Bienen und Genpflanzen

Heute hat mich ein Kollege auf ein brisantes Thema aufmerksam gemacht: Beim Ausbringen von genmanipulierten Pflanzen muss laut Gesetz ein Sicherheitsabstand zu „normalen“ Pflanzen derselben Art von 200 Metern eingehalten werden. Dadurch soll eine gegenseitige Befruchtung ausgeschlossen werden. Gemeint ist dabei sicherlich das Verhindern einer Windbestäubung.

Aber was ist mit den Bienen? Diese legen Wege von bis zu 6 km zurück, um Nektar von Blüten zu sammeln und bestäuben dabei nebenbei die besuchten Pflanzen, indem sie den Pollen von einer Pflanze zur anderen tragen. Offensichtlich werden diese Übertragungswege von veränderter DNA in den einschlägigen Gesetzen ignoriert, denn was wären die Konsequenzen?
  • Man dürfte im Umkreis von mindestens 6 km um ein Feld, auf dem genmanipulierte Pflanzen wachsen, keine natürlichen Pflanzen derselben Art dulden. 6 km Radius bedeuten 113 km2 Fläche.
  • Oder man verbietet den Imkern, ihre Völker in demselben Radius aufzustellen, was dann bedeutet, dass auch sämtliche andere Pflanzen dieser Region nicht mehr befruchtet werden, keine Früchte tragen.
  • Aber eigentlich reicht auch das nicht, da auch andere Insekten zur Bestäubung beitragen oder einfach nur vollkommen spontan, nichtindustriiell und unmanipuliert von Blüte zu Blüte fliegen. Deshalb: Für den gefahrlosen Betrieb eines einzigen Feldes mit genmanipulierten Pflanzen müssten sämtliche fliegenden Insekten auf einer Fläche von über 100 km2 ausgerottet werden. Alle in der Nahrungskette auf die Insekten folgenden Tiere wie Vögel und Kleinsäuger würden dort ebenfalls zugrunde gehen.
Interessant ist ein weiterer möglicher Konflikt: Honig besteht praktisch aus von den Bienen verändertem Pflanzenmaterial, enthält also immer deren DNA. Wer verklagt dann wen?
  • Biobauern die Imker, weil deren Bienen gentechnisch veränderte Pollen auf Biopflanzen absetzen,
  • oder Imker Bauern, weil diese mit ihren gentechnisch veränderten Pflanzen die Produktion natürlichen Honigs nicht mehr zulassen?
Sicher ist nur eins: Genmanipulierte Pflanzen sind überflüssig, da nicht auf Resistenz gegen Schädlinge, sondern gegen Schädlingsbekämpfungsmittel "optimiert" wird - mit dem Ergebnis eines erhöhten Eintrags von Chemikalien in die Umwelt, was eine der möglichen Ursachen für das Bienensterben auf der gesamten Welt sein könnte. Und genmanipulierte Pflanzen sind Pflanzen der Reichen, da in den Verträgen der Industrie mit den Bauern die Gewinnung von Saatgut aus den manipulierten Pflanzen verboten wird - die Bauern sollen sowohl jedes Jahr neues Saatgut als auch chemische Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen.

Kategorien: Natur, Politik
Klopstein (anonym) - 14. August, 11:25

300 m

Jetzt habe ich mal gegoogelt. So ähnlich wie manche Gesetze vorschreiben, dass etwas nach dem "Stand der Technik" zu geschehen hat, muss hier eine "gute fachliche Praxis" eingehalten werden. Was damit konkret gemeint ist, wird durch Verordnungen geregelt. Die sind zumindest teilweise artspezifisch, und anscheinend gibt es außer für Mais noch keine. Bei Mais findet die Bestäubung wie bei den meisten Getreidearten wohl (überwiegend?) durch Wind statt. 6 km sind da vielleicht eher unwahrscheinlich.

Trotzdem habe ich mich auch schon öfter gefragt, wie die paar hundert Meter, um die da gefeilscht wird, ausreichen sollen. Wo doch nicht nur Pollen, sondern auch Saatgut manchmal größere Entfernungen zurücklegt, im Bauch von Vögeln oder wie auch immer. Jedenfalls, wer in einer Gegend wohnt, in der Raps angebaut wird und nicht jedes unbekannte Pflänzchen >10 mm sofort massakriert, hat ab und zu gelbe Blumen im Garten.

Ich finde genmanipulierten Mais (oder muss man pc sagen "gentechnisch veränderten"?) auch überflüssig, zumal hier ja praktisch alles Futtermais für die Fleischerzeugung ist.

bluerisk (anonym) - 14. August, 20:06

Der Mensch reicht schon.

Unabhängig davon, dass Bienen Blütenbestäuber sind, ist der Mensch wohl einer der potentiell herausragendsten Verbreiter von „Gen-Material".
Selbst ich als Radfahrer kann diese Genpflanzen an einem Tag über eine Entfernung von bis zu 20 Kilometer und mehr verteilen. Es brauchen sich nur einige Ähren in den Speichen des Rades zu verfangen, was häufiger vorkommt als mir lieb ist.


Was ist mit dem Bauern, wenn er das Feld erntet? Ich glaube wohl kaum, dass er sich darum schert, wenn einige Pflanzen vom Anhänger herunterfallen. Die Feldwege sind daher oft übersät mit heruntergefallenen Getreidepflanzen.

Die Felder die ich kenne, sind nicht "ordentlich" abgeerntet, und auch der Abtransport scheint unter dem Motto: „Ein bisschen Schwund ist immer“ zu erfolgen.

Die 300 m sind allenfalls Kosmetik und verlangsamen einen Prozess, der nicht mehr aufzuhalten ist, sobald er in Gang gesetzt wurde. Um zu verhindern dass ein Feld mit Genpflanzen die umgebende Biosphäre kontaminiert, müsste es hermetische abgeriegelt sein. Dies ist jedoch de facto unmöglich.

Bei dieser Technik gibt es langfristig nur die Alternative zwischen Ja und Nein, und mit dem Anbau hat man sich bereits für das Ja entschieden.

Gibt es eigentlich Studien, die untersucht haben wie schnell sich Biomaterial ausbreitet?

Ich wurde unlängst von einer Zecke gebissen, was mich dazu veranlasste mich über die Ausbreitung
der mit Borreliose und FMSE durchseuchten Zecken zu informieren.

(Ralf wird mir sicherlich den Nutzen dieser possierlichen Tiere nennen können...aber er weiß ja, weiß ich allg. von Spinnen und Konsorten halte)

Grundsätzlich gibt es Zecken in ganz Europa und nur die Durchseuchung der Zecken wandert nordwärts.
So gibt es zwar bei der Borreliose, wie auch bei der FMSE, ein deutliches Nord/Süd-Gefälle, aber zumindest die Borreliose tritt überall auf.
Es wäre also fahrlässig einen Stich/Biss aus Bequemlichkeit zu ignorieren., nur weil man sich im Norden in Sicherheit wähnt. Wichtige Indikatoren wie die Wanderröte treten nur in 50% der Fälle auf, womit die Gefahr die Krankheit zu verschleppen recht groß ist.
Viel interessanter ist aber die FMSE, weil deren Erreger (noch) endemisch vorkommen, aber sich über die Zeckenpopulation weiter ausbreiten.

So war noch vor zwei Jahren der Kreis Marburg als Risikogebiet eingestuft (=>mindestens fünf Erkrankungen innerhalb einer 5-Jahresperiode), während alle Nachbarkreise als risikofrei galten:

http://i.onmeda.de/fsme_deutschland.gif

(Stand 2005)

http://www.travelmed.de/zeckenalarm/zeckenaktuelles.htm

(Stand 2007)

Heute jedoch (Stand 2007) ist Marburg als Hochrisikogebiet eingestuft, und der Nachbarkreise Limburg-Weilburg als Risikogebiet (und bis dorthin führte mich meine Radtour).
Gut möglich, dass ich oder andere Radfahrer verseuchte Zecken über 20 km und mehr verteilen.

Tiere leisten hier aber auch ihren Beitrag. Mit wie vielen Zecken mag ein normales Wildschwein befallen sein?


Um wieder zum Thema zurückzukommen:

Es gibt mit dem Mensch, den Tieren und den Naturelementen wie Wind und Wasser mehr als genügend Wege und Möglichkeiten dieses Material an einem einzigen Tag über einen Radius von 25 und mehr Kilometer zu verteilen.
Eine Wildsau, oder von mir aus eine Feldmaus, interessiert es doch nicht, dass Feld A nicht mit Feld B in indirekten Kontakt kommen darf. Die Schütteln sich doch nicht das Fell ab, um auch ja sicherzustellen, da kein Ähre van A noch B gelangt.

Bei Getreide mag das jetzt nicht so relevant sein. Feldmäuse haben wohl einen kleinen Radius, Wildschweine ziehen Mais und Kartoffeln dem Getreide vor, aber durch die persönlichen Beobachtung weiß ich, dass zumindest Rotwild durch Getreidefelder tollt.
Und der Aktionsradius von Rotwild ist mit am größten.

Das alles scheint mir so offensichtlich, so dem gesunden Menschenverstand folgend, dass ich nicht begreife, wie man auf die Idee kommt 300 m als ausreichend zu betrachten.

Man hat lediglich einen Faktor ungünstiger gestaltet (=> Übertragungsweg), mehr aber auch nicht. Sicherlich ließe sich zumindest in groben Zügen eine Wahrscheinlichkeitsgleichung ermittelt, die angibt wie hoch die Wahrscheinlichkeit der Kontanimation (durch Tiere) ist, wenn das Feld A die Größe X hat, die Entfernung zu B Y beträgt und es eine potentielle Gruppe von Überträgern gibt, wobei deren spezifisches Übertragungspotential in Verbindung mit ihrer vorliegende Anzahl akkumuliert werden müsste.

Für mich ist ein Großteil der dt. Landwirtschaft überflüssig.

PS: Bei Rechtsstreit würde ich auf das Verursacherprinzip setzen, wobei der Biobauer erst ab einem gewissen Prozentsatz die Kontamination auch angeben muss.
Du kannst also, im Einklang mit den Gesetzen, „Bio“ kaufen, hast dabei aber nicht die Garantie, dass du auch "Bio" bekommst. Du bekommst die de iure Variante von "Bio". Und ich weiß jetzt nicht, ob jeder Honig einem Gen-Check unterzogen wird.
Wenn die Kontrollen aber denen bei Fleisch ähneln, erledigt sich die Rechtsfrage.

Köppnick - 14. August, 22:26

Was den Honig betrifft, das war für meinen Kollegen der Ausgangspunkt: Die Imker haben ein gewaltiges Problem, weil sie sich das Etikett "Gentechnikfrei" nicht anheften können.

In einem Punkt muss ich dir energisch widersprechen: Die deutsche Landwirtschaft ist absolut nicht überflüssig. Wenn unsere Wälder und Felder nicht bewirtschaftet werden, dann kommt man in 20 Jahren nirgendwo mehr durch, unsere Kulturlandschaft würde sich total verändern, man könnte in Deutschland nicht mehr wandern gehen und keinen Urlaub mehr machen. Ganz abgesehen davon, dass wir das Transportvolumen und unsere Abhängigkeit von Importen nicht noch weiter vergrößern sollten.

Und beim Umstieg auf regenerative Energie kommt der Landwirtschaft eine immense Bedeutung zu. Getreide zum Beispiel ist ein viel besseres Heizmaterial als Holz (weil mehr Energie je Hektar und Jahr produziert werden kann). Meiner Meinung nach müssen in Zukunft also noch viel mehr Flächen wieder bewirtschaftet werden, für die jetzt noch Stilllegungsprämien gezahlt werden!

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Kommentare hier ...

In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
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