Hydrinos?
In der Telepolis findet man den Artikel Durchbruch bei der Gewinnung von Energie aus Wasserstoff?, in dem ein neues Verfahren zur Gewinnung von Energie aus Wasser vorgestellt wird. Die Idee stammt von einer Firma namens BlackLight Power.
Eine Kurzzusammenfassung ihres Verfahrens ist die folgende:
Dieses Verfahren ist mit der derzeit gültigen Atom- bzw. Quantentheorie unvereinbar, denn unterhalb der Energieniveaus, die das Elektron im Wasserstoffatom bzw. in den Verbindungen des Wasserstoffs einnimmt, gibt es keine weiteren. Aber Randell Mills, der Gründer von BlackLight Power, hat eine eigene Atomtheorie entwickelt, die weitere 137 Energieniveaus unterhalb der bekannten vorhersagt.
Er hat darüber ein Buch geschrieben, das, so wie ich das einigen Foreneinträgen entnommen habe, die meisten Physiker nach ca. 15 Seiten weggelegt haben, weil Mills ihrer Meinung nach die Schrödingergleichung derart falsch und fehlerhaft interpretiert hat, dass man ihm auch bei seiner eigenen Theorie keinen Glauben schenken kann. Das wirft eine erste und wissenschaftstheoretisch sehr interessante Frage auf: Muss man eine Theorie, die man für falsch hält, erst verstanden und richtig wiedergeben können, um sie danach zu widerlegen und durch eine neue zu ersetzen? (Meine eigene sarkastische Antwort: In den Naturwissenschaften ja, in den Geisteswissenschaften nein.)
Auf einen Spinner mehr oder weniger auf der Welt käme es nicht an, aber Randell Mills hat eine Firma gegründet, die ca. 60 Millionen Dollar Kapital besitzt, 25 Mitarbeiter beschäftigt, und er kann einen Prototypen vorweisen, der 50 kW Leistung erzeugt. Und es gibt ein paar Physiker, die nicht herausbekommen haben, wo hier der Trick ist, also wo die Kabel mit der Stromzufuhr in sein Perpetuum Mobile hineinführen.
Man kann jetzt die zwei Hauptaussagen bzgl. Theorie und Praxis in einer 2x2-Matrix zusammenfassen, jeder kann seine eigenen Glaubenswahrscheinlichkeiten dort eintragen. Weitere Dimensionen erhält die Tabelle, wenn man solche Aussagen wie "Mills glaubt selbst / glaubt selbst nicht an seine Theorie bzw. das Funktionieren des Geräts" hinzufügt.
Ich habe einige Kommentare in verschiedenen Diskussionen zu den Hydrinos gelesen, die beiden interessantesten, weil am häufigsten zu finden, sind die folgenden:
Bevor Einstein seine Theorie entwickelt hatte, gab es experimentelle Belege anderer Wissenschaftler, die mit vorhandenen Theorien nicht erklärt werden konnten. Einstein entwickelte eine neue Theorie, die die Resultate aller dieser Experimente erklärte, die bisherigen physikalischen Gesetze als Sonderfälle enthielt und Voraussagen zu weiteren Naturphänomenen machte, mit denen die Richtigkeit seiner Theorie von anderen überprüft werden konnte. Bei Mills liegen Experimente, Theorie und wirtschaftliches Interesse in einer Hand.
Buckyballs und Nanotubes sind komplizierte Kohlenstoffstrukturen, die in der Natur nicht oder nicht häufig vorkommen. Quantenmechanisch gesehen befinden sich die Elektronen auf höheren Energieniveaus. Sobald Sauerstoff hinzukommt, macht es – Puff! - und die Elektronen springen auf energieärmere Niveaus zurück, was wir von außen als das Entstehen von Kohlendioxid und die Abgabe von Licht und Wärme bemerken. Die Entropie des Abprodukts Kohlendioxid ist größer als die von reinem Sauerstoff und reinem Kohlenstoff.
Orte im Universum, in denen die Entropie auf Dauer niedrig gehalten wird, kennen wir nur zwei, von denen der zweite des ersten bedarf: Leben und Bewusstsein. Darum gab es vor 10 Jahren auch noch weder Buckyballs noch Nanotubes: Weil die dazu notwendige Verringerung der Entropie den Eingriff intelligenter Lebensformen benötigt und diese (wir!) erstmal auf die Idee (eine weitere Verringerung der Entropie!) kommen mussten.
Im Fall der Hydrinos ist das aber anders: Die vorhergesagten Energieniveaus sind niedriger als die bereits bekannten, Energieabgabe bedeutet aber die Erhöhung der Entropie. Das heißt, diesen Zustand strebt die unbelebte Natur von selbst an. Auch die Notwendigkeit eines Katalysators negiert diese Aussage nicht, denn alle Reaktionen, für die wir einen Katalysator einsetzen, laufen auch ohne ihn ab, nur mit u.U. sehr langsamer Geschwindigkeit. Und das ist auch der Haupteinwand gegen die Hydrinos: Wenn es diese niedrigeren Energieniveaus gibt, dann müssen sich die Wasserstoffatome von selbst in diesen Zustand begeben wollen und wir sollten die entsprechende Energieabgabe in den Wasserstoffspektrallinien von Spektrometern, die den Kosmos beobachten, sehen können. Denn die Energiefreigabe beim Springen eines Elektrons auf ein niedrigeres Niveau bedeutet die Emmission eines Photons, das proportional seiner Energie eine bestimmte Frequenz bzw. Wellenlänge hat. Kann man diese Spektrallinien nicht beobachten, existieren die vorhergesagten Energienieveaus nicht.
Es gibt im Zusammenhang mit den Hydrinos noch eine weitere spannende Frage: Was passiert mit den Hydrinos, wenn sie den Auspuff verlassen haben? Die abgedrehteste Antwort, die ich gefunden habe: Die Hydrinos bilden die dunkle Materie. Die Anhänger dieser Hypothese haben meist noch eine weitere Idee: Der Umwandlungsprozess Wasserstoffatom -> Hydrino ist gleichzeitig die Erklärung für die dunkle Energie, die das Universum auseinandertreibt.
Ich weiß nicht, ob Mills den Hydrinos dieselben chemischen Eigenschaften wie Wasserstoffatomen zubilligt. Wenn ja, können sie die dunkle Materie nicht bilden, wenn nein, hätte Mills auch das Hauptproblem der Alchemie gelöst und könnte sich, statt Geld mit der Erschaffung von Energie zu verdienen, auch gleich mit der von Gold beschäftigen. Man könnte zum Beispiel Quecksilber nehmen und ein Elektron auf Dauer auf ein von außen nicht mehr zugängliches niedrigeres Energieniveau befördern. Der entstehende Stoff ist Gold, denn wir (und das Licht) sehen von außen niemals den Atomkern, sondern immer nur die Atomhülle. Wem Quecksilber nicht gefällt: Man kann auch Blei nehmen und drei Elektronen verschwinden lassen.
Ein weiterer Einwand gegen die Existenz der Hydrinos ist der Hinweis auf den Erfindungsreichtum der Natur: Wäre es in einem katalytischen Vorgang möglich, normalem Wasser(stoff) Energie abzuluchsen, dann hätte die Natur diesen Prozess gefunden und unsere Ozeane wären voll mit entsprechenden Lebewesen. - Oder die Ozeane wären ausgetrocknet, weil alle Wassermoleküle in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt worden wären und die entstandenen Hydrinos ins Weltall entwichen.
So bleibt uns unbeteiligten Zuschauern nur die Möglichkeit abzuwarten. Entweder werden in 20 Jahren in großem Stil überall entsprechende Geräte verkauft oder das Thema wird genauso still wieder beerdigt wie die kalte Kernfusion, die vor einigen Jahren propagiert wurde. Meine in einem Forum geäußerte Befürchtung, dass Mills irgendwann wissenschaftlich oder wortwörtlich gekreuzigt werden könnte, wenn die Geldgeber sehen, dass ihr Geld verbrannt wurde, habe ich inzwischen nicht mehr. Die Finanzkrise zeigt uns ja, dass man der Menschheit noch viel hirnverbranntere Dinge andrehen kann und weitgehend ungeschoren und als Millionär davonkommen kann, wenn die Chose auffliegt.
Kategorie: Physik
| Aus dem Telepolisartikel kopiert: |
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| Darstellung des BlackLight-Verfahrens. Bild: BlackLight (Bild vergrößern) |
Eine Kurzzusammenfassung ihres Verfahrens ist die folgende:
- Wasser wird in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.
- Der Wasserstoff wird mit einem Katalysator zusammengebracht, dieser veranlasst das einzige Elektron des Wasserstoffs auf ein niedrigeres Energieniveau zu springen. Die Differenzenergie wird abgegeben.
- Das entstehende neue Teilchen wird Hydrino genannt, es ist ein Abfallprodukt des Prozesses.
- Die in Schritt 2 gewonnene Energie ist größer als die Energie, die zur Aufspaltung des Wassers benötigt wurde, es kann also in Schritt 1 weiteres Wasser aufgespalten werden und es bleibt trotzdem nutzbare Energie übrig.
Dieses Verfahren ist mit der derzeit gültigen Atom- bzw. Quantentheorie unvereinbar, denn unterhalb der Energieniveaus, die das Elektron im Wasserstoffatom bzw. in den Verbindungen des Wasserstoffs einnimmt, gibt es keine weiteren. Aber Randell Mills, der Gründer von BlackLight Power, hat eine eigene Atomtheorie entwickelt, die weitere 137 Energieniveaus unterhalb der bekannten vorhersagt.
Er hat darüber ein Buch geschrieben, das, so wie ich das einigen Foreneinträgen entnommen habe, die meisten Physiker nach ca. 15 Seiten weggelegt haben, weil Mills ihrer Meinung nach die Schrödingergleichung derart falsch und fehlerhaft interpretiert hat, dass man ihm auch bei seiner eigenen Theorie keinen Glauben schenken kann. Das wirft eine erste und wissenschaftstheoretisch sehr interessante Frage auf: Muss man eine Theorie, die man für falsch hält, erst verstanden und richtig wiedergeben können, um sie danach zu widerlegen und durch eine neue zu ersetzen? (Meine eigene sarkastische Antwort: In den Naturwissenschaften ja, in den Geisteswissenschaften nein.)
Auf einen Spinner mehr oder weniger auf der Welt käme es nicht an, aber Randell Mills hat eine Firma gegründet, die ca. 60 Millionen Dollar Kapital besitzt, 25 Mitarbeiter beschäftigt, und er kann einen Prototypen vorweisen, der 50 kW Leistung erzeugt. Und es gibt ein paar Physiker, die nicht herausbekommen haben, wo hier der Trick ist, also wo die Kabel mit der Stromzufuhr in sein Perpetuum Mobile hineinführen.
Man kann jetzt die zwei Hauptaussagen bzgl. Theorie und Praxis in einer 2x2-Matrix zusammenfassen, jeder kann seine eigenen Glaubenswahrscheinlichkeiten dort eintragen. Weitere Dimensionen erhält die Tabelle, wenn man solche Aussagen wie "Mills glaubt selbst / glaubt selbst nicht an seine Theorie bzw. das Funktionieren des Geräts" hinzufügt.
| Das Gerät funktioniert | Das Gerät funktioniert nicht | |
| Die Theorie ist richtig | ||
| Die Theorie ist falsch |
Ich habe einige Kommentare in verschiedenen Diskussionen zu den Hydrinos gelesen, die beiden interessantesten, weil am häufigsten zu finden, sind die folgenden:
- Einstein war anfangs auch ein Außenseiter und wurde vom Mainstream verkannt.
- Buckyballs und Nanotubes gab es vor zehn Jahren auch noch nicht.
Bevor Einstein seine Theorie entwickelt hatte, gab es experimentelle Belege anderer Wissenschaftler, die mit vorhandenen Theorien nicht erklärt werden konnten. Einstein entwickelte eine neue Theorie, die die Resultate aller dieser Experimente erklärte, die bisherigen physikalischen Gesetze als Sonderfälle enthielt und Voraussagen zu weiteren Naturphänomenen machte, mit denen die Richtigkeit seiner Theorie von anderen überprüft werden konnte. Bei Mills liegen Experimente, Theorie und wirtschaftliches Interesse in einer Hand.
Buckyballs und Nanotubes sind komplizierte Kohlenstoffstrukturen, die in der Natur nicht oder nicht häufig vorkommen. Quantenmechanisch gesehen befinden sich die Elektronen auf höheren Energieniveaus. Sobald Sauerstoff hinzukommt, macht es – Puff! - und die Elektronen springen auf energieärmere Niveaus zurück, was wir von außen als das Entstehen von Kohlendioxid und die Abgabe von Licht und Wärme bemerken. Die Entropie des Abprodukts Kohlendioxid ist größer als die von reinem Sauerstoff und reinem Kohlenstoff.
Orte im Universum, in denen die Entropie auf Dauer niedrig gehalten wird, kennen wir nur zwei, von denen der zweite des ersten bedarf: Leben und Bewusstsein. Darum gab es vor 10 Jahren auch noch weder Buckyballs noch Nanotubes: Weil die dazu notwendige Verringerung der Entropie den Eingriff intelligenter Lebensformen benötigt und diese (wir!) erstmal auf die Idee (eine weitere Verringerung der Entropie!) kommen mussten.
Im Fall der Hydrinos ist das aber anders: Die vorhergesagten Energieniveaus sind niedriger als die bereits bekannten, Energieabgabe bedeutet aber die Erhöhung der Entropie. Das heißt, diesen Zustand strebt die unbelebte Natur von selbst an. Auch die Notwendigkeit eines Katalysators negiert diese Aussage nicht, denn alle Reaktionen, für die wir einen Katalysator einsetzen, laufen auch ohne ihn ab, nur mit u.U. sehr langsamer Geschwindigkeit. Und das ist auch der Haupteinwand gegen die Hydrinos: Wenn es diese niedrigeren Energieniveaus gibt, dann müssen sich die Wasserstoffatome von selbst in diesen Zustand begeben wollen und wir sollten die entsprechende Energieabgabe in den Wasserstoffspektrallinien von Spektrometern, die den Kosmos beobachten, sehen können. Denn die Energiefreigabe beim Springen eines Elektrons auf ein niedrigeres Niveau bedeutet die Emmission eines Photons, das proportional seiner Energie eine bestimmte Frequenz bzw. Wellenlänge hat. Kann man diese Spektrallinien nicht beobachten, existieren die vorhergesagten Energienieveaus nicht.
Es gibt im Zusammenhang mit den Hydrinos noch eine weitere spannende Frage: Was passiert mit den Hydrinos, wenn sie den Auspuff verlassen haben? Die abgedrehteste Antwort, die ich gefunden habe: Die Hydrinos bilden die dunkle Materie. Die Anhänger dieser Hypothese haben meist noch eine weitere Idee: Der Umwandlungsprozess Wasserstoffatom -> Hydrino ist gleichzeitig die Erklärung für die dunkle Energie, die das Universum auseinandertreibt.
Ich weiß nicht, ob Mills den Hydrinos dieselben chemischen Eigenschaften wie Wasserstoffatomen zubilligt. Wenn ja, können sie die dunkle Materie nicht bilden, wenn nein, hätte Mills auch das Hauptproblem der Alchemie gelöst und könnte sich, statt Geld mit der Erschaffung von Energie zu verdienen, auch gleich mit der von Gold beschäftigen. Man könnte zum Beispiel Quecksilber nehmen und ein Elektron auf Dauer auf ein von außen nicht mehr zugängliches niedrigeres Energieniveau befördern. Der entstehende Stoff ist Gold, denn wir (und das Licht) sehen von außen niemals den Atomkern, sondern immer nur die Atomhülle. Wem Quecksilber nicht gefällt: Man kann auch Blei nehmen und drei Elektronen verschwinden lassen.
Ein weiterer Einwand gegen die Existenz der Hydrinos ist der Hinweis auf den Erfindungsreichtum der Natur: Wäre es in einem katalytischen Vorgang möglich, normalem Wasser(stoff) Energie abzuluchsen, dann hätte die Natur diesen Prozess gefunden und unsere Ozeane wären voll mit entsprechenden Lebewesen. - Oder die Ozeane wären ausgetrocknet, weil alle Wassermoleküle in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt worden wären und die entstandenen Hydrinos ins Weltall entwichen.
So bleibt uns unbeteiligten Zuschauern nur die Möglichkeit abzuwarten. Entweder werden in 20 Jahren in großem Stil überall entsprechende Geräte verkauft oder das Thema wird genauso still wieder beerdigt wie die kalte Kernfusion, die vor einigen Jahren propagiert wurde. Meine in einem Forum geäußerte Befürchtung, dass Mills irgendwann wissenschaftlich oder wortwörtlich gekreuzigt werden könnte, wenn die Geldgeber sehen, dass ihr Geld verbrannt wurde, habe ich inzwischen nicht mehr. Die Finanzkrise zeigt uns ja, dass man der Menschheit noch viel hirnverbranntere Dinge andrehen kann und weitgehend ungeschoren und als Millionär davonkommen kann, wenn die Chose auffliegt.
Kategorie: Physik
Sonntag, 26.Oktober 2008

Mir fehlt auch die Aussage, woraus der Katalysator besteht. Ob er sich wirklich nicht verbraucht? Im Prinzip würden mir einige Möglichkeiten einfallen, wie man die Maschinen türken kann, ohne dass es einer nicht-naturwissenschaftlichen Gruppe auffallen würde.
Das einzige Perpetuum Mobile, dass ich mir für die Dauer einiger Millionen Jahre vorstellen kann, ist eine solargetriebene Maschine. Zugegeben, kein Perpetuum Mobile, denn es wird ja Energie zugeführt, aber ...
Und dann gibt es noch die Gezeiten...