Der Weltuntergang ist nahe!

Köppnick lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und rieb mit den Fingern über seine schmerzenden Augen. Trotz zunehmender Müdigkeit war er euphorisch, denn er hatte den entscheidenden Abschnitt des Textes jetzt fertig übersetzt:
Es ist 9:32, am 11. Februar 63.327.856 vor Christus, wo ich soeben aus dem Stall zurückgekommen bin. Die Sauropoden wollen ihr Farn nicht fressen, weil es heute morgen dunkel geblieben ist.
Es war Köppnick nicht leicht gefallen, die alte krakelige Schrift zu entziffern. Aber welche Sensation würde seine Übersetzung in der Fachwelt auslösen, war es doch der erste klar datierte Hinweis auf den genauen Zeitpunkt des Aussterbens der Dinosaurier! Mit diesem Text konnte der Zeitpunkt des Weltuntergangs für die Saurier auf den Zeitraum zwischen dem Sonnenuntergang am 10. Februar 63.327.856 vor Christus um 17:41 und dem Sonnenaufgang am 11. Februar 63.327.856 vor Christus 7:57 eingegrenzt werden. Viele Fachbücher würde man umschreiben müssen, denn in den meisten hieß es noch:
Die Saurier starben aus, weil es nach dem Einschlag eines gewaltigen Meteoriten auf der Erde längere Zeit dunkel wurde.
Wie sich jetzt gezeigt hatte, war das völlig falsch, denn offenbar wurde es nicht dunkel, sondern, da der Einschlag nachts erfolgt war, blieb es das einfach nur. Der soeben übersetzte Eintrag war übrigens der letzte im Tagebuch des saurischen Bauern geblieben. Vermutlich gingen ihm noch im Laufe des ersten Tages die Kerzen aus und im Dunkeln konnte oder wollte er nicht weiter schreiben.

Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere hatte sich Köppnick immer weiter in die Vergangenheit vorgetastet. Von den christlichen Chronisten war er dabei schwer enttäuscht worden. Diese hatten den Zeitpunkt der Schöpfung für das Jahr 3951 vor Christus berechnet, den Weltuntergang für 2049 nach Christus. Sie bezogen sich dabei auf Berechnungen anhand der Evangelien der Bibel. Aber im Matthäusevangelium lagen zwischen König David und Jesus 28 Generationen, im Lukasevangelium hingegen 43. Zudem hießen die Ahnen in den beiden verschiedenen Stammbäumen auch noch anders. Wie konnte man daraus vernünftige Daten für den Weltauf- und den Weltuntergang berechnen? Es fehlte einfach ein Dokument der folgenden Form:
Hallo liebes Tagebuch, ich bin der Adam, heute ist der 23. Juni 3951 vor Christus. Es ist schön warm, weil die Sonne heute zum ersten Mal aufgegangen ist. Eva soll sich was anziehen, jetzt kann sie nich mehr einfach nackig rumrennen, als wo alle sie sehen können.
Wenn die Bibel Gottes Wort sein sollte, wie waren dann diese Widersprüche zu erklären? Gott hatte wahrscheinlich bei seinen Offenbarungen so genuschelt, dass die Menschen nicht mal seinen Namen richtig verstanden hatten und sich jetzt seit Jahrhunderten die Köpfe einschlugen, weil sie sich nicht darauf einigen konnten, ob er sich ihnen mit "Jehova", "Gott" oder "Allah" vorgestellt hatte, ob man ein Kopftuch brauchte und ob man besser Rind- als Schweinefleisch essen sollte. Solche verbissenen Auseinandersetzungen kannten die Dinosaurier noch nicht, obwohl auch sie sich gern ums Kulinarische stritten, wer für wen als Futter gedacht war.

Mehr Ordnung bezüglich Weltauf- und Weltuntergang herrschte dagegen bei den Mayas. Nach dem Maya-Kalender wurde das vierte Zeitalter am 11. August 3114 vor Christus mit dem Tag 0.0.0.0.0 und der Erschaffung der Erde begonnen. Ende des vierten Zeitalters wird am 21. oder 23. Dezember 2012 sein, denn einen Tag später wäre der 13.0.0.0.0 nach ihrem Kalender, was von den Maya-Astronomen und Wissenschaftlern wohl so nicht vorgesehen war. Deshalb muss dann ein Weltuntergang stattfinden.

Die kleine Unsicherheit von 2 Tagen sollte man ihnen nicht krumm nehmen, überlegte Köppnick, schließlich hat es mit dem Julianischen Kalender noch viel größeren Murks gegeben. Überhaupt ist es ein Zeichen von Vertrauenswürdigkeit, wenn der Weltuntergang nicht an einem besonderen astronomischen Datum stattfindet, dachte er. Angekündigte Weltuntergänge zu Silvester, bei Voll- oder Neumond oder in Abhängigkeit bestimmter Sternkonstellationen stimmten ihn schon immer misstrauisch.

Auf jeden Fall war es nett von den Mayas gewesen, den Zeitpunkt des Weltuntergangs so lange im Voraus bekannt zu geben. So konnte man noch alle Vorbereitungen treffen. Er musste unbedingt am 20.12.2012 noch mal in den Supermarkt gehen, um weitere Dosennahrung zu besorgen und im Keller zu lagern. Und vielleicht sollte er an diesem Tag auch noch mal das Auto auftanken, denn wer weiß, wann nach dem Weltuntergang die Tankstellen wieder öffnen würden und wieviel Euro der Liter im fünften Zeitalter wohl kosten würde?

Kategorie: Köppnicks Welt
steppenhund - 30. Dezember, 17:24

sehr nett:)

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Kommentare hier ...

Bitte mehr davon? Aus...
Bitte mehr davon? Aus meiner Sicht auf keinen Fall,...
Köppnick - 25. Dezember, 16:53
bitte mehr davon
Nimmersatt (Gast) - 25. Dezember, 15:33
lach.... ich bin im stern...
lach.... ich bin im stern *
rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
Oje, das mit der Halswirbelsäule ist an mir vorbeigegangen. Das...
steppenhund - 2. Dezember, 11:07
Denk an meine Halswirbelsäule...
Denk an meine Halswirbelsäule und meinen schmerzenden...
Köppnick - 30. November, 22:22
Nanu, gar ken Kommentar?...
Nanu, gar ken Kommentar? :)))
steppenhund - 30. November, 20:45
Fachwörter und deren...
Die Autorin präferiert eine sehr restringierte...
Count Lecrin - 30. November, 19:53
passend zu diesen erkenntnissen:
mit 3 freust du dich, wenn du keine windeln brauchst. mit...
la-mamma - 30. November, 19:43
Ich möchte Ihnen...
Ich möchte Ihnen gehörig Respekt zollen,...
Count Lecrin - 30. November, 19:34
Mail geschickt.)
Mail geschickt.)
steppenhund - 28. November, 16:28
Nein, wir haben uns noch...
Nein, wir haben uns noch nicht bemailt. Meine Adresse...
Köppnick - 28. November, 15:46
Ich bilde mir ein, dass...
Ich bilde mir ein, dass wir schon Email-Kontakt hatten....
steppenhund - 28. November, 15:02