Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts

Nach den vielen Klimaschutzdebatten hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man 50 Liter Benzin verfährt, nur um eine Kunstausstellung zu besuchen. Ich weiß nicht, was man in der Zukunft darüber denken wird, aber manche Kunstwerke will man ganz einfach einmal im Original sehen, auch wenn Aufwand und Nutzen in keinem akzeptablen Verhältnis zueinander zu stehen scheinen. Gestern waren wir in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, wo derzeit die Ausstellung „Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts“ aus dem Metropolitan Museum of Art aus New York zu Gast ist. Vor drei Jahren war im selben Haus die MOMA, hier mein Reisebericht von damals, dort ein paar Bildeindrücke.

Die Organisatoren haben es dieses Mal besser geschafft, die Besuchermassen zu kanalisieren. Man steht zunächst eine reichliche halbe Stunde nach Eintrittskarten an, kann sich danach mit seiner Kartennummer in einen SMS-Service eintragen und wird so etwa eine halbe Stunde, bevor man an der Reihe ist, mit einer SMS informiert. Wir nutzten die knapp zwei Wartestunden zum Besuch des Holocaust-Mahnmal. Vor drei Jahren war es noch für Besucher gesperrt. Danach, wir saßen gerade im Sony-Center bei einem Kaffee, summte die erwartete SMS in meine Brusttasche hinein, wir eilten zur Nationalgalerie zurück und wurden eingelassen.

Die Ausstellungsmacher haben offensichtlich eine feste Besucherroute geplant, wenn die Besucher dieser folgen, bekommen sie zuerst Künstler und Bilder vor dem Impressionismus zu sehen, dann einige Hauptwerke des Impressionismus und dann die ersten Vorboten der Moderne. Irgendwie verpassten wir aber die richtige Reihenfolge. Meine sehr kunstverständige Begleiterin vermisste in unserem ersten Rundgang zwei ihrer Lieblingsmaler, van Gogh und Monet. Erst als wir nochmals zu den schönsten Bildern zurückkehren wollten, stellten wir fest, dass wir die zweite Hälfte des Museums komplett übersehen hatten, mit eben diesen beiden Künstlern und vielen anderen Werken. Dieses ungeplante Durcheinander hatte letztendlich aber den Vorteil, einige Verbindungen des Impressionismus zum Davor und Danach besser zu verstehen.

Meine Begleiterin hatte sich einen Audio-Führer ausgeliehen, der zwei verschiedene Besprechungen (mit zwei verschiedenen Sprechern) enthielt: Eine für Erwachsene und eine für Kinder. Nachdem ich beim ersten Bild in die Erwachsenenvariante hineingehört hatte, entschied ich mich bei allen weiteren Bildern für die Kinderversion. Der Kommentator für die Erwachsenen war in meinen Ohren ein ausgesprochener Langweiler. Ich möchte nicht, wenn ich zum Beispiel vor einem Bild mit der Pandora stehe, die gesamte Mythologie erklärt bekommen, nur weil ich etwas über den Maler und seinen Stil im Bild wissen will. Zudem, mein Vorschlag, sollten die Kommentare ausschließlich von Frauen gesprochen werden, die man in Räumen mit einiger Geräschkulisse immer besser verstehen kann als die Brummstimmen von Männern.

Aber jetzt zu einigen Werken:

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Als Vincent van Gogh vier Stillleben zur gleichen Zeit gemalt hat, entstanden auch zwei Versionen dieses Schwertlilienbildes, eines mit einem rosa und eines mit einem gelben Hintergrund. Laut Kommentar wird in der Ausstellung die „Rosa“-Variante gezeigt. Allerdings hat van Gogh eine Farbe verwendet, die inzwischen ausgeblichen ist. Meine Begleiterin hatte mir zuvor an mehreren Bildern gezeigt, wie die Maler auch bei sehr grün- oder blaulastigen Bildern die Farbbalance durch kleine rote und gelbe Einsprengsel halten können. Jetzt foppte ich sie damit, dass ich fragte, wie denn die Farbbalance noch stimmen könnte, wenn die Farben des Bildes vollkommen anders als zu van Goghs Zeiten sein würden?

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Dieses Bild des mir bis dato unbekannten Malers Maximilien Luce ist in einem pointillistischen Stil gemalt. Geht man näher heran, dann zerfällt das Bild in viele kleine einzelne Farbpunkte, erst bei einem größeren Betrachtungsabstand stellt sich ein gleichmäßiger Eindruck her. Der Kinderkommentar zu diesem Bild war sehr schön. Ich sah mehrere Kinder, die sich mit aufgesetzten Kopfhörern, das Bild betrachtend, vorwärts und rückwärts bewegten.

Für mich ist auch das Motiv des Bildes interessant. Es zeigt, dass es schon 1890 jene unbequemen Reisebetten gegeben haben muss, die den Schläfer mit ihrem umlaufenden Metallrand quälen.

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Eine lebensgroße Skulptur von Auguste Rodin, die man in natura gesehen haben muss. Das Katalogbild gibt die elementare Gewalt nur unvollkommen wieder, die von der Figur ausgeht. Der dargestellte Mann ist buchstäblich ein Vieh, viel muskulöser als ein Bodybuilder, dazu mit übergroßen Händen und Füßen. Ich habe, vor ihm stehend, auch überlegt, wo ich den Denker, die bekannteste Skulptur von Rodin gesehen habe. In der Wikipedia sind eine große Anzahl von Kopien aufgelistet, die an den verschiedensten Orten der Welt zu finden sind. Die Eremitage ist nicht darunter, Ich hätte schwören können, dass ich ihn von dort kenne.

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Ein Selbstbildnis Picassos, dass mich wegen dem geschwärzten linken Auge stark beunruhigt hat. Der Katalogtext macht meine Verwirrung nur noch größer:
Die Besuche in seiner spanischen Heimat gaben dem Künstler immer neuen Schwung; dort wurde er – laut seiner damaligen Lebensgefährtin Fernande Olivier – stets „gelassener, gesünder und glücklicher“.


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Wie oben bereits erwähnt, war uns bei unserem Rundgang die richtige Reihenfolge durcheinander geraten. So sahen wir dieses Bild erst fast zum Schluss. Gemalt hat die „Johanna von Orleans“ Jules Bastien-Lepage, ein mir zuvor vollkommen unbekannter Maler. Das Bild ist groß, 2,50 mal fast 3 Meter, und es machte auf mich und auch auf viele andere einen überwältigenden Eindruck, vor ihm drängten sich die Betrachter. Auch hier gibt der Katalog das Werk nur äußerst unvollkommen wieder.

Man findet auf dem Bild eine geniale Mischung dreier Malstile: Johanna ist realistisch gemalt, auch aufgrund der Lebensgröße hat man den Eindruck, entweder vor einer lebenden Person oder wenigstens einer sehr guten Fotografie zu stehen. Das Haus und der Garten sind in impressionistischem Stile, mit den üblichen Lichtspielen und Fleckung. Und im der linken oberen Bildviertel findet man in transparentem Pastell drei Geister; Heilige, die Johanna in ihrer Vision erscheinen. Den Kontrastumfang des Originals bewältigt das Katalogbild nur schlecht, auch die Heiligenscheine der drei Geister (ja, es sind wirklich drei, nicht nur zwei!) kann man fast nicht erkennen. Mein Lieblingsbild dieser Ausstellung.

Kategorie: Reiseberichte

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Kommentare hier ...

In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29