Andrea Brackmann: Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?

Das Buch besitze ich schon lange und habe sein Lesen eine ganze Weile vor mir hergeschoben. Vielleicht, weil man einige Dinge gar nicht so genau wissen will, vielleicht auch, weil man manchmal selbst nicht daran glauben will, dass Hochbegabung mehr Probleme mit sich bringt als durchschnittliche Intelligenz. Aber die Argumentation der Autorin zu Beginn ist schlüssig:

Als Hochbegabte bezeichnet man diejenigen 2% der Bevölkerung, die einen IQ größer gleich 130 haben, also etwa jeder 50. Völlig unabhängig von der Frage, was der IQ ist, wie er gemessen wird und welchen Sinn eine solche Messung hat, gilt: Hochbegabte interessieren sich für andere Dinge als der Durchschnitt, denken und sprechen anders. Ein hochbegabtes Kind ist in seiner Schulklasse meist das einzigste, stellt also eine extreme Minderheit dar, und unterscheidet sich durch sein Verhalten von den anderen Kindern. Bei sehr vielen mag die Kindheit problemlos verlaufen, aber die Autorin, die als Psychologin zu einem großen Teil mit derartigen Kindern zu tun hat, fokussiert natürlich auf diejenigen, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen (müssen).

Übereinstimmende Studien über den Lebensweg Hochbegabter gibt es nicht. Man schätzt aber, dass etwa ein Drittel etwas aus ihren besonderen Fähigkeiten machen kann, die „Talente“, ein Drittel ein „durchschnittliches“ Leben führt, die „Latenten“, und sich für ein Drittel ihre besondere Begabung eher nachteilig auswirkt. Dieses letzte Drittel bezeichnet sie als die „Underachiever“. (Ich kannte diesen Anglizismus in einem viel positiveren Kontext: Underachiver als diejenigen Menschen, die durch das Nichtausschöpfen ihrer Talente eine höhere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung haben.)

Eine Frage, die mir zu Beginn des Buches durch den Kopf ging und die die Autorin dann beantwortet:
Zunächst erhebt sich die Frage, ob ein Therapeut selbst hochbegabt sein sollte, um hochbegabte Klienten adäquat behandeln zu können. Dies wäre sicher von Vorteil, ist jedoch nicht unbedingt notwendig, wenn der Behandler über die einzelnen Phänomene der Hochbegabung informiert ist und über ausreichend Selbstbewusstsein verfügt, es mit einem geistig überlegenen Klienten aufzunehmen. Dass überdurchschnittliche Intelligenz allein nicht ausreicht und Eigenschaften wie Kreativität, Herzensbildung und Einfühlungsvermögen mindestens ebenso wichtig sind, versteht sich von selbst.
Ergänzen kann man hier zum einen noch, dass die besten Experten eines Fachgebiets nicht unbedingt die intelligentesten im Sinne einer IQ-Messung sind, sondern die, bei denen die beste Melange der für das betreffende Gebiet notwendigen Persönlichkeitseigenschaften besteht – u.a. eine überdurchschnittliche Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, vieles anderes im Leben in den Hintergrund zu rücken. Und zum anderen ist unser Zusammenleben immer dadurch charakterisiert, dass Menschen unterschiedlichster Begabungen miteinander kooperieren, das „Arbeitsverhältnis“ zwischen einem Psychologen / Psychotherapeuten und seinem Patienten ist da kein Einzelfall.

Eingehend beschäftigt sie sich mit dem (häufiger vermuteten) Zusammenhang zwischen Autismus und Hochbegabung und dem weniger offensichtlichen zwischen Borderlinern und Hochbegabten. Zu ersterem:
Ich frage mich unter anderem, wie man z.B. im Zusammenhang mit überragenden musikalischen Leistungen von „Inselbegabungen“ sprechen kann. Musikwissenschaftler sind sich einig, dass zum Musizieren hoch komplexe Vorgänge und Fähigkeiten erforderlich sind (Gehör, Gedächtnis, visu-motorische Koordination etc.). Ähnliches gilt für zeichnerische oder mathematische Begabungen. Dass eine Person in vielen Bereichen „geistig behindert“ und in anderen geistig herausragend sein soll, scheint mir nicht schlüssig. Die „Behinderung“ muss zumindest bei Menschen mit Inselbegabungen, aber auch bei anderen Autisten, einen anderen Bereich als de geistigen bzw. intellektuellen betreffen.
Der von ihr gesehene Zusammenhang zwischen Hochbegabung und Borderline-Persönlichkeiten war für mich ein neuer Gedanke. Der Ansatzpunkt ist hier, dass Hochbegabung sich nicht nur im schnelleren und schärferen Denken zeigt, sondern auch in starken Stimmungsschwankungen, und durch gesteigerte sensorische und emotionale Empfindlichkeit. Das kann sich zum Beispiel auch in einer erhöhten Lärrm- oder Lichtempfindlichkeit äußern, oder durch Unbehagen in größeren Menschenansammlungen oder bei körperlicher Berührung. Viele dieser Symptome überschneiden sich mit denjenigen von Borderlinern, bei denen man zudem einen erheblichen Prozentsatz überdurchschnittlicher IQ-Werte gemessen hat.

Ein sehr lesenswertes Buch. Als Addenda ein paar Beobachtungen der Autorin aus ihrer Berufspraxis bzw. Zitate ihrer Klienten:
„Mir kommt oft die Selbstverständlichkeit des Lebens abhanden. Wenn ich anfange, über weltpolitische Fragen anchzudenken, gelange ich über Überlegungen zur Evolution des Menschen schnell zu Fragen über den Sinn des menschlichen Lebens und ende dann beim Rätsel des gesamten Universums überhaupt.“

„Ich kann einen Sachverhalt nie aus nur einer Perspektive betrachten, ich muss immer alle Aspekte berücksichtigen. Ich könnte niemals Politiker oder Richter werden, weil ich immer auch die Gründe der Gegenpartei nachvollziehen kann. Das macht mich manchmal fast entscheidungsunfähig. ... Ich kann nie, wie die meisten anderen, mit Sicherheit sagen, dass ich im Recht bin. Alles, was ich sage, ziehe ich sofort wieder in Zweifel.“

Wir alle kennen die Situation, wenn uns jemand fragt: „Wie geht es dir?“ Man fragt sich: „Soll ich nun erzählen, wie es mir wirklich geht, soll ich nur eine Andeutung machen oder wird einfach eine Floskel erwartet?“ ... Hochbegabte versuchen, diese Aspekte logisch zu reflektieren, und befinden sich daher oft in dem Dilemma, dass sie nicht sicher sind, welches Verhalten in welcher Situation von ihnen erwartet wird.

Viele erwachsene Hochbegabte berichten, dass es ihnen nahezu unmöglich sei, „small talk“ zu halten. Sie sagen das nicht mit Überheblichkeit, sondern vielmehr mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit. ... weil sie sich meist so umfassend mit Dingen auseinander setzen, dass ihre Kommentare den Rahmen einer belanglosen Unterhaltung sprengen würden. Deshalb halten sich Hochbegabte in Gesellschaften oft zurück oder wirken hölzern und angespannt.

Schwierigkeiten beim Arztbesuch sind bei Hochbegabten ebenfalls an der Tagesordnung. Meist sind sie über ihr Krankheitsbild und den neuesten Forschungsstand bestens informiert (nicht selten besser als der Arzt); sie erwarten ein kompetentes Fachgespräch unter Gleichberechtigten, eine gründliche Diagnostik und eine sinnvolle Therapie mit allen hierzu notwendigen Informationen. Wie die Mehrzahl der Ärzte auf eine solche Erwartungshaltung reagiert, ist hinlänglich bekannt.

Amtsgänge stellen sowohl die Geduld des Hochbegabten als auch die des Sachbearbeiters mitunter auf eine harte Probe und enden nicht selten damit, dass der Beamte sich mit einer Reihe von Verbesserungsvorschlägen für seine Arbeitsorganisation konfrontiert sieht.

Eine große Anzahl Hochbegabter beschäftigt sich eingehend mit religiösen und philosophischen Themen und Fragen nach dem Sinn der menschlichen Existenz. Da sie ihr Wissensdurst aber dazu treibt, die Dinge immer weiter zu hinterfragen und naturwissenschaftliches, rationales Denken einerseits und religiöse Anschauungen andererseits zusammenzubringen, stoßen sie oft an Grenzen, die als verwirrend und belastend erlebt werden. ... Zudem neigen Hochbegabte zum Nonkonformismus, sodass sie sich Glaubensrichtungen und -gemeinschaften nur schwer anschließen und sich daher mit ihren Gedanken und Überlegungen in einer modernen Gesellschaft isoliert fühlen können.
Kategorien: Bücher, Gehirn und Geist
MMarheinecke - 17. Juli, 22:57

Nun ja, Hochbegabt

Mein IQ ist (angeblich) größer gleich 130 (was meiner Ansicht nach wenig über meine tatsächliche Intelligenz, aber viel über die Unzulänglichkeit von Intelligenztests aussagt). Ich bin zu keine Zeitpunkt meines Lebens, auf keinen Gebiet, durch besondere Leistungen aufgefallen. Hingegen durch etlich kapitale Dummheiten, Fehlentscheidungen und Fehlleistungen, die sich mit etwas mehr gedanklichen Aufwand hätten vermeiden lassen.
(Und Probleme, "small talk" zu halten, hatte ich nie.)

Köppnick - 18. Juli, 08:05

Die Reduktion menschlicher Leistungen auf eine einzige Zahl ist immer problematisch, weil sie sofort zum Vergleich und zur Aufstellung von Ranglisten herausfordert. Bei „Intelligenz“ ist das besonders problematisch, weil zumindest in unserem Kulturkreis „Denken“ ein so positives Ansehen hat. Immerhin bemerkenswert, dass man Aufgabentypen gefunden hat, die kaum trainierbar sind, sodass bei einem späteren Test mit ähnlichen Aufgaben weitgehend gleiche Ergebnisse erreicht werden. (Also ähnlich wie bei Körper- und Schuhgröße, anders als beim Gewicht.) Weniger erstaunlich ist die Normalverteilung der Kurve, weil man das ja durch das Design so hinbiegen kann.

Ich hätte sicherlich nichts über das Buch geschrieben, wenn man dort den üblichen Kult um das Thema gemacht hätte. Aber die Probleme, die die Betreffenden haben können, sind doch sehr spezifisch. Und ich habe ein paar Beobachtungen darin bestätigt gefunden, die ich bisher eher auf meinen Sprachfehler zurückgeführt hätte. Bei mir fallen deshalb solche „Tests“ sehr unterschiedlich aus. Je mehr verbale Aufgaben und je weniger mathematisch-logische darin vorkommen, desto schlechter schneide ich ab. Manchmal ist mein Sprachfehler kaum noch feststellbar, aber meine „Verdrahtung“ ist sicherlich anders als beim Normalo.

Ich habe mir irgendwann das Buch von Prof. Eysenck gekauft und dort ein paar Tests gemacht. In jeder Testbatterie sind 40 Aufgaben. Wenn ich dort rein formal die Aufgaben mit Zahlen oder Symbolen von denjenigen trenne, in denen Buchstaben vorkommen (genau 20-20), und dann separat auf einen IQ hochrechne, dann beträgt die Testdifferenz 40 Punkte. Einen „offiziellen“ Test habe ich noch nie gemacht, er dürfte aus dem gerade genannten Grund auch wenig aussagekräftig sein und von der dort vorgenommenen Aufgabengewichtung abhängen.

Übrigens auch interessant bei Andrea Brackmann: Man kann Tests mit und ohne kulturspezifischen Hintergrund konstruieren. Das ist bei der Untersuchung von Kindern wichtig, wenn diese Sprachprobleme haben oder einen Migrationshintergrund. (Für mich wäre das auch wichtig, denn z.B. die kulturspezifischen Aufgaben sind meist in Texte verpackt, zum Beispiel das Heraussuchen von Städtenamen, wobei die Buchstaben in den Namen vertauscht sind. Bei dieser Sorte von Aufgaben ist meine Lösungsrate exakt null.)
MMarheinecke - 18. Juli, 12:53

Ja, das Buch vom Eysenck habe ich auch

Und es hat mein Vertrauen in die IQ-Messungen nicht gerade verbessert. Offenbar bin ich gerade auf den Gebieten "begabt", die vom Test erfasst werden.
Weil die Aufgaben "lernstabil" seien müssen, um vergleichbar zu sein, können bestimmte Aspekte des mathematisch-logischen und verbalen Denkens gar nicht erfasst werden. Was in meinem Fall bedeutet: hohe verbale Testintelligenz sagt nichts über meine (mäßige) Eloquenz aus und schließt eine (mühevoll abtrainierte) Rechtsschreibschwäche nicht aus.

Ich werde das Buch lesen, es scheint sich zu lohnen. Danke für den Tipp!
Köppnick - 18. Juli, 17:46

Vor vielleicht jetzt 20 Jahren habe ich mal von einer anderen Testart gelesen. Dort wurde in einem Abstand von einigen Wochen mit Kindern ein IQ-ähnlicher Test durchgeführt. Nach dem ersten Test fand eine ausführliche Erklärung der Lösungswege und Fehler statt. Anhand der Verbesserungen im zweiten Test wurde dann auf die Bildungsfähigkeit der Kinder geschlossen. Es wurde also nicht ein erreichter (oder feststehender) Stand, sondern das individuelle Potenzial für eine Verbesserung gemessen.

Interessant ist vielleicht auch noch der folgende Link: Quarks & Co. Dort wird ausführlich über einige Aspekte des Themas geschrieben.
Köppnick - 18. Juli, 20:12

Ein Link auf einen heutigen Artikel in Telepolis: Zum IQ-Test bitte…. Der erste Teil des Artikels ist in meinen Augen (oder besser nach meinem Verstand) recht vernünftig. Der zweite Teil, ein Zitat von Prof. Morus Markard, entweder recht wirr oder einfach nur über meinem Textverständnis liegend:
Ein solches Vorgehen ist insbesondere deshalb als problematisch zu werten, weil es stets "notwendig der Erscheinungsebene verhaftet (bleibt), da in (…) (ihm) der Versuch liegt, von der Ebene der unmittelbaren Empirie her die Inhalte der untersuchten Gegenstände allein durch die Untersuchung ihrer Wechselbeziehungen untereinander zu erfassen". Die Gründe für hohe und niedrige Intelligenz hingegen werden oft gar nicht weiter untersucht und hinterfragt, das Vorhandensein derselben schlicht als natürliche "Veranlagung", "Begabung" oder "genetische Disposition" erklärt: Wer einen hohen IQ hat, also nachweislich "leistungsfähig" ist, wird schlicht als begabt kategorisiert. Damit wird dann wieder die Leistung erklärt.
Hätte man das nicht auch einfacher formulieren können? Etwa so: Ein Intelligenztest misst eine "Leistung" und interpretiert das Ergebnis als "Leistungsfähigkeit". Andere Ursachen unterschiedlicher Ergebnisse werden so nicht berücksichtigt.
Sturznest - 18. Juli, 19:39

meiner dagegen ist bei 14,7

ist das viel?

Köppnick - 19. Juli, 07:56

Hihi. Diese Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten, denn mit Ihrem IQ können sie meine Antwort nicht verstehen. Aber noch besser: Man kann Ihren Kommentar nicht lesen, weil Sie ihn nicht geschrieben oder jemand anderem diktiert haben können.
fely - 19. Juli, 19:37

@Köppnick

Dies gilt nur unter der Voraussetzung, daß der IQ vom Entwickler des besagten IQ-Tests höher liegt als der Meeresspiegel. In der Regel ist dies nachweislich nicht der Fall.
Matthias Gerhards - 20. Juli, 14:03

Intelligenztests sind Blödsinn.

Ich habe in verschiedenen Tests Ergebnisse zwischen 90 und 160 erreicht. (Gut bei dem 90er hatte ich die Nacht nicht geschlafen und war noch besoffen). Man kann einen Menschen nicht auf eine Zahl reduzieren und es gibt Begabungen, die man mit solchen Test nicht messen kann. Die meisten reichen Menschen beispielsweise, die ich kenne, sind in diesem Sinne nicht besonders intelligent. Aber zweifellos haben sie eine Begabung, die mir fehlt.


Aber ich kann die Erfahrungsberichte aus dem Buch bestätigen. Ich selbst habe als Kind immer gedacht, ich seit behindert. Als Jugendlicher habe ich so unter meiner Isolation gelitten, dass ich irgendwann angefangen habe mir "Alltagstauglichkeit" anzutrainieren. Ich habe smalltalken gelernt. Bier trinken. Witze reißen. Und ich habe begriffen, dass sich "normale" Menschen nicht so sehr für die Funktionsweise der Dinge, um sie herum interessieren. Außerdem habe ich aus das Problem, dass ich in einer Diskussion immer beide Seiten verstehen kann. Und ich musste lernen zu warten und nicht immer zu reden, wenn ich begriffen hatte, was ein Anderer sagen will. Erst danach ist es mir gelungen, mir eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Was man so allgemein als Begabung bezeichnet, ist auch eine Art von gesellschaftlicher Behinderung. Das meine ich ganz wertneutral.

Köppnick - 20. Juli, 18:28

D'accord bei der Aussage, dass die Reduktion eines Menschen auf eine einzige Zahl nicht viel über ihn aussagt. Aber der ganze Rest deines Kommentars widerspricht dem doch ganz offensichtlich:
  • Du hast mehrere Tests gemacht bzw. machen lassen.
  • Es gibt eine Korrelation zwischen deinen hohen Werten und den Schwierigkeiten in deiner Kindheit.
Nicht die Tests sind Blödsinn, sondern ihre Interpretation durch die Allgemeinheit. Und zum Geld verdienen: Eine zu hohe Intelligenz ist da wohl eher schädlich, weil sie einen an die Folgen der Gier für sich selbst und für andere denken lässt und so ein forsches und skrupelloses Handeln behindert.
Matthias Gerhards - 20. Juli, 21:19

Da hast du nicht unrecht.

Ich identifiziere mich natürlich auch mit diesen Werten und sie sind Teil meiner Selbstwahrnehmung. Aber Intelligenztests machen primär eine Aussage darüber, wie gut man einen Inztelligenztest lösen kann. Der Unterschied zwischen meinen beiden Test war der, dass der eine stark kurzfristige Lern- und Merkfähigkeit geprüft hat. Das kann ich sehr schlecht. Mein Zustand hat dann sein Übriges getan. An den Anderen kann ich nicht gut erinnern weil ich erst fünf oder sechs war. Aber er wurde von einer Therapeutin durchgeführt und enthielt wohl Aufgaben, die ich besser konnte. Ich erinnere mich aber vor allem daran, dass die nach dem Test viel freudlicher zu mir war als vorher.


Aber was das Geld verdienen angeht, bin ich nicht deiner Meinung. Es ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes.
Leute, die eine Begabung für Geld haben, verfügen häufig über Handlungswissen. Das ist etwas völlig anderes als theoretisches Wissen. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit Wichtiges und Unwichtiges zu trennen (schwierig). Schnelle Entscheidungen zu treffen. Dem eigenen Instinkt zu vertrauen. Niederlagen in Kauf zu nehmen und auch verarbeiten zu können. Kommunikativ handeln zu können. Das sind auch Fähigkeiten. Eine Art von Handlungsintelligenz. Ob es dafür einen Test gibt, weiß ich nicht.
Gregor Keuschnig - 21. Juli, 12:30

Unternehmertum und Intelligenz

Ich glaube, dass die theoretischen ökonomischen Modelle, die eine vollkommen logische (d. h. in diesem Fall = gewinn- bzw. renditeorientierte) Handlungsmaxime implizit voraussetzen dahingehend scheitern, weil sie andere Aspekte vollkommen ausblenden.

Insofern ist Köppnicks Aussage, dass eine besonders hohe Intelligenz beim Geldverdienen eher nachteilig ist, unbedingt zuzustimmen, sofern man Intelligenz mit der Übertragung der theoretischen Modelle in die Praxis gleichsetzt. Dass es aber beispielsweise den "homo oeconomicus" nicht gibt, bekommt jeder praktisch agierende Kaufmann zu spüren, der bei einem Kunden trotz aller wirtschaftlich tragenden Faktoren nicht zum Zuge kommt, weil vielleicht die Kundenbindung zu einem anderen Lieferanten auch ins Private hineingreift.

Intelligenz bedeutet in diesem Fall für mich, dass eben neben dem rein volkswirtschaftlichen Überbau auch andere Faktoren einkalkuliert werden. So ist es ja auch betriebswirtschaftlich nicht immer unbedingt sinnvoll, seine Mitarbeiter auf ein relativ betrachtet niedriges Gehalt zu "halten". Kurzfristig hat man zwar damit Erfolg (d. h. mehr Geld in der eigenen Kasse), langfristig aber durch Fluktuation erhebliche Wettbewerbsnachteile. Sie zu hoch zu bezahlen, ist allerdings auch falsch - sie entwickeln dann ein vollkommen unberechtigtes und schädliches Elitedenken.

Das reine Theoriedenken in der Wirtschaft ist übrigens längst passé. Dinge wie bspw. Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenbindung über den reinen Verkaufsakt hinaus, langfristige Ausrichtung des Unternehmens spielen heutzutage insbesondere in mittelständischen Unternehmen (ab ca. 100 Mitarbeiter) durchaus eine Rolle. Diese sogenannten "soft skills" werden jedoch in dem Moment wieder "nebensächlich", wenn zum Beispiel fremde Eigentümer oder nicht strategisch denkende Anteilseigner den kurzfrsitigen Erfolg über langfristige Perspektiven stellen. Besonders virulent ist das bei Grossunternehmen, die dann teilweise oder ganz von Fondsgesellschaften übernommen werden, die auch nicht mehr in der jeweiligen Branche verankert sind.

Durch relativ einfache, allerdings international gültige Regeln könnte man hier wenigstens teilweise Abhilfe schaffen.

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Kommentare hier ...

In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29