"Unangemessene" Äußerungen von McCains Berater

Ein Berater McCains hat für eine seiner Äußerungen mächtig Prügel bezogen, meldete Spiegel Online am 24.6.:
John McCain distanzierte sich umgehend - schließlich entschuldigte sich auch sein Berater: Charlie Black hatte zuvor erklärt, ein neuer Terrorangriff wie der vom 11. September 2001 wäre gut für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Er bedauere seine Bemerkung zutiefst, sagte Black am Montag. "Mir ist klar, dass John McCain sein gesamtes Leben als Erwachsener dem Schutz seines Landes gewidmet hat", erklärte er zu der Bemerkung, die im Magazin "Fortune" veröffentlicht worden war.

McCain betonte auf einer Pressekonferenz, er habe sich seit den Anschlägen vom 11. September 2001 unermüdlich dafür eingesetzt, dass sich so etwas nicht wiederhole. Was Black gesagt habe, "ist nicht wahr".
Tatsächlich ist aber die Behauptung Blacks zutreffend. Wörtlich hat er gesagt:
"Certainly it would be a big advantage to him",
wie man in einem Telepolisartikel nachlesen kann. Man kann nicht ernsthaft bezweifeln, dass ein Republikaner gegenüber einem Demokraten profitieren würde, denn die Republikaner haben das Hardliner- und Entschlossen-Durchgreifer-Image. Die Telepolis schreibt in diesem Zusammenhang sogar Folgendes:
Ein Vorzug der Neocons war, dass sie auf eine paradoxe Weise ehrlich waren: In ihren theoretischen Schriften gaben sie nur allzu gerne zu, dass man das einfache Volk belügen müsse, um die (ihrer Ansicht nach) gute Sache auch verwirklichen zu können. Und auf ebenso paradoxe Weise trugen sie damit auch zur Verbesserung der politischen Kultur bei: Der Mythos der Wahrhaftigkeit, der die amerikanische Politik so lange geprägt und so viel Schaden angerichtet hatte, schien zumindest einen kleinen Knacks bekommen zu haben. Und auch Amerikaner sahen Politik mit weniger Ehrlichkeitsanspruch, "zynischer" - aber auch realistischer.

Die aktuellen Kandidaten der beiden großen amerikanischen Parteien, John McCain und Barack Obama stehen dagegen für eine Art Revival des politischen Romantizismus. Beide versprechen eine Rückkehr der Wahrhaftigkeit – von der Wahlkampffinanzierung bis hin zum generellen Umgang mit Lobbyisten.
Was die Interpretation der Äußerung von McCains Beraters betrifft, liegen aber meiner Meinung nach sowohl Spiegel als auch Telepolis falsch. Der hat ja nicht gesagt, dass McCain einen Terroranschlag befürworten würde oder gar unterstützen, sondern nur, dass ihm ein solcher politisch nützen würde. Wie kann man dann aber die heftige Reaktion der öffentlichen Meinung und das Statement von McCain erklären? - Offenbar gehen alle Beobachter (unbewusst) davon aus, dass Politiker alles dafür tun, was ihnen Vorteile verspricht, ungeachtet der Tatsache, was ihrem Volk nützt. Nur so ist die Aufregung zu erklären. Das hat mit dem Aussprechen oder Verschweigen von Wahrheit nichts zu tun, sondern nur mit der Meinung des Volkes über die Motive "ihrer" Politiker.

Kategorie: Politik
Gregor Keuschnig - 26. Juni, 09:29

Ich glaube, dass hat weniger damit zu tun, dass man Politikern irgend etwas zutraut oder nicht, sondern dass man Feststellung und Projektion gleichsetzt.

Man kann das am derzeit überaktuellen Fussball verdeutlichen: Wenn ich einer Mannschaft Sympathien entgegenbringe, dann muss man, so die landläufige Meinung, auch stets einen Sieg dieser Mannschaft nicht nur wünschen (das wäre ja noch normal), sondern prognostizieren. Andernfalls gilt man nicht als "richtiger Fan". Jetzt kann ich aber unabhängig von meiner Sympathie sehr wohl der Meinung sein, dass "meine" Mannschaft X dem Gegner Y aus irgendwelchen Gründen unterliegen wird. Das wünsche ich ja deswegen noch nicht. Dennoch wird es allgemein ausgelegt, dass man nicht mit X sympathisiert. Ich habe das sehr oft festgestellt.

Der Beispiele liessen sich genügend finden. Wer bei einem Verbrechen die Beweggründe des Täters analysieren möchte, gilt flugs als "Befürworter" des Verbrechens an sich.

Medien sind Muliplikatoren dieser Projektionen. Deutlich wird dies auch, wenn man Politiker auffordert, sich von irgend etwas zu "distanzieren". Häufig sollen sie sich von dem distanzieren, was andere in ihren Äusserungen hineininterpretiert haben.

Köppnick - 26. Juni, 12:16

Ich glaube, wir meinen beide etwas Ähnliches. Um bei McCain zu bleiben: Aus der bloßen Feststellung, dass er von einem Terroranschlag profitieren würde, kann man logisch nicht schlussfolgern, dass er deshalb wenig dagegen unternehmen würde. Psychologisch interessant ist nur, dass das Aussprechen einer offensichtlichen Tatsache so viel Aufregung verursacht und mit dem Gegensatzpaar Wahrheit und Unwahrheit operiert wird, obwohl es um den Gegensatz zwischen Aussprechen und Verschweigen geht.

Rein rhetorisch ist interessant, dass man die Wahrheit verschweigen kann, aber eine Lüge nicht, denn sie entsteht erst mit dem Aussprechen. Und das Verschweigen der Wahrheit gilt nicht als Lüge, obwohl sich dann im Kopf der "Angeschwiegenen" falsche Vorstellungen bilden können. Aber das Aussprechen einer unbequemen Wahrheit, wie im Falle von McCain, kann manchmal zu einer Lüge umgedeutet werden, obwohl der Wahrheitsgehalt nicht vom Bekanntheitsgrad einer Tatsache abhängen sollte.

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Bitte mehr davon? Aus...
Bitte mehr davon? Aus meiner Sicht auf keinen Fall,...
Köppnick - 25. Dezember, 16:53
bitte mehr davon
Nimmersatt (Gast) - 25. Dezember, 15:33
lach.... ich bin im stern...
lach.... ich bin im stern *
rosmarin - 3. Dezember, 18:48
Oje, das mit der Halswirbelsäule...
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Denk an meine Halswirbelsäule...
Denk an meine Halswirbelsäule und meinen schmerzenden...
Köppnick - 30. November, 22:22
Nanu, gar ken Kommentar?...
Nanu, gar ken Kommentar? :)))
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Fachwörter und deren...
Die Autorin präferiert eine sehr restringierte...
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Mail geschickt.)
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