Esther Vilar: Der dressierte Mann. Das polygame Geschlecht. Das Ende der Dressur

Wie ich hier schon kurz erwähnt habe, wurde Esther Vilar nach Veröffentlichung ihres Buchs "Der dressierte Mann" in den 70er Jahren von anderen Frauen bedroht, auf der Straße zusammengeschlagen und musste wegen Morddrohungen Deutschland verlassen. Später hat sie dem ersten Buch zwei weitere zum selben Thema folgen lassen: "Das polygame Geschlecht" und "Das Ende der Dressur". Esther Vilar hat einer erneuten Veröffentlichung in Deutschland nur zugestimmt, wenn alle drei Bücher in einem Taschenbuch zusammen erscheinen können. Aus meiner Sicht eine sehr vernünftige Entscheidung, weil einigen ihrer sehr provokanten (und zum Teil Frauen verletzenden) Äußerungen so Erklärungen und Lösungsmöglichkeiten angefügt worden sind. Zur Einstimmung ein weiteres Video mit ihr:


Was hat sie nun so Unerhörtes geschrieben, dass so heftige Reaktionen provoziert wurden? Ein paar Zitate aus dem ersten Buch:
Außer nachts, wenn die meisten Männer buntgestreifte Pyjamas mit nur zwei bis vier Taschen tragen, bekleiden sich Männer mit einer Art Uniform in Grau oder Braun aus schmutzabweisendem, dauerhaftem Material. Diese Uniformen oder "Anzüge", wie man sie nennt, haben mindestens zehn Taschen, in denen der Mann die notwendigsten Hilfsmittel, die er zu seiner Arbeit braucht, immer griffbereit bei sich trägt (die Kleidung der Frau hingegen hat, da eine Frau ja nicht arbeitet, weder am Tag irgendwelche Taschen noch bei Nacht).

Bei geselligen Anlässen ist es dem Mann erlaubt, Kleidung in der empfindlicheren Farbe Schwarz zu tragen, denn dort ist die Gefahr der Verschmutzung nicht so groß, und außerdem kommt neben Schwarz die farbenprächtigere Garderobe der Frau umso besser zur Geltung.
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Erfährt er zum Beispiel aus seinen Beobachtungen, dass eine Frau soundsoviel Stunden am Tag mit Kochen, Saubermachen und Geschirrspülen verbringt, so wird er daraus nicht folgern, dass diese Tätigkeiten sie befriedigen, weil sie ihrem geistigen Niveau ideal entsprechen. Er bemüht sich, ihr Geschirrspülautomaten, Staubsauger und Fertiggerichte zur Verfügung zu stellen, die ihr diese stupiden Arbeiten abnehmen und sie in die Lage versetzen, ein Leben zu führen, wie er es für sich selbst erträumt.

Doch er wird enttäuscht sein: Statt dass die Frau jetzt anfängt, ein Leben des Geistes zu führen, sich um Politik, Geschichte oder die Erforschung des Weltraums zu kümmern, verwendet sie die gewonnene Zeit darauf, Kuchen zu backen, Unterwäsche zu bügeln, Rüschchen zu nähen oder, wenn sie ganz unternehmungslustig ist, die sanitären Einrichtungen des Badezimmers mit Blümchengirlanden zu bekleben.
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Was er nicht weiß, ist, dass die Frauen diesen Ehrgeiz, diesen Tatendrang, der ihm so selbstverständlich erscheint, nicht kennen. Wenn sie nicht an der Welt der Männer teilnehmen, dann deshalb, weil sie nicht wollen: Sie haben kein Bedürfnis nach dieser Welt. Die Art Unabhängigkeit der Männer wäre für sie vollkommen wertlos, sie fühlen sich nicht abhängig.
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Die Frauen können wählen, und das ist es, was sie den Männern so unendlich überlegen macht: Jede von ihnen hat die Wahl zwischen der Lebensform eines Mannes und der eines dummen, parasitären Luxusgeschöpfes – und so gut wie jede wählt für sich die zweite Möglichkeit. Der Mann hat diese Wahl nicht.
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Eine der vielen deprimierenden Wahrheiten im Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist ganz einfach die, dass in der Welt der Frauen der Mann praktisch nicht existiert. Der Mann ist der Frau nicht wichtig genug, dass sie sich gegen ihn auflehnt. Ihre Abhängigkeit von ihm ist ja nur materieller, gewissermaßen "physikalischer" Art. Es ist die Abhängigkeit eines Touristen von seiner Fluggesellschaft, eines Wirts von seiner Kaffeemaschine, eines Autos von Benzin, eines Fernsehgeräts von Strom. Solche Abhängigkeiten bereiten keine Seelenqualen.
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Einen ähnlich tiefen Eindruck hat später die Philosophie Sartres auf die Frauen gemacht. Zum Beweis, dass sie alles verstanden hatten, ließen sie sich die Haare bis zur Taille wachsen und trugen dazu Hosen und schwarze Pullover.
Also kurz zusammengefasst: Frauen sind unendlich dumm, aber dennoch es ist ihnen gelungen, Männer so zu dressieren, dass diese ununterbochen für sie arbeiten und kämpfen, und am Ende, völlig ausgelaugt, früher als die Frauen sterben. Weitere wichtige Argumentationslinien sind, dass Frauen eine geringere Libido als Männer haben und diese deshalb mit Sex manipulieren können. Außerdem sind sie zu dumm für Religion und, ganz wichtig, vor allem die gemeinsamen Kinder werden von der Frau dafür benutzt, damit der Mann lebenslang für sie schuftet.
Man könnte hier einwenden, dass die Frauen sich nur deshalb für Kinder entscheiden und nicht für den Beruf, weil sie Kinder lieben. Dagegen ist zu sagen, dass eine Frau so großer Gefühle, wie sie eine reine Liebe zu Kindern erfordern würde, gar nicht fähig ist. Der Beweis ist dadurch gegeben, dass so gut wie alle Frauen sich immer nur um ihre eigenen Kinder kümmern und nie um fremde. Sie nehmen sich nur dann eines fremden Kindes an, wenn sie aus medizinischen Gründe keine eigenen bekommen können. ... Obwohl die Waisenhäuser voll sind von reizenden, hilfsbedürftigen Kindern, nehmen Frauen – die doch vorgeben, Kinder zu lieben – eher noch einen streunenden Hund oder Kater in ihr Heim auf als ein verlassenes Kind.
Ich denke, diese wenigen Zitate erklären, warum sie so heftig angefeindet wurde. Zur Auflockerung hier noch der zweite Teil ihres Streits mit Alice Schwarzer im Fernsehen:


Obwohl man hier den Eindruck hat, Alice Schwarzer hätte komplett Unrecht, so einfach ist es wohl nicht. Unter großem Stress verkürzt sich auch die Lebenserwartung von Frauen, obwohl sie immer noch deutlich höher als die der Männer ist. Im dritten Buch, das bedeutend sachlicher gehalten ist, versucht Esther Vilar Lösungsmöglichkeiten für das Geschlechterproblem zu zeigen. Interessant zuvor der folgende Abschnitt:
Der totale Rollentausch brächte überhaupt keine Vorteile. Die Situation wäre genau wie jetzt, nur spiegelverkehrt: Die Lebenslänglichen wären nicht mehr Männer, sondern Frauen, die Missbrauchten, Gedemütigten, Erpressten und Entmündigten wären nicht mehr Männer sondern Frauen. ... Der Mann, und nicht die Frau, würde die nachfolgenden Generationen nach seinen Maßstäben erziehen und sein eigenes Geschlecht auf die Parasitenrolle vorbereiten. Der Mann, und nicht die Frau, würde wegen fehlendem intellektuellen Wettbewerbs verdummen und wäre innerhalb weniger Jahrzehnte dort, wo seine Partnerin jetzt ist: Er würde sich nicht mehr für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren, er wüsste nicht mehr, wie ein Auto funktioniert, und würde mit der Montage einer Steckdose oder einem Brief an die Hausverwaltung auf die Rückkehr des "Familienoberhauptes" warten.
Esther Vilars eigener Vorschlag besteht im Wesentlichen in der Forderung nach einer Fünfundzwanzig-Stunden-Woche für beide Geschlechter. Länger zu arbeiten lehnt sie ab, weil nur so gleichzeitig Kinderkrippen, Horte und Ganztagsschulen abgeschafft werden können, die von ihr als "Kindergefängnisse" bezeichnet werden.

Warum kommen beide Seiten, Esther Vilar und die Emanzipationsbewegung, bei der Beurteilung der gleichen Tatsachen zu völlig entgegengesetzten Antworten? Für Erstere sind die Frauen schuld, für Letztere die Männer. Vielleicht übersehen beide Seiten Wesentliches? Vilar zum Beispiel, dass es bereits zum Zeitpunkt des Niederschreibens ihrer Bücher viele Frauen (und Männer) gab, auf die ihre Beschreibung nicht zutraf. Sie selbst ist ja dafür ein Beispiel. Und die Feministinnen vergessen beim Kampf um gleiche Rechte meistens die Akzeptanz gleicher Pflichten: Wehrpflicht, Arbeit unter Tage, etc. Und wie wäre es zum Ausgleich für die längere Lebenserwartung mit einem um 6 Jahre nach hinten verschobenen Renteneintrittsalter für Frauen?

Der wahre Kern des Problems besteht vielleicht darin, dass alle Mitgefangene eines Systems sind, dass keinen so richtig glücklich macht oder wenigstens zufrieden mit seiner Rolle sein lässt. Die Vorschläge von Vilar bzgl. der Fünfundzwanzig-Stunden-Woche sind keineswegs utopisch, tatsächlich würde diese Arbeitszeit locker reichen, um die Bedürfnisse aller auf einem zufriedenstellenden Niveau zu befriedigen. Warum macht man es dann nicht?

Vielleicht steht uns hier ein altes biologisches Erbe im Weg? So wie es eine "natürliche" Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern gibt, die uns einen ein Baby wickelnden Mann genauso wie eine mit der Waffe kämpfende Frau lächerlich erscheinen lässt (meiner Meinung nach ist das kein Erziehungsproblem!), genauso gibt es einen schwer auszurottenden "Konsumtrieb". Aber während das Glücksgefühl eines Jägers, wenn er einen Hasen zur Strecke gebracht hatte, eine sinnvolle Funktion erfüllte, genauso führt uns dieses zeitweilige Glücksgefühl heute in die Irre. Das Glücksgefühl des Jägers währte genetisch determiniert einen Tag, danach war der Hase ja aufgegessen und es war Zeit wieder zu jagen. Das heutige Glücksgefühl nach dem Erjagen eines Videorekorders währt ebenfalls einen Tag, nur der Rekorder hält viel länger als der Hase. - Das Erjagen immer neuer Konsumgüter ist also sinnlos, ist aber genetisch programmiert und zwingt uns völlig nutzlos weiterzuarbeiten, auch wenn es unser persönliches Glück nicht steigert.

Die Emanzipationsbewegung hat den falschen Gegner auf dem Korn, es sind nicht die Männer schuld, sondern unsere Wirtschaftsordnung. Aber der individuelle Ausstieg eines Einzelnen löst das Problem nicht, die Gesellschaft erzwingt konformes Verhalten von allen, von beiden Geschlechtern, deshalb erscheint die Realisierung von Vilars Vorschlag vielen so chancenlos oder gar ihr Vorschlag selbst absurd. Aber das ist er keineswegs.

Kategorien: Visionen, Bücher

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Kommentare hier ...

Bitte mehr davon? Aus...
Bitte mehr davon? Aus meiner Sicht auf keinen Fall,...
Köppnick - 25. Dezember, 16:53
bitte mehr davon
Nimmersatt (Gast) - 25. Dezember, 15:33
lach.... ich bin im stern...
lach.... ich bin im stern *
rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
Oje, das mit der Halswirbelsäule ist an mir vorbeigegangen. Das...
steppenhund - 2. Dezember, 11:07
Denk an meine Halswirbelsäule...
Denk an meine Halswirbelsäule und meinen schmerzenden...
Köppnick - 30. November, 22:22
Nanu, gar ken Kommentar?...
Nanu, gar ken Kommentar? :)))
steppenhund - 30. November, 20:45
Fachwörter und deren...
Die Autorin präferiert eine sehr restringierte...
Count Lecrin - 30. November, 19:53
passend zu diesen erkenntnissen:
mit 3 freust du dich, wenn du keine windeln brauchst. mit...
la-mamma - 30. November, 19:43
Ich möchte Ihnen...
Ich möchte Ihnen gehörig Respekt zollen,...
Count Lecrin - 30. November, 19:34
Mail geschickt.)
Mail geschickt.)
steppenhund - 28. November, 16:28
Nein, wir haben uns noch...
Nein, wir haben uns noch nicht bemailt. Meine Adresse...
Köppnick - 28. November, 15:46
Ich bilde mir ein, dass...
Ich bilde mir ein, dass wir schon Email-Kontakt hatten....
steppenhund - 28. November, 15:02