. September, 22:50

Warum sollte man bei einer künstlichen Intelligenz nicht das gleiche Problem zwischen vollständig beschreibbarem "Bauteil" und hochkomplexem Endprodukt haben? Wenn ich den Sprung vom Neuron zum bewussten Menschen nur durch Emergenz beschreiben kann, warum sollte dies dann für z.B. Transistoren anders sein? Eine künstliche Intelligenz wird, falls sie möglich ist, eben keine einfache prozedurale Turing-Maschine sein können. Ansonsten würde ich zurück schließen, dass man aus dem Erregungszustand der Neuronen auch den mentalen Zustand eines Gehirns beschreiben könnte. So gesehen bringt das Gedankenspiel wenig.

Mehr intuitiv als durchdacht gefällt mir der Gedanke Penroses da am besten. Die Komplexität eines Gehirns ist sicherlich um ein vielfaches höher, als die Beschreibung der Entstehung. So wie man mit einer einfachen Iterationsvorschrift (die Rückwirkung macht's möglich) eine hohe Komplexität des Endproduktes erreichen kann, ist es vielleicht eher möglich den Prozess des Entstehens einer Intelligenz nachzubilden. Die Reduktion der nötigen Information auf ein handhabbares Maß scheint mir elementar.

Die Frage nach dem Bewusstsein bleibt für mich aber weiter ein nasses Stück Seife.

P.S. Die Variante des Zimmers mit muttersprachlichem Inventar war mir bisher unbekannt und hilft sehr schön Denkfehler zu vermeiden.

Köppnick - 13. September, 09:29

Ja Emergenz ist in vielen Fällen eine mögliche Antwort, man muss aber aufpassen, dass man es nicht als Alibi für eigene Faulheit, die Ursachen zu erforschen, missbraucht. In Bezug auf das Bewusstsein scheint es mir aber der beste Ansatz zu sein.
Peter42 - 18. September, 23:03

Eben. Aber was nutzt es ein Gehirn nachbauen zu wollen, wenn man das Prinzip gar nicht verstanden hat. Oder anders, das, was die Emergenz ausmacht ist unabhängig vom Substrat und daher Kernproblem.

Um zum chinesischen Zimmer zurückzukommen, entspricht das Bewusstsein vielleicht in Analogie zur Quantenmechanik den verborgene Variabeln, die Einstein Zeit seines Lebens gesucht hat? Wie würde dann wohl die analoge Bell'sche Ungleichung aussehen?

Bei vielen Versuchen über KI fällt auf, dass immer über Regeln (womöglich billiges Lisp), aber selten über Daten gesprochen wird. Man stelle sich nur vor, was wir im Laufe unseres Lebens an Weltwissen aufnehmen und daraus erst Regeln (viele intuitiv) aufbauen. Das Bewusstsein wäre dann so etwas wie der Datenzeiger für die aktuelle Bearbeitung, auch wenn im Hintergrund neue Daten eingepflegt werden oder der Index neu aufgebaut wird etc. pp.
ww - 13. September, 15:25

turing und so

@ köppnick

a)
mit vergnügen erinnere ich mich an die nenschdiskussionen zu Searle und den Churchlands. Und an die (deine) Präferenz für Emergenzkonzepte.

b)
Churchland und Searle:
Hier etwa im letzten Drittel findet man eine Darstellung der Analogieargumente:

http://www.nensch.de/story/2005/1/31/224524/025

c)
In welchem Forum kann man Dreslers kommentar finden?

greets

ww

Köppnick - 13. September, 15:48

Danke für den Nenschlink, good old times. Inzwischen habe ich die Hoffnung begraben, dass JB einen Neustart macht. Ich vermute, die Zeiten für einen solchen universalistischen Ansatz sind eh vorbei.

Für dich lohnt sich das Buch ganz bestimmt, weil du viel über das Thema weißt und sicher auch keine Schwierigkeiten damit hast, beim Lesen laufend zwischen Deutsch und Englisch zu wechseln, denn Dresler hat fast alle Zitate in Englisch angegeben. Ich hatte da manchmal schon Mühe.

Das Forum ist eins für Mensaner. Wäre es allgemein zugänglich, hätte ich den Link gepostet. Ausführliche Diskussionen sind dort eher selten, aber manchen guten Tipp kriegt man und sinnlos gepöbelt wird auch nicht, aber einen guten Ironiedetektor braucht man.
Köppnick - 14. September, 10:02

Ich habe den Nensch-Artikel nochmal gründlicher gelesen, ein paar Anmerkungen:
d) Ein Computer kann wohl kaum „Fehler” oder Defizite einbauen, um vorzutäuschen, er sei ein Computer. Und er dürfte wohl auch von seinem Programmierer so bestückt sein, dass er die Voll-Leistung bringt. (d1) Es sei denn, es sei ein nahezu menschlicher Computer mit Gefühlen, Intentionen und Verstellungsmöglichkeiten und Freude am Tricksen (d2).
...
ENZYKLOPEDIE. ... „Enzyklopädie”.
Bei heutigen Schachprogrammen besteht eine der wesentlichen Aufgaben der Programmierer darin, ihnen bezubringen menschliche Fehler zu machen. Im Normalmode sind sie für Menschen zu stark. Ein einfaches Herunterrregeln der Rechenleistung würde aber dazu führen, dass sie typische Computerschachfehler machen. Also wird das vorhandene Mehr an Rechenleistung explizit zur Täuschung verwendet.

Nicht der Computer baut die Fehler ein, sondern der Programmierer Algorithmen, die entweder gewollt oder ungewollt Fehler erzeugen. Die Fallunterscheidung ist nicht haltbar. Sie existiert nur aus der Sicht eines menschlichen Wesens, der Sinn erkennt oder nicht. Sie ist nicht beobachterunabhängig.
Immerhin, KI-Experten wie der Augsburger Professor Mainzer behaupten, dass, zumindest prinzipiell, Programme schreibbar seien, welche es Computern ermöglichen, sprachliche Äusserungen in Syntax und Semantik verstehen und entsprechende Fragen zu beantworten. Man kann die skeptische These vertreten, dass im Moment keine Programme existieren, die dazu imstande sind. Und ob das in Zukunft machbar ist, sei sehr die Frage - angesichts der Komplexität des Sprachverstehens.
Betrachtet man einen Computer als ein offenes System, dann kann man mit gutem Grund annehmen, dass ein guter Teil der Semantik von außen kommt, und zwar in zweierlei Hinsicht: Das Textverständnis des Computers beruht auf der Analyse von Texten, die er gelesen hat, und das Ergebnis wird im Speicher abgelegt. Nicht anders ist das beim Menschen. Die Beurteilung des Textverständnisses erfolgt ebenfalls von außen, durch denjenigen der das Textverständnis "prüft". Wenn es einen Unterschied zwischen Mensch und Maschine geben sollte, dann müsste man den woanders finden. Heute vielleicht noch in der Intentionalität, denn die Maschinen verfolgen keine eigenen Ziele, die für ihre eigene Existenz eine Bedeutung haben - aber das kann sich ja in der Zukunft ändern. Es ist unsere Entscheidung, ob wir das wollen. Womit wir wieder beim Sinn der starken KI wären.
ww - 14. September, 10:33

Beobachter

"Nicht der Computer baut die Fehler ein, sondern der Programmierer Algorithmen, die entweder gewollt oder ungewollt Fehler erzeugen. Die Fallunterscheidung ist nicht haltbar. Sie existiert nur aus der Sicht eines menschlichen Wesens, der Sinn erkennt oder nicht. Sie ist nicht beobachterunabhängig. (Köppnick)"

Ja, das bedeutet:

Findet der Prüfer (Judge) in einem Touringtest bei seinem im Status fraglichen Partner "menschliche Fehler" und weiß der Proband um die mögliche Programmierung zum Fehlermachen, dann ist für ihn nicht mehr entscheidbar, ob KI vorliegt oder nicht.

Daraus aber in einer bestimmten Touringinterpretation abzuleiten, dass KI menschlicher Intelligenz gleich ist, scheint problematisch.

Weiß der Proband nicht um diese Möglichkeit einer Fehler-Programmierung, so wird er fälschlich annehmen, dass es sich um keinen Computer handlen kann. Auch in diesem Fall ist die Ausgangslage des Touringtests problematisch. Und damit wohl seine Diagnosequalität.

Das hinwiederum würde nahelegen, die "intersubjektive Perspektive der dritten Person als Differenzierungskriterium" in bestimmten Untersuchungsbereichen als nicht ausreichend zu verdächtigen.

Mit guten Gründen?

Köppnick - 14. September, 13:56

Genau. Der Denkfehler besteht darin zu glauben, ein (beliebiger) Test könnte eine Aussage treffen, ohne den Prüfer zu berücksichtigen. Wenn wir aber Wittgenstein (es gibt keine Privatsprache) und die Physik (der Beobachter ist immer involviert) ernst nehmen, steht nicht das getestete System auf dem Prüfstand, sondern mindestens beide Gesprächsteilnehmer, dazu die Eigenschaften des Kommunikationskanals, ihre Erfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt usw. Wenn wir beide zum Beispiel denselben Set von Prüflingen bekommen, wirst du andere als tumbe Maschinen aussortieren als ich.

Ich hatte es ja schon geschrieben, dass ich a) daran glaube, dass Maschinen Bewusstsein, also eigenes Erleben entwickeln können und b) ob wir das dann Bewusstsein nennen, davon abhängt, wie wir diesen Begriff definieren. Es ist eine reine Definitionsfrage, ob wir einer Maschine, bei der ein Teil der Schaltkreise zu verbrennen beginnt und die sich dem zu entziehen sucht, Angst oder Schmerz oder etwas Derartiges zuschreiben. In jedem Fall ist dieses Verhalten dann intentional. Wenn man so will, kämpft sie um ihr Leben oder ihre Gesundheit - auch hier wieder nur, wenn wir ihre Ziele mit menschlich geprägten Begriffen etikettieren. Vielleicht wäre das das ultimative Kriterium: Wenn wir bemerken, dass eine Entität Ziele verfolgt, die nicht wir ihr gegeben haben und sie dabei für uns offensichtlich planvoll zwischen verschiedenen Alternativen auswählt, dann erfüllt sie das Kriterium. Das Ziehen des Steckers ist ab diesem Zeitpunkt unethisch.

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Kommentare hier ...

lach.... ich bin im stern...
lach.... ich bin im stern *
rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
Oje, das mit der Halswirbelsäule ist an mir vorbeigegangen. Das...
steppenhund - 2. Dezember, 11:07
Denk an meine Halswirbelsäule...
Denk an meine Halswirbelsäule und meinen schmerzenden...
Köppnick - 30. November, 22:22
Nanu, gar ken Kommentar?...
Nanu, gar ken Kommentar? :)))
steppenhund - 30. November, 20:45
Fachwörter und deren...
Die Autorin präferiert eine sehr restringierte...
Count Lecrin - 30. November, 19:53
passend zu diesen erkenntnissen:
mit 3 freust du dich, wenn du keine windeln brauchst. mit...
la-mamma - 30. November, 19:43
Ich möchte Ihnen...
Ich möchte Ihnen gehörig Respekt zollen,...
Count Lecrin - 30. November, 19:34
Mail geschickt.)
Mail geschickt.)
steppenhund - 28. November, 16:28
Nein, wir haben uns noch...
Nein, wir haben uns noch nicht bemailt. Meine Adresse...
Köppnick - 28. November, 15:46
Ich bilde mir ein, dass...
Ich bilde mir ein, dass wir schon Email-Kontakt hatten....
steppenhund - 28. November, 15:02
Mit dem Schreibfehler...
Mit dem Schreibfehler hast Du vollkommen recht. Vor...
steppenhund - 28. November, 14:56
Ich nehme an, dass in...
Ich nehme an, dass in deinen beiden Listen die ersten...
Köppnick - 23. November, 10:57