Karl Raimund Popper
Heute bin ich über die Aufzeichnung einer Sendung mit Karl Popper gestolpert, die im Mai 1990 ausgestrahlt wurde. Zum Zeitpunkt des im Film gezeigten Interviews war Karl Popper 87 Jahre alt.
Die Fortsetzung: Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.
Der letzte Teil ist nicht vollständig, der Film bricht mitten in einer Frage ab. Auch an solchen Fernsehsendungen, nicht nur bei Spielfilmen, bemerkt man, dass sich unsere Sehgewohnheiten in den letzten knapp 20 Jahren sehr geändert haben. Auch die Seitenaufrufe dieser fünf Videos sinken von Teil zu Teil, von 24.000 auf unter 6000. Aber manchmal tut einem eine solche langsame Kamera- und Interviewführung richtig gut.
Interessant im Zusammenhang mit Karl Popper auch der Bericht über sein einziges persönliches Zusammentreffen mit Ludwig Wittgenstein, den zweiten großen österreichischen Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Mir steht Popper näher. Ich glaube nicht, dass sich alle großen philosophischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme auf bloße Unzulänglichkeiten des Sprachgebrauchs zurückführen lassen.
Kategorien: Visionen, Filme
Die Fortsetzung: Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.
Der letzte Teil ist nicht vollständig, der Film bricht mitten in einer Frage ab. Auch an solchen Fernsehsendungen, nicht nur bei Spielfilmen, bemerkt man, dass sich unsere Sehgewohnheiten in den letzten knapp 20 Jahren sehr geändert haben. Auch die Seitenaufrufe dieser fünf Videos sinken von Teil zu Teil, von 24.000 auf unter 6000. Aber manchmal tut einem eine solche langsame Kamera- und Interviewführung richtig gut.
Interessant im Zusammenhang mit Karl Popper auch der Bericht über sein einziges persönliches Zusammentreffen mit Ludwig Wittgenstein, den zweiten großen österreichischen Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Mir steht Popper näher. Ich glaube nicht, dass sich alle großen philosophischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme auf bloße Unzulänglichkeiten des Sprachgebrauchs zurückführen lassen.
Kategorien: Visionen, Filme
Mittwoch, 01.April 2009
Als hypothetischer Realist ...
Schade, dass wir nicht mehr erleben können, wie sich unsere heutigen global(isiert)en Probleme, die politisches Handeln selbst in Friedenszeiten zu einem Eiertanz machen, auf sein Denken ausgewirkt hätten...
Wie wahr!
Aber ohnehin schwinden die politischen Gestaltungsspielräume mit dem Fortschreiten der ökonomischen Globalisierung. Die Stärke solcher systemischen Einflüsse hat Popper sicherlich unterschätzt.
Deshalb ist die Globalisierung auch kein unabänderliches Schicksal, wie es uns die Neoliberalen weismachen wollten. In einem (Spiegel?)Artikel war die Rede davon, dass Politik und Ökonmie zueinander heterarchisch wirkende Systeme sind. Vermutlich auch aus dem Grund, weil alle Menschen in *beiden* Systemen zu Hause sind und diese Trennung (Wittgenstein, ha!) nur ein Problem unserer Theorien ist und nicht der Wirklichkeit. Wenn dem so ist, dann spricht nichts dagegen, dass die Politik wieder die Initiative an sich reißt und verbindliche (neue) Spielregeln für alle Beteiligten erlässt. Erste Ansätze sind ja zu erkennen, nur leider besteht dabei immer das Problem, dass die Regierigen Teil der Besserstehenden in den einzelnen Gesellschaften sind und ihr persönlicher Leidensdruck nicht der größte im Vergleich zu dem vieler Regierter ist.
Erstens haben wir längst eine globale Ökonomie, aber leider keine politischen Institutionen, die ihr in vergleichbarer Effektivität Rahmenbedingungen setzen könnten wie Staatsregierungen früher den Nationalökonomien.
Zweitens bringt es die (in Teilen) nichtlineare Dynamik sozio-ökonomischer Systeme mit sich, dass die zeitliche Reichweite politischer Kalküle zu kurz ist, um sie zuverlässig steuern zu können.
Und drittens ist der Mensch noch in einem dritten System zu Hause, das den beiden anderen in wachsendem Maße seine Spielregeln diktiert: im globalen Öko-System.
Wenn wir uns die Chance erhalten wollen, unsere Welt in wünschenswerter Weise zu gestalten, dann müssen wir vor allem die systematischen Wirkmechanismen verstehen, die wir aktuell vorfinden. Von wie vielen "Regierigen" (der Ausdruck gefällt mir!) dürfen wir dies hoffen, was meinst Du?
Noch eine Randbemerkung zu Wittgenstein: Die Erkenntnis, dass die Trennung der Systeme bloß auf sprachlichen Konstruktionen beruht, wird uns bei der Lösung der realen Probleme nicht helfen. Im Gegenteil: Ich halte solche Abgrenzungen für unverzichtbar, da wir nicht beschreiben, rekonstruieren können, was wir nicht zuvor identifiziert haben. Das heißt freilich nicht, dass jedes Konstrukt nützlich, jede Kategorie sinnvoll ist. Aber im Falle von Ökologie, Ökonomie und Politik wüsste ich nicht, wie man sie als ein vereintes System modellieren soll.
Es ist nicht klar, ob es sinnvoll ist, das CO2 in Anlagen in den Kraftwerken aufzufangen, oder ob man die Filter nicht dorthin baut, wo man das CO2 verwerten kann. Also entweder in der Nähe unterirdischer Hohlräume zum Verpressen oder in Meeresnähe: Kohlendioxid könnte in Zement verwandelt werden. Die Kosten für die Filterung des CO2 aus normaler Luft sind zwar wegen der niedrigeren Konzentration höher als im Abgas der Kraftwerke, aber dieser Nachteil könnte durch den überflüssigen Transport kompensiert werden.
Das Problem verwandelt sich durch diese Techniken von einem global-ökologischen in ein global-ökonomisches, denn es muss einen Geld- bzw. Ressourcentransfer von den Emittenten des Gases und den Verbrauchern der Energie zu den Absorbern geben. Und um dieses global-ökonomische Problem zu lösen, benötigt man eine globale Politik, die die Interessen praktisch aller Menschen auf dem Planeten berücksichtigt.
In diesem Sinne ist die Trennung in die drei Problemgruppen tatsächlich nur eine sprachlich-analytische, das Gemeinsame ist die globale Dimension der Aufgaben und ihrer Lösungen. Tatsächlich sind alle heute bekannten Probleme lösbar, die jetzigen Entscheidungsträger hoffen aber immer noch, dass sie die Kosten für ihre Klientel niedriger als für andere halten können - was die Gesamtkosten durch das Nichthandeln nur weiter in die Höhe treibt. Es pokern alle auf Zeit. Im Endeffekt wird dieser Prozess dazu führen, dass immer weniger der heutigen demokratischen Institutionen und marktwirtschaftlichen Strukturen übrig bleiben könnten, wenn die Natur uns selbst diktatorische Maßnahmen aufzwingt, die mit "Laissez-faire" nicht mehr vereinbar sein werden.