Computer entdeckt selbständig Naturgesetze
Einen bemerkenswerten Artikel habe ich in dieser Woche im Spiegel gefunden: Computer entdeckt selbständig Naturgesetze. Der Ansatz ist leicht verständlich: Naturgesetze beschreiben Vorgänge so, dass man unter ähnlichen Voraussetzungen mit demselben oder wenigstens ähnlichem Verhalten anderer Systeme rechnen kann. Denkt man etwas darüber nach, dann ist eine Maschine, die aus Beobachtungen Gesetze extrahieren kann, keineswegs ungewöhnlich.
Jedes mustererkennende System sollte in der Lage sein, nach der Beobachtung und Analyse mehrerer Vorgänge oder Dinge nach gewissen algorithmischen Regeln die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Und die Gemeinsamkeiten sind dann entweder gemeinsame Eigenschaften von Dingen oder Konstanten oder eben Naturgesetze, im Artikel als die "Invarianten" bezeichnet. Kreativ ist also lediglich, diesen Ansatz auf die Konstruktion einer Maschine anzuwenden, die bestimmte physikalische Vorgänge beobachtet und analysiert. Der letzte Abschnitt des Artikels hingegen stimmt nicht:
Aber auch wenn man diesen metaphysischen Vorbehalt beiseite lässt, stimmt die Aussage nicht. Im Rahmen der Gültigkeit der Naturgesetze sind solche Systeme möglich, die derzeit besten wiegen etwa 70 kg und verbrauchen pro Tag etwa 8000 Kilojoule. Und wie unsere eigene Existenz ja bestens beweist, ist ihre Produktion problemlos möglich, ohne genau zu wissen, wie sie funktionieren.
Ein bisschen erinnert mich die Aussage der beiden Wissenschaftler an die Zuversicht der Großmeister vor einigen Jahren. Trotz der ständig steigenden Spielstärke der Schachprogramme, noch schneller als das Mooresche Gesetz es vorhersagen ließ, waren sie doch tatsächlich der Meinung, dass ein Schachprogramm niemals (oder wenigstens zu ihren Lebzeiten) so stark wie sie selbst spielen könnte - wegen der fehlenden Kreativität. Heute ist diese Behauptung widerlegt und kein Großmeister hat mehr Lust, gegen ein solches Blechmonster anzutreten.
Für mich ist die Frage eine prinzipiell andere: In welche Richtung wollen wir die Entwicklung der künstlichen Intelligenz treiben? Wollen wir Universalmaschinen haben, die uns wirklich auf allen Gebieten ein kleines bisschen überlegen sind? Oder wollen wir Spezialmaschinen bauen, die uns auf den Gebieten, auf denen wir unglaublich schlecht sind, unter die Arme greifen, ohne dafür ein Bewusstsein ihrer selbst zu entwickeln? Denn die eingangs im Spiegelartikel geschilderten Programme / Algorithmen sind von diesem Typ und es gibt noch viel mehr von ihnen. Die Systeme, von denen sich Mathematiker Gleichungen umstellen und vereinfachen lassen, gehören dazu, oder Wetterrechner. Auch intelligente Antwortprogramme wie Wolframs Alpha würde ich dazu zählen.
Zu der Meinung, dass Maschinen, weil sie aus Metall sind, niemals so wie wir werden können, gibt es übrigens von irgendwoher aus dem Universum auch die Gegenmeinung: Sie sind aus Fleisch. Joscha Bach hat diese Geschichte von Terry Bisson aus dem Englischen übersetzt, das Original findet man zum Beispiel hier.
Kategorien: Visionen.
Jedes mustererkennende System sollte in der Lage sein, nach der Beobachtung und Analyse mehrerer Vorgänge oder Dinge nach gewissen algorithmischen Regeln die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Und die Gemeinsamkeiten sind dann entweder gemeinsame Eigenschaften von Dingen oder Konstanten oder eben Naturgesetze, im Artikel als die "Invarianten" bezeichnet. Kreativ ist also lediglich, diesen Ansatz auf die Konstruktion einer Maschine anzuwenden, die bestimmte physikalische Vorgänge beobachtet und analysiert. Der letzte Abschnitt des Artikels hingegen stimmt nicht:
Ängste, Computer und Roboter könnten Wissenschaftler künftig ebenso um ihre Jobs bringen, wie es mit Fließbandarbeitern in der Autoindustrie geschehen ist, sind nach Meinung von Schmidt und Lipson aber unbegründet. Die Rechner könnten lediglich die Kärrnerarbeit übernehmen - und ihren menschlichen Kollegen ermöglichen, sich schnell auf die wirklich interessanten Phänomene und deren Bedeutung zu konzentrieren.Irgendwelche Ängste sind derzeit tatsächlich unbegründet, weil die Komplexität des menschlichen Verstandes ungeheuer groß ist und sich nicht in der bloßen Rechenkapazität erschöpft. Aber die Aussage selbst ist doch zweifelhaft. Wenn man behauptet, eine informationsverarbeitende Maschine könnte niemals die Arbeit eines Wissenschaftlers übernehmen, dann muss man erklären, worin das spezielle Addendum eines Menschen gegenüber einer Maschine bestehen soll, seine Seele etwa?
Aber auch wenn man diesen metaphysischen Vorbehalt beiseite lässt, stimmt die Aussage nicht. Im Rahmen der Gültigkeit der Naturgesetze sind solche Systeme möglich, die derzeit besten wiegen etwa 70 kg und verbrauchen pro Tag etwa 8000 Kilojoule. Und wie unsere eigene Existenz ja bestens beweist, ist ihre Produktion problemlos möglich, ohne genau zu wissen, wie sie funktionieren.
Ein bisschen erinnert mich die Aussage der beiden Wissenschaftler an die Zuversicht der Großmeister vor einigen Jahren. Trotz der ständig steigenden Spielstärke der Schachprogramme, noch schneller als das Mooresche Gesetz es vorhersagen ließ, waren sie doch tatsächlich der Meinung, dass ein Schachprogramm niemals (oder wenigstens zu ihren Lebzeiten) so stark wie sie selbst spielen könnte - wegen der fehlenden Kreativität. Heute ist diese Behauptung widerlegt und kein Großmeister hat mehr Lust, gegen ein solches Blechmonster anzutreten.
Für mich ist die Frage eine prinzipiell andere: In welche Richtung wollen wir die Entwicklung der künstlichen Intelligenz treiben? Wollen wir Universalmaschinen haben, die uns wirklich auf allen Gebieten ein kleines bisschen überlegen sind? Oder wollen wir Spezialmaschinen bauen, die uns auf den Gebieten, auf denen wir unglaublich schlecht sind, unter die Arme greifen, ohne dafür ein Bewusstsein ihrer selbst zu entwickeln? Denn die eingangs im Spiegelartikel geschilderten Programme / Algorithmen sind von diesem Typ und es gibt noch viel mehr von ihnen. Die Systeme, von denen sich Mathematiker Gleichungen umstellen und vereinfachen lassen, gehören dazu, oder Wetterrechner. Auch intelligente Antwortprogramme wie Wolframs Alpha würde ich dazu zählen.
Zu der Meinung, dass Maschinen, weil sie aus Metall sind, niemals so wie wir werden können, gibt es übrigens von irgendwoher aus dem Universum auch die Gegenmeinung: Sie sind aus Fleisch. Joscha Bach hat diese Geschichte von Terry Bisson aus dem Englischen übersetzt, das Original findet man zum Beispiel hier.
Kategorien: Visionen.
Sonntag, 05.April 2009
Was den forschenden Computer angeht: Ein Traum wäre z.B., wenn er irgendwann das Verhalten von Molekülen in menschlichen Zellen aufgrund von Gesetzen simulieren könnte, die er selbst aus Beobachtungen destilliert hat.
Ein Alptraum dagegen wäre ein unbeweglicher Blechkasten, der sich seiner Existenz bewusst wird. Wie können wir ausschließen, dass wir eine solche Maschine irgendwann versehentlich herstellen? Unsere neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über Korrelate des menschlichen Bewusstseins sind ja noch weit davon entfernt, ein vollständiges Bild zu ergeben. Man kann den klugen Artefakten nur wünschen, dass die Neurowissenschaftler diesen heiklen Wettlauf mit den Informatikern gewinnen -- und sei es mit Hilfe von forschenden Computern, die elektrische und chemische Daten aus Gehirnen in Naturgesetze gießen.
Und: Da das Militär ja der traditionell größte Forschungs-Auftraggeber ist, gibt es auf dem Felde der KI noch so einige mögliche Erfindungen, vor denen wir (oder mindestens kommende Generationen) richtig viel Angst haben müssen. Beispielsweise fliegende Nanoboter...
Und dann sind wir ja sowieso auf unsere eigene mesoskopische Skala, die Wahrnehmung von dort auftretenden Problemen und deren intelligente Lösung fixiert. Intelligenz als kreatives Problemlösen auf anderen Größenskalen würden wir vielleicht gar nicht bemerken - die Gaia-Hypothese und das Fieber, dass Gaia gerade hat, ist auch eine Methode, ihre Probleme zu lösen. Und in der anderen Richtung: Unser Körper enthält mehr Bakterien als Körperzellen, wer ist hier der Wirt und wer der Gast? Unser Standpunkt, uns selbst für die einzig Intelligenten zu halten, ist eindeutig anthropozentrisch und selbstreferenziell in Bezug auf die Definition, was intelligent ist.
Ist die Entwicklung unaufhaltsam? Wahrscheinlich...
Wenn ich nicht schon ein paar (Web)Auftritte von Metzinger gesehen hätte, würde ich ihm die psychologische Diagnose stellen, dass er schwer depressiv ist, so zwanghaft wie er bewusstes Leben mit Leiden statt mit unendlicher Freude über das damit ermöglichte Empfinden der Schönheit der Welt verbindet.
Was der ersten künstlichen Superintelligenz höchstwahrscheinlich fehlen wird, ist ein Belohnungssystem, das Sinnlosigkeitsüberlegungen und endlos kreisende Grübeleien zeitweise unterbinden, durch unmittelbare positive Erlebnisqualitäten kompensieren könnte. Schwerstbehinderte Menschen verfügen in der Regel über ein intaktes Belohnungssystem, und da sehe ich einen gravierenden Unterschied.