Gran Paradiso - Aufbruch ins Leben
Am Ende des Films stehen ein Querschnittsgelähmter, drei Strafgefangene, zwei geistig Behinderte und eine Sozialarbeiterin auf dem Gipfel des Gran Paradiso, einem Viertausender in den Alpen. Der Achte der Gruppe, Betreuer der Strafgefangenen, ist nach einem Streit nicht mit bis zum Gipfel aufgestiegen.Mit der geglückten Bergtour hat die Sozialarbeiterin Lisa ihr Versprechen eingelöst, das sie dem im Rollstuhl sitzenden Marc am Beginn des Films gegeben hat: „Ich bringe dich auf den Gran Paradiso”.
Marc war mit seinem Rollstuhl auf das Dach des Heims für geistig Behinderte gefahren, wo er, nach Aussage des Heimleiters, „zwischengelagert” wurde, und wollte dort seinem Leben ein Ende setzen. Für mich ist diese Szene eine der Schlüsselszenen. Oben der Rollstuhlfahrer, der nur noch auf zwei Rädern an der Kante des Dachs balanciert, unten die Sozialarbeiterin, die auf dem Hof mit den Behinderten Basketball gespielt hat und ihn jetzt von seiner Absicht abbringen will. Der Rollstuhl rollt auf den Abgrund zu, die Sozialarbeiterin ruft ihr „Ich bringe dich auf den Gran Paradiso” und kurz darauf noch „Wir brauchen dich doch zum Basketball”. Das hätte ihn nicht vom Herunterkippen vom Dach abgehalten, aber jetzt ruft eine der geistig Behinderten hinterher: „Ich spül nich mit'm Krüppel.” Die Anspannung löst sich.
Um einen Rollstuhlfahrer auf einen Viertausender zu bringen, muss ihn jemand dort hinauf tragen. Da die Sozialarbeiterin einen JVA-Beamten kennt, werden für diesen Job drei Strafgefangene ausgewählt, ein Nazi, ein Südländer und ein harmlos aussehender, aber äußerst gewalttätiger Polizistenmörder. Mit einem solchen Ensemble kann man einen kitschtriefenden Heimat- oder einen moralisierenden Gute-Menschen-Film drehen, oder aber einen guten Gefühlsfilm, wenn man die mögliche Klischeebildung mit einem Augenzwinkern und in Ironie verpackt. Meiner Meinung nach ist das hier gut gelungen.
Wenn man einen Film gesehen und dieser gut gefallen hat, dann schaut man sich im Anschluss die Specials an, die auf der DVD zu finden sind. Hier gibt es Interviews mit den Hauptdarstellern, dem Regisseur und dem Produzenten. Man kann seine eigenen Empfindungen beim Sehen des Films mit den Gedanken der Beteiligten beim Dreh vergleichen. Interessant sind die Anmerkungen zur Dachszene, es gibt dort zum Beispiel einen Filmfehler, den man aber erst sehen kann, wenn man sich die Standbilder betrachtet. Die Szene selbst ist so aufwühlend, dass man ihn in normaler Abspielgeschwindigkeit auch beim zweiten oder dritten Mal nicht findet.
Die Bergaufnahmen wurden am Piz Palü gedreht, was Bergsteiger an der sich dort auf dem Gipfel befindenden vergoldeten Marienstatue erkennen können, auf dem Gran Paradiso gibt es eine solche nicht. Zu den Dreharbeiten wurde das Team jeden Tag auf den Gipfel geflogen und wieder von dort abgeholt. Die Schauspieler, die ja keine Bergsteiger sind, sprechen darüber, wie sie die Berge gesehen haben, wie man beim Dreh mit dem Problem der Spuren im Schnee umgeht, über ihre Erlebnisse mit Bergführern und Hubschrauberpiloten.
Insgesamt ein empfehlenswerter Film.
Kategorien: Filme
Montag, 17.Oktober 2005





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