Gold
In der Zeitschrift Euro 4/2009 ist der Titelartikel dem Gold gewidmet. Außer einer Reihe von Fakten findet man dort ein Interview mit den beiden Investmentbankern Felix Zulauf und Marc Faber.
Gold ist ein bemerkenswertes Element. Einerseits dient es seit vielen tausend Jahren als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Andererseits wird es in der Schmuckindustrie und der Kunst und neuerdings in der Elektronikindustrie verwendet. Als eine ganz besondere Eigenschaft ist es praktisch (chemisch) unzerstörbar. Von den etwa 155.000 Tonnen, die jemals gewonnen wurden, sind bis heute nur geschätzt 2000 Tonnen wieder verschwunden, ein kleiner Teil in verschrotteten elektronischen Geräten. Ein größerer Teil dürfte in gesunkenen Schiffen auf dem Meeresboden liegen oder in verschiedenen Kriegswirren verloren gegangen sein.
In dem oben erwähnten Artikel findet sich eine aufschlussreiche Grafik:

Natürlich sind Angebot und Nachfrage in etwa gleich und natürlich sind die geschätzten Weltvorräte an Gold weit größer als das jährliche Handelsvolumen. In dieser Beziehung ähnelt Gold den Aktien. Auch hier wird der Preis nicht von den Aktien bestimmt, die u.U. seit vielen Jahren in irgendwelchen Depots liegen, sondern von den aktuell gehandelten Mengen.
Hier findet sich eine Grafik, die die Entwicklung der Goldproduktion in den letzten Jahren zeigt:

Bemerkenswert in dem verlinkten Artikel die Aussage:
Erst nach langem Nachdenken kam ich darauf, dass das Entscheidende für das Funktionieren das Vertrauen in die Funktionsweise dieses Konstrukts ist. Mit (Papier)Geld ist das nicht anders und viele andere (eigentlich alle) Beziehungen zwischen Menschen basieren darauf, dass man gemeinsam an diese besonderen Formen der Kommunikation glaubt und sich an Regeln hält.
Natürlich gibt es eine Abhängigkeit des Menschen von Naturgesetzen und aus diesem Grund sind einige der Wechselwirkungen stabiler als andere. Man kann eine Rangfolge zwischen den Wechselbeziehungen aufstellen. Zum Beispiel sind die Beziehungen zwischen Menschen, die dem Austausch von Lebensmitteln dienen, oder die zwischen Freunden und innerhalb von Familien "natürlicher" als solche in Wirtschaft und Politik. Man merkt das in Krisenzeiten, wenn das Vertrauen zwischen den Menschen schwindet.
Die am weitesten von der Natur entfernten Beziehungen sind die auf Papiergeld und Ähnlichem (z.B. Aktien) beruhenden. Folglich geraten sie als erste in die (Vertrauens)Krise. Das Vertrauen in Gold ist größer, weil es nicht nur ein virtuelles Konstrukt ist, sondern ein real vorhandener Stoff. Wenn diese Widerstandslinie des Vertrauens fallen würde, bliebe nur noch der direkte Austausch von Lebensgütern und die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und Freunden. Auf den Straßen der Städte würde dann bereits Anarchie herrschen.
Kategorien: Politik, Visionen
Gold ist ein bemerkenswertes Element. Einerseits dient es seit vielen tausend Jahren als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Andererseits wird es in der Schmuckindustrie und der Kunst und neuerdings in der Elektronikindustrie verwendet. Als eine ganz besondere Eigenschaft ist es praktisch (chemisch) unzerstörbar. Von den etwa 155.000 Tonnen, die jemals gewonnen wurden, sind bis heute nur geschätzt 2000 Tonnen wieder verschwunden, ein kleiner Teil in verschrotteten elektronischen Geräten. Ein größerer Teil dürfte in gesunkenen Schiffen auf dem Meeresboden liegen oder in verschiedenen Kriegswirren verloren gegangen sein.
In dem oben erwähnten Artikel findet sich eine aufschlussreiche Grafik:

Natürlich sind Angebot und Nachfrage in etwa gleich und natürlich sind die geschätzten Weltvorräte an Gold weit größer als das jährliche Handelsvolumen. In dieser Beziehung ähnelt Gold den Aktien. Auch hier wird der Preis nicht von den Aktien bestimmt, die u.U. seit vielen Jahren in irgendwelchen Depots liegen, sondern von den aktuell gehandelten Mengen.
Hier findet sich eine Grafik, die die Entwicklung der Goldproduktion in den letzten Jahren zeigt:

Bemerkenswert in dem verlinkten Artikel die Aussage:
Gold production increased by 2% since 2004 while the price of an ounce of gold has increased by over 100% ... Rising prices would cause the strong growth in gold production in the world as for zinc, molybdenum, copper and more moderate for the money. The increase in the price of an ounce of gold is not enough to save a world production of gold structurally condemned.Es ist offenbar schwierig, die Produktionsmenge zu erhöhen, obwohl wegen der gestiegenen Preise ein wichtiger Anreiz gegeben ist. Gold als Geldanlage ist ein merkwürdiger Anachronismus, weil diese Anlage doch keinerlei Zinsen abwirft. So beginnt der Artikel in der Euro mit einem fiktiven Szenario:
Die nette Dame an der Supermarktkasse traut ihren Augen nicht. Da will jemand seinen Einkauf von 45,35 Euro mit einer Goldmünze bezahlen? Rund 285 Euro beträgt der Gegenwert der glänzenden DM-Münze. „Da muss ich den Chef rufen", sagt sie verwirrt. Und die Rentnerin aus der Schlange ruft: „Haben Sie denn kein richtiges Geld?" Dabei sollte gerade sie einen Sinn für alte Werte haben. Auch der Filialleiter hat kein Einsehen. Er will die Sonderprägung mit dem Bundesadler auf der Rückseite unter keinen Umständen akzeptieren.Der jetzige Hebel am Goldpreis sind Investoren, die sich nicht Goldaktien ins Depot legen wollen, sondern physisch vorhandene Goldbarren und -münzen. Dazu ein kurzes Stück aus dem Interview mit Felix Zulauf und Marc Faber:
Experiment fehlgeschlagen. Deutschland ist nicht im Goldrausch. Noch nicht. Denn die Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen Monaten verrät, dass sich hier etwas zusammenbraut. „Gold hat sich vom weltweiten Trend der Finanzmärkte abgekoppelt", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Seltsam: Der Preis hat sich auch von der bisher in Stein gemeißelten Abhängigkeit vom Dollar gelöst. Selbst eine starke US-Währung, in den vergangenen Jahren Gift für die Unzennotiz, belastet nicht mehr. „Zuletzt markierte sie in Euro, aber auch in anderen Währungen neue Rekordhöchststände", weiß Weinberg.
Während sich die Schmuckindustrie, sonst mit einem Anteil von 70 Prozent bedeutendster Abnehmer von Gold, wegen hoher Preise zurückhält, sind es zunehmend Investoren, die die Lücke schließen. Der SPDR Gold Trust, der größte Exchange Traded Fund (ETF), besitzt mittlerweile mehr als 1000 Tonnen Gold - so viel wie die Schweizer Nationalbank. Für Weinberg sind die Motive klar: „Wir sehen den Goldpreis als eine Versicherungsprämie gegen die Folgen eines Zusammenbruchs der Finanzsysteme."
Faber: Wir sind auf dem Weg in eine Hyperinflation - dem wahrscheinlichsten Ausgang des Schlamassels. Auch US-Investor Warren Buffett hat soeben in seinem Aktionärsbrief ausdrücklich vor der Entwertung des Geldes gewarnt. Über die Zeit sei eine Erhöhung der Inflation unausweichlich. Nur über das Ausmaß der Geldentwertung gebe es viele Meinungen, sagte der 78jährige Milliardär. Inflation entsteht, wenn sich die Geldmenge ausweitet. Durch die Niedrigzinspolitik in den letzten zehn Jahren wuchsen die Geldmengen zum Teil mit zweistelligen Raten. Momentan jedoch sind die Zuwachsraten gering. Die Verluste, die Banken rund um die Welt durch Abschreibung fauler Kredite erleiden, wirken dämpfend.Ich habe nach der Wende einige Zeit gebraucht, um die Wirkungsweise von Aktien zu begreifen. Eine Firma emittiert bedrucktes Papier, das Anleger begierig kaufen. Die Firma erhält das Geld und kann es im Unternehmen für Investitionen oder als Auszahlung an die bisherigen Direktbesitzer verwenden. Ab diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen mit diesem bedruckten Papier direkt nichts mehr zu tun, fremde Leute verkaufen es sich untereinander und müssen einmal im Jahr die Entscheidung der Firma akzeptieren, welche Dividende sie zu zahlen bereit ist. Dass die Aktienbesitzer zugleich die Besitzer der Firma sein sollen, ist in vielen Fällen nicht spürbar.
Aber der Haushalt von Obama zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Die Nettoverschuldung sprengt mit mehr als 1500 Milliarden Dollar alles bisher Dagewesene. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen. Ein gefährlicher Cocktail. Da alle Regierungen ähnlich agieren, werden die Geldmengen überall auf der Welt stark ansteigen, sobald die Krise einmal überwunden ist. Was sich nicht erhöht, ist die Menge verfügbaren Goldes.
Euro: Goldanlagen sind zurzeit sehr gefragt. Ist das nicht auch ein Kettenbrief, bei dem der Letzte die Zeche zahlt?
Faber: Das glaube ich nicht. Die bessere Hälfte der Bevölkerung - nämlich die Frauen - hat lieber eine Kette aus Gold um den Hals als eine aus Kupfer oder aus Weizen.
Zulauf: Die Menge an Gold kann man nicht mit einem Federstrich erhöhen. Man muss es mühselig aus der Erde graben. Früher hatten wir ein Währungssystem, das auf der Golddeckung beruhte. Das wurde aufgegeben, aber der Investor ist sich bewusst, dass Gold ein knappes Gut ist. Es hat immer noch, obwohl es die Zentralbanken immer wieder verneinen, einen monetären Charakter. Gold ist Tauschmittel, Gold ist Geld.
Euro: Ist der Goldpreis nicht schon zu stark gestiegen?
Faber: Gold hat in der Tat eine gewisse Popularität erreicht. Und die Spanne zwischen Gold und anderen Vermögenswerten ist nach der Wertentwicklung der vergangenen Monate groß geworden.
Aktien haben, gemessen am S&P 500, seit dem Hoch 2007 rund 50 Prozent an Wert verloren. Gold ist hingegen um mehr als 40 Prozent gestiegen. Eine Gegenreaktion ist überfällig.
Zulauf: Ich kann mir vorstellen, dass der Goldpreis in den nächsten Monaten von heute über 900 auf unter 700 Dollar je Feinunze fallen könnte. Sind die Realzinsen hoch, bekommt Gold in der
Regel einen Dämpfer. Nach meinen Berechnungen bekommen wir in den USA bei den Konsumentenpreisen im Laufe der nächsten sechs Monate eine Deflation von zwei bis vier Prozent.
Selbst bei einer Nullverzinsung auf Staatsanleihen haben wir eine Realrendite von zwei bis vier Prozent. Das wird den Goldpreis dämpfen.
Euro: Würden Sie Gold noch kaufen?
Faber: Privat halte ich Gold, und es ist meine größte Position. Als kurzfristig orientierter Anleger würde ich im Moment aber nicht kaufen.
Erst nach langem Nachdenken kam ich darauf, dass das Entscheidende für das Funktionieren das Vertrauen in die Funktionsweise dieses Konstrukts ist. Mit (Papier)Geld ist das nicht anders und viele andere (eigentlich alle) Beziehungen zwischen Menschen basieren darauf, dass man gemeinsam an diese besonderen Formen der Kommunikation glaubt und sich an Regeln hält.
Natürlich gibt es eine Abhängigkeit des Menschen von Naturgesetzen und aus diesem Grund sind einige der Wechselwirkungen stabiler als andere. Man kann eine Rangfolge zwischen den Wechselbeziehungen aufstellen. Zum Beispiel sind die Beziehungen zwischen Menschen, die dem Austausch von Lebensmitteln dienen, oder die zwischen Freunden und innerhalb von Familien "natürlicher" als solche in Wirtschaft und Politik. Man merkt das in Krisenzeiten, wenn das Vertrauen zwischen den Menschen schwindet.
Die am weitesten von der Natur entfernten Beziehungen sind die auf Papiergeld und Ähnlichem (z.B. Aktien) beruhenden. Folglich geraten sie als erste in die (Vertrauens)Krise. Das Vertrauen in Gold ist größer, weil es nicht nur ein virtuelles Konstrukt ist, sondern ein real vorhandener Stoff. Wenn diese Widerstandslinie des Vertrauens fallen würde, bliebe nur noch der direkte Austausch von Lebensgütern und die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und Freunden. Auf den Straßen der Städte würde dann bereits Anarchie herrschen.
Kategorien: Politik, Visionen
Sonntag, 19.April 2009
Gold ist ein ähnliches Konstrukt wie Papiergeld; das es in der Schmuckindustrie Verwendung findet, bestätigt das m. E. noch. Die Leute können auf Goldschmuck am ehesten verzichten; von vielen Metallen ist Gold das Überflüssigste.
Was ich mit meinen vier letzten Absätzen sagen wollte, ist, dass sich die Bewertung dieser objektiv unterschiedlich wichtigen Dinge in Krisensituationen ändern kann, aber abhängig vom objektiven Wert der Dinge unterschiedlich stark. Und Gold steht nur eine Stufe von "echten" Lebensmitteln entfernt - weil es ein echtes Ding ist und weil sehr viel Arbeit für seine Gewinnung aufgewendet wurde und weil es einen ästhetischen Wert hat.
Warum hat sich Gold, seit es gefunden wurde, praktisch durch alle menschlichen Kulturen als erstrebenswertes Gut erhalten, während die jeweiligen Währungen gekommen und gegangen sind? Es hat eine geringere Bedeutung als Lebensmittel, es hat eine größere Bedeutung als Papiergeld, es steht etwa auf derselben Stufe wie Kunst, *objektiv* betrachtet.
Man muss also unterscheiden, ob man Gold aus ästhetischen oder religiösen Gründen verehrt, sondern sozusagen materialisiert. Letzteres ist seit jeher in Europa der Fall. Der Grund liegt vielleicht in der Knappheit und tatsächlich - am Anfang - in der (heidnischen) Sonnenverehrung. Später ist dann pervertiert; Gold ist für mich heute reinstes Spekulationsprodukt. Es hat gegenüber Papiergeld tatsächlich eine haptische (Schein-)Sicherheit aber mehr nicht.
Ägypten ist interessant, Googeln liefert ganz weit oben das. Silber war schwerer zu gewinnen als Gold und deshalb wertvoller. Später, nach dem leichteren Zugang zum Silber wurde dann die "natürliche" Reihenfolge wieder hergestellt. Heute ist Platin teurer als Gold, kann aber diesem trotzdem den Rang nicht ablaufen, weil Gold besser aussieht, deshalb in der Schmuckindustrie begehrter ist, und wegen seiner Geschichte emotional mehr aufgeladen ist - und weil der Staat nur (Anlage)Gold mehrwertsteuerbefreit hat.