Douglas Adams, Mark Carwardine: Die Letzten ihrer Art

Sehr vielen dürfte Douglas Adams durch seine Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" bekannt sein. (Die Trilogie besteht aus 5 Romanen, wobei Adams selbst dem 5. Teil den Untertitel „Fünfter Band einer vierteiligen Trilogie“ gab.) Mir haben diese Bücher seinerzeit nicht so gut gefallen. Ein Handtuch habe ich sowieso immer dabei, nicht nur wenn ich nicht durch den Weltraum reise, und Leute, die das letzte noch unbebaute Fleckchen mit Umgehungsstraßen zupflastern oder in Naturschutzgebieten Erdölfördertürme errichten, gibt es schon genug, nur heißen diese Aliens bei uns Investoren und nicht Vogonen.

Im Buch "Die letzten ihrer Art" schildert Adams seine Reisen mit dem Biologen Mark Carwardine. Gemeinsam haben sie einige sehr seltene Tierarten aufgesucht, u.a. Lemuren, Komodo-Warane, weiße Nashörner, Kakapo-Papageien und chinesische Flussdelphine. Das Buch war nicht so, wie ich es erwartet hatte, es ist kein Naturschutzbuch mit ausführlichen Artbeschreibungen. Vielmehr schildert Adams seine eigenen Erlebnisse in den jeweiligen Ländern und mit den Menschen, denen sie dort begegnet sind. Es ist derselbe ironische-sarkastische Schreibstil, an den ich mich noch aus dem "Anhalter" erinnern kann. Vielleicht war das seine eigene Art, mit dem Irrsinn unserer Welt klar zukommen. Aber es hat wohl nicht gereicht, jedenfalls ist Adams 2001 im Alter von nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Seit seinem Tod wird jedes Jahr am 25. Mai der Handtuchtag begangen.

Eine Leseprobe aus dem Buch:
In Melbourne lebt ein Mann, der vermutlich mehr über giftige Schlangen weiß als jeder andere Mensch. Er heißt Dr. Struan Sutherland und hat sich zeit seines Lebens mit dem Studium der Tiergifte beschäftigt.

»Und ich hab's satt«, sagte er, als wir ihn am nächsten Morgen aufsuchten. »Nicht auszuhalten, diese giftigen Biester, diese Schlangen und Insekten und Fische und das ganze Zeug. Blöde Viecher, beißen jeden. Und dann erwarten die Leute von mir, daß ich ihnen sage, was sie dagegen tun sollen. Ich sage ihnen, was sie tun sollen. Sich grundsätzlich nicht beißen lassen. Das ist die Antwort. Ich hab's satt. Hydrokulturen, ja, das ist ein interessantes Thema. Kann Ihnen alles über Hydrokulturen erzählen. Faszinierende Sache, Pflanzen künstlich in Wasser zu züchten, sehr interessante Technik. Wenn man zum Mars oder sonstwohin will, sollte man alles darüber wissen. Wo, sagten Sie, wollen Sie hin?«

»Komodo. «

»Schön, lassen Sie sich nicht beißen, mehr fällt mir dazu nicht ein. Und andernfalls kommen Sie bloß nicht hier angelaufen, weil Sie es erstens nicht rechtzeitig schaffen und ich zweitens wahrscheinlich sowieso nicht hiersein werde. Ich hasse dieses Büro, sehen Sie sich das doch bloß mal an. Alles vollgestopft mit giftigen Tieren. Sehen Sie mal hier, dieser Behälter, randvoll mit Feuerameisen. Giftig. Langweilen mich zu Tode. ... Sie wollen also nach Komodo. Na, ich weiß zwar nicht, warum Sie da hinwollen, aber Sie werden schon Ihre Gründe haben. Auf Komodo gibt es fünfzehn verschiedene Schlangenarten, und davon ist die Hälfte giftig. Lebensgefährlich sind aber nur die Kettenviper, die grüne Bambusotter und die indische Kobra.

Auf der Liste der gefährlichsten Schlangen steht die indische Kobra auf Platz fünfzehn, und die anderen vierzehn Arten leben hier in Australien. Kein Wunder, daß ich kaum Zeit für meine Hydrokulturen finde, wo es hier überall nur so wimmelt von Schlangen.

Und Spinnen. Die giftigste Spinnenart ist die Atrax robustus, und die beißt jedes Jahr ungefähr fünfhundert Leute. Da viele von denen anschließend zu sterben pflegten, mußte ich ein Gegengift entwickeln, um nicht dauernd von irgendwelchen Leuten belästigt zu werden. Hat uns Jahre gekostet. ... Ein weiteres Gebiet, auf dem ich enorme Fähigkeiten entwickelt habe, ist das Anfassen von Schlangen. Ich überlasse es anderen Leuten. Mach ich nicht selbst. Will ich vielleicht gebissen werden? Wissen Sie, was über mich im >Who is Who< steht? >Hobbys: Gartenarbeit mit Handschuhen; Angeln - mit Gummistiefeln; Reisen - mit Umsicht<. So sieht's aus.«
...
»Na schön. was sollen wir also tun, wenn wir von irgendwas Lebensgefährlichem gebissen werden?« fragte ich.

Er sah mich an, als sei ich bescheuert.

»Na, was machen Sie dann wohl?« sagte er. »Sie sterben. Was denn sonst? Deshalb heißt es ja lebensgefährlich.«

»Und was halten Sie davon, die Wunde aufzuschneiden und das Gift herauszusaugen?« fragte ich.

»Können Sie gerne machen«, sagte er. »Ich persönlich halte nicht viel von einem Mund voll Gift. Sämtliche Blutgefäße im Zungenbereich liegen sehr dicht an der Oberfläche, und das Gift wandert direkt in die Blutbahn. Immer vorausgesetzt, Sie bekommen viel von dem Gift heraus, was Ihnen vermutlich nicht gelingt. Und auf einer Insel wie Komodo heißt das, daß Sie sehr schnell sowohl mit einer infizierten Wunde als auch mit einem giftgefüllten Bein zu kämpfen haben. Blutvergiftung, Wundbrand, was Sie wollen. Sie würden es nicht überleben.«

»Wie wär's mit einer Aderpresse?«

»Wunderbar, solange es Ihnen nichts ausmacht, sich nachher das Bein abnehmen zu lassen. Das müßten Sie allerdings, weil es nämlich abgestorben wäre. Und falls Sie es in diesem Teil Indonesiens irgend jemandem zutrauen, Ihnen ein Bein abzunehmen, sind Sie bedeutend mutiger als ich. Nein, es sieht so aus: Alles, was Sie tun können, ist, einen Druckverband genau über der Wunde anzubringen und das gesamte Bein fest, aber nicht zu fest, zu bandagieren. Verlangsamen Sie den Blutstrom, aber schnüren sie ihn nicht ab, wenn Sie an ihrem Bein hängen. Halten Sie das Bein oder jedes andere Körperteil, in das sie gebissen wurden, unterhalb von Herz- und Kopfhöhe. Verhalten Sie sich sehr, sehr ruhig, atmen Sie langsam, und rufen Sie sofort einen Arzt. Auf den werden Sie auf Komodo einige Tage warten müssen, und bis dahin sind Sie sowieso tot. Die einzige Antwort ist, und das meine ich ernst: Lassen Sie sich nicht beißen.«
...
»Gibt es irgend etwas, was Sie mögen?«

»Hydrokulturen.«

»Nein, ich meine, gibt es irgendein giftiges Lebewesen, das Sie besonders gern haben?«

Für einen Augenblick sah er aus dem Fenster. »Gab's mal«, sagte er. »Aber sie hat mich verlassen.«
Kategorien: Natur, Bücher
DHK - 21. Juni, 09:27

D.A.

Ich habe D.A. zweimal persönlich erlebt. Eine Ausnahmepersönlichkeit. Er konnte sich in eine große Menschemengen (>500 Leute) einfach hinstellen und anfangen zu erzählen, ohne Powerpoint oder sonstiges: Alle hingen an seinen Lippen. Das Geheimnis seines Humors kam dabei auch ganz deutlich rüber: Nichts wichtig nehmen, sich selbst schon gar nicht. Daher schafft er es auch in diesem Buch, von dem ich übrigens das Original empfehle ("Last Chance to see"), ein ernstes Thema ohne onkelhaften Gestus an den Mann oder die Frau zu bringen.

Auch für die "Trilogie": Die englischen Originale lesen, die deutschen Übersetzungen sind jämmerlich!

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41