steppenhund - 17. Mai, 18:32

Also ich liebe ja solche Probleme

Aber die Auflösung kommt mir ein bisschen kompliziert vor.

Es gilt:
b^2 = q^2 + h^2
Ferner gilt: h^2 = p * q
...
b^2 = q^2 + p * q

damit ergibt sich die quadratische Gleichung für q:

q^2 + pq - b^2 = 0

bzw. q = -p/2 +- Wurzel aus ( (p^2 + 4 * b^2)/4)

c = p+q usw...

Dafür braucht man genauso lange, um es herunter zu tippen.

Die Gleichung h^2 = p* q benötigt man auch in der Darstellenden Geometrie. (Sekantensatz)

Das ist übrigens ein gutes Beispiel für ein Einstellungsgespräch. Wer es nicht lösen kann, bekommt keinen Job als Programmierer:)

Gregor Keuschnig - 17. Mai, 19:30

Ein Glück,

dass ich nicht Programmierer sein werden möchte...
steppenhund - 17. Mai, 19:42

Aber im Ernst:
das ist das, was ich über das Modellieren gesprochen habe. es gibt ein relativ einfaches Problem, sogar ein anschauliches. es gibt Nachschlagmöglichkeiten.
Man muss nicht einmal lange forschen.
Satz des Pythagoras und Euklids Höhensatz reichen bereits aus - mit der Mittelschulalgebra der dritten Klasse.
-
Ich kenne eine Programmteil in einem Versicherungspaket, der wurde mit ca 6 000 000 € beauftragt. (es war in den Neunziger-Jahren, aber es wäre auch heute noch viel Geld).
Dann musste ein Parameter geändert werden. Von 3% auf 4%. Die Änderung kostete noch einmal 1,2 Millionen €.
-
Parnas hat schon geschrieben. Es ist ein Problem, dass Informatiker keine Mathematiker sind. Manches was sie programmieren, ist schon deswegen schlecht, weil sie kein Anschauungsvermögen besitzen und formale Gesetzmäßigkeiten herausarbeiten können.
Köppnick - 18. Mai, 08:22

Das ist übrigens ein gutes Beispiel für ein Einstellungsgespräch. Wer es nicht lösen kann, bekommt keinen Job als Programmierer:)
Unvorbereitet und in begrenzter Zeit hätte ich das nicht lösen können und ich bin ganz bestimmt nicht der Schlechteste, weder in Mathematik noch in Softwareerstellung. Ich brauchte Zeit, hatte aber Spaß bei der Analyse und habe ganz nebenbei eine Menge andere geometrische Zusammenhänge gefunden, die im obigen Text nicht stehen (Strahlensatz, Zusammenhang der Winkelfunktionen, Beweise der Winkelsumme in rechtwinkligen und nicht rechtwinkligen Dreiecken, usw.). Wenn du solche Aufgaben als Einstellungstest verwendest, bleibst du sehr einsam und stellst mit den wenigen, die du dann noch findest, vielleicht auch die falschen ein. Bei begrenzter Zeit prüfst du mehr Wissen und weniger Können.

Deine Lösung ist nicht kürzer. Du benutzt zwei Gleichungen und setzt beide zu einer quadratischen Gleichung zusammen. Das habe ich genauso gemacht. Ich habe nur zuvor die Voraussetzungen zum Lösen aller Aufgaben am rechtwinkligen Dreieck aufgeschrieben. - Ich glaube, ich würde dich nicht einstellen, wenn du so stromlinienförmig nur das gestellte Problem löst. ;-)
steppenhund - 18. Mai, 21:30

@köppnick

Am Donnerstag kurz vor dem Schlafengehen fiel mir die Aufgabe wieder ein. Ich setzte mich kurz an den Küchentisch, kritzelte ein wenig mit Sinus und Kosinus auf einem Blatt Papier herum, die Gleichungen längten sich.
..
..
In der Wikipedia findet man auf der Seite über das Dreieck die lapidare Aussage, dass tatsächlich zwei der sechs Strecken ausreichen, um die vier anderen zu berechnen. Und dann noch ein paar Formeln: Satz des Pythagoras, Höhensatz, Kathedensatz.


Ich beziehe mich auf deinen Text und deine Ausführungen, die etwas mit Sinus und Cosinus versucht hatten. Deine Generalisierung in Ehren - aber die war in diesem Beispiel nicht gefragt. Nicht von der Schülerin. Im Allgemeinen finde ich es gut, wenn jemand die allgemeine Situation betrachtet.
-
Aber jetzt im Ernst: wenn Du nicht der Schlechteste in Mathematik bist, dann halte ich dein Zugeständnis für ein fürchterliches Urteil über die Schule, in die Du gegangen bist. Nicht weil man die Formeln kennen sollte. Dafür gibt es Wikipedia. Sondern weil die Überlegungen am rechtwinkligen Dreieck Grundlagen für soviele abgeleitete mathematische Überlegungen sind. Und diese sind anschaulich.
-
Ich nehme einmal an, dass Du ungefähr zwanzig Jahre jünger bist als ich, (Ich bin 56) vielleicht noch jünger. Was Du einmal in Mathematik gelernt hast, solltest Du doch noch in den wesentlichen Grundzügen kennen, denke ich mal. Ich nehme also einmal an, dass man euch etwas anderes unterrichtet hat, als uns. Ein Bekannter hat mir aber vor kurzem mitgeteilt, dass der Schulplan des Mathematikunterrichts seit Jahrzehnten in Österreich nicht geändert wurde. Also sollten Österreicher das Problem dann leichter lösen können.
-
Zur Anstellung:
Die Problematik beim Job liegt darin, dass es manchmal Aufgabenstellungen gibt, bei denen man mehrere Lösungen beurteilen soll. Manchmal muss man aber etwas schnell umsetzen können.
Eine derartige Frage muss vom Bewerber nicht gelöst werden, ohne dass er die Möglichkeit hätte, Rückfragen zu stellen. Ich würde ihm daher gegebenenfalls die Formeln zur Verfügung stellen, wenn er mir sagt, was sein Hauptproblem ist.
Programmierereinstellungstests können weitaus "gemeiner" sein. So werden bei "Google" Algorithmen abgefragt, die in der begrenzten Zeit unlösbar sind, es sei denn, man hat den Algorithmus schon einmal selber verwendet. Es kommt nur auf die Art der Fragestellung des Bewerbers an.
Oder es werden Fragen gestellt, welche Ausnahmefälle der Java-Virtual-Engine betreffen, die man nur weiss, wenn man sich einmal durch die gesamte Dokumentation durchgelesen hat.
-
In welchem Feld programmierst denn Du?
Köppnick - 18. Mai, 22:20

Mein Matheunterricht war topp

10 Jahre bin ich jünger als du. Ich war in einer Spezialklasse, allerdings nicht für Mathematik. In der DDR gab es Mathematikolympiaden, da habe ich es bis zum Bezirk geschafft (ist etwa die Ebene eines kleinen Bundeslandes). An der Uni gab es auch eine Art Matheolympiade, da war ich einmal 4. und einmal 5. meines Matrikels (von 500 Studenten). Studiert habe ich Theoretische Elektrotechnik, promoviert habe ich mit einem Thema, das viel 2d-Systemtheorie beinhaltet. Wenn man so will, war das nur angewandte Mathematik, ein Formelgrab. Allerdings ist das lange her und ich habe ein schlechtes Gedächtnis. Ich muss mir immer alles herleiten. Ich schreibe Software für digitale Bildverarbeitung. Unsere Firma produziert Kameras und andere Hardware und liefert für diese Systeme auch die Auswertungssoftware mit. 15 Leute, davon 11 Diplomingenieure, davon 4 promoviert.

Das mit dem Sinus und Cosinus bezog sich darauf, dass mir als erstes die Ersetzbarkeit von Sinus und Cosinus eingefallen war, dass man durch Gleichsetzen alle Winkel eliminiert und dann die Streckenverhältnisse übrig bleiben. Dasselbe Ergebnis bekommt man aber gleich, wenn man die Ähnlichkeit der Dreiecke verwendet oder, was dasselbe ist, den Strahlensatz.
steppenhund - 19. Mai, 00:09

Merkwürdig

Dann muss das Dreiecksbeispiel für dich doch ein Klacks gewesen sein und du hast es nur aus rhetorischen Gründen so aufgeblasen. Theoretische Elektrotechnik war nur ein Fach in meinem Studium "Industrielle Elektronik". Aber dort gab es den besten Professor, der später Rektor wurde.
Ein bisschen beneide ich dich um die Gelegenheit, heute digitale Bildverarbeitung zu programmieren. Ich war 1980 bis 1986 ein Spezialist für Bildanalyse und Mikrospektralphotometrie, inklusive Patenten.
Ich kann mich noch gut an den Objektisolationsalgorithmus erinnern, den ich einer DDR-Doktorarbeit entnommen hatte. Den verwendete ich dann auf meinem Messgerät. Hatte ich damals in FORTH umgesetzt. Nur zur Anschauung: 1980 dauerte eine schwarz-weiss-Erosion auf einem 512*512 Bild 20 Sekunden auf einer Data General Nova. Man konnte praktisch zusehen dabei.
Von 1974 bis 1989 war ich mit Elektronik und Software beschäftigt, die dem Menschen half (Medizintechnik). Aber nach meinem Ausflug in die Musikwelt landete ich später in einer betrieblichen IT-Umgebung. Die ist zwar ebenfalls komplex, aber auf eine ganz andere Art. Und deren Programmierer kann man mit dir oder deinen Kollegen überhaupt nicht vergleichen.
-
Weißt Du, das Missverständnis bezüglich der Einfachheit von Lösungen liegt darin, dass die Trigonometrie erst viel später bei uns im Lehrplan kommt, als der Unterrichtsstoff, mit dem man das Problem lösen kann.
Den Strahlensatz kennt man zwar dann auch schon, aber im Wesentlichen kommt es ja darauf an, die quadratische Gleichung lösen zu können. Und das gibt es dann erst in der Vierten, glaube ich.
Übrigens bin ich vielleicht auf solche Probleme leicht fixiert. Das tritt seit der Lektüre eines Buches von Wapner verstärkt auf. Die Ausführungen über Scherenkongruenz mit dem Beispiel, dass man aus einem beliebigen Vieleck ein flächengleiches Quadrat auf geometrische Weise herleiten kann, haben mich fasziniert. Da kommt man bei den Umformungen ganz automatisch auf den Höhensatz.
Auf keinen Fall war von meiner Seite Geringschätzung im Spiel.
Köppnick - 19. Mai, 06:41

Es gibt eine Reihe "Duden Abiturwissen". Diese Bücher habe ich mit vor Jahren gekauft, um einen Überblick zu haben, was heute von einem Abiturienten verlangt wird (vor allem Deutsch und Geschichte wollte ich wissen). Dort habe ich in das Mathebuch auch hinein geschaut. Von einem Abiturienten wird über das Dreieck nur noch verlangt, den Schwerpunkt und den Flächeninhalt zu berechnen. Eine seltsame Zusammenstellung.

Ich glaube nicht, dass es wichtig ist, viel zu wissen (im Sinne von "aufsagen zu können"). Aber es ist nützlich ein paar Methoden zu haben, mit denen man eine Aufgabe analysieren kann und einen Lösungsweg suchen. Wenn man dann ein bisschen Zeit drauf verwendet, werden die Lösungen immer kürzer und eleganter und man versteht auch das Umfeld. Im obigen Fall eben, dass die verschiedenen Sätze über das Dreieck sich aus den Streckenverhältnissen leicht ableiten lassen. Ich habe gerade gelesen, dass es ein Buch gibt, in dem über 200 verschiedene Beweise für den Satz des Pythagoras versammelt sind. In jedem dieser Sätze stecken andere interesssante Ideen und Vorgehensweisen. Man braucht selbst aber nur auf eine einzige Idee, dann hat man den Satz wieder.

Von Theoretischer Elektrotechnik weiß ich nichts mehr. Außerdem ist es ja so, dass man generell nach einem Studium eigentlich nichts weiß - aber man hat ein paar Arbeitsmethoden gelernt.
steppenhund - 21. Mai, 00:06

ich muss dir wohl recht geben

Zwei unserer jungen Programmierer (und das sind nicht die schlechtesten) meinten, dass sie bei der Aufgabe - wenn sie eine Prüfungsaufgabe wäre - anstünden.
Sie gaben allerdings auch zu, dass es in Wirklichkeit schon im Bereich des für sie Lösbaren wäre.
Also resigniere ich.
Dann frage ich halt in Zukunft nur mehr Exceptions, Interfaces und den Unterschied zwischen seriazable und externizable ab.
Und die Standardabfrage:

s1 = new String("Hallo");
s2 = new String("Hallo");

s1 == s2 ist true or false?
Köppnick - 21. Mai, 06:32

In C++ wäre s1 == s2 false und *s1 == *s2 true.

Mein Kollege hat sich meine Überlegungen durchgelesen und daraufhin nochmals mit seiner Tochter gesprochen. Ihre beiden Kommentare: "Wir kennen noch keine quadratische Gleichung" und "Der Lehrer hat versprochen, dass solche Aufgaben nicht in der nächsten Klassenarbeit vorkommen". Jetzt verstehe ich auch, was Paenza meinte, als er sagte, die Lehrenden seien schuld, wenn viele Mathematik frustrieren würden.
steppenhund - 22. Mai, 19:25

In Java handelt es sich um einen Sonderfall der Implementierung. String-Objekte werden auf dem Heap angelegt. Wenn ein neues Objekt angelegt werden soll, schaut die JVM nach, ob es bereits ein gleiches Objekt gibt, und legt die Objektreferenz auf dasselbe Objekt.
Deswegen gilt "true".
Wenn einer "false" sagt, heißt das noch nicht, dass er kein Java kann. Er hat eben nur nicht das Kleingedruckte gelesen.
Ich habe es auch nicht gewusst. Aber es gehört zu den Dingen, die man nur einmal hören muss, um sie sich zu merken. Weil es so gegen den Strich geht.
Die Übersetzung von C++ nach Java lautet:
s1==s2 --> s1.equals(s2)
*s1==*s2 --> s1==s2

Ist natürlich eine merkwürdige Falle, für jemanden, der sich in mehreren Sprachen aufhalten muss.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41