Karl Raimund Popper

Heute bin ich über die Aufzeichnung einer Sendung mit Karl Popper gestolpert, die im Mai 1990 ausgestrahlt wurde. Zum Zeitpunkt des im Film gezeigten Interviews war Karl Popper 87 Jahre alt.


Die Fortsetzung: Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

Der letzte Teil ist nicht vollständig, der Film bricht mitten in einer Frage ab. Auch an solchen Fernsehsendungen, nicht nur bei Spielfilmen, bemerkt man, dass sich unsere Sehgewohnheiten in den letzten knapp 20 Jahren sehr geändert haben. Auch die Seitenaufrufe dieser fünf Videos sinken von Teil zu Teil, von 24.000 auf unter 6000. Aber manchmal tut einem eine solche langsame Kamera- und Interviewführung richtig gut.

Interessant im Zusammenhang mit Karl Popper auch der Bericht über sein einziges persönliches Zusammentreffen mit Ludwig Wittgenstein, den zweiten großen österreichischen Philosophen des 20. Jahrhunderts.


Mir steht Popper näher. Ich glaube nicht, dass sich alle großen philosophischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Probleme auf bloße Unzulänglichkeiten des Sprachgebrauchs zurückführen lassen.

Kategorien: Visionen, Filme
ostfriese - 4. April, 18:11

Als hypothetischer Realist ...

... und kritischer Rationalist steh ich auch näher bei Popper. Allerdings glaube ich, dass er dem Handeln von Menschen etwas zu viel Bedeutung beimisst und die natürlichen Grenzen individueller Freiheit nicht hinreichend in Betracht zieht.

Schade, dass wir nicht mehr erleben können, wie sich unsere heutigen global(isiert)en Probleme, die politisches Handeln selbst in Friedenszeiten zu einem Eiertanz machen, auf sein Denken ausgewirkt hätten...

Köppnick - 5. April, 15:40

Manchmal träume ich von einer Meritokratie, aber die würde sicherlich auch nicht besser funktionieren. Und doch ist es irgendwie vollkommen irrsinnig, dass die heutige Krise, die durch die Entkopplung der Geldwirtschaft von der Warenwirtschaft verursacht wurde, durch eine erhöhte Emmission weiteren Geldes beendet werden soll. Zunächst führt dieser Ansatz offenbar nur dazu, dass sich die Profiteure der Zeit vor der Krise auch in der Krise noch besonders gut bereichern können. Da wäre es doch wunderbar, wenn an der Spitze Leute stehen würden, für die materielle Güter überhaupt keine oder nur eine marginale Rolle spielen.
ostfriese - 5. April, 18:08

Wie wahr!

Aber den weisen Weltenkönig, der alles wieder heil macht, wird es wohl nicht geben. Und schon an meinen privaten Erfahrungen als 'Freizeit-Aufklärer' kann ich ablesen, dass in der Hierarchie derjenigen Faktoren, die Menschen zu Meinungs- oder gar Verhaltensänderungen motivieren, rationale Argumente unter 'ferner liefen' rangieren. Wir Deutschen können uns noch glücklich schätzen, dass die meisten unserer Spitzenpolitiker halbwegs gebildete und denkfähige Akademiker sind -- das ist keineswegs selbstverständlich.

Aber ohnehin schwinden die politischen Gestaltungsspielräume mit dem Fortschreiten der ökonomischen Globalisierung. Die Stärke solcher systemischen Einflüsse hat Popper sicherlich unterschätzt.
Köppnick - 5. April, 18:43

Ich bin nicht ganz so pessimistisch. Wie man den Videos (und Poppers Theorie) ja sehr schön entnehmen kann, kann man aus Gegenwart und Vergangenheit nur sehr wenig für die Zukunft prognostizieren - weil die Akteure ja nicht blind agieren, sondern ebenfalls alle Informationen bewusst nutzen können. Genau aus diesem Grund läuft die jetzige Weltwirtschaftskrise anders ab als in den 20er Jahren.

Deshalb ist die Globalisierung auch kein unabänderliches Schicksal, wie es uns die Neoliberalen weismachen wollten. In einem (Spiegel?)Artikel war die Rede davon, dass Politik und Ökonmie zueinander heterarchisch wirkende Systeme sind. Vermutlich auch aus dem Grund, weil alle Menschen in *beiden* Systemen zu Hause sind und diese Trennung (Wittgenstein, ha!) nur ein Problem unserer Theorien ist und nicht der Wirklichkeit. Wenn dem so ist, dann spricht nichts dagegen, dass die Politik wieder die Initiative an sich reißt und verbindliche (neue) Spielregeln für alle Beteiligten erlässt. Erste Ansätze sind ja zu erkennen, nur leider besteht dabei immer das Problem, dass die Regierigen Teil der Besserstehenden in den einzelnen Gesellschaften sind und ihr persönlicher Leidensdruck nicht der größte im Vergleich zu dem vieler Regierter ist.
ostfriese - 6. April, 02:06

Ich sehe mindestens drei ganz große Probleme:

Erstens haben wir längst eine globale Ökonomie, aber leider keine politischen Institutionen, die ihr in vergleichbarer Effektivität Rahmenbedingungen setzen könnten wie Staatsregierungen früher den Nationalökonomien.

Zweitens bringt es die (in Teilen) nichtlineare Dynamik sozio-ökonomischer Systeme mit sich, dass die zeitliche Reichweite politischer Kalküle zu kurz ist, um sie zuverlässig steuern zu können.

Und drittens ist der Mensch noch in einem dritten System zu Hause, das den beiden anderen in wachsendem Maße seine Spielregeln diktiert: im globalen Öko-System.

Wenn wir uns die Chance erhalten wollen, unsere Welt in wünschenswerter Weise zu gestalten, dann müssen wir vor allem die systematischen Wirkmechanismen verstehen, die wir aktuell vorfinden. Von wie vielen "Regierigen" (der Ausdruck gefällt mir!) dürfen wir dies hoffen, was meinst Du?

Noch eine Randbemerkung zu Wittgenstein: Die Erkenntnis, dass die Trennung der Systeme bloß auf sprachlichen Konstruktionen beruht, wird uns bei der Lösung der realen Probleme nicht helfen. Im Gegenteil: Ich halte solche Abgrenzungen für unverzichtbar, da wir nicht beschreiben, rekonstruieren können, was wir nicht zuvor identifiziert haben. Das heißt freilich nicht, dass jedes Konstrukt nützlich, jede Kategorie sinnvoll ist. Aber im Falle von Ökologie, Ökonomie und Politik wüsste ich nicht, wie man sie als ein vereintes System modellieren soll.
Köppnick - 8. April, 19:36

Die Gliederung in die drei Problemgruppen ist richtig, aber es gibt einen engen Zusammenhang zwischen ihnen, der sich vor allem zeigt, wenn man überlegt, wie die *Lösungen* aussehen könnten. Am Beispiel des CO2 als einem der zentralen ökologischen Probleme:

Es ist nicht klar, ob es sinnvoll ist, das CO2 in Anlagen in den Kraftwerken aufzufangen, oder ob man die Filter nicht dorthin baut, wo man das CO2 verwerten kann. Also entweder in der Nähe unterirdischer Hohlräume zum Verpressen oder in Meeresnähe: Kohlendioxid könnte in Zement verwandelt werden. Die Kosten für die Filterung des CO2 aus normaler Luft sind zwar wegen der niedrigeren Konzentration höher als im Abgas der Kraftwerke, aber dieser Nachteil könnte durch den überflüssigen Transport kompensiert werden.

Das Problem verwandelt sich durch diese Techniken von einem global-ökologischen in ein global-ökonomisches, denn es muss einen Geld- bzw. Ressourcentransfer von den Emittenten des Gases und den Verbrauchern der Energie zu den Absorbern geben. Und um dieses global-ökonomische Problem zu lösen, benötigt man eine globale Politik, die die Interessen praktisch aller Menschen auf dem Planeten berücksichtigt.

In diesem Sinne ist die Trennung in die drei Problemgruppen tatsächlich nur eine sprachlich-analytische, das Gemeinsame ist die globale Dimension der Aufgaben und ihrer Lösungen. Tatsächlich sind alle heute bekannten Probleme lösbar, die jetzigen Entscheidungsträger hoffen aber immer noch, dass sie die Kosten für ihre Klientel niedriger als für andere halten können - was die Gesamtkosten durch das Nichthandeln nur weiter in die Höhe treibt. Es pokern alle auf Zeit. Im Endeffekt wird dieser Prozess dazu führen, dass immer weniger der heutigen demokratischen Institutionen und marktwirtschaftlichen Strukturen übrig bleiben könnten, wenn die Natur uns selbst diktatorische Maßnahmen aufzwingt, die mit "Laissez-faire" nicht mehr vereinbar sein werden.
ostfriese - 9. April, 18:25

In diesem Sinne ist die Trennung in die drei Problemgruppen tatsächlich nur eine sprachlich-analytische, das Gemeinsame ist die globale Dimension der Aufgaben und ihrer Lösungen.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Tatsache, dass wir mit ökonomischen Hebeln am ökologischen System ansetzen können, bereits als Beleg dafür taugt, dass die sprachliche Trennung der Systeme keinen realen Anlass hat, sondern bloß Ergebnis einer Modellierungsunzulänglichkeit ist. Dass irgendwie alles mir allem zusammenhängt und dass wir diese Tatsache auch für jedes beliebige Problemfeld konkretisieren können, ist letztlich keine sonderlich erleuchtende -- und schon gar nicht notwendig problemlösungsförderliche -- Einsicht. Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht, dass alle heute bekannten Probleme lösbar sind. Es sei denn, wir sorgen für einen restlosen Overkill aller leidensfähigen Systeme.
Köppnick - 10. April, 12:20

Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht, dass alle heute bekannten Probleme lösbar sind.
Man muss sich sicher jedes einzelne Problem separat betrachten. Aber außer einem Asteroideneinschlag sehe ich keins, bei dem ein Einsatz von genügend vielen Ressourcen nicht zu einer Lösung führen würde. - Es sei denn, du betrachtest das heutige politische und ökonomische System als unveränderbar (fast hätte ich jetzt gottgegeben geschrieben ;-) ).
Es sei denn, wir sorgen für einen restlosen Overkill aller leidensfähigen Systeme.
Diesen Ausweg hat die Natur immer noch, wenn wir es nicht hinbekommen. Nichts überstürzen!

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lach.... ich bin im stern...
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rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
Oje, das mit der Halswirbelsäule ist an mir vorbeigegangen. Das...
steppenhund - 2. Dezember, 11:07
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Köppnick - 30. November, 22:22
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Count Lecrin - 30. November, 19:34
Mail geschickt.)
Mail geschickt.)
steppenhund - 28. November, 16:28
Nein, wir haben uns noch...
Nein, wir haben uns noch nicht bemailt. Meine Adresse...
Köppnick - 28. November, 15:46
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steppenhund - 28. November, 15:02
Mit dem Schreibfehler...
Mit dem Schreibfehler hast Du vollkommen recht. Vor...
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