Der dritte Replikator
Beim Lesen von Susan Blackmores Buch Die Macht der Meme war für mich eine Idee mehr als nahe liegend, die sie aber im Buch nicht selbst geäußert hatte:
Und aus den Neurowissenschaften ist bekannt, dass unser Bewusstsein prima damit klarkommt, wenn die Grenzen des Körpers unscharf werden. Wissenschaftler verschmelzen im Flow mit ihrer Aufgabe, Rennfahrer mit ihrem Auto. Schaltet man (durch Drogen oder durch Schlaganfälle) die Rückmeldungen des Körpers an das Gehirn ab, dann fühlt sich der Geist sogleich eins mit dem Universum. Und ich sehe auch keinen prinzipiellen Grund, warum Maschinen kein Bewusstsein entwickeln sollten und warum dieses Bewusstsein anders oder schlechter als unser heutiges sein sollte. So what? Aus Sicht der Evolution des Bewusstseins ist es völlig irrational, sich davor zu fürchten, dass die Wesen der Zukunft anders aussehen werden als wir.
Wir müssen nicht unsere Körper vor dem Aussterben bewahren, sondern unseren Geist (=die Meme). Und der ist in den robusteren Körpern von Maschinen wahrscheinlich besser aufgehoben als in einem mit 80% Wasser gefüllten Behälter, dem es ständig entweder zu kalt oder zu warm oder zu nass oder zu trocken ist und der ständig anderen Wesen nach dem Leben trachtet und sie aufzufressen versucht, nur um sich selbst am Leben zu erhalten. Ich hätte nichts dagegen, den ganzen Tag in der Sonne zu sitzen, um meine Batterien aufzuladen und dabei gleichzeitig über den Sinn des Lebens nachzudenken.
Kategorien: Visionen, Evolution
Gene und Meme sind die zwei uns heute bekannten Replikatoren, also zwei Ausprägungen eines evolutionären Prinzips. Gibt es weitere Replikatoren? Was passiert, wenn wir Roboter geschaffen haben, die a) sich selbst replizieren können und b) über von ihnen weitergegebbare Gedanken (=Meme) verfügen? Die Meme könnten zur Erkenntnis gelangen (ohne dabei selbst intentional oder bewusst zu sein), dass die Existenz von Genen für ihre eigene Existenz dann nicht mehr notwendig ist, weil die neuen Replikationsmaschinen für sie effektiver sind (mehr Speicher, schneller, weniger anfällig).In diesem Spiegelartikel, der eine Übersetzung aus der Internetzeitung Edge ist, äußert sie sich nun selbst zu dieser Idee. Sie schlägt für die neuen Replikatoren (die vorhandenen sind die Gene und die Meme) alternativ die Begriffe Teme (technische Meme) oder Treme (tertiäre Meme) vor. Und sie hat offenbar Angst vor den Maschinen und deren Evolution:
Haben wir ungewollt einen dritten Replikator freigesetzt, der auf menschlichen Memen huckepack reitet? Ich glaube ja. Die Informationen, die diese Maschinen kopieren, sind nicht menschliche Sprache oder Bewegungsabläufe. Es sind digitale Informationen, die um den verfügbaren Platz in riesigen Servern und elektronischen Netzwerken konkurrieren, wobei sie durch elektronische Prozesse mit extrem hoher Güte kopiert werden. Wenn erst einmal alle drei Vorgänge – Kopieren, Variation und Selektion – von diesen Maschinen durchgeführt werden, wird meiner Meinung nach tatsächlich ein neuer Replikator entstanden sein.Diese Angst erstaunt mich, denn es zeigt mir, dass Susan Blackmore ein anderes Verständnis von Evolution und Bewusstsein hat als ich es von ihr gedacht hätte. Wie vollzieht sich denn das Aussterben einer Art, wenn sie einer besseren Platz machen muss? Ganz bestimmt nicht so, wie es in den Terminator-Filmen gezeigt wurde. Die meisten Arten sterben auf die sanfte Tour aus. Die Vermehrungsraten bleiben über viele Generationen, meist Hunderttausende von Jahren, unter denen der Konkurrenten zurück. Aber die Individuen leben und sterben in dieser ganzen Zeit ganz normal. In unserem Fall könnte es auch so sein, dass immer mehr unserer bewussten Inhalte in technische Systeme „umziehen“ und die organische Grundlage immer mehr obsolet wird. Dieser Prozess hat schon längst begonnen, Brille, Herzschrittmacher, Hüftimplantat, Taschenrechner.
…
Wie sieht also der Schritt aus, der alles verändern wird? Im Augenblick benötigen uns Teme noch, um ihre Maschinen zu bauen und um die Kraftwerke zu betreiben, so wie Gene den menschlichen Körper benötigen, um sie zu kopieren und ihnen Energie zu liefern. Aber wir Menschen sind zerbrechliche, beschränkte Kopiermaschinen von minderer Qualität, und wir benötigen einen gesunden Planeten mit den richtigen Klimabedingungen und den richtigen Nahrungsmitteln, um überleben zu können. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Maschinen, von denen wir dachten, wir hätten sie erschaffen, sich selbst replizieren können. Das mag erst mit der Nanotechnologie geschehen, oder es kann dadurch passieren, dass Server und große Tem-Maschinen ihre eigene Energieversorgung erhalten und die Fähigkeit, sich selber zu reparieren.
Wir wären dann entbehrlich. Damit würde sich wirklich alles verändern.
Und aus den Neurowissenschaften ist bekannt, dass unser Bewusstsein prima damit klarkommt, wenn die Grenzen des Körpers unscharf werden. Wissenschaftler verschmelzen im Flow mit ihrer Aufgabe, Rennfahrer mit ihrem Auto. Schaltet man (durch Drogen oder durch Schlaganfälle) die Rückmeldungen des Körpers an das Gehirn ab, dann fühlt sich der Geist sogleich eins mit dem Universum. Und ich sehe auch keinen prinzipiellen Grund, warum Maschinen kein Bewusstsein entwickeln sollten und warum dieses Bewusstsein anders oder schlechter als unser heutiges sein sollte. So what? Aus Sicht der Evolution des Bewusstseins ist es völlig irrational, sich davor zu fürchten, dass die Wesen der Zukunft anders aussehen werden als wir.
Wir müssen nicht unsere Körper vor dem Aussterben bewahren, sondern unseren Geist (=die Meme). Und der ist in den robusteren Körpern von Maschinen wahrscheinlich besser aufgehoben als in einem mit 80% Wasser gefüllten Behälter, dem es ständig entweder zu kalt oder zu warm oder zu nass oder zu trocken ist und der ständig anderen Wesen nach dem Leben trachtet und sie aufzufressen versucht, nur um sich selbst am Leben zu erhalten. Ich hätte nichts dagegen, den ganzen Tag in der Sonne zu sitzen, um meine Batterien aufzuladen und dabei gleichzeitig über den Sinn des Lebens nachzudenken.
Kategorien: Visionen, Evolution
Mittwoch, 21.Januar 2009
Vielleicht ist es schon zu spät, aber diesen Satzteil verstehe ich nicht: Wissenschaftler verschmelzen im Flow mit ihrer Aufgabe [...]
Wissenschaftler verschmelzen im Flow mit ihrer Aufgabe Die eigene Persönlichkeit verschwindet, Raum und Zeit werden bedeutungslos, die Aufgabe löst sich von selbst. Erst nach der Lösung der Aufgabe taucht die Persönlichkeit aus dem Flow wieder auf.