Jürgen Petermann: Sichere Energie im 21. Jahrhundert

Die Konferenz auf Bali ist zu Ende gegangen, die Streitereien um die richtige Klimapolitik gehen weiter. Hintergrund der Probleme ist der Energiehunger der ganzen Welt, der heute überwiegend durch die Verbrennung fossiler Energieträger gedeckt wird. Es gibt eine Vielzahl von Einzelartikeln, gedruckt oder im Netz, die sich mit verschiedenen Detailproblemen beschäftigen. Demgegenüber versucht das von Jürgen Petermann herausgegebene Buch „Sichere Energie im 21. Jahrhundert“ durch eine gezielte Auswahl von Beiträgen letztendlich zu einer Gesamtübersicht beizutragen.

Gleich zu Beginn ein interessanter Gedanke: Unsere Epoche ist die Übergangszeit zwischen dem ersten und dem zweiten solaren Zeitalter. Die Menschen haben bis zum Mittelalter nur regenerative Energien benutzt: Holz, Wind, Wasserkraft. Nachdem wir alle Kohle, das Erdöl und -gas verbrannt haben (falls wir es wegen dem CO2 überhaupt können), werden wir wieder in einem solaren Zeitalter leben. Aber wie wird die Übergangszeit, also das 21. Jahrhundert, gestaltet? Petermann listet in der Einleitung einige der Fragestellungen dazu auf:
  • Die Sicherheitspolitik würde es gebieten, beim Energiemix verstärkt auf die Nutzung (heimischer) Kohle umzusteigen – aber die Belange des Klimaschutzes sprechen vehement dagegen. Technische Durchbrüche bei der CO2-Abtrennung brächte vielleicht die Lösung des Dilemmas.
  • Knappes Öl und die Klimagefahren durch CO2 könnten zu dem Schluss verleiten, die (abgasfreie) Kernenergie solle auf breiter Front in die Bresche springen – angesichts der unbewältigten Sicherheitsprobleme gibt es dafür jedoch keine gesellschaftliche Akzeptanz. Würde sie hergestellt und bräche sie dann (nach einem neuerlichen Desaster wie in Tschernobyl) plötzlich wieder weg, stünden Milliarden-Investitionen auf dem Spiel.
  • Die weltweite Umstellung der Energieversorgung von Kohlenstoff auf Wasserstoff erscheint vielen als ultimatives Ziel und Lösung aller Enegieprobleme – aber selbst innerhalb des ökologischen Lagers wird die Vision der Wasserstoffwirtschaft von manchen als technologischer Irrweg verdammt, weil sie inhärent enorme Energieverluste mit sich bringe.
In den im Buch versammelten Beiträgen kommen dann Vertreter aller drei Lager zu Wort, die in einem weiteren Artikel wie folgt sortiert werden:
  • Konventionell denkende Energiestrategen, die den Vorrat am fossilen Brennstoffen für unterschätzt halten und vorerst auch weiterhin auf moderne fossile Großkraftwerke setzen, ergänzt durch Kernenergie; CO2-freie Kraftwerke sollen helfen, das Klimaproblem zu lösen.
  • Eine mittlere Schule, die antritt unter der Parole: Wir brauchen alles. Angesichts des weltweit anwachsenden Energiebedarfs und schwindender Ressourcen sei es unverantwortlich, auf irgendeine Option der Energieproduktion zu verzichten. Als aktuelles Vorbild dient China, das seinen gewaltigen Energiehunger mit allen Energieformen stillen will, einschließlich Kohle, Windkraft und Atomenergie.
  • Die Anhänger der Nachhaltigkeitsstrategie („sanfter Pfad“), die eine grundlegende Abkehr vom fossil-nuklearen Energiekonzept und eine Hinwendung zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz fordern; eine mehr dezentral ausgerichtet Energieversorgung träte an die Stelle der bisherigen Kraftwerkszentralen.
Für mich die interessantesten Artikel im Buch:
  • Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung Chinas und seines Einflusses auf die Energie- und Rohstoffversorgung und seiner Beziehungen zum Iran.
  • Pro- und Kontradarstellungen zu nahezu jeder Energieform: Kohle, Erdgas, Kernenergie, Kernfusion, erneuerbare Energien, Wasserstoffwirtschaft, Erdwärme.
  • Pros und Kontras zur Privatisierung der Energieversorgung und zur Betrachtung der Energieversorgung als Aufgabe der nationalen Sicherheit.
  • Technische Artikel zur CO2-Sequestrierung (der Entfernung von CO2 aus den Kraftwerksabgasen) und zu vielen anderen Energieanlagen.
Und ein ganz wichtiges Plus des Buchs: Es besticht durch seine reichhaltige Bebilderung und ausgezeichnete Illustrierung. Mit dieser hervorragenden inhaltlichen und gestalterischen Qualität ist es bei einem Umfang von 400 Seiten mit nur 25 Euro ein echtes Schnäppchen.

Laut Auskunft der Verkäuferin in der Buchhandlung ist das Buch erst im April 2008 nach einer Neuauflage wieder lieferbar.

Kategorien: Visionen, Politik

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Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16