Dame ausanalysiert

Sowohl bei Spiegel Online als auch in der Telepolis habe ich heute gelesen, dass das Damespiel ausanalysiert wurde. Die Lösungsstrategie ist interessant:
Stattdessen wählten die Informatiker einen gemischten Ansatz: Sie ließen ihre Computer alle möglichen Spielstellungen mit zehn oder weniger Steinen auf dem Brett analysieren - immerhin mehr als 39 Billionen Optionen. Dann identifizierten sie 19 relevante Spieleröffnungen, die sie so weit durchspielen ließen, bis nur noch zehn oder weniger Steine auf dem Spielbrett waren. Daraus entwickelten die Forscher eine allgemeine Dame-Strategie, mit der sich immer eine Konstellation erreichen lässt, die zu einem Patt führt - und machten ihre Software "Chinook" unschlagbar.
Mit anderen Worten: Die Software zerlegt die Damepartie in drei Abschnitte: Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel. Alle Endspielstellungen, in denen nur noch wenige Steine auf dem Brett sind, wurden vollständig in einer Datenbank erfasst. In der Eröffnung wurden alle guten Möglichkeiten herausgefunden. Das erinnert an Schach, wo die Eröffnungsbibliotheken der Programme mit den Partien der Großmeister gefüttert werden. Zwischen den beiden Partiephasen Eröffnung und Endspiel konnte eine endliche Anzahl von Strategien ermittelt und durchgerechnet werden, die den Übergang von einer ausgeglichenen Eröffnungsstellung in ein Remisendspiel erlauben.

Ob dieser Ansatz theoretisch korrekt ist, kann vermutlich (wie beim Vierfarbenproblem) auch nur mit Rechnerhilfe entschieden werden, denn für ein vollständiges Durchrechnen aller möglichen Stellungen reicht die Rechenkapazität noch (?) nicht aus. Dieser Ansatz macht Mut für weit schwierigere Probleme: Schach und – in einer heute noch sehr weit entfernten Zukunft wegen der noch größeren Komplexität – Go.

Bereits 1993 wurde ein weniger komplexes Brettspiel mit Computerhilfe geknackt: Mühle. Ich habe Mühle in den 90er Jahren häufiger gespielt. Als Aktiver macht nämlich das Schachspielen gegen Laien keinen Spaß, diese verlieren immer und man selbst versaut sich durch das ständige Gewinnen die eigene Spielstärke. Also habe ich auf gemeinsamen Reisen mit Bekannten immer ein Mühlespiel eingesteckt. Allerdings konnte ich auch dabei meinen Ehrgeiz nicht so richtig bremsen. Ich habe den Mühlegroßmeister Manfred Nüscheler angeschrieben, weil sein Buch „So gewinnt man Mühle“ nicht im Buchhandel zu bekommen war. Er hat mir auch sofort geantwortet und mir eins von den Exemplaren verkauft, die er noch zu Hause hatte.

Am schwierigsten bei diesem Kauf war die Überweisung von knapp 10 DM in die Schweiz. Ahnungslos war ich in die Sparkasse gegangen und wollte ihm so das Geld senden. Als die Dame am Schalter ein zwei DIN A4 großes Formular hervor kramte, wurde ich misstrauisch: „Wie hoch ist denn die Überweisungsgebühr?“, fragte ich sie. „50 Mark“, war ihre Antwort. Da habe ich dann doch lieber einen Zehnmarkschein in etwas Silberpapier gewickelt und in einem Brief in die Schweiz geschickt.

Das Buch war sehr nützlich und hat mir sogar einige Siege gegen Programme im Internet eingebracht. Es ist nämlich keinesfalls so, dass man durch bloßes Gieren nach schnellen Mühlen und Steinen des Gegners am leichtesten gewinnt, im Gegenteil! Aber das Ende vom Lied war, dass nach Schach auch niemand mehr Mühle mit mir spielen wollte. Nur Mensch-Ärger-Dich-Nicht geht noch immer.

Theoretisch ist Mühle übrigens genauso Remis, wie es jetzt für Dame bewiesen wurde.

Kategorien: Schach, Mathematik & Logik

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Kommentare hier ...

Den letzten Absatz unterschreibe...
Den letzten Absatz unterschreibe ich voll. Das ist...
steppenhund - 25. Oktober, 18:00
Ich stelle fest, dass...
Ich stelle fest, dass ich momentan ganz schlecht denke,...
steppenhund - 25. Oktober, 17:55
@ Köppnick
Ich glaube auch nicht, dass sich die Situation für...
ostfriese - 25. Oktober, 12:53
@Ostfriese Ich glaube...
@Ostfriese Ich glaube nicht, dass sich die Situation...
Köppnick - 21. Oktober, 20:07
Hinzu kommt auch noch...
Hinzu kommt auch noch im Informationsdschungel das...
Metepsilonema - 21. Oktober, 08:58
Gedankenlosigkeit und...
... erfüllen zwar durchaus lebensdienliche Funktionen,...
ostfriese - 19. Oktober, 00:17
...
Muster - Das Hirn fällt sich allzuleicht in seinem...
rudolf33a - 18. Oktober, 22:51
Simulationen sind 'wir'...
... sowieso ;-) Welches Substrat unser Bewusstsein...
ostfriese - 18. Oktober, 22:36
Ich denke, wir können...
Ich denke, wir können uns auf Folgendes einigen....
Köppnick - 12. Oktober, 13:36
Gott redet zu uns Menschen. Immer...
Gott redet zu uns Menschen. Immer wieder - Gott ist...
rudolf33a - 12. Oktober, 13:15
"Gott ist Liebe" würde,...
"Gott ist Liebe" würde, wenn beide Begriffe identisch...
Köppnick - 12. Oktober, 12:43
Wow, das ist ja unbeschreiblich....
Wow, das ist ja unbeschreiblich. Mir fallen einfach...
Tom (Gast) - 12. Oktober, 11:06