Grüne Hölle

Anlässlich meines Umzugs vor etwa anderthalb Jahren habe ich die Gelegenheit genutzt, von einem 180l Aquarium auf ein 450l Becken umzusteigen. Jetzt, nach reichlich 500 Tagen, ist es endlich richtig „eingefahren“. Es benötigt nämlich etwa ein Jahr, bis sich die bakteriellen Prozesse in einem im Vergleich zur Natur relativ kleinen Behälter ausreichend stabilisiert haben.
Wenn ich richtig gezählt habe, dann wachsen im Becken 15 Pflanzenarten, es gibt 6 Fischarten, mindestens 4 verschiedene Schneckensorten und eine Art von Garnelen. Dank Kohlendioxid-Düngung und reichlich Licht wachsen die Pflanzen prächtig. Alle zwei Wochen entsorge ich nach dem Zurückschneiden der Pflanzen einen ganzen Eimer Grünzeug.
So eine grüne Hölle kann einen an einem Winterabend richtig zufrieden stimmen.
Kategorien: Alltag, Natur
Sonntag, 13.Januar 2008
Ein Jahr
Ich glaube aber, man kann so ein kleines Becken nicht mit einem See, Fluss oder Ozean vergleichen. Worauf ich hinauswollte, war etwas ganz anderes. Viele Leute räumen ihr Becken einmal im Jahr aus, weil ein paar Blätter gelb geworden sind oder sich der Bodengrund schwarz färbt. Das ist alles Nonsens und macht den Tieren und Pflanzen schwer zu schaffen. Meine großen Echinodorus fangen jetzt erst an, ordentlich zu wachsen und die Wasseroberfläche anzustreben. Im ersten Jahr hat ihnen der Bodengrund wohl noch nicht gefallen, jetzt ist er genügend "vergammelt".
Ich hoffe, das mein Becken so an die zehn Jahre stehen kann, ohne dass ich groß eingreifen muss. An einer Ecke habe ich ein paar Quadratzentimeter Blaualgen, obwohl die Wasserwerte insgesamt topp sind. Stickstoff-, Phosphor- und Schwefelverbindungen liegen an der unteren Nachweisgrenze. Ein kleineres Becken verliert man ganz schnell an die Blaualgen, bei einem großen Becken muss man nichts machen, das bleibt stabil.
Sorry, dass ich das nicht gleich mitbekommen haben, worauf du hinaus wolltest, aber das hängt wohl damit zusammen, dass ich mich so gut wie nie für Aquarien interessierte. Mich beschäftigen eher Lurche, Frösch und die Vegetation auf einer ungefassten Feuchtstelle, die wir über die Jahre hinweg erhalten konnten.
Faszinierend finde ich es trotzdem, dass auf so etwas wie ein Wasser-Biotop im Wohnzimmer so gut funktionieren kann. Ich denke da auch an die Lebensfreude, die mit einem Aqarium verbunden ist.
In meiner Gegend gibt es eine Unmenge Lurche, überwiegend sind es wohl Erdkröten. Im Frühjahr und Frühsommer sind so viele von ihrem Nachwuchs bei uns unterwegs, dass man auf einigen Wegen schon nicht mehr guten Gewissens spazieren gehen kann, ohne welche von ihnen zu zertreten.
ich mag die jungen Laubfrösche so gerne, die im Garten hervorkommen, wenn ich bei den Gemüsen arbeite. Sie sind noch so winzig kleine Dinger und gucken mit großen Augen in die Welt.
Mir tut's auch leid, wenn im in der aufkommenden warmen Jahreszeit, die Kröten auf ihren Wanderungen von einer Straßenseite zu anderen überfahren werden. Zar fahre ich da besonders langsam, aber manchmal ist es trotzdem zu spät.
Ich habe gerade daran gedacht, ob sich Auquariumfische in einem (zähmenden) Umfeld anders verhalten, als in wilden Gewässern. Liese sich ähnliches beobachten, wie bei Säugetieren (zB Rinder), die in menschlicher Obhut sind. Ich meine, verändert sich das Wesen des Fisches durch menschliche Beobachtung und emotionale Zuwendung?
Wir können gar nicht anders, als unsere eigene Weltsicht in alle Lebewesen zu projizieren. Und das ist auch gut so, weil wir ja für nahezu alles auf der Erde verantwortlich sind.
Ob sich Auquariumfische in einem (zähmenden) Umfeld anders verhalten?
Ob es die emotionale Zuwendung ist, weiß ich nicht, aber konditioniert auf ihre Besitzer werden sie schon. Tauche ich vor dem Aquarium auf (=großer dunkler Schatten), schwimmen sie nicht davon, sondern kommen an die Oberfläche, um nach Futter zu suchen. Ihre wild lebenden Verwandten würden da abhauen.
Irgendwann habe ich gelesen, dass Fische _nicht_ träumen, und ihr Schmerzempfinden ist auch nicht so weit entwickelt, wie das höherer Wirbeltiere. Aber jeder Besitzer (Tiere sind ja juristisch "Sachen") sollte sie trotzdem anständig behandeln.
In einem Bächlein helle,
Da schoss in froher Eil'
Die launige Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh'
Des munter'n Fisches Bade
Im klaren Bächlein zu.
Ein Fischer mit der Rute
Wohl an dem Ufer stand,
Und sah's mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.
Doch plötzlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang. Er macht
Das Bächlein tückisch trübe,
Und eh' ich es gedacht,
So zuckte seine Rute,
Das Fischlein zappelt d'ran,
Und ich mit regem Blute
Sah die Betrogene an.
Die ihr am goldenen Quelle
Der sicheren Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle,
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit, Mädchen, seht
Verführer mit der Angel!
Sonst blutet ihr zu spät!
q.e.d.
"Mädchen, seht
Verführer mit der Angel!
Sonst blutet ihr zu spät!"
... nun ...
"Wir können gar nicht anders, als unsere eigene Weltsicht in alle Lebewesen zu projizieren."
... ja.
Und jetzt tu bitte wieder diese Bilder aus meinem Kopf.