Anthropische Prinzipien
Nachdem ich über das Darwin-Video auf die Darwin-Jahr-Seite gestoßen bin, die von der Giordano Bruno Stiftung betrieben wird, habe ich einige Texte dort gelesen, unter anderem den Artikel Kein Wunder, dass wir existieren. Dieser Artikel setzt sich mit dem Wunder unserer Existenz auseinander ("Warum ist nicht nichts?).
Dem Schöpfungsmythos werden die anthropischen Prinzipien entgegengesetzt, die Formulierung im Artikel ist zur aktuellen Wikipediaversion identisch:
Die Untersuchung der Konsequenzen des starken Prinzips beschäftigt sich mit den Naturgesetzen und vor allem den fundamentalen Naturkonstanten selbst. Es fällt auf, dass die berechneten Wahrscheinlichkeiten für die Existenz von Sternen, Planeten usw. sehr stark davon abhängen, dass die Naturkonstanten genau die Werte besitzen, die sie heute haben. Bereits kleine Abweichungen führen dazu, dass bestimmte Voraussetzungen für uns bekanntes Leben (wir kennen ja nur unser eigenes) nicht mehr erfüllt sind. Die zentrale Frage also: Wie wahrscheinlich sind "unsere" Werte der Naturkonstanten? Im Artikel findet man die folgende Grafik mit den als fundamental geltenden Konstanten:

Ein zentrales Anliegen auf der Suche nach der Theory of Everything ist es, dass sich in dieser Theorie auch die heutigen Werte der Konstanten quasi automatisch als die "richtigen" ergeben oder wenigstens sehr wahrscheinlich und nicht willkürlich gesetzt sind und außerhalb der Theorie erklärt werden müssen.
Das starke anthropische Prinzip ist unter Wissenschaftlern nicht so "beliebt" wie das schwache:
Kategorie: Physik
Dem Schöpfungsmythos werden die anthropischen Prinzipien entgegengesetzt, die Formulierung im Artikel ist zur aktuellen Wikipediaversion identisch:
Allgemeines anthropisches Prinzip:Man kann sich diese ziemlich verklausulierten Sätze vereinfachen, indem man formuliert, dass es uns
Was wir zu beobachten erwarten können, muss eingeschränkt sein durch die Bedingungen, welche für unsere Gegenwart als Beobachter notwendig sind.
Schwaches anthropisches Prinzip:
Wir müssen vorbereitet sein, die Tatsache in Betracht zu ziehen, dass unser Ort im Universum in dem Sinne notwendig privilegiert ist, dass er mit unserer Existenz als Beobachter vereinbar ist.
Starkes anthropische Prinzip:
Das Universum (und deswegen die fundamentalen Parameter, von welchen es abhängt) muss derart sein, dass es die Entstehung von Beobachtern in ihm in manchen Phasen erlaubt.
- nicht wundern sollte, wenn wir beobachten, dass unsere Umgebung lebensfreundlich ist, weil es uns sonst nicht gäbe - allgemeines Prinzip,
- dass das vielleicht nicht überall im Universum so sein muss und selten ist - schwaches Prinzip - und
- das Universum als Ganzes solche Eigenschaften haben muss, die solche Bedingungen zumindest zeitweise herstellt - starkes Prinzip.
Die Untersuchung der Konsequenzen des starken Prinzips beschäftigt sich mit den Naturgesetzen und vor allem den fundamentalen Naturkonstanten selbst. Es fällt auf, dass die berechneten Wahrscheinlichkeiten für die Existenz von Sternen, Planeten usw. sehr stark davon abhängen, dass die Naturkonstanten genau die Werte besitzen, die sie heute haben. Bereits kleine Abweichungen führen dazu, dass bestimmte Voraussetzungen für uns bekanntes Leben (wir kennen ja nur unser eigenes) nicht mehr erfüllt sind. Die zentrale Frage also: Wie wahrscheinlich sind "unsere" Werte der Naturkonstanten? Im Artikel findet man die folgende Grafik mit den als fundamental geltenden Konstanten:

Ein zentrales Anliegen auf der Suche nach der Theory of Everything ist es, dass sich in dieser Theorie auch die heutigen Werte der Konstanten quasi automatisch als die "richtigen" ergeben oder wenigstens sehr wahrscheinlich und nicht willkürlich gesetzt sind und außerhalb der Theorie erklärt werden müssen.
Das starke anthropische Prinzip ist unter Wissenschaftlern nicht so "beliebt" wie das schwache:
Wenn wir auch mit dem anthropischen Prinzip erklären können, dass wir zwangsläufig in einer Welt leben müssen, die aufgrund ihrer Naturgesetze und ihrer Naturkonstanten intelligentes Leben erlaubt, so bleibt dennoch die Frage, woher die Naturgesetze und die Naturkonstanten kommen. Muss es nicht doch jemanden geben, der sie gemacht hat und auf die Entstehung des Menschen Ziel gerichtet aufeinander abgestimmt hat? Theologen reden hier von einer wunderbaren Feinabstimmung der Naturkonstanten, die nach ihrer Meinung kein Zufall sein kann.In der Tat hat man damit den Bereich der Naturwissenschaften verlassen und betreibt Metaphysik, wenn man a) von uns unbeobachtbare Universen postuliert und b) Universen, die keine Beobachter enthalten. - Hier kommt man auch ganz von selbst zu einer Version des anthropischen Prinzips von John Wheeler, der die Existenz von Beobachtern zu einer Voraussetzung für die Existenz eines Universums macht - was nicht beobachtet wird, existiert nicht.
Einige Physiker, wie z.B. Stephen Hawking glauben, dass es gar keine bestimmten Naturgesetze gibt, sondern dass es eine unendlich große Zahl von Welten gibt, mit unterschiedlichen, beliebigen Naturgesetzen. In gewisser Weise betrachten diese Physiker das Universum wie ein Quantengebilde, das gleichzeitig in mehreren parallelen Zuständen existiert. Jedes Universum hat eigene Naturgesetze und Naturkonstanten. Die moderne Superstringtheorie stützt diese These. Nehmen wir einmal an, es gäbe eine Vielzahl von Universen mit unterschiedlichen Naturgesetzen und Naturkonstanten, so würden nur die Universen als solche erkannt werden, die intelligentes Leben hervorgebracht haben. Ob es Universen gibt, die unbewohnt sind, ist naturwissenschaftlich nicht zu beantworten, da solche Universen naturwissenschaftlichen Beobachtungen und Messungen prinzipiell nicht zugänglich sind.
Es können also grundsätzlich nur solche Universen wahrgenommen werden, deren Naturgesetze und Naturkonstanten so angelegt sind, dass intelligentes Leben entsteht. Damit hätten die Naturgesetze und die Naturkonstanten keine bestimmte Ursache, sondern wären letztlich Folge von Zufällen. Selbst wenn es mehrere Paralleluniversen geben sollte, die von intelligenten Wesen bevölkert sind, so wäre eine gegenseitige Wahrnehmung wahrscheinlich nicht möglich. Denn diese Universen stehen womöglich nicht in kausalem Zusammenhang miteinander und mit unserem eigenen Universum. Der Begriff „parallel“ ist hier im naturwissenschaftlichen Sinn auch nicht definierbar, denn andere Universen hätten weder zeitlich noch räumlich irgendeinen Bezug zu unserem Universum. Es stellt sich damit hier die Frage, ob das starke anthropische Prinzip noch als wissenschaftliche Hypothese gewertet werden kann. Allerdings kann man nicht ausschließen, dass die modernen Theorien der Superstringtheorie oder der Schleifenquantengravitation zu überprüfbaren Aussagen führen, die dann zumindest die Existenz von Paralleluniversen plausibel machen könnten.
Von den meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden die beiden mathematischen Konstanten [e und pi] als noch grundlegender als die Naturkonstanten angesehen, da sie unabhängig von den Naturgesetzen existieren. Selbst wenn es eine Vielzahl von Paralleluniversen gäbe mit unterschiedlichen Naturgesetzen und Naturkonstanten, so müssten wir dennoch davon ausgehen, dass die mathematischen Konstanten immer die gleichen Werte hätten. Diese Aussage ist aber nur eine Vermutung, denn es ist keine Möglichkeit abzusehen, dies zu überprüfen.An den zitierten Abschnitten finde ich drei Aussagen interessant:
Der Physiker John Archibald Wheeler geht nun noch einen Schritt weiter und formuliert das allgemeine anthropische Prinzip folgendermaßen:
"Beobachter sind notwendig, um das Universum zu erzeugen."
Diese Formulierung ist der philosophischen Position des Konstruktivismus zuzuordnen. Grundlage dieser Form des anthropischen Prinzips ist die so genannte Kopenhagener Deutung der Quantentheorie. In dieser Deutung wird die quantenmechanische Wellenfunktion durch einen bewussten Beobachter zu einer messbaren Größe reduziert. Danach spielt also der Beobachter selbst eine wesentliche Rolle in der physikalischen Beschreibung der Welt. Eine weitere sehr spekulative Form des anthropischen Prinzip ist das von Barrow und Tipler formulierte „endgültige anthropische Prinzip“ (engl. Final Anthropic Principle, abgek. FAP):
"Intelligente Informationsverarbeitung muss im Universum entstehen, und, wenn sie einmal entstanden ist, wird sie niemals aussterben."
Wegen ihrer Unbeweisbarkeit wird diese Version von den meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als unwissenschaftlich bezeichnet und damit abgelehnt.
- Den mathematischen Konstanten wird (vielleicht) eine umfassendere Existenz zugebilligt, als es der Geltungsrahmen der Physik zulässt. Es sind aber nicht die Konstanten selbst das eigentlich Bemerkenswerte, sondern sie ergeben sich ja aus Zusammenhängen in mathematischen Konstrukten. Und deren Übertragung auf die Physik ist höchst interessant: e wird benötigt, um in der Zeit verlaufende (Ausgleichs-)Vorgänge, pi um Raumeigenschaften und zeitlich periodische Abläufe zu beschreiben. Haben Raum und Zeit eine über die Materie hinausgehende (=objektive) Existenz - etwas, dass die Physik im Rahmen der Relativitätstheorie und der Quantentheorie eigentlich schon verneint hatte?
- Teleologische Aussagen werden von den Naturwissenschaften stets als unwissenschaftlich verworfen, weil sich Selbstorganisations- und evolutionäre Prozesse sehr gut mit Zufallsprozessen als Ursachen beschreiben lassen. Es ist nur höchst merkwürdig, dass dergestalt evolutionäre Prozesse immer dazu führen, dass die entstehenden Systeme besser in ihre Umwelt passen - das ist doch Teleologie per se?
- Der Terminus "unwissenschaftlich" wird von vielen (Wissenschaftlern) mit "nicht existent" gleichgesetzt. Doch streng genommen bedeutet er lediglich die Aussage, dass dem entsprechenden Ding mit wissenschaftlicher Methodik nicht beizukommen ist. Über die Existenz des Dings oder Vorgangs oder des ??? sagt das eigentlich nichts aus.
Zusammenfassend können wir sagen, dass die zum Teil geringen Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Faktoren, die zur Entwicklung des Menschen auf der Erde geführt haben, kein Argument für einen Schöpfer sind. In einer unendlich großen Welt oder in einer Welt mit unendlich vielen Paralleluniversen werden noch so geringe Wahrscheinlichkeiten durch die unendliche Menge der Möglichkeiten kompensiert. Der Zufall reicht damit zur Erklärung unserer Existenz vollkommen aus. Dies ist zwar kein Beweis gegen die Existenz eines Schöpfergottes, aber es macht ihn restlos überflüssig.Ich glaube zwar auch nicht an die Existenz Gottes (Oder glaube ich an die Nichtexistenz Gottes? Welcher feine Unterschied!), aber den letzten Satz hätte ich so nicht formuliert. Besser wäre ein wenig mehr Bescheidenheit, so wie oben in Punkt 3: Mit wissenschaftlicher Methodik kann man nichts über einen Gott herausfinden, sondern muss sich mit dem Zufall als der Mutter aller Prozesse begnügen.
Kategorie: Physik
Samstag, 28.Februar 2009
Ziellos/zielgerichtet
Ob der evolutionäre Prozess das Optimum erreichen kann, wird dadurch entschieden wie gleichverteilt der Zufall ist und welche Güte die Selektion aufweist. Ist der Prozess nicht gleichverteilt, kann das Optimum möglicherweise nicht erreicht werden (was in der Natur eher nicht der Fall ist, geeignet genug reicht). Ist die Selektion nicht geeignet, werden die unpassenden Lösungen vielleicht nicht verworfen (Selektion klappt in der Natur ziemlich zuverlässig, kleinst Vorteile reichen in ruhigem Fahrwasser). Ein höchst dynamischer Vorgang, der von den zwei Parametern bestimmt wird.
Teleologie setzt für mich voraus, dass der "Designer" entweder Erfahrungen gesammelt hat, die er anwendet oder die nötigen Informationen aus dem Aufbau der Umgebung per Regel bezieht. Der dynamische Vorgang liegt also zum Zeitpunkt des Designs in der Vergangenheit. Der Unterschied ziellos/zielgerichtet ist damit eindeutig bestimmt.
Das ist alles trivial, weshalb ich nicht glaube, dass du dies anders siehst. Aber warum hälst du dann einen evolutionären Vorgang für Teleologie?
Mich hat lange das Problem emergenter Vorgänge beschäftigt. Woher stammen die neuen Eigenschaften, die im Laufe eines evolutionären Prozesses entstehen? Christopher Langan antwortet hier ganz lakonisch (und tautologisch), dass diese Möglichkeiten in der Realität bereits drin gesteckt haben müssen ohne bemerkbar zu sein, weil sie noch nicht realisiert worden waren.
Wenn wir einen evolutionären Vorgang wissenschaftlich untersuchen, dann finden wir einen zufallsgetriebenen Prozess, mit dem irgendeine noch nicht besetzte Nische ausgefüllt wird - just mit den Systemen, die zu den Eigenschaften dieser Nische am besten passen. Für mich ist das merkwürdig und eine Variante der Frage "Warum ist nicht nichts?". Ich habe Verständnis dafür, dass Wissenschaft sagt, dass das nicht wissenschaftlich ist, weil da nichts zu falsifizieren ist, aber das schafft diese Frage trotzdem nicht aus der Welt.
Ich glaube, dass der Begriff Teleologie so verpönt ist, weil er in der Nähe von Intelligent Design gerückt wird und das wiederum in die Nähe von Schöpfergott und Kreationismus. Er scheint mir in dieser Auseinandersetzung semantisch verbrannt worden zu sein. Vielleicht verbinden andere auch andere Vorstellungen damit, ich formuliere es für mich so: Die Realität (=die Natur) enthält die Möglichkeit der Existenz bewusster Wesen. Und weil sie zugleich über einen Prozess zur Erzeugung dieser Wesen verfügt, entstehen diese auch mit Sicherheit. Das Auftreten bewusster Wesen ist also kein Zufall, sondern gesetzmäßig. Wieder zurück zu Langan: Diese Möglichkeiten steckten in der Realität (=dem Universum) von Anfang an drin. Wenn man das abstreitet, hat man das Problem zu erklären, wie diese Eigenschaften später ins Universum gekommen sind - Langans magisches Kaninchen.
Das das auch *theologisch* ausgeschlachtet werden kann, kann nicht als Argument dagegen verwendet werden.
Dein Beispiel von ziellos und zielgerichtet überzeugt mich nicht. Als Beispiel kann man eine Monte-Carlo-Simulation nehmen. Hier läuft ein Zufallsprozess (ziel-los, eine Art Mutation), aber das gewünschte Ziel ist bekannt und wird so gefunden (ziel-gerichtet). In unserem Fall: Eine bestimmte Nische soll besetzt werden. Konzentriert man sich auf die Untersuchung des Prozesses, sieht man wieder nur den zufälligen Charakter. Aber die Möglichkeit der Lösung steckte von Anfang an drin, sonst hätte sie ja nicht gefunden werden können. Das ist, wenn man so will, auch trivial. Ich glaube, es ist nur ein semantischer Dissens.
Wenn das Auge nicht wieder so ein verbranntes Beispiel wäre könnte man auch damit argumentieren: Die evolutionären Prozesse, die bei verschiedenen Tieren stattgefunden haben, waren bei ihnen unterschiedlich, z.B. könnten die Augen auf verschiedenen Genen auf unterschiedlichste Weise kodiert sein. Aber die gefundene Lösung ist sehr ähnlich, weil sie sich auf die Aufgabe und die zur Verfügung stehenden Naturgesetze bezieht. Die Lösung steckt also in der Realität (der Natur) bereits drin, bevor sie gefunden wurde.
In einem höheren Sinn kann man überhaupt nichts erfinden, was nicht als bloße Möglichkeit schon existieren würde. Woher sollte etwas kommen, das unmöglich ist? Teleologie ist also für mich, dass mögliche Lösungen mit Sicherheit gefunden werden, wenn Raum und Zeit für den Suchprozess ausreichen.
@Metepsilonema
Die Beobachtung von größerer Komplexität könnte ein typisches Beispiel des anthropischen Prinzips sein, also nur für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort geltend. Tatsächlich war das Universum am Anfang sehr uniform und diese Komplexität wird, wenn die kosmologischen Modelle stimmen, irgendwann auch wieder verschwinden, d.h. das Universum wieder gleichförmig und langweilig werden. (Ich glaube es aber nicht so recht, vermutlich sind diese Modelle falsch.) Im Mittel nimmt die Entropie ständig zu, und diese komplexen Systeme (also wir) erhalten und erhöhen unsere Komplexität, indem wir die Entropie außerhalb von uns überproportional steigern.
Der Zufall ist aber unbedingt notwendig, sonst funktioniert Evolution ja nicht.
Ja, natürlich!