Schweinegrippe
Am letzten Wochenende hatte ich Gelegenheit zu einem längeren Plausch mit einer Ärztin. Irgendwann kam das Gespräch auf die Schweinegrippe. Ich sagte, dass ich mich nicht impfen lassen würde und das gegen Grippe auch noch nie getan habe. Sie pflichtete mir bei, sie hielte das genauso. Inzwischen sei aber die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass man Personal öffentlicher Einrichtungen zwangsweise impfen würde. Na wenn das mal nicht ein toller Erfolg der Pharmalobby ist!
Es ist schon erstaunlich, wie leicht und schnell es beim Geschäft mit der Angst gelingt, Massen und Gelder zu mobilisieren. Obwohl alles darauf hindeutet, dass diese Form der Grippe zu harmloseren Krankheitsverläufen als andere Grippeformen führt, scheint der Präfix "Schweine" unterbewusste Ängste hervorzurufen, so wie es zuvor nur mit "Vogel" gelungen ist. Vielleicht wächst uns ja allen ein Ringelschwänzchen?
Elementare Biologiekenntnisse bleiben da auf der Strecke. Ein Virus ist nichts weiter als ein Stück Erbmaterial, das von ein paar Proteinen umgeben ist. Gelingt es diesem, in eine Zelle einzudringen, nutzt er deren Reproduktionsapparat, um weiteres eigenes Erbmaterial und eigene Proteine herzustellen, die sich zu neuen Viren zusammensetzen, er vermehrt sich also. Da das Immunsystem irgendwann darauf reagiert und das fremde Leben bekämpft, können auf Dauer nur Viren erfolgreich sein, die mutieren. Aus diesem Grund gibt es jedes Jahr eine andere Grippevirenvariante, auf die sich unser Immunsystem erst einstellen muss.
Je nach Gesundheitszustand gelingt das verschiedenen Menschen unterschiedlich gut. Bei mehreren Millionen Grippefällen pro Jahr in Deutschland ist immer auch mit einigen Zehntausend Toten zu rechnen. Das ist völlig normal. Besser als ich es kann, wird das von Wolfgang Wodarg erklärt: Schweinegrippe - Das Geschäft mit der Angst. Der Autor ist Arzt und als Mitglied des Bundestages sowohl im Bundestagsausschuss für Gesundheit als auch im entsprechenden Ausschuss der Europäischen Union vertreten. Er schreibt unter anderem:
Auch die politischen Diskussionen verändern sich. Karl Lauterbachs Äußerung, die Krankenkassen hätten genügend Geld, um die Impfungen zu bezahlen, werden völlig missverstanden. Denn natürlich ist genügend Geld da, weil es auch in den Vorjahren für die Grippeschutzimpfungen gereicht hat. So aber geht der eigentliche Fakt vollkommen unter, nämlich dass hier unter dem Deckmäntelchen der Grippeangst mehr Geld in die Pharmaindustrie und die Krankenkassen gespült werden soll.
Und es gibt noch Brisanteres. Aus einem Interview mit Wolfgang Wodarg (Was Sie schon immer über Impfungen vor einer Grippewelle wissen wollten):
Kategorien: Politik, Medizin
Es ist schon erstaunlich, wie leicht und schnell es beim Geschäft mit der Angst gelingt, Massen und Gelder zu mobilisieren. Obwohl alles darauf hindeutet, dass diese Form der Grippe zu harmloseren Krankheitsverläufen als andere Grippeformen führt, scheint der Präfix "Schweine" unterbewusste Ängste hervorzurufen, so wie es zuvor nur mit "Vogel" gelungen ist. Vielleicht wächst uns ja allen ein Ringelschwänzchen?
Elementare Biologiekenntnisse bleiben da auf der Strecke. Ein Virus ist nichts weiter als ein Stück Erbmaterial, das von ein paar Proteinen umgeben ist. Gelingt es diesem, in eine Zelle einzudringen, nutzt er deren Reproduktionsapparat, um weiteres eigenes Erbmaterial und eigene Proteine herzustellen, die sich zu neuen Viren zusammensetzen, er vermehrt sich also. Da das Immunsystem irgendwann darauf reagiert und das fremde Leben bekämpft, können auf Dauer nur Viren erfolgreich sein, die mutieren. Aus diesem Grund gibt es jedes Jahr eine andere Grippevirenvariante, auf die sich unser Immunsystem erst einstellen muss.
Je nach Gesundheitszustand gelingt das verschiedenen Menschen unterschiedlich gut. Bei mehreren Millionen Grippefällen pro Jahr in Deutschland ist immer auch mit einigen Zehntausend Toten zu rechnen. Das ist völlig normal. Besser als ich es kann, wird das von Wolfgang Wodarg erklärt: Schweinegrippe - Das Geschäft mit der Angst. Der Autor ist Arzt und als Mitglied des Bundestages sowohl im Bundestagsausschuss für Gesundheit als auch im entsprechenden Ausschuss der Europäischen Union vertreten. Er schreibt unter anderem:
Grippeviren leben und vermehren sich in Menschen, Schweinen, Vögeln, Pferden, Nerzen, Walen, Seehunden und anderen Arten und sind auch außerhalb dieser Wirte lange haltbar. Ob Influenza A oder B, sie können sich nur ausbreiten, wenn sie Wirte finden, die noch nicht immun gegen sie sind. Deshalb ändern Grippeviren ihren molekularen Aufbau laufend. Sie tun das innerhalb eines Stammes (Gen-Drift) oder zwischen unterschiedlichen Stämmen, die sich in einem Wirt treffen. (Gen-Shift).In der Tat ist das das eigentlich Neue an den "Vogel"- und "Schweine"grippen - das Geschäft mit der Angst wurde perfektioniert. Jedenfalls funktioniert das jetzt so gut, dass bereits die öffentlich geäußerte Vermutung irgendeines Mediziners oder Politikers, die Zahl der Medikamente könnte nicht für alle reichen, dazu führt, dass ein Ansturm auf die Apotheken einsetzt und die entsprechenden Medikamente dann tatsächlich ausverkauft sind - obwohl sie eigentlich niemand benötigt. Und was noch viel schlimmer ist, die unbedarfte und großflächige Anwendung von Tamiflu hat zur Herausbildung der ersten resistenten Stämme geführt, was in einem medizinisch wirklich notwendigen Fall die Überlebenswahrscheinlichkeiten der Betroffenen verringert.
Die letzte Grippewelle lief von Weihnachten 2008 bis Ende Februar 2009 vom Nordwesten Deutschlands bis in den Südosten und führte in Spitzenzeiten mit der Diagnose akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) zu etwa 2000 zusätzlichen Arztbesuchen pro Woche pro 100 000 Einwohner. Das sind schätzungsweise 10 bis 20 Millionen zusätzlicher Arztbesuche pro "Grippe"-Welle. Das Robert-Koch-Institut rechnete bisher immer mit pro Jahr etwa 5 Millionen Infizierten und einer hierdurch bedingten Übersterblichkeit von ca. 10000 - 20000 Fällen in Deutschland. Zum Schutz gegen die alljährliche "Grippe" wurden bisher überwiegend die Risikopatienten geimpft, also über 60jährige, chronisch Kranke und Menschen mit hohem aktivem oder passivem Infektionsrisiko. Das sind in Deutschland etwa 28 Millionen Menschen. Von ihnen ließ sich aber jeweils nur ein Teil impfen: die Hälfte der Alten, zwei Drittel der chronisch Kranken und ein Viertel der im Gesundheitswesen Tätigen. Insgesamt ließen sich in den vergangenen Jahren maximal etwa ein Viertel aller Menschen in Deutschland gegen Grippe prophylaktisch eine Spritze verabreichen. An die jährliche Influenza-Gefahr haben wir uns so sehr gewöhnt, dass es noch nicht einmal eine Meldepflicht für die Erkrankungsfälle gibt.
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Wenn in Vorjahren immer wieder Millionen Grippekranke in Deutschland ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, so war das also eine Routineangelegenheit des Gesundheitssystems. Jetzt wird der jährlich zu erwartende Durchzug der Influenza-Pandemie offenbar unter jeweils neuem Namen zu einer werbewirksam drohenden Katastrophe aufgeblasen.
Auch die politischen Diskussionen verändern sich. Karl Lauterbachs Äußerung, die Krankenkassen hätten genügend Geld, um die Impfungen zu bezahlen, werden völlig missverstanden. Denn natürlich ist genügend Geld da, weil es auch in den Vorjahren für die Grippeschutzimpfungen gereicht hat. So aber geht der eigentliche Fakt vollkommen unter, nämlich dass hier unter dem Deckmäntelchen der Grippeangst mehr Geld in die Pharmaindustrie und die Krankenkassen gespült werden soll.
Und es gibt noch Brisanteres. Aus einem Interview mit Wolfgang Wodarg (Was Sie schon immer über Impfungen vor einer Grippewelle wissen wollten):
Frage: Welche Nebenwirkungen gibt es?Das wird natürlich von der Pharmaindustrie nicht kommuniziert, weil es genau die entgegengesetzten Ängste hervorrufen könnte. Die Menschen würden sich dann nicht mehr vor der Grippe, sondern vor der Impfung fürchten - weil sie nicht an einem großangelegten Menschenversuch der Pharmaindustrie teilnehmen wollen!
Wodarg: Bei den jetzt angekündigten neuen Impfstoffen ist das völlig offen. Novartis benutzt kein Hühnereiweiß sondern Krebszellen, um den Impfstoff anzuzüchten. Das birgt natürlich ein bisher nicht abschließend bewertetes Risiko! Beim alten Impfstoff treten manchmal Allergien oder kurz dauernde allgemeine Symptome wie bei einer leichten Grippe auf. Auch kommt es bei ihr manchmal zu Reaktionen an der Injektionsstelle am Oberarm und zu einigen sehr seltenen weiteren Nebenwirkungen.
Frage: Ist die Impfung überhaupt zugelassen bzw. wurden die gleichen Anforderungen erfüllt die sonst für die Zulassung von Medikamenten gelten?
Wodarg: Einige Impfstoffe haben noch keine dezidierte Zulassung, weil ihre endgültige Zusammensetzung noch nicht feststeht. Es ist aber das Herstellungsverfahren mit den dann jeweils einzusetzenden Virustypen grundsätzlich zugelassen. Voraussagen sind schwierig. Neu ist derzeit das Verfahren von Novartis.
Ein Impfstoff von Novartis mit dem Handelsnamen Fluad wurde schon häufig angewandt. Er wird nicht auf Krebszellen gezüchtet sondern enthält als Innovation einige Adjuvantien (Hilfsstoffe), die dafür sorgen sollen, dass mit geringerer Impfdosis die gleiche Immunität erreicht wird wie bei früheren Produkten. Ähnliche Impfstoffe bieten auch andere Firmen, wie zum Beispiel Glaxo-Smith-Kline an. Nur die Neuentwicklung "Optaflu" von Novartis wird nicht auf Hühnereiweiß sondern auf Krebszellkulturen angereichert. Impfstoffe dieser neuen Produktionslinie werden derzeit in Bayern an mehreren Tausend Menschen klinisch erprobt. Wichtig wäre meines Erachtens bei einer solchen Testung, den Beobachtungszeitraum so weit auszudehnen, dass auch spät auftretende Krebserkrankungen durch Verunreinigungen des auf risikoreichen Zellen gezüchteten Impfstoffes ausgeschlossen werden können. Ich halte ihn für die Anwendung in der kommenden Grippesaison nicht für geeignet."
Kategorien: Politik, Medizin
Samstag, 15.August 2009
Gefährliche Pandemien treten auf, wenn der Erreger leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und der Krankheitsverlauf schwer ist. H5N1 war gefährlich, aber kaum ansteckend. H1N1 ist leicht ansteckend, hat aber einen milden Verlauf. Bzgl. H1N1 ergibt sich wohl zweifellos, dass das Risiko einer Mutation, die einen schweren Krankheitsverlauf verursacht, ebenso ansteigt wie die Zahl der Infizierten.
Mir fallen auf die Schnelle nur zwei Viren ein, die aus dem von Wodarg und anderen als Standard genannten Fällen herausfallen: Der erste Fall ist die Spanische Grippe (H1N1!). Hier wird üblicherweise die erhöhte Mortalität bei Menschen mittleren Alters mit der (zu) heftigen Antwort (Überrreaktion) des Immunsystems erklärt. Der zweite atypische Fall ist Aids. In diesem Fall sind es Retroviren, die das Immunsystem selbst lahmlegen und selbst genetisch extrem variabel sind.
Wir können auch mal die Vogelgrippe als Beispiel nehmen. Googelt man nach "Tote durch Vogelgrippe in Deutschland" erhält man: Nichts. Aber die damalige Panik war entscheidend an der Unbrauchbarmachung von Tamiflu beteiligt.
Vermutlich wäre der derzeitige Hype auch ganz schnell zu Ende, wenn die Politik mal Nägel mit Köpfen machen und der Pharmaindustrie ankündigen würde, dass man sie im Falle einer wirklich großen Pandemie unter staatliche Aufsicht stellen und sich die benötigten Medikamente im nationalen Interesse kostenlos holen würde.