Meine fünf Cent zur Finanzkrise
In einer Fernsehsendung wurde als Bild der gegenwärtigen Finanzkrise wieder und wieder eine Reihe fallender Dominosteine gezeigt. Welche Dimension der Bankrott der Sparkasse "Washington Mutual" und welche Bedeutung er hat, zeig am besten dieser Blogeintrag: Größte US-Bankenpleite der Geschichte.
Fast täglich grüßt das Murmeltier - ein marodes Finanzsystem - nun hat es die größte US-Bausparkasse Washington Mutual (WaMu) getroffen. In einem Notverkauf übernahm der bereits allseits bekannte Retter J.P. Morgan Chase die Bausparkasse für lächerliche 1,9 Milliarden Dollar, welche an die Federal Deposit Insurance Corp., (FDIC) fließen!Was man hier mehr oder weniger deutlich gesagt bekommt, ist, dass auch das deutsche Einlagensicherungssystem nicht mehr funktionieren wird, wenn zu viele Banken zusammenbrechen. Und selbst wenn die Nominalwerte bewahrt bleiben sollten, wird sich der Staat das benötigte Geld halt über die Notenpresse besorgen. Dann sind auch die betroffen, die glauben, dass es sie nichts angeht, weil sie über keine Ersparnisse verfügen - ihre Arbeitsplätze gehen flöten und auch die Situation der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger verschlechtert sich ganz automatisch. Was die letzten Tage ebenfalls deutlich gemacht haben (und was für unsere Großeltern mit der Erfahrung zweier Weltkriege noch unbezweifelt war): Eine Alterssicherung, die auf dem Kapitalanlageverfahren basiert, bricht zusammen, wenn im Anlagezeitraum das Währungssystem kollabiert.
WaMu hatte über 2300 Niederlassungen und 182 Milliarden Dollar an Kundeneinlagen, Stand Ende Juni 2008. Der schnelle Notverkauf ist nötig um die US-Einlagenversicherung (FDIC) wenigstens vorläufig zu schützen. Die Rücklagen der US-Einlagenversicherung betrugen Ende Juni nur noch 45,2 Mrd. Dollar. Bei einer Pleite von WaMu müsste die FDIC mit über 130 Mrd. Dollar einspringen, denn bei der FDIC sind alle Konnten der WaMu bis zu einer Höhe von 100000 Dollar versichert.
Überhaupt ist der oben verlinkte Blog sehr interessant, weil sich hieraus eine Chronologie der Ereignisse der letzten zwei Jahre gewinnen lässt. Und noch einen zweiten bemerkenswerten Artikel habe ich heute gefunden: „Es sind die Finanzderivate, du Dummkopf!“ – Warum Fanny, Freddie und AIG gerettet werden mussten. Darin heißt es:
„Den Aspekt, den jeder dabei aber übersieht“, so der Ökonom Robert Chapman schon vor einem Jahrzehnt, „ist der, dass der Kauf von Derivaten keine Investition ist. Das ist reines Glücksspiel, es geht um Versicherungs- und hochriskante Buchmachergeschäfte. Derivate erzeugen nichts.“ Sie erzeugen nicht nur nichts, sondern sie dienen dazu, Nicht-Produzenten auf Kosten der Menschen zu bereichern, die tatsächlich reale Güter und Dienstleistungen erzeugen. Bei Anhörungen im US-Kongress Anfang der 1990er Jahre wurde der Handel mit Derivaten als illegale Form des Glücksspiels attackiert. Doch der damalige Chef der Federal Reserve, Alan Greenspan, hat diese Praktiken legitimiert; Greenspan hat diesen Handel nicht nur durch legale und regulatorische Maßnahmen unterstützt, sondern er hat den Handel mit Derivaten auch als Maßnahme zur Verbesserung des „Risiko-Managements“ aktiv gefördert. Teilweise sollten damit die bröckelnden Profite der Banken aufgepäppelt werden; und bei den größeren Banken und Finanzmaklern hat das auch funktioniert. Doch der Preis dafür war ein gestiegenes Risiko im gesamten Finansystem.Zum Abschluss kann ich es mir nicht verkneifen, auf den Artikel Hurra, der Kapitalismus lebt noch hinzuweisen, in dem ausgerechnet Sahra Wagenknecht, "die Kommunistin", sich überzeugt zeigt, dass der Kapitalismus überleben wird, und auch diese linke Linke nicht alle enteignen will. Zwar sagt sie:
...
„Wir erleben derzeit den Anfang der Auflösung und des Zusammenbruchs des gesamten Schattenfinanzsystems, eines Systems von Finanzinstituten (Finanzmaklern, Hedge Fonds, Beteiligungsgesellschaften, SIVs, Conduits etc.), die so aussehen wie Banken (da sie kurzfristig Kredit aufnehmen, stark fremdfinanziert sind, und langfristig und auf illiquide Art und Weise verleihen und investieren) und daher höchst anfällig sind für bankenartige Anstürme; doch im Gegensatz zu Banken werden sie nicht ordentlich reguliert und überwacht, sie haben keinen Zugang zur Einlagenversicherung, und sie werden auch nicht vom Kreditgeber der letzten Instanz, der Zentralbank, unterstützt.“
"Es reicht nicht, nur Verluste zu verstaatlichen. Das ganze System, gerade im Bereich Finanzmärkte, muss nach ganz anderen Prinzipien funktionieren als in den letzten Jahren."Aber auch:
"Hier ist niemand tot", sagt Wagenknecht auf Illners Frage, ob der Patient Kapitalismus "schon tot" sei oder sich nur "scheintot" gebe. Als die Linke fordert, "die haftbar zu machen, die viele Jahre Profite mit Spekulationen gemacht haben", applaudieren die Studiozuschauer.Es lohnt sich auch, um die derzeitige Situation besser zu verstehen, genauer hinzuschauen oder zu ~hören, welche Art von Politikern und Lobbyisten sich derzeit gerade nicht zu Wort meldet.
Vielleicht hat Wagenknecht den aktuellen Wahlkampf im konservativen Bayern oder das Wohl der Lobster-Händler vor Augen, als sie von den Forderungen Oskar Lafontaines ein wenig abrückt. Der Linken-Chef hatte gefordert, die Industriellenfamilie Schaeffler zu enteignen. "Es geht nicht um Enteignung", lässt Wagenknecht nun das Publikum wissen. Allerdings sollten die Beschäftigten Einfluss auf die Hälfte des Kapitals eines Unternehmens besitzen. "Nicht, dass sich bei einem Generationenwechsel eine Private-Equity-Gesellschaft reinkauft."
Kategorie: Politik
Freitag, 26.September 2008
Wenn man sich einfach mal den Umfang der Lebensversicherungen in Deutschland anschaut, wird einem schwindelig, welche Werte von Deutschen, die die konservativste Art der Verzinsung gewählt haben, nach New York und London verloren haben. Ich kann nur annehmen, dass die meisten Menschen dies noch nicht realisiert haben. Man möchte den Mund zur verweifelten Anklage öffnen, schließt ihn aber sofort wieder, da das Selbstverständliche nicht artikuliert werden muss. Manchmal wundere ich mich, warum draußen alles den gewohnten Gang geht.
Das Schlimmste aber ist, dass ich nicht den Hauch einer Idee habe, wer auch nur eine bisschen Hoffnung aufzeigen könnte. Münte, der kurz vor der Wahl wieder eine Elegie an die Heuschrecke sekretiert? Ich habe Schmidt, sogar Scharping gewählt. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Aber was denn dann?
Mit meiner Wahlentscheidung habe ich es persönlich ziemlich leicht. Obwohl ich gerade wegen der Person Lafontaines erhebliche Bauchschmerzen habe - es gibt im Bundestag aber nur eine Partei, die jegliche Kriegsbeteiligung Deutschlands im Ausland ablehnt, egal ob in Jugoslawien, Afghanistan oder im Irak, und die im Falle Südossetiens nicht gleich unisono zu allen anderen ins Säbelrasseln einstimmt. Und auch die Agenda-Politik halte ich für falsch (nicht aber die Anhebung des Rentenalters). Insofern habe ich eigentlich gar keine Wahl.