Vorteile der Bahnprivatisierung?

Ich habe es gern logisch, deshalb wäre es nett, wenn mir mal jemand die Vorteile einer Bahnprivatisierung erklären könnte. Meine eigenen Überlegungen dazu:

Ein kleines privates Unternehmen kann sehr gut funktionieren. Der Chef, in dessen Eigentum sich die Firma seit Generationen befindet, kennt sowohl alle seine Mitarbeiter, als auch die Konkurrenten und den Markt. Er erscheint jeden Tag im Betrieb, arbeitet mehr als der Durchschnitt seiner Angestellten. Weil er das volle Risiko trägt, ist ein weit überdurchschnittlicher Verdienst für ihn unter dem Gerechtigkeitsaspekt in Ordnung.

Bei sehr großen Unternehmen wandelt sich der Besitzer zum Aktionär, der vom Unternehmen nicht viel mehr kennt als den Aktienkurs und seine Dividende, und den die Produkte und Mitarbeiter der Firma auch überwiegend unter diesem Aspekt interessieren. Damit das Unternehmen geleitet werden kann, wird zwischen diese anonymen Besitzer und die Mitarbeiter ein Management gestellt, das eine Art Zwitterstellung einnimmt. Formal sind es ebenfalls abhängig Beschäftigte, aber um die Interessen der Besitzer besser zu vertreten, werden die Manager meist mit überdurchschnittlichen Gehältern oder mit Aktien, d.h. mit Besitzanteilen am Unternehmen geködert. Das vor allem macht sie anfällig für Manipulationen des Werts des Unternehmens am Kapitalmarkt.

Konkret zur Bahn: Im großen Spiel treten vier „Komponenten“ auf, die Eigentümer, die Bahninfrastruktur (Züge und Gleise), die Beschäftigten (die Eisenbahner) sowie die Bahn- bzw. Güter“reisenden“. Ersetzen wir als Eigentümer den Staat (den Bund, die Gesellschaft als Ganzes) durch einen privaten Geldgeber, dann hat dieser Investor ein Interesse daran, dass sich sein Engagement angemessen verzinst. Eine vernünftige Verzinsung ist in Ordnung, wenn sie sich an der Produktivität und der Produktions- oder Transportmenge orientiert. Überschreitet die Verzinsung das richtige Maß, dann leiden die drei übrigen Komponenten darunter: Entweder verfällt die Infrastruktur im Ganzen oder wenigstens in strukturschwachen Regionen („das rechnet sich nicht mehr“), es werden Mitarbeiter entlassen oder schlechter entlohnt, oder die Fahrpreise steigen.

Zurück zu meiner eingangs gestellten Frage nach der logischen Begründung der Bahnprivatisierung, jetzt in einzelne Komponenten aufgesplittet :
  • Welcher Unterschied besteht zwischen der Bahn als Bestandteil der Infrastruktur Deutschlands und zum Beispiel der Polizei? bei letzterer kommt doch auch (noch?) niemand auf die Idee, sie zu privatisieren.
  • Welche Garantien erhält die Gesellschaft dafür, dass private Investoren gesellschaftliche Interessen an die Infrastruktur höher gewichten als ihr Gewinnstreben?
  • Welchen Vorteil haben Mitarbeiter der Bahn und Reisende in Deutschland davon, wenn ein „internationaler Logistikkonzern“ in Asien oder Amerika tätig ist und dort andere Unternehmen aufkauft?
  • Welche Investitionen in die Bahn können nur von privaten Investoren getätigt werden und nicht vom Staat? Oder anders: Warum soll eine „angemessene Verzinsung“ einer Investition im Unternehmen von der Art der Geldquelle außerhalb des Unternehmens abhängen?
  • Und abschließend: Warum sollte ein privat beaufsichtigter Mehdorn besser "funktionieren" als ein staatlich kontrollierter?
Kategorie: Politik

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Kommentare hier ...

Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16
Deine beiden Sätze sind grammatisch...
Köppnick - 14. Juli, 07:30
Und genau diese Innovation verlieren wir...
steppenhund - 13. Juli, 21:05
@isv_rp
Metepsilonema - 11. Juli, 23:53
Ich halte es für einen fatalen Irrtum...
Köppnick - 11. Juli, 20:06
Splitter
Gregor Keuschnig - 11. Juli, 18:23