Mirja (anonym) - 11. Februar, 00:30

Hm.

Und er glaubt wirklich, die Christen oder solche, die sich so nennen, oder solche, die keine mehr sind, hätten sich mit all dem nicht auseinandergesetzt? Jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht all das selbst aufgeschrieben und auf den Markt geworfen hab.

Köppnick - 11. Februar, 18:34

Ich kenne Christen, die sich damit nicht auseinander gesetzt haben und die sehr fundamentalistisch sind. Und selbst wenn sie hinterfragen, ich kenne auch sehr viele Raucher, die nicken, wenn man sie auf die Schädlichkeit ihres Handelns hinweist - und sich noch während des Nickens das nächste Stäbchen ins Gesicht schieben. Wenn die Theorie stimmt, dass es einen Menschentyp gibt, der genetisch bedingt zu Suchtverhalten neigt, warum sollte es nicht einen anderen (oder denselben) Typ geben, der in einer religiösen Umgebung besonders leicht den dort vorkommenden Glauben annimmt und es nicht schafft, sich ganz auf die Kraft des eigenen Denkens zu verlassen?
Mirja (anonym) - 11. Februar, 21:31

Ja.

Aber kaufen sich solche fundamentalistischen Christen solche Bücher? Nö. Geben sie ihren Kindern solche Bücher? Nö. Hören sie auf etwas, was da drin steht? Nö. Verstehen sie die Ironie? Nö. Also schleunigst auf den Index. Billige "Lösung", diese Verdrängungstaktik. In der Tat, so wie beim Rauchen. Die, die am ehesten auf sowas hören sollten, hören nicht und wollen auch nicht hören. (Sie wissen es im Grunde halt nur zu gut, wiederholtes Hinweisen ist eher kontraproduktiv.) Ich mag solche antireligiösen, irgendwie ebenso radikalen Bücher genau so wenig wie die radikalen Bücher der anderen Seite, also solche, die einem Christentum aufdrängeln wollen (wie bei MMarheinecke beschrieben). Übrigens etwas, was mich auch gelegentlich bei "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" (Erinnerung ist noch frisch, deshalb dieses Beispiel) geärgert hat: Dieses "Natürlich gibt es nichts Unwissenschaftliches, Übernatürliches, und alle, die was anderes glauben, sind doof" - ja herrje, ob da nun ein Leser gläubig ist oder nicht, ist doch egal, Hauptsache, er erfährt etwas über das Meer. Hier, bei Schmidt-Salomon, ärgert mich insbesondere der von dir zitierte Schluss beim Kinderbuch: dass ein Gott ausschließlich als angstmachend dargestellt wird. Blöd. So einfach ist es nicht. Nochmal blöd. Auch Atheismus kann "fundamentalistisch" werden.
Köppnick - 12. Februar, 07:59

Atheisten sind Fundamentalisten, weil sich die Nichtexistenz Gottes ebenso wenig beweisen lässt, also ist es auch nur die Annahme eines Mono-Glaubens. Es spielt auch keine Rolle, dass sie für ihre "Beweise" mit Naturgesetzen oder Gleichungen hantieren, denn auch diese sind nicht bewiesen, sondern können höchstens falsifiziert, d.h. widerlegt werden. Mir sind moderat Gläubige und immer leicht Zweifelnde die liebsten Zeitgenossen, weil sie allen den benötigten Raum zum Denken und Diskutieren lassen.

Hat der Herr Schätzing das tatsächlich so geschrieben? daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.
Webcat72 - 12. Februar, 12:45

@mirja

.. für Köppnicks Interpretation spricht der letzte Satz seines Auszugs aus dem Kinderbuch: "Und wenn doch, dann nicht an einen Gott in diesen Gespensterburgen" ... die Existenz wird also nicht generell ausgeschlossen, nur angezweifelt. Oder interpretiert ihr das anders?

Was ausgeschlossen wird, ist der angstmachende Gott, der als gesellschaftliche Drohkulisse eingesetzt wird .. und dagegen anzugehen spricht eigentlich nichts, oder?
Mirja (anonym) - 12. Februar, 12:58

Erleuchtung

Ich glaube, ich habe es jetzt verstanden. Bei nochmaligem Nachdenken bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei "Wo bitte geht's zu Gott? ..." gar nicht um ein Kinderbuch handelt, sondern um eine Parodie auf diese Kinderbibelbücher, eine Parodie für Erwachsene. Irgendwie ergibt es sonst keinen Sinn, weil es im Grunde dasselbe ist wie die Kinderbibelbücher, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Ab einem Alter von 7 Jahren werfen Kinder nicht mehr viele Blicke in ein Buch, in dem so viel Wert auf Illustrationen gelegt wird. Vielleicht gerade noch, ja, aber nicht mehr lange. Da werden ziemlich schnell Bücher wichtiger, bei denen es nur noch auf den Text ankommt: Kinderkrimis, Fantasyreihen etc. Andererseits, bei einer Parodie würde auch nicht so viel Wert auf Illustrationen gelegt, oder? Außer, es ist eine sehr gute Parodie. Hm. ---
Schätzing hat es so natürlich nicht geschrieben. Vor allem ist zum Glück das Buch insgesamt nicht in diesem Tenor gehalten. Ich hatte nur bei ein paar wenigen Stellen den Eindruck, dass es in diesen Tonfall "abrutscht". "Walgesang in der esoterischen Hitparade" interpretiert irgendwas in mir als "Wer Walgesang hört, ist Esoteriker und so blöd, dass ich mich hier in diesem Buch darüber lustig machen kann, denn ein Esoteriker liest ein Buch wie dieses mit viel verarbeiteter Wissenschaft drin sowieso nicht". Wahrscheinlich bin ich da zu empfindlich, so, wie ich auch beim Stichwort "Angst" empfindlich bin. Oder es ist eben frauentypisch, viel zu viel in ein paar Worte hineinzudeuten...
Mirja (anonym) - 12. Februar, 13:18

@ Webcat72

Auf diese Weise interpretiert, ist es sehr in Ordnung. Arge Bauchschmerzen macht mir das vorherige Zitat: " 'Ohne Gott hatten wir keine Angst!', sagte der Igel. 'Stimmt!', meinte das Ferkel. 'Aber hat dir die Angst gefehlt?' " Den verstehe ich als: Ab dem Moment, wo eine Gottesvorstellung in dein Leben tritt, wirst du Angst vor diesem Gott/ dieser Gottesvorstellung haben oder gar haben müssen. Das ist für mich genauso eine Drohung wie der strafende Gott, der immer noch gepredigt wird, umgeschrieben zu: Halte dich von Gottesvorstellungen fern, sonst trifft dich der Fluch der Angst. Die Sache mit den Gespensterburgen unterschreibe ich im Grunde. Aber hier hört es sich für mich so an, als würden sich Gläubige grundsätzlich in Gespensterburgen versammeln. Es gibt aber noch so unendlich viele andere Spielarten des Glaubens und seiner Auswirkungen. Ich weiß nicht, wie es wirklich gemeint ist, bei mir kommen diese Zitate sehr radikal und eher atheistisch als agnostizistisch an. Wie es bei Kindern ankommt, weiß ich ebenfalls nicht, auf jeden Fall aber wohl auch unterschiedlich, genau wie bei uns. Heißt nicht, dass ich eine Indizierung auch nur im Ansatz gut finden würde. Heißt nur, dass Kinder weder zum Glauben noch zum Nichtglauben gezwungen werden sollten.
Gregor Keuschnig - 13. Februar, 08:21

@Mirja

Die Indizierung erfolgte m.W. nicht unbedingt wegen des Textes, der - nach allem, was man hier zu lesen bekommen hat - ziemlich schwachsinnig zu sein scheint (aber das wäre natürlich kein Grund, ein Buch zu indizieren). Die Indizierung erfolgte aufgrund mindestens einer Illustration, die einen Rabbi in Schläfenlocken darstellt und offensichtlich eine gewisse Ähnlichkeit mit den Verächtlichmachungen weiland 1933-45 haben soll. Da haut man dann ganz schnell den Stempel "antisemitisch" drauf, damit das Paket dann gebündelt in den Orkus befördert werden kann.

Vermutlich die gleichen Leute, die die Mohammed-Karikaturen als Gipfel der europäischen Meinungsfreiheitskultur bezeichnet haben, gehen jetzt voran, dieses Buch zu verbieten. Ich wüsste nur gerne, wie man sonst einen gläubigen, orthodoxen Juden darstellen soll.

Es ist übrigens interessant, dass die beiden radikal-atheistischen Bücher, die ich vergangenes Jahr gelesen habe (Dawkins und Hitchens) und die sich beide exzessiv mit den monotheistischen Religionen "beschäftigen", das Judentum "schonen". Es gibt zwar bei Hitchens eine unschöne Szene, in der er beschreibt, dass die Beschneidung, die u. a. im Judentum üblich ist, durch die mangelnde Zahn- und Mundhygiene der Rabbis, die die Beschneidung vorgenommen haben, dahingehend oft zu gesundheitlichen Schäden bei den Kindern führten, da die Rabbis die Vorhaut quasi abgebissen hätten und dadurch Keime übertragen hätten - aber ansonsten verhalten sich die beiden Autoren reichlich reserviert. Man ahnt, warum.
Mirja (anonym) - 14. Februar, 12:26

@Gregor

Ahaaaa, DAHER pfeift der Hase! Danke für die Aufklärung! Ich habe mich natürlich nicht weiter informiert über die Bücher und die Indizierung, sondern bin auf die Zitate angesprungen und habe drauflosgeschrieben. Deine Infos werfen natürlich zumindest auf die Indizierung nochmal ein anderes Licht. Ja, man ahnt.

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41