Der Goldene Kompass
Gestern Abend habe ich den Film Der Goldene Kompass gesehen. Wie für fast jede Literaturverfilmung gilt auch hier: Hat man das Buch nicht gelesen, versteht man viele plötzliche Wendungen nicht oder ist über völlig unmotiviert in die Handlung eingreifende Personen erstaunt. Hat man das Buch gelesen, ist man enttäuscht, weil man die eigenen inneren Bilder und die Komplexität der Handlung im Film nicht wiederfindet. In diesem Fall kannte ich das Buch.
Für meinen Geschmack steht die Panzerbärengeschichte etwas zu sehr im Mittelpunkt des Films. Dafür kam vieles Andere aus dem Buch zu kurz, zum Beispiel die Umkehrung der Bezeichnungen von Wissenschaft und Kirche in Lyras Welt im Vergleich zu unserer. Der Schluss des Filmes war mir dann etwas sehr abrupt und zu stark auf den kommenden zweiten Teil ausgerichtet. Dieser wird zwangsläufig gedreht werden müssen, denn ohne die Verfilmung der zwei anderen Teile der Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman Das Magische Messer und Das Bernstein-Teleskop ergibt die Handlung keinen Sinn.
Interessant war die tricktechnische Umsetzung der Dämonen. In einer Szene, in der Mrs. Coulter ihren Dämonen, einen goldenen Affen, auf der Schulter trägt und an ihren Körper presst, wird dies besonders deutlich, dabei werden ihre Haare vom Äffchen gegen ihren Kopf gedrückt. Wie wurde das gedreht, welchen Gegenstand hat sie dabei in der Hand gehalten?
Insgesamt ist das jetzt die vierte Verfilmung eines Fantasy-Stoffes in den letzten Jahren, nach Der Herr der Ringe, Die Chroniken von Narnia und Harry Potter. Vom Herrn der Ringe habe ich mir nur die beiden ersten Teile im Kino angesehen, dann hatte ich davon genug. Damals hatte ich zuerst die Filme gesehen und erst später das Buch (an)gelesen, nur Der kleine Hobbit habe ich bis zum Ende geschafft. In den Filmen ist mir zu viel Brutalität, im Buch zu viel Fantasy. Harry Potter hat viel stärkere Bezüge zur Realität, die Bücher sind aber literarisch doch eher als Kinder- als als Bücher für Erwachsene angelegt. Das erkennt man u.a. daran, dass selbst Vierzehnjährige sie fast ohne Wörterbuch im englischen Original lesen können. Allerdings sollte man vielleicht den folgenden Aspekt nicht außer acht lassen, den Pullman in einem Spiegelinterview äußert:
Psychologisch bemerkenswert scheint mir auch die Reaktion der Kirche auf die vier verschiedenen Verfilmungen zu sein. War man von der Narnja-Verfilmung eher angetan, wurde gegen die anderen Filme zu Felde gezogen. Warum? Verortet man innerhalb der Kirche selbst die Bibel inzwischen in der Nähe eines Fantasyromans oder sieht sich durch Märchenbücher für Kinder gefährdet?
Kategorien: Filme, Bücher
Für meinen Geschmack steht die Panzerbärengeschichte etwas zu sehr im Mittelpunkt des Films. Dafür kam vieles Andere aus dem Buch zu kurz, zum Beispiel die Umkehrung der Bezeichnungen von Wissenschaft und Kirche in Lyras Welt im Vergleich zu unserer. Der Schluss des Filmes war mir dann etwas sehr abrupt und zu stark auf den kommenden zweiten Teil ausgerichtet. Dieser wird zwangsläufig gedreht werden müssen, denn ohne die Verfilmung der zwei anderen Teile der Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman Das Magische Messer und Das Bernstein-Teleskop ergibt die Handlung keinen Sinn.
Interessant war die tricktechnische Umsetzung der Dämonen. In einer Szene, in der Mrs. Coulter ihren Dämonen, einen goldenen Affen, auf der Schulter trägt und an ihren Körper presst, wird dies besonders deutlich, dabei werden ihre Haare vom Äffchen gegen ihren Kopf gedrückt. Wie wurde das gedreht, welchen Gegenstand hat sie dabei in der Hand gehalten?
Insgesamt ist das jetzt die vierte Verfilmung eines Fantasy-Stoffes in den letzten Jahren, nach Der Herr der Ringe, Die Chroniken von Narnia und Harry Potter. Vom Herrn der Ringe habe ich mir nur die beiden ersten Teile im Kino angesehen, dann hatte ich davon genug. Damals hatte ich zuerst die Filme gesehen und erst später das Buch (an)gelesen, nur Der kleine Hobbit habe ich bis zum Ende geschafft. In den Filmen ist mir zu viel Brutalität, im Buch zu viel Fantasy. Harry Potter hat viel stärkere Bezüge zur Realität, die Bücher sind aber literarisch doch eher als Kinder- als als Bücher für Erwachsene angelegt. Das erkennt man u.a. daran, dass selbst Vierzehnjährige sie fast ohne Wörterbuch im englischen Original lesen können. Allerdings sollte man vielleicht den folgenden Aspekt nicht außer acht lassen, den Pullman in einem Spiegelinterview äußert:
KulturSPIEGEL: Ist es schwierig, einen Text zu schreiben, der Kinder und Erwachsene unterhält?Pullman findet in dem Interview Potter gut und die Ringe schlecht, letzteres mit der Begründung:
Pullman: Eine enorme Aufgabe. Als Lehrer in Oxford habe ich früher Theaterstücke für die Schüler geschrieben. Dabei hatte ich immer im Kopf, dass auch deren Eltern sich nicht langweilen sollen, wenn es zur Aufführung kommt. Ich habe also von Anfang an trainiert, für Kinder und Erwachsene zu schreiben. Eines meiner Lieblingsbücher als Kind, das ich bis heute sehr schätze, ist übrigens "Emil und die Detektive" von Erich Kästner, ebenso die mindestens so gelungene Fortsetzung "Emil und die drei Zwillinge". Ein perfektes Beispiel für Bücher, die Kinder und Erwachsene genießen können.
Nehmen Sie Tolkiens "Herrn der Ringe", das scheint so irrwitzig komplex, ist aber bei näherer Betrachtung von erschütternder Trivialität: Sicher, er war ein Meister in der Schilderung großartiger Landschaften und noch viel großartigerer Schlachten. Aber die Geschichte? Da gibt es nur die Guten und die Bösen. Die einen wollen die Welt retten, die anderen die Herrschaft übernehmen. Das ist schon sehr simpel gestrickt, der einzige halbwegs interessante Charakter ist Gollum, sonst herrscht da gähnende Langeweile.Das stimmt, und dieser Hinweis auf Gollum erklärt mir nachträglich auch, warum ich die Ringe beim zweiten Ansehen nicht mehr ganz so schlecht wie beim ersten Mal fand – weil ich dieses Mal bis zum Ende ausgehalten habe.
Psychologisch bemerkenswert scheint mir auch die Reaktion der Kirche auf die vier verschiedenen Verfilmungen zu sein. War man von der Narnja-Verfilmung eher angetan, wurde gegen die anderen Filme zu Felde gezogen. Warum? Verortet man innerhalb der Kirche selbst die Bibel inzwischen in der Nähe eines Fantasyromans oder sieht sich durch Märchenbücher für Kinder gefährdet?
Kategorien: Filme, Bücher
Freitag, 28.Dezember 2007




