Wie kam die Grammatik in die Sprache?
Ein Kollege hatte mir bereits vor einiger Zeit die Maiausgabe von "Bild der Wissenschaft" mitgebracht. Dieses Heft ist überwiegend dem Thema "Wie die Sprache auf die Erde kam" gewidmet. In dem Artikel "Vom Tierlaut zum Menschenwort" geht es um die Tatsache, dass nur menschliche Sprache über eine Grammatik verfügt, während tierische Lautäußerungen lediglich Tatsachen an andere Tiere übermitteln. Wie also kam die Grammatik in die Sprache?
Für mich bleibt allerdings die Frage, inwieweit damit auch die Rekursivität unserer Grammatik erklärt werden kann, denn diese stellt ja, neben der Verwendung von Symbolen für Dinge und Vorgänge, die zweite entscheidende Innovation menschlicher Sprache dar.
Kategorie: Gehirn & Geist
Die Bilanz ist ernüchternd: Bislang haben die Wissenschaftler kein einziges Lebewesen gefunden, das eine begrenzte Zahl von Lauten zu Silben und symbolhaften Worten zusammenfügt, mit diesen Symbolen nach Lust und Laune Dinge und Ereignisse benennt und die Worte sinnvoll zu Sätzen kombiniert. Gerade die Grammatik – Regeln zur Anwendung sprachlicher Einheiten – gilt als Königsdisziplin der Spezies Mensch. So gesehen unterschieden sich die Kommunikationssysteme von Affen und Delfinen, Vögeln und Hunden fundamental von der Sprache des Homo sapiens. "Geradezu bizarr groß sind die Differenzen", sagt die Göttinger Verhaltensbiologin Julia Fischer, die das Kommunikationsvermögen verschiedener Tierspezies erforscht. Tatsächlich findet sich keine Spur von flexibler Semantik in den Lauten von Vierbeinern und Vögeln! Von Grammatik ganz zu schweigen!Im Artikel wird eine interessante Hypothese verfolgt: Grammatik ist überall, auch nichtsprachlich. Die beiden Sätze "Hund beißt Mann" und "Mann beißt Hund" unterscheiden sich ja nicht bloß grammatisch, sondern sie spiegeln auch zwei unterschiedliche Vorgänge in der Realität wieder. Im Text wird ein Experiment mit einer Pavian-Herde beschrieben. Hier gibt es eine klare Rangfolge innerhalb der Tiere. Die Wissenschaftler spielten der Horde aber jetzt eine Sequenz von Lauten vor, die diese Reihenfolge scheinbar herumdrehte. Nach Drohlauten eines untergeordneten Tieres wurden Unterwerfungslaute eines höherstehenden abgespielt. Die Tiere waren verwirrt. (Also anstelle "A dominiert B" wurde "B dominiert A" im Widerspruch zum Wissen der Affen gesendet.) Die Schlussfolgerung: Grammatik ist nicht an Sprache gebunden, sondern spiegelt direkt Aspekte der Realität wider. Auch bei nicht der Sprache mächtigen Tieren werden diese realweltlichen Beziehungen intern in entsprechenden Hirnregionen und gedanklichen Abläufen repräsentiert. Bei Entwicklung der (menschlichen) Sprache konnte bereits auf diesen Fundus und die vorhandenen Module zurückgegriffen werden, es sind keine neuen "Erfindungen", nur Umwidmungen.
Für mich bleibt allerdings die Frage, inwieweit damit auch die Rekursivität unserer Grammatik erklärt werden kann, denn diese stellt ja, neben der Verwendung von Symbolen für Dinge und Vorgänge, die zweite entscheidende Innovation menschlicher Sprache dar.
Kategorie: Gehirn & Geist
Sonntag, 13.Juli 2008





Grammatik, ja die Sprache überhaupt, ist Luxus geworden, egal, welche Ebene man sich ansieht.
Es ist nachgewiesen, dass sich das Gehirn des Homo sapiens in den letzten 35.000 Jahren verkleinert hat. Die Ursache ist nicht bekannt. Aber man hat in dem analysierenden Artikel die Analogie zum Bandwurm gebracht. Der Bandwurm ist evolutionär ein Nachkomme der Plattwürmer. Diese hatten eines der ersten Nervensysteme. Der Bandwurm hat keins mehr. Er lebt im Darm, dort ist es dunkel und warm und feucht und das Essen wird regelmäßig gebracht. Wozu da noch groß denken?