Journalismus und Urheberrecht

Ich habe in den sechs Jahren, die ich jetzt im Netz schreibe, zweimal einen Text zurückziehen müssen. Das erste Mal hatte ich mich über jemanden lustig gemacht, den ich gar nicht kannte. Als er es viel später las und sich bei mir beschwerte, habe ich den Text gelöscht und mich bei ihm entschuldigt. Es war mein Fehler.

Das zweite Mal ist in der letzten Woche passiert. Ich hatte 2007 in einem geschlossenen Benutzerforum einen Artikel entdeckt, der mir sehr gut gefiel. Da in der Einleitung des Artikels stand, dass er bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden war, habe ich ihn fast in voller Länge bei mir zitiert. Mit Angabe der Zeitung, des Datums, der Überschrift und des Autors. Zusätzlich habe ich angemerkt, dass ich gern das Original verlinkt hätte, wenn ich im Netz eine Bezugsquelle dafür gefunden hätte, und dass mir der Artikel sehr gut gefallen hat.

In der letzten Woche wurde ich vom Autor abgemahnt, ich müsse den Artikel entweder löschen oder lizensieren. Er sei Journalist und lebe vom Schreiben. Zugleich gab er einen Link auf seine Homepage an, wo der Artikel ebenfalls im vollen Wortlaut zu lesen ist. Ich habe daraufhin meinen Artikel mit einem Link auf seine Seite versehen, aber das genügte ihm nicht, ich musste den Artikel löschen.

Ich habe ihm dann abschließend noch geschrieben, dass ich nicht glaube, dass er durch das konsequente Ausmerzen aller Verweise und Links auf seine Artikel mehr Geld verdienen würde, aber das war für ihn kein Argument. Er verwies darauf, dass zitierte Artikel bei Spiegel Online für den Spiegel auch nicht kostenlos seien. Ein interessanter Vergleich, der mir außerordentlich geschmeichelt hat.

Ein fiktives Zahlenbeispiel (ich weiß nicht, ob die Zahlen stimmen, es geht nur um die Größenordnung): Angenommen, Spiegel Online hat 1.000.000 Leser täglich, die jeweils etwa 2 Artikel bis zu Ende lesen. Spiegel Online hatte gestern etwas über 100 neue Artikel. Angenommen, ein Autor erhält beim Spiegel 1000 Euro für einen Artikel (wahrscheinlich ist es weniger), dann ist die Lesung eines Artikels 5 Cent wert. Mein Blog hat im Schnitt 35 Besucher am Tag. Diese Zahl fällt auch bei längerer Inaktivität niemals unter 20, was auf Suchmaschinen u.a. hindeutet. Ich schreibe maximal zwei Artikel je Woche. Wenn ich annehme, dass jeder Besucher einen Artikel wirklich bis zu Ende liest, dann liegt der Marktwert eines meiner Artikel bei maximal 15*3,5*5 Cent = 2,62 Euro.

Zufällig ist fast zur selben Zeit wie meine kleine Konversation mit dem "Urheber" ein Artikel bei Spiegel Online erschienen, der die derzeitige Misere des Journalismus analysiert: Ein Text für den Preis einer Kippe. Die Zahl der Journalisten hat sich in den letzten Jahren vergrößert, zugleich üben das Internet mit seinen kostenlosen Informationen und eine Vielzahl Blogs einen enormen Druck auf die professionellen Schreiber aus.

Wenn ich ein Buch rezensiere, dann sieht mein Aufwand etwa so aus: Konzentriertes Lesen des Buchs kostet etwa sechs bis zehn Stunden, das Schreiben zwei bis drei. Das Ergebnis ist ein Artikel mit etwa 1200 bis 1500 Wörtern. Dieser ist nicht perfekt, weil ich Schreiben niemals gelernt habe und weil die Beseitigung weiterer Fehler den Aufwand unverhältnismäßig in die Höhe treiben würde. Das mache ich ja kostenlos just for fun in meiner Freizeit.

Bezüglich des Leseverhaltens gibt es Rundköpfe, Spitzköpfe und Hohlköpfe. Ich bin ein Spitzkopf. Ich lese kaum Belletristik, fast ausschließlich Populärwissenschaftliches, quer durch alle Wissenschaftsgebiete. Ich lese ein bis zwei Bücher in der Woche, habe fünf Wissenschaftszeitschriften abonniert die ich praktisch komplett studiere, lese täglich mehrere Artikel im Netz und überfliege geschätzt weitere knapp hundert. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, kann ich entweder in zwei nichtöffentlichen Diskussionsforen oder im persönlichen Gespräch Physiker, Biologen und Journalisten fragen, nicht die bekanntesten, aber zu den intelligentesten gehörend.

Wenn ein professioneller Schreiber mir etwas verkaufen will, dann muss er mir mehr bieten als das, wozu ich bereits einen Zugang habe. Er muss Veranstaltungen besuchen, muss Interviews mit bekannten Wissenschaftlern führen oder er muss (als Wissenschaftler) über seine eigene Forschung berichten. Das ist die eigentliche Herausforderung für den Journalismus. Nicht Blogbeschimpfung, sondern eine deutlich höhere Qualität, als sie von Amateuren in ihrer Freizeit erzeugt werden kann.

683 Wörter, 36 Minuten Schreibzeit

Kategorie: Alltag
Gregor Keuschnig - 6. Juni, 11:50

Ich habe daraufhin meinen Artikel mit einem Link auf seine Seite versehen, aber das genügte ihm nicht, ich musste den Artikel löschen.
Ich glaube, der Journalist kann nicht fordern, dass Du Deinen Artikel, der einen Link zu seinem Artikel enthält, löschst. Was ihm genügt oder nicht, ist - das ist meine Meinung, die rechtlich nicht belegt ist - uninteressant.

Diese Linkdiskussion ist ja ähnlich wie beim Perlentaucher, der in seiner täglichen Feuilleton-Umschau Artikel kurz kommentiert und dann auf diese verlinkt. FAZ und SZ wollten dies unterbinden - erfolglos.

Meine Meinung über den Journalisten sage ich lieber nicht, sonst musst Du den Kommentar auch noch löschen.

steppenhund - 6. Juni, 12:13

12:00 Das mit dem Link ist so eine Sache. Wäre ich der Journalist und wollte mich dagegen verwehren, so würde ich nach kurzer Rücksprache mit der Behörde einen Nazi-Link auf meine Seite stellen und dann die Anzeige erstatten, dass Du auf Nazi-Schriftum verlinkst. Ich würde also als agent-provocateur agieren. Das hätte auch nicht viel Wirksamkeit, weil Du ja ziemlich glaubhaft anhand der anderen Inhalte belegen kannst, dass dein Link vor der letzten Änderung der Seite im Netz war.
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Natürlich halte ich den Journalisten für blöd, selbst wenn er verlinkenswerte Artikel schreibt. Wenn er das Wesen des Internet nicht verstanden hat, so sollte er nur Gedrucktes verfassen. Leider erscheint mir das Problem an einer ganz anderen Stelle zu liegen. Genau an der Stelle, wo jetzt anderwertig über Stopp-Seiten und Aufweichung des Demokratiegrundverständnisses (Trennung von Legislative und Exekutive) verhandelt wird. Es mangelt am grundsätzlichen Verständnis über Betriebsart und technischen Basiswissen des Internets. Dadurch werden Personen an den Machthebeln leicht durch Lobbyisten beeinflusst, die ihnen irgendwas über das Internet einreden können. Sowohl was die Gefahr angeht als auch die Bekämpfbarkeit durch Ordnungsmaßnahmen.
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Dass es nicht um Kinderpornografie geht, wissen die Behörden. Die können sich nicht einmal um bekannte Fälle kümmern, weil es da noch die große Blockade durch den Opferschutz gibt.
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Aber so wird ein Medium grundsätzlich missverstanden und auch übersehen, dass das ewige Spiel von Räuber und Gendarm nie vom Gendarmen gewonnen werden kann, es sei denn er macht sich selbst zum Räuber und verrät seine eigenen Grundsätze.
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Fazit: der Journalist, der anscheinend selbst unzureichend informiert ist, zieht vollkommen falsche Schlüsse, kann auch ansatzweise deinen Berechnungen nicht folgen und versteht auch nicht, was Leser antreiben kann, etwas zu kaufen, selbst wenn sie den Inhalt schon kennen. So habe ich z.B. eine Zeitschrift abonnemiert, die ich täglich online lesen kann.
Jetzt ist es aber 12:13 und ich beende den Kommentar aufgrund meiner Zeitressourcenplanung.

Köppnick - 6. Juni, 12:29

@Gregor & Steppenhund
Der betreffende Journalist ist noch sehr jung, kennt also die neuen Medien sehr genau, und er ist hinreichend intelligent, er promoviert gerade. Die erste Mail, die er mir geschrieben hat, war weitgehend standardisiert, d.h. er oder seine Kollegen machen das öfter. Sein Artikel hat mir gut gefallen, aber, um einmal eine Analogie zu bringen, Patenthöhe hatte er nicht.

Dieser Journalist ist Mitglied bei den Freischreibern. Ich vermute, dass er derjenige ist, der im Mittelteil der Seite als der gelobte, nachahmenswerte Aktivist erwähnt worden ist. Frei nach Karl Popper ist die Zukunft ja offen und wir können nicht wissen, wie dieser Kampf ausgehen wird. Ich vermute irgendwas in der Richtung Don Quijote, aber ich bin nicht Gott und könnte mich irren. Die schreibende Zunft müsste ein Modell entwickeln - und zwar mit den Verlagen und nicht gegen sie -, das in etwa dem der Musikindustrie entspricht. Und sie werden sich gesund schrumpfen müssen. Nicht jeder, der einen Bleistift halten oder einen Laptop bedienen kann, kann deshalb gleich seine Brötchen als Schriftsteller oder Journalist verdienen.

Gregor Keuschnig - 6. Juni, 13:10

Zusammenschlüsse jeglicher Art zwecks Beförderung eines (meist eigennützigen) Zieles imponieren mir grundsätzlich nicht mehr als ein einzelner, der beispielsweise Geld für seinen Artikel möchte. Letzteres finde ich nicht ehrenrührig und legitim. Wenn man nicht möchte, dass "sein" Artikel mit copy+paste kopiert wird, dann kann man das durchaus verhindern (auch mit technischen Mitteln auf seiner Webseite). Das ist alles etwas aufwendig, zugegeben. Oder man veröffentlicht den Artikel einfach nicht auf seiner Webseite. Noch mal: Eine Verlinkung auf eine Webseite zu untersagen, ist Unsinn (dass Du nicht Don Quichotte spielen willst, she ich natürlich ein).

Ich bin auch gegen eine uneingeschränkte Bedienungsmentalität im Netz. Aber ich erinnere mich daran, dass Du Quelle und Autor genannt hast. Du hast damit m. E. die wesentlichen Informationen gegeben. Hätte mir der Artikel gefallen oder wäre die Thematik des Autors für mich wichtig, hätte ich eine neue "Quelle" aufgetan, d. h. ich würde vielleicht irgendwann Zeitschriften, in denen er schreibt, kaufen (wie steppenhund ja ausführt).
Köppnick - 6. Juni, 13:25

Mit "Don Quichotte" meinte ich eigentlich die Freischreiber. Es ist ein Nullsummenspiel, genauso wie in der Musikindustrie. Die Bevölkerung hat ein festes Kontingent, das sie für Mediennutzung auszugeben bereit ist. Die vielen raubkopierten Stücke wären regulär auch nicht gekauft worden. Wenn also die Freischreiber höhere Honorare durchsetzen können, dann reichen die Verlage ihre erhöhten Kosten an die Verbraucher weiter, was zur Senkung der Auflagen führt, das wiederum zu einem verringerten Bedarf an Texten. Es ist ein Nullsummenspiel, dasselbe wie bei den Taxifahrern. Wenn es mehr Taxis gibt, steigt die Zahl der Fahrten kaum, nur die einzelnen Fahrer verdienen weniger.

Ich habe vor einigen Jahren über eine faire Bezahlung von Informationen nachgedacht. Die bisherigen Modelle haben die Informationen an den Träger gekoppelt. Wenn man also eine CD gekauft hat, dann waren im Kaufpreis sowohl die Herstellung dieser einen CD als auch die Bezahlung des Künstlers eingeschlossen. Informationen sind aber nicht an ein Medium gebunden, man kann sie beliebig kopieren. Man kann den Preis deshalb nicht an das Medium, sondern muss es an die Benutzung der Informationen koppeln.

Konkreter Anlass darüber nachzudenken waren damals Dokumente aus einer Informationsdatenbank (ich glaube Patente). Der Preis war immer gleich, egal ob ein Konzern oder ein kleiner Mittelständler die Dokumente kauft, und zeitlich unbegrenzt. Ein besserer Ansatz wäre die Bezahlung einer tatsächlichen Benutzung der Informationen. Man bezahlt zum Beispiel proportional zur Anzahl der Bildschirme, auf denen die Informationen angezeigt werden und proportional zur Anzeigezeit. Bei Musik zahlt man für jedes Abspielen eines Stücks. Dazu benötigt man funktionierende Micropaymentsysteme, das sollte heute kein Problem mehr darstellen.

PS: Danke für den Hinweis auf den Schreibfehler.
Gregor Keuschnig - 6. Juni, 17:45

Angeblich ist ja "paid content" im Internet Gift, d. h. niemand gibt angeblich Geld für Inhalte aus. Meines erachtens liegt dies (1.) an der ziemlich umständlichen Art und Weise wie dies heute geht, (2.) an den Preisen (ich habe mal einen Spiegel-Artikel für 1,50 Euro gekauft; das fand ich teuer) und (3.) weil es nicht jeder macht, d. h. weil es sehr, sehr viel "free content" gibt.

Ich zweifle auch, dass irgendjemand für einen meiner Beiträge 2,62 Euro bezahlen würde (siehe oben Spiegel-Artikel!).

Mittelfristig stimme ich Dir aber zu: Es muss Micropay-Systeme geben, die Zahlungen vereinfachen und die Artikel werden dann automatisch billiger. irgendwann werden mehr und mehr Anbieter zu Bezahl-Beiträgen übergehen. Die NYT, die vor kurzem mit grossem Brimborium alles umsonst reinstellte, hat sich wieder gedreht (wohl, weil man irgendwoher Geld braucht).
steppenhund - 7. Juni, 09:31

@begleitschreiben

Vielleicht zahle ich dir nicht gerne 2,62€, aber dafür würde ich dich auf Bier in jeder Menge einladen:)
Gregor Keuschnig - 7. Juni, 11:45

@steppenhund

Aber der Mensch lebt nicht vom Bier allein (und ich schon gar nicht)...
la-mamma - 6. Juni, 13:39

es gibt auch andere!

ich habe z.b. einmal einen artikel des herrn berger zitiert. der hat dann sogar bei mir kommentiert (was mich gefreut hat) und mir beim besseren verlinken geholfen. und ich nehme fast an, dass der auch nicht nur um gotteslohn schreibt! ist aber wiederum auch kein journalist ...

kesalop - 6. Juni, 17:10

15*3,5*5 Cent = 2,62 Euro

Bitte die Formel in Worten erklären.

Das wäre doch ein neues Geschäftsmodell:
Gesponserte links gratis, die anderen erhalten jeden Tag eine Leseblogabrechnung.

Köppnick - 7. Juni, 08:43

(35 Besucher - 20 Suchmaschinen) * (7 Tage / 2 Artikel) * 5 Cent je Artikel

Ich bin davon ausgegangen, dass die meisten, die über Suchmaschinen hierher gelangen, keinen Artikel bis zu Ende lesen, sondern etwas leichter Verdauliches suchen und deshalb schnell weiter klicken.

Leseblogabrechnung: Es stand ja in dem verlinkten Spiegelartikel, dass ein brauchbares Bezahlsystem im Netz fehlt, weil es anbieterübergreifend funktionieren müsste. Ein Mikropaymentsystem, das für jede Seite, auf der man nachweisbar länger verweilt, ein paar Cent oder Millicent abbucht.
kesalop - 7. Juni, 18:52

Glasnet vs. Darknet

Das wäre doch eine Wahlidee für das EU Parlament gewesen:
Statt wishi-washi web www. ein eee. web, nur für anständige EUler.

Höchste Zugangsanforderungen,
Regelmässige Checks
Drastische Ausschlusskriterien.

Nur der gläserne user wird ....
...erhört, erlöst, entlohnt.
Talakallea Thymon - 8. Juni, 12:37

"Wenn ein professioneller Schreiber mir etwas verkaufen will, dann muss er mir mehr bieten als das, wozu ich bereits einen Zugang habe. "

Darin erschöpft sich meines Erachtens die journalistische Arbeit nicht; die Leistung des Schreibenden besteht in der Aufarbeitung, nicht allein der Beschaffung und Darstellung von Information. Der (nach Meinung des professionellen Schreibers Geldes werte) Unterschied, den er produziert, könnte beispielsweise darin bestehen, daß sein Artikel witzig ist; oder besonders leicht zu verstehen; oder faszinierend; oder auch nur, daß er mit weniger Zeilen auskommt. Nicht allein darin, was er sagt, oder daß er überhaupt etwas zu sagen hat, sondern darin, wie er es sagt, besteht die Leistung des Journalisten, das ist seine Kunst.

Damit will ich deine eigenen Artikel nicht in Abrede stellen, im Gegenteil. Ich wollte nur darauf hinaus, daß ein Mehr an schriftstellerischer Leistung nicht mit einem Mehr an Information (oder mit dem zu ihrer Beschaffung notwendigen Aufwand) gleichzusetzen ist.

Was die Spitzköpfe sind, wissen wir nun, was Hohlköpfe sind, kann man sich denken -- aber erklärst du uns auch, was es mit den Rundköpfen auf sich hat?

Köppnick - 8. Juni, 12:51

Das "Mehr" kann Verschiedenes sein, es geht nur darum, dass für den *Leser* dieser Mehrwert erkennbar ist, sonst ist er nicht bereit, etwas dafür zu bezahlen. Es ist einfach so, dass das Netz unsere Kommunikationsgewohnheiten verändert hat, und wenn die Leser heute anders sind, müssen die Schreiber auch irgendwie einen Weg für sich finden. Man kann diese Veränderungen beklagen, aber man kann sie kaum ändern und wird die Zeit auch nicht zurückdrehen können.

Rundköpfe sind Belletristikleser und -schreiber.
Talakallea Thymon - 8. Juni, 12:58

Das ist richtig; aber in deiner Gegenüberstellung bezogst du dich nur auf Quantifizierbares.

Ich glaube nicht, daß sich die Lesegewohnheiten so sehr verändert haben. Wer verläßliche Information sucht, die darüberhinaus gut aufgearbeitet und obendrein ein Lesevergnügen ist, wird eher zum bedruckten Papier greifen und dafür zahlen, als sich durch eine unüberschaubare Menge von Blogs zu wühlen, die Spreu vom Weizen zu trennen zu versuchen, sich über schlechten Stil zu ärgern -- und am Ende immer noch nicht sicher sein zu können, ob das, was man da liest, relevant, zuverlässig, neu oder doch nur aufgewärmtes Blabla ist. Oder schlicht gelogen.

Ich jedenfalls ziehe den althergebrachten, erprobten Journalismus vor, gehe mir meine Zeitung kaufen und hoffe, daß diese Publikationsform nicht so bald ausstirbt.

Gregor Keuschnig - 8. Juni, 16:05

Die Feststellung, ob etwas relevant, zuverlässig, neu oder doch nur aufgewärmtes Blabla ist. Oder schlicht gelogen stellt sich immer schon und ist kein Phänomen von Blogs oder Foren. Auch der Zeitungsleser selektiert durch die Wahl seiner Zeitung - die Prozesse sind nur eingefahren und werden (in der Regel) nicht mehr hinterfragt. Und die Pleiten und Pannen des erprobten Journalismus sind zahlreich, werden nur durch (Selbst-)Reinigungsprozesse in den Medien kaum mehr als solche wahrgenommen.

Relevanz ist zudem eine Kategorie, die der Leser vergibt und rein subjektiv ist. Es stellt sich allerdings schon die Frage, wer in den "etablierten" Medien die Relevanzkriterien festlegt nach denen dort gearbeitet wird. Ich erfahren in den Hauptnachrichtensendungen von Busunglücken in Indien oder einem schweren Autounfall in der Slowakei. Diese Meldungen haben für mich überhaupt keine Relevanz. Die Probleme von Frau Koch-Mehrin mit ihrer Anwesenheit im EU-Parlament beispielsweise wird nicht gemeldet sondern bleibt "Spezialsendungen", die um 23 Uhr ausgestrahlt werden "vorbehalten". Diese Art von Selektivjournalismus sind Blogger nicht mehr bereit zu folgen und recherchierebn sich ihre Nachrichten quasi selber. Das geht manchmal schief, manchmal aber auch nicht.
Köppnick - 8. Juni, 16:59

Es sieht so aus, als ob die "alten" Medien zumindest mittelfristig nicht vollständig durch die neuen ersetzt werden. Ein interessantes Phänomen ist zum Beispiel, dass in Blogs Rezensionen von Büchern geschrieben werden. Aber die Gewichte werden sich weiter verschieben, wenn eBooks eine akzeptable Qualität bieten und die Preise für die Inhalte unter denen der klassisch gedruckten liegen. Zuerst werden sich die elektronischen Bücher und Zeitschriften im Wissenschaftsbetrieb durchsetzen, dann bei Sachbüchern und viel später bei Belletristik.

Eine vollständige Änderung der Gewohnheiten wird wahrscheinlich erst mit der nächsten oder übernächsten Generation wirksam, da viele Kulturtechniken in der Kindheit und Jugend eingeübt werden. Aber da die Zeitkontingente, die der Einzelne zur Verfügung hat, nicht wachsen, muss zwangsläufig die Aufmerksamkeit für neue Medien von der für die alten abgezwackt werden. Wenn man in anderen Blogs liest oder im eigenen schreibt, ist man mittendrin in der Konversion.

Die Lesegewohnheiten haben sich schon geändert. Wer viel häppchenweise am Bildschirm liest, hat immer mehr Mühe, einen zusammenhängenden gedruckten Text durchzuhalten. Beim Film kann man denselben Prozess beobachten: Viele früher gedrehte Filme haben uns unendlich lang erscheinende Einstellungen, während heute jede Szene nur Sekunden dauert, bis dann ein Schnitt mit Perspektivenwechsel erfolgt.

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Kommentare hier ...

Bitte mehr davon? Aus...
Bitte mehr davon? Aus meiner Sicht auf keinen Fall,...
Köppnick - 25. Dezember, 16:53
bitte mehr davon
Nimmersatt (Gast) - 25. Dezember, 15:33
lach.... ich bin im stern...
lach.... ich bin im stern *
rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
Oje, das mit der Halswirbelsäule ist an mir vorbeigegangen. Das...
steppenhund - 2. Dezember, 11:07
Denk an meine Halswirbelsäule...
Denk an meine Halswirbelsäule und meinen schmerzenden...
Köppnick - 30. November, 22:22
Nanu, gar ken Kommentar?...
Nanu, gar ken Kommentar? :)))
steppenhund - 30. November, 20:45
Fachwörter und deren...
Die Autorin präferiert eine sehr restringierte...
Count Lecrin - 30. November, 19:53
passend zu diesen erkenntnissen:
mit 3 freust du dich, wenn du keine windeln brauchst. mit...
la-mamma - 30. November, 19:43
Ich möchte Ihnen...
Ich möchte Ihnen gehörig Respekt zollen,...
Count Lecrin - 30. November, 19:34
Mail geschickt.)
Mail geschickt.)
steppenhund - 28. November, 16:28
Nein, wir haben uns noch...
Nein, wir haben uns noch nicht bemailt. Meine Adresse...
Köppnick - 28. November, 15:46
Ich bilde mir ein, dass...
Ich bilde mir ein, dass wir schon Email-Kontakt hatten....
steppenhund - 28. November, 15:02