Eisenbahnerstreik

Der aktuelle Streit der Eisenbahnergewerkschaft mit der Bundesbahn ist ein Musterbeispiel der Multidimensionalität von Gerechtigkeitskonflikten in einer modernen (kapitalistischen) Gesellschaft. Redblog zitiert den Schockwellenreiter, dieser wiederum man bedim len:
Ein Lokomotivführer bekommt zur Zeit maximal 2150€. Das sind bei Steuerklasse I, ohne Kinder, etwa 1400€ ausgezahlt. Wenn man 31% mehr fordert, sind das knapp 666,50€ mehr Grundgehalt. Ausgezahlt mit selben Werten 1834€. Somit 434€ mehr. Das ist nicht gerade die Welt, wobei sich der Vorstand die Gehälter ja auch um 62% erhört hat.
Das sind nur genau zwei Konfliktlinien:
  • Für welchen Beruf, welche Qualifikation erscheint wem welche Vergütung angemessen?
  • In welchem Verhältnis sollen die Einkünfte der Eigentümer (an denen sich die Gehaltssteigerungen des Managments orientieren) zu denen der Beschäftigten stehen?
Das sind aber bei weitem nicht alle. Weitere, die mir sofort einfallen:
  • Der Konflikt der verschiedenen Bahngewerkschaften untereinander
  • Die Verträge, die dieselbe Gewerkschaft mit anderen Bahnunternehmen abgeschlossen hat
  • Das Verhältnis der Eisenbahner zu den Passagieren
  • Das Verhältnis der Eisenbahn zu den Passagieren
  • Das Verhältnis der Eisenbahn zu anderen Unternehmen
  • Das Verhältnis der Eisenbahner zu den Politikern
  • Das Verhältnis der Eisenbahn zur Politik (Privatisierung)
In dieser Liste sind bestimmt einige weitere nicht enthalten, aber die vorhandenen reichen bereits dafür aus, bestehende journalistische Beiträge und Kommentare zu analysieren. In keinem wird man alle finden, stets nur eine Auswahl, die für den dort vertretenen politischen Standpunkt taugen. Interessant an dieser Liste (oder an ähnlichen in vergleichbaren Fällen) ist, dass man die entsprechenden Artikel gar nicht vollständig zu lesen und zu durchdenken braucht, es genügt, die Punkte der Liste herauszufinden, die verwendet werden.

Interessant auch, wie schlecht informiert und vorbereitet manche Journalisten ihre Arbeit machen. Im Spiegel 29/2007 vom 16.07. liest man:
Tatsächlich fallen die Gehälter, die der Staatskonzern den Piloten seiner ICE- oder regionalexpresszüge zahlt eher bescheiden aus – sogar im Vergleich zur privaten Konkurrenz, wie das Beispiel zweier Lokomotivführer zeigt.
...
Gemullas Grundgehalt lag im vergangenen Monat bei 2313 Euro brutto – und damit bereits 171 Euro über dem Höchstgehalt bei der Deutschen Bahn für angestellte Lokführer. Sein Kollege Mikluschka [beide haben gemeinsam ihre Ausbildung absolviert] verdient lediglich 2050,22 Euro.
Autoren dieses Artikels waren Michael Sauga und Janko Tietz. Am 6.8. veröffentlicht Spiegel Online ein Interview mit Hartmut Mehdorn, das von den beiden Redakteuren Michael Sauga und Jörg Schmitt geführt wurde. Dort sagt Mehdorn:
Die Forderungen sind irrwitzig. Das wird es nicht geben. Die Lokführergewerkschaft will 31 Prozent erzwingen, während sie mit unseren Wettbewerbern Abschlüsse von 2 oder 3 Prozent aushandelt.
...
Wir bezahlen durchschnittlich 33 000 Euro brutto pro Jahr. Bei unseren Wettbewerbern verdienen Lokführer bis zu 25 Prozent weniger.
Die erste Angabe ist nichtssagend, weil die prozentuale Steigerung nichts über die absolute Höhe aussagt – wenn man bei der Konkurrenz bereits mehr verdient, besteht weniger Grund für größere Steigerungen. Die zweite Aussage steht im Widerspruch zu den Recherchen desselben Redakteurs (Michael Sauga) wenige Wochen zuvor. Die dritte Aussage wiederum ist ohne Beweiskraft, weil hier das durchschnittliche mit einem minimalen Einkommen verglichen wird. Die Zahlen von man bedim len stimmen übrigens mit denen des ersten Spiegelartikels überein.

Kategorie: Politik

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16