Links-Rechts-Feldforschung
Manchmal lese ich Artikel, die sowohl Abschnitte enthalten, denen ich zustimmen würde, als auch solche, die ich für Blödsinn halte, die objektiv betrachtet ziemlich unwissenschaftlich sind und die man eigentlich unter der Kategorie seichtes Wissenschafts-Entertainment abtun könnte, die mir aber trotzdem tagelang nicht aus dem Kopf gehen. Ein solcher Artikel ist "Links-Rechts-Feldforschung" aus "Zeit Wissen" Nr. 5 August/September 2009.
In dem Beitrag wird über psychologische Untersuchungen berichtet, die sich mit den Unterschieden zwischen "Linken" und "Rechten" befassen. Eigentlich fangen damit die Schwierigkeiten schon an, denn was ist "links" und was ist "rechts" bzw. genauer "konservativ"? Ein Großteil der berichteten Ergebnisse wurde in den USA gewonnen, deshalb kann man annehmen, dass mit "links" meist die Demokraten und mit "rechts" die Republikaner gemeint sind. Diese Schemata lassen sich nur bedingt auf europäische Verhältnisse übertragen.
Besonders skurril wirken die Bildunterschriften unter Aufnahmen der Büros von Franz Müntefering, Renate Künast, Klaus Wowereit, Karl-Theodor zu Guttenberg, Angela Merkel und Horst Köhler:
Kategorie: Alltag
In dem Beitrag wird über psychologische Untersuchungen berichtet, die sich mit den Unterschieden zwischen "Linken" und "Rechten" befassen. Eigentlich fangen damit die Schwierigkeiten schon an, denn was ist "links" und was ist "rechts" bzw. genauer "konservativ"? Ein Großteil der berichteten Ergebnisse wurde in den USA gewonnen, deshalb kann man annehmen, dass mit "links" meist die Demokraten und mit "rechts" die Republikaner gemeint sind. Diese Schemata lassen sich nur bedingt auf europäische Verhältnisse übertragen.
KINDHEITWie will man das denn beobachtet haben? Hat man Konservative und Linke befragt, wie sie in ihrer Kindheit waren? Oder hat man Kinder beobachtet, die Ergebnisse notiert und dann 30 Jahre später mit ihrem Wahlverhalten verglichen? Wahrscheinlich wurden hier eher die Eltern, deren politische Präferenzen man kennt, und ihr Erziehungsstil bewertet. Es ist zwar wahrscheinlich, dass Kinder später ähnliche politische Ansichten wie ihre Eltern entwickeln werden, aber das ist nicht sicher und außerdem wäre dann nicht der Charakter der Kinder sondern der Erziehungsstil primär verantwortlich.
Als Dreijährige wirken die späteren Linken kompetent, autonom und ausdrucksfreudig, und sie verlassen sich gern auf sich selbst. Die späteren Rechten zeigen als Dreijährige einen Hang zu Schuldgefühlen, mögen keine Unsicherheiten und erstarren bei Schwierigkeiten. Auch als Erwachsene sind Rechte ängstlicher - im Labor erkennen sie Wörter wie »Schlange« oder »Straßenräuber« besonders schnell. Psychologen glauben deshalb, dass Ängste konservativer machen. Veränderungen könnten ja gefährlich sein. Rechte bevorzugen ein einfaches, klares Weltbild.
INTELLIGENZWenn das Links-Rechts-Schema wie eingangs vermutet dem Demokraten-Republikaner-Schema entspricht, dann wird dieses Ergebnis für die USA wohl stimmen. In Europa würde ich es bezweifeln. Hier gibt es wohl eher den entgegengesetzten Trend, dass Konservative etwas besser als Linke abschneiden - weil Konservatismus sowohl mit gesellschaftlichem Erfolg als auch mit Intelligenz positiv korreliert ist. Das hat allerdings sowohl in den USA als auch in Europa weniger mit Genetik oder Politik als mehr mit den Entwicklungschancen in der Kindheit zu tun.
Linke schneiden im Mittel in Intelligenztests besser ab als Rechte. Das zeigen beispielsweise die Testergebnisse von fast 3000 Studienbewerbern an diversen US-Universitäten. Verschiedene Erklärungen dafür werden diskutiert. Erstens: Schlaue Kinder können eigenständiger denken und werden so zu Linken, für die eine offene Geisteshaltung typisch ist. Zweitens: Starres Denken macht konservativ. Drittens: Weniger intelligente Menschen finden die Welt unheimlich und neigen daher eher zum Konservativen.
TÖCHTER UND SÖHNEDas glaube ich sofort, vor allem weil hier Ursache und Wirkung richtig herum erkannt wurden. Der Unterschied von 2,5% zeigt auch die Größenordnung der vorgefundenen Unterschiede - sie sind mal gerade so über dem statistischen Rauschen messbar.
Linke haben mehr Töchter. Natürlich nicht, weil die politische Überzeugung das Geschlecht der Kinder bestimmen würde, sondern weil Menschen nach links rücken, wenn sie eine Tochter bekommen. Das gilt nicht nur für Wähler, sondern auch für amerikanische Kongressabgeordnete. Offenbar »unterminiert die Verbundenheit der Väter mit ihren Töchtern das Patriarchat«, kommentierte die Soziologin Rebecca Warner ihren Befund. Rechte haben mehr Söhne. Hätten alle Wählerinnen und Wähler in Großbritannien einen Sohn mehr, bekämen die Konservativen zweieinhalb Prozent mehr Stimmen. In Deutschland gilt dies für die Väter genauso, für Frauen allerdings nicht. Den britischen Forschern ist das ein Rätsel.
FORSCHUNGDass man aus dem Fachgebiet eine (statistische) Aussage über die politischen Präferenzen ableiten kann, gilt sicher auch für Deutschland. Lehrer neigen eher zur SPD oder den Grünen, Ingenieure wählen angeblich eher konservativ, Betriebswirtschaftler sowieso. Hier wird es eine wechselseitige Ursache-Wirkungs-Beziehung geben, d.h. man wählt sein Fachgebiet, weil man bestimmte Präferenzen hat, und wird in diesen Präferenzen durch das Fachgebiet, die dortige Lebenswirklichkeit und die Kollegen weiter bestätigt.
Linke stellen an den Universitäten den Großteil der Sozialwissenschaftler und verantworten somit auch die Studien darüber, wer links wählt und wer rechts. In den USA kommen auf einen rechten Forscher vier bis sieben linke. Werden ihre Ergebnisse als politisch motiviert angegriffen, antworten die (linken) Forscher, Daten seien nun mal Daten. Rechte ziehen die Forschungsergebnisse zu ihrer Persönlichkeit lautstark in Zweifel. Einen Forschungsüberblick karikierten sie als »Konservative spinnen«-Studie. Ein amerikanischer Kongress-Abgeordneter verlangte, dass solche Studien nicht mehr mit Steuergeld bezahlt werden sollten. Andere Kritiker argumentieren, dass auch extreme Linke engstirnig seien - allerdings bestätigen Studien das nur bedingt.
Besonders skurril wirken die Bildunterschriften unter Aufnahmen der Büros von Franz Müntefering, Renate Künast, Klaus Wowereit, Karl-Theodor zu Guttenberg, Angela Merkel und Horst Köhler:
Die Büros politisch Linker wirken frischer und bunter, aber auch unordentlicher als die von konservativen Menschen. Die Büros von Konservativen sind sauberer und heller als die der Linken, und sie wirken etwas unbequemer. Ihre Besitzer haben weniger CDs und eine kleinere Auswahl von Büchern.Aha. Hier vermisse ich noch den Vergleich der Intelligenzquotienten der Betreffenden.
Kategorie: Alltag
Freitag, 14.August 2009
Zweifel
Ist z.B. Angela Merkel konservativ? Sie öffnet sich schwarz-grünen Koalitionen und setzt sich international an die Spitze der Klima-Debatte. Sie baut Sozialleistungen ab und kritisiert öffentlich den Papst. Sie bringt eine Bildungs- und Forschungsinitiative auf den Weg.
Wo gibt es in der deutschen Politik noch echte Konservative? Wenn Du mich fragst: nur noch rechts von der Union, in erzkatholischen, evangelikalen oder nationalistischen Kreisen.
Du willst nicht ernsthaft behaupten, deren Gesinnung korreliere positiv mit Intelligenz?
Ich glaube, man sollte seine Kritik auch ganz anders aufziehen - an den Schlussfolgerungen, die aus dem IQ abgeleitet werden. Wenn also Physiker, Mathematiker und Ingenieure höhere Werte als z.B. Lehrer (anderer Fachgebiete als Mathematik und Physik ;-) ) oder Sozialwissenschaftler haben und gleichzeitig die erste Personengruppe eher zu konservativen Parteien und Positionen neigt als letztere, dann sagt das nichts darüber aus, dass die eine Politik intelligenter als die andere ist. Sondern es besagt nur, dass Menschen, denen es gut geht, eher konservativen Positionen zugetan sind als solche, die sich von einer Veränderungen (auch) persönliche Verbesserungen versprechen.
Wenn, ja wenn...
Volkmar Weiss? Ein reichlich dubioser Gewährsmann. Ich erinnere mich vor allem an seine These, dass sich die Doofen fortpflanzen wie die Karnickel, während angeblich 40% aller Akademikerinnen kinderlos bleiben. Aufgrund der Erblichkeit von Intelligenz müsse das zwangsläufig zur Verblödung der deutschen Bevölkerung führen. Mutter Ursula ließ sich davon ja auch sogleich zu einer -- natürlich erfolglosen -- "Akademikerinnenwurfprämie" (Pispers) inspirieren.
Wie gut, dass Bildung und Aufklärung nicht grundsätzlich vor Beschränktheit Halt machen, denn sonst wäre die gesamte Menschheit schon seit einigen hundert Jahren am Verblöden (spätestens, seitdem minderprivilegierte Kinder nicht mehr regelmäßig vor der Fortpflanzungsreife versterben).