Die Fremde in dir
"Die Fremde in dir" ist ein Film von 2007, in dem Jodie Foster als "Erica Bain" die Hauptrolle spielt. Ein Kollege hatte die DVD mitgebracht und wir über seine Eindrücke gesprochen, so dass ich beim Sehen schon entsprechend vorbereitet war. Die Handlung ist in der Wikipedia ziemlich ausführlich erzählt. Trotz dieser doppelten Einstimmung haben mich die Bilder dann ziemlich getroffen. Zuerst der etwas süßliche Beginn, die Liebesszenen mit Ericas Verlobten David (Naveen Andrews, vielleicht vielen bekannt als der "Iraker" in "Lost"), dann der Raubüberfall im Park, bei dem er ums Leben kommt, sie schwer verletzt wird und den die Täter mit einer Videokamera aufnehmen. Szenen aus diesem Videofilm werden gegen Ende nochmals in die Handlung eingebaut. Der größte Teil des Films ist dann Erica Bains nächtlichen Streifzügen durch New York gewidmet, bei denen sie nacheinander einen Mörder, zwei kriminelle Jugendliche, einen Vergewaltiger, einen smarten Großkriminellen und am Schluss die drei Verbrecher erschießt, die sie zu Beginn überfallen und ihren Freund ermordet haben. Wegen diese "Verherrlichung der Selbstjustiz" hat der Film von der Filmkritik ziemlich Prügel bezogen, siehe hier. Ich habe einen etwas anderen Eindruck gewonnen.
Natürlich kann unsere Gesellschaft Selbstjustiz nicht dulden, und die amerikanische tut das ebenfalls nicht, auch wenn es dort wahrscheinlich leichter ist, an eine private Schusswaffe zu gelangen. Aber das ist gar nicht der Punkt. Wenn es in der Gesellschaft verboten ist, aber an einem Menschen begangene Verbrechen in dessen Psyche das Gefühl nach Rache hervorrufen und dieses vom Einzelnen manchmal gegen alle Gesetze ausgelebt wird – ist dann ein Film schlecht, der diese in einem solchen Menschen angerichteten Zerstörungen zeigt und die katastrophalen Auswirkungen auf sein weiteres Leben? Die mich am tiefsten berührenden Szenen im Film waren nämlich nicht die Schießereien, sondern die Großaufnahmen von Jodie Fosters Gesicht und von ihren Händen, wenn sie einmal am Mikro ihres Radiosenders eine Sendung moderiert und ein anderes Mal mit dem Polizisten Mercer (Terrence Howard) spricht.
Wenn man am Schluss des Films beunruhigt ist, dann liegt das sicher in der Absicht des Regisseurs. Denn als Zuschauer ist man einerseits froh darüber, dass Erica Bain (oder genauer Jodie Foster) mit ihren Handlungen straflos ausgeht, andererseits weiß man, dass das eigentlich nicht sein dürfte, weil es eben nicht politisch korrekt ist. Aber dafür ist es Kunst, und auch im Leben gibt es halt Widersprüche, die sich nicht p.c. auflösen lassen.
Kategorie: Filme
Freitag, 18.Juli 2008
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