Michael Schmidt-Salomon: "Wo bitte geht's zu Gott?" und "Die Kirche im Kopf"
Von MMarheinecke aufmerksam gemacht ("Bangemachen gilt nicht!" - oder: Kinderbibel für Skeptiker) habe ich mir gleich zwei Bücher von Michael Schmidt-Salomon besorgt. Das erste Buch ist Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel, für das Ursula von der Leyen einen Inidizierungsantrag gestellt hat. Man kann Schmidt-Salomon als eine Art deutschen Richard Dawkins bezeichnen, jedenfalls stellt er den Gläubigen ähnliche Fragen wie dieser, allerdings sind seine Bücher kürzer und volkstümlicher. Das bereits erwähnte Kinderbuch ist meiner Meinung nach für Kinder kritisch denkender Eltern etwa ab einem Alter von 7 Jahren geeignet. Das Buch ist reich illustriert, als Erwachsener ist man in etwa 10 Minuten durch, hat den Text gelesen, die Illustrationen genossen und sich köstlich amüsiert. Erzählt wird die Geschichte eines Igels und eines Ferkelchens, die eines Tages durch ein Plakat aufgeschreckt werden:
“Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so gut aufgepasst. „Ferkel kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel. Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte!Also begaben sich unsere beiden Freunde auf den Tempelberg, wo sie jeweils einen Vertreter der drei großen Weltreligionen in oder vor seinem Gotteshaus befragen können, einen Rabbi, einen Bischof und einen Mufti. Einen kleinen Auszug aus dem Dialog von Igelchen und Ferkelchen mit dem Rabbi:
“Eines Tages“, sagte der Rabbi, „ärgerte sich Gott, der Herr, so sehr über die Menschen, dass er sich entschloss, alles Leben auf der Erde zu vernichten.“Das Fazit von Igelchen und Ferkelchen am Schluss des Buches ist dann auch eindeutig:
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„Bis auf ein Paar jeder Art. Die versammelte Noah, an dem Gott Gefallen gefunden hatte, auf seinem Schiff, der Arche Noah. Dann ließ Gott es so lange regnen, bis alle anderen Menschen und Tiere ertrunken waren.“ „Was haben denn die Menschen so Schlimmes getan, dass sie alle ertrinken mussten?“, wollte der kleine Igel wissen. „Sie haben andere Götter angebetet!“, antwortete der Rabbi. „Ach, es gibt noch andere Götter?“, fragte der Igel ertaunt. „Nein!“, sagte der Rabbi. „Die Menschen haben sich das bloß eingebildet. In Wirklichkeit gibt es diese Götter ebenso wenig wie blau-grün gestreifte Gespenster.“ „Aha“, sagte das kleine Ferkel. Es dachte eine Weile nach. „Wenn die Menschen sich Götter einbilden können“, sprach es langsam, „woher wissen wir dann, dass du dir deinen Gott nicht auch einbildest?“
Als sie wieder zuhause angekommen waren, sagte der kleine Igel: „Ferkel, ich weiß jetzt, was uns die ganze Zeit über gefehlt hat...“ „Was denn?“, fragte das kleine Ferkel. „Ohne Gott hatten wir keine Angst!“, sagte der Igel. „Stimmt!“, meinte das Ferkel. „Aber hat dir die Angst gefehlt?“
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„Die Leute vom Tempelberg sind wirklich verrückt! Ich glaub' ja, dass es den Herrn Gott überhaupt nicht gibt! Und wenn doch, dann wohnt der bestimmt nicht in diesen Gespensterburgen!“
Das zweite Buch vom selben Autor richtet sich an Erwachsene: Die Kirche im Kopf. Der Untertitel lautet „Von 'Ach Herrje!' bis 'Zum Teufel'“ und erklärt damit besser den Inhalt des Buchs. Viele unserer Redewendungen und Sprichwörter gehen auf die christliche Geschichte zurück. Auch in diesem „Lexikon“ ist Schmidt-Salomon wieder sehr religionskritisch. einige meiner Lieblingserklärungen:
Kreuz: Zum religiösen Symbol mutiertes, antikes Hinrichtungsinstrument („Marterpfahl“). Hätten die Römer bereits unsere moderne Hinrichtungstechnologie besessen, trügen die Damen der feinen Gesellschaft womöglich einen kleinen diamantbestückten elektrischen Stuhl oder eine mit Smaragden verzierte Giftspritze an der goldenen Halskette.Es sind nur willkürlich herausgegriffene Zitate, das gesamte Lexikon ist in diesem gotteslästerlichen Ton verfasst. Und ehrlich gesagt erstaunt es mich, dass dieses Buch noch nicht auf dem Index steht, denn unter dem Stichwort „Nationalsozialismus“ findet sich die folgende Tabelle:
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Selbstmord: ...
Richtig kurios wird die christliche Ächtung des Suizids dann, wenn man bedenkt, welche Bedeutung der Märtyrertod im christlichen Denken hat. Der dreieinige Gott höchstpersönlich trieb einen Teil seiner selbst in den sicheren Tod, schließlich wurde Jesus nach christlichem Verständnis allein dazu geboren, um durch eine Hinrichtung die Menschen zu erlösen. Sofern es sich bei diesem Coup nicht um einen von langer Hand geplanten Suizid gehandelt hat, so doch wenigstens um "Tötung auf Verlangen", was aus christlicher Sicht ebenfalls als höchst verwerflich gilt.
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Sekte: ...
Betrachtet man allein die Glaubensinhalte, is es für den unbefangenen Beobachter schwer, zwischen den sog. Sekten und den etablierten Religionen zu unterschieden. Für jeden Unsinn, den man in den Sekten findet, entdeckt man auch eine Entsprechung in den großen Religionen. Der wesentliche Unterschied besteht in der gesellschaftlichen Macht.
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Würde man nur diejenigen zur christlichen Kirche zählen, die tatsächlich an den zentralen Glaubensbestandteilen des Christentums festhalten (Himmel, Hölle, Gott und Teufel, Himmelfahrt und Auferstehung und Jüngstes Gericht), was sich u.a. in der Häufigkeit des Gottesdienstbesuches ausdrückt, dann müsste man für die sog. Großkirchen in Deutschland feststellen, dass sie mittlerweise auch nur noch einen Sektenstatus besitzen.
| Merkmale | Christentum | NS |
| Männlicher Einzelführer | Ja | Ja |
| Führerprinzip | Ja | Ja |
| Gehorsam gegenüber Obrigkeit | Ja | Ja |
| Demokratisch bestätigt | Nein | Nein |
| Fraktionsbildung erlaubt | Nein | Nein |
| Heilserwartung | Ja | Ja |
| Vorsehung | Ja | Ja |
| Kreuzsymbol | Ja | Ja |
| ... | ... | ... |
| Elite als (schwarzer) Orden | Ja | Ja |
| Verehrung Märtyrer / Helden | Ja | Ja |
| Uniformierte Amtsträger | Ja | Ja |
| Weltherrschaft | Ja | Ja |
| Bischöfe / Gauleiter | Ja | Ja |
| Ausschluss von Frauen aus Führungsgremien | Ja | Ja |
| Frau als Dienende und Mutter | Ja | Ja |
| Maria- / Mutterkult | Ja | Ja |
Also ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich meine beiden Exemplare jetzt in meinem Bücherschrank stehen habe, von denen niemand etwas weiß, und die deshalb die allfällige Indizierung dieser beiden Bücher auch unbeschadet überstehen werden.
Kategorie: Bücher
Sonntag, 10.Februar 2008




