Eine alte Notiz
Heute ist mir eine alte Notiz mit Gedanken in die Hände gefallen, die mir seit meiner Bekanntschaft mit der Omega-Theorie Tiplers ab und zu durch den Kopf geistern, der ja als bekennender Teleologe und Deist gilt.
Wie kann man vereinbaren, dass es Menschen gibt, die an Gott glauben, solche, die nicht an Gott glauben, und unter letzteren diejenigen (Neurowissenschaftler), die Gott in spezifischen neuronalen Mustern verorten wollen:Kategorie: Gehirn & GeistZwei Schlussfolgerungen:
- Man stelle sich auf einen streng funktionalistischen Standpunkt. Gott existiert, sobald man an ihn denkt (der Begriff / das Konzept). Etwas anderes kann man funktionalistisch nicht annehmen, weil seine objektive Existenz nicht beweisbar ist.
- Gott wirkt auf die Welt ein, weil Menschen, die an ihn denken (genauer an das Konzept), anders handeln als wenn sie nicht an ihn denken würden. Die Eigenschaften Gottes ergeben sich dann aus den Handlungsunterschieden zwischen Menschen, die an Gott denken und denen, die nicht an Gott denken. Witzigerweise sind dadurch auch Atheisten einbezogen, weil eine Ablehnung eines Konzeptes dessen Kenntnis erfordert, man kann nicht nicht an etwas denken. Atheisten, die nicht an Gott glauben, handeln anders, als Menschen, die das Konzept „Gott“ nicht kennen. Daraus ergeben sich dann seine All-Eigenschaften, weil das Konzept quasi alle in ihrem Denken und Handeln beeinflusst.
- Wenn wir voraussetzen, dass sich andere denkende Wesen ebenfalls Gedanken über erste Ursachen etc. machen, dann existiert Gott mindestens solange, solange es denkende Wesen gibt.
- Wissenschaftler, die neuronale Strukturen nachweisen, mit denen Gott gedacht wird, verorten quasi einen Teil Gottes. Aber nicht den ganzen, weil man nicht jedes denkende Wesen an jedem Ort und zu jeder Zeit untersuchen kann, All-Beweise sind formallogisch nicht möglich.
Der einzig mögliche Kritikpunkt ist, dass die hier verwendete Betrachtung des Funktionalismus nicht vollkommen deckungsgleich mit dem Begriff in der Philosophie ist. Ich denke aber schon, dass es noch passt, weil nur vorausgesetzt wird, dass dasselbe Konzept von verschiedenen Personen gleich verwendet werden kann – und das ist in diesem Fall schlechterdings nicht nicht voraussetzbar.
- Tiplers Teleologie ist damit gut begründet, denn wir können schlechterdings die Zielgerichtetheit unseres eigenen (bewussten) Handelns verneinen. Die Generalablehnung der Teleologie seitens der Naturwissenschaften gilt hier nicht, weil sie ja nur für nicht-bewusste Naturvorgänge ausgeschlossen sein muss.
- Der Funktionalismus löst tatsächlich die Widersprüche auf zwischen den gegensätzlichen Standpunkten von Theisten und Atheisten. Erstere können und müssen die äußere objektive Existenz nicht beweisen, letztere können die Existenz und Wirkung des Konzepts nicht leugnen und auch die Nichtexistenz nicht beweisen, weil er als Konzept ja existiert. Der Versuch des Beweises der Nichtexistenz setzt die Existenz des Konzeptes voraus.
Mittwoch, 08.August 2007





Hirn verbrannt?
Zum einen läßt sich mit der angeführten Argumentation die Existenz (und auch noch die kausale Wirksamkeit) einer jeden Vorstellung beweisen, denn nirgendwo wird argumentativ von der"Theizität" des zu beweisenden Begriffes Gebrauch gemacht.
(Man könnte versucht sein, diesen Rekurs auf die Theizität in "Menschen, die an ihn denken, anders handeln als wenn sie nicht an ihn denken würden" zu sehen, aber das stimmt nicht, denn natürlich handeln Menschen, die etwa an eine große Portion Erdbeereis denken anders als solche, die an einen Kuhfladen denken)
Also existiert alles, was gedacht werden kann. Selbst widersprüchliche Dinge existieren, wie etwa ein viereckiges Dreieck. Ich verhalte mich nämlich anders, wenn ich versuche, daran zu denken.
Wer einen derartigen Begriff von "Existenz" akzeptiert, der hat sich einer Privatterminologie verschrieben, aber nichts bewiesen.
Darüber hinaus sind zwei Dinge problematisch:
Die Unterscheidung zwischen "Begriff" oder "Konzept" und dem dadurch bezeichneten. Das wird in dem Satz "Gott wirkt auf die Welt ein, weil Menschen, die an ihn denken (genauer an das Konzept), anders handeln als wenn sie nicht an ihn denken würden." besonders augenfällig. Hier liegt m.E. ein Fehlschluß vor.
Weiterhin leuchtet mir nicht ein, warum die angeführte Argumentation (selbst wenn man sie vorbehaltlos akzeptierte) eine Teleologie begründen würde. Wenn ich an einen bösen Teufel denke, der nur ungerichtetes Chaos produziert, und der sehr viel stärker als Gott ist, dann existiert eben gemäß der beschriebenen Logik auch der Teufel. Und mithin kein allgemeines Ziel, sondern eben Chaos.
Die Relativitätstheorie (eines seiner Spezialgebiete) besagt für diesen Fall, dass für einen äußeren Beobachter das U zwar in einer endlichen Zeit zusammenstürzt, für die Bewohner aber eine unendlich lange Zeit vergeht. Damit hat die vereinte Intelligenz (I) im U seine Existenz für eine unendlich lange Zeit gesichert, obwohl das U selbst (von außen gesehen) in endlicher Zeit vergeht.
Die unendliche Zeit soll von der I zum Bau eines "Lichtcomputers" genutzt werden, der über unendliche Rechenkapazität verfügt und jedes Wesen, das einmal gelebt hat, emulieren kann - für Tipler ist das die Wiederauferstehung aller Leben und der Computer ist Gott. Aufgabe aller Intelligenzen ist die Erschaffung Gottes. (Mein Gedanke, hirnrissig?: In vereinfachter Darstellung ist der „Lichttunnel“ der Sterbenden bereits die Aufnahme in diesen Lichtcomputer.)
Soweit ich weiß, ist es niemandem gelungen, ihm mathematische Fehler nachzuweisen, es ist ein reines Glaubensdingens – nach aktuellem Forschungsstand, das U dehnt sich bis in alle Ewigkeit aus, allerdings aus anderen Gründen aus der Mode gekommen.
Die Teleologie habe ich ihm „zugedacht“, auch hier sehe ich keinen Widerspruch zur aktuellen Forschung: Die Wissenschaft spricht der (physikalischen und biologischen) Evolution Gerichtetheit ab, aber nimmt sie für uns selbst als denkende Wesen als Selbstverständlichkeit in Anspruch – wir verfolgen Intentionen. Mit den bewussten Wesen ist die Teleologie ins Universum gekommen. Wenn sich nachweisen lässt, dass unter den bestehenden Bedingungen unseres Universums Intelligenz zwangsläufig entsteht, ist Teleologie von Anfang an vorhanden und die Wissenschaft hat Unrecht.
Der Rest der Gedanken (die Theodizee) ist von mir und basiert auf Grubers Funktionalismus-Postulat: „Alles ist Schnittstelle“. Wenn für unser Denken nicht zwischen „innen“ und „außen“ unterschieden werden kann, dann existiert ein Gott, der in unserem Denken existiert, in der Wirklichkeit, weil wir keinen objektiven Unterschied zwischen Innerem und Äußerem finden können. Gott existiert dann mindestens so lange, so lange wir ihn denken. Wenn niemand da ist, der ihn denkt, dann ist auch keiner da, der diese Frage stellt, die Frage selbst existiert dann nicht. Meiner Meinung nach ist das logisch widerspruchsfrei.
Es ging mir auch nicht darum, ob die Frage des Theismus und des Atheismus jede für sich widerspruchsfrei ist, sondern ob beide Vorstellungen gegeneinander widerspruchsfrei sein können. Und das scheint mir mit Grubers Schnittstellenpostulat und dem Universum als informationsverarbeitendem System insgesamt der Fall zu sein. Allerdings muss ich beiden Parteien dafür etwas „abknapsen“: Die Beweisbarkeit der Existenz einer äußeren Welt. Ich halte mich trotzdem nicht für balbinesk, d.h. ich glaube an die Existenz einer äußeren Welt, aber ich glaube nicht, dass man deren Existenz beweisen kann. Wenn man es aber nicht beweisen kann, dann darf man die Existenz einer äußeren Welt an keiner Stelle in irgendwelche wissenschaftlichen Beweise einbauen, es bleibt immer postulär.
Zirkulär
"Wenn für unser Denken nicht zwischen „innen“ und „außen“ unterschieden werden kann, dann existiert ein Gott, der in unserem Denken existiert, in der Wirklichkeit, weil wir keinen objektiven Unterschied zwischen Innerem und Äußerem finden können. "
Hier liegt m.E. schon der Fehler, oder besser: Die unsaubere Gedankenführung. Was nämlich, wenn ich die Prämisse unterschreibe, BEDEUTET denn eigentlich der Begriff "Existenz"?
Wenn er nicht mehr bedeutet, als dass irgendetwas DENKBAR ist (ergänze: "und... dadurch Wirkungen erzeugen kann, die Gedanken nun einmal erzeugen können..."), dann ist die Gesamtaussage tautologisch.
Wenn er aber in irgendeinem Sinne MEHR als das bedeutet, d.h. eine ontische Qualität darüber hinaus postuliert, dann wird es problematisch, weil dann allem Denkbaren eben diese Qualität zukommt und es schwer werden dürfte, überhaupt einen Aspekt des Seins des Seienden zu identifizieren, der allem Denkbaren zukommt, aber darüber hinaus irgendetwas Interessantes bedeutet.
"Gott existiert dann mindestens so lange, so lange wir ihn denken. Wenn niemand da ist, der ihn denkt, dann ist auch keiner da, der diese Frage stellt, die Frage selbst existiert dann nicht. Meiner Meinung nach ist das logisch widerspruchsfrei."
Das mag sein. Aber "logisch widerspruchsfrei" heißt nicht, dass damit irgendetwas Relevantes gesagt wurde. Wie oben schon angemerkt: Ich kann den Begriff der Existenz mit dem Begriff der Denkbarkeit (genauer "durch jemanden jemals gedacht worden sein") ersetzen. Aber damit habe ich ihn eben jeglicher Aussagekraft beraubt.
Diese Schludrigkeit wird zur intellektuellen Unredlichkeit, wenn ich daraus "Gottes Existenz" zu beweisen mich anheischig mache, ohne im Beipackzettel anzugeben, dass ich den Begriff der Existenz in einer Weise verwende, die nicht mehr sagt, als dass manche Menschen sich Gott denken können.
Weitere kleine Unsauberkeit der Gedankenführung:
"Wenn niemand da ist, der ihn denkt, dann ist auch keiner da, der diese Frage stellt, die Frage selbst existiert dann nicht. Meiner Meinung nach ist das logisch widerspruchsfrei."
Ist es, glaube ich, nicht. Zumindest nicht, wenn Du "da sein" und "existieren" als bedeutungsgleich ansiehst. Wenn Du das aber tust, musst Du den Satz reformulieren können, indem Du "existieren" mit "ich kann mir etwas denken" ersetzt:
"Wenn ich mir niemanden denken kann, der Gott denkt, dann kann ich mir auch keinen denken, der die Frage nach Gottes Existenz stellt, die Frage selbst kann ich mir dann nicht denken. "
Wieso nicht? LOGISCH folgt das zumindest nicht.
Ach ja: "Theodizee" und "Gottesbeweis" sind zwei verschiedene Dinge. Meintest Du wirklich, das obige sei eine Theodizee?
Aber ansonsten: Ich stimme dir in allen wesentlichen Aussagen zu, ziehe nur andere Schlüsse daraus, was "Relevantes", "Aussagekraft" und "Interessantes" betrifft.
Eine Analogie: Angenommen wir haben die Gleichung 3*2-4=2. Auf den ersten Blick erkennen Erwachsene, dass sie stimmt (im Rahmen der Vereinbarungen, die Menschen zuvor über arithmetische Regeln im Raum der natürlichen Zahlen getroffen haben). Die Gleichung 2=2 hat genau dieselbe Aussage. Ist eine von beiden zirkulär? Ist die Peano-Arithmetik irrelevant, uninteressant oder ohne Aussage?
Ich glaube, ich wiederhole mich jetzt: Ausgangspunkt war die Frage, wie es sein kann, dass der eine Teil der Menschen an einen Gott glaubt, der andere nicht. Was muss man tun, damit beide recht behalten (=logisch widerspruchsfrei sein können)? -> Man muss die Existenz einer äußeren Welt weglassen. Und tatsächlich können wir deren Existenz nicht beweisen.
Und auch das nochmal: Selbstverständlich kommen wir im Alltag besser hin, wenn wir deren Existenz als gegeben annehmen. Aber mit dieser Annahme nehmen wir auch die logischen Widersprüche in Kauf.
Mit dem vorletzten Absatz hast du recht, aber meine Begründung dafür sieht anders aus: Vom Standpunkt der Schnittstelle, also dem Ding, das die Konzepte denkt, sind das Konzept "Ich" und das Konzept "Gott" gleichwertig. Das führt zu einem Problem, weil das Konzept "Ich" die Schnittstelle umfasst bzw. die Existenz einer Person erfordert, die diese Konzepte denkt. Hier müsste ich eine Wirklichkeit voraussetzen, die das Substrat enthält, auf dem gedacht wird. Will ich aber in diesem Modell nicht.
Konsens
"Ausgangspunkt war die Frage, wie es sein kann, dass der eine Teil der Menschen an einen Gott glaubt, der andere nicht. Was muss man tun, damit beide recht behalten (=logisch widerspruchsfrei sein können)? -> Man muss die Existenz einer äußeren Welt weglassen. "
Hier liegt mein einziges Problem mit Deiner Position: Ich behaupte, dass die Umdefinierung des Existenzbegriffs an dem vorbei geht, was ein gläubiger Mensch nachvollziehen würde. Denn an einen Gott glauben heißt UNABDINGBAR an etwas zu glauben, dass außerhalb von einem selbst existiert. Der - erkenntnistheoretisch gut begründbare - Rückzug auf subjektive Erkenntnismöglichkeit ist mit der Vorstellung eines (Schöpfer-) Gottes einfach inkommensurabel (so inkommensurabel wie der Begriff eines Dreieckes mit der Vorstellung einer Vierzahl seiner Ecken).
Genauso, wie die Religiösen Kopfstände machen, um Gott das Gute zuzuschreiben, versuchen die Nichtreligiösen durch den Verweis auf das Böse in der Welt dessen Nichtexistenz zu beweisen.
Mir ist das Ganze so wichtig, weil ich bei vielen Wissenschaftlern (u.a. in der Kosmologie) die Tendenz sehe, dass sie ihre Modelle (Urknall, Strings, ...) mit der Wirklichkeit verwechseln. Sie denken, es hat den Urknall gegeben und es gäbe Strings. Wissenschaftliche Methoden können aber nicht Wahrheit garantieren sondern nur Widerspruchsfreiheit innerhalb des eigenen theoretischen Gebäudes und zu den gemachten Experimenten.