Ich habe eine Wrage!
In der deutschen Sprache beginnen die meisten Fragewörter mit einem „w”: Wer, was, wann, warum, wo, wie, welcher. Im Englischen ist es sehr ähnlich: Who, what, when, why, where, how, which. Bei "wie"="how" ist das „w” bereits weg, aber im Englischen wird das führende „w” ja sowieso nicht gesprochen. Im Russischen ist dieselbe Folge der Fragewörter vollkommen anders: Kto, schto, kagda, pachemu, gde, kak, kakoi.
Das Fragewort „wo” wird im Deutschen in vielen Zusammensetzungen gebraucht: Woher, wohin, wofür, wogegen, woran, wodurch. Beim Fragewort „wann” hingegen wird ein eigenständiges Wort vorgestellt: Seit wann, bis wann. Im Russischen wird beim Übergang von „wo” zu „wohin” aus „gde” ein „kuda”. „Wohin” und „woher” unterscheiden sich durch die Präposition „ot” (deutsch=von): Kuda, otkuda.
„Wer” wird bei Bedarf dekliniert: Wessen, wem, wen. Das machen die Russen auch so: Kawo, komy, kawo. Dort gibt es noch einen 5. und 6. Fall (Präpositiv und Instrumental), dem im Deutschen die Fragen „mit wem” und „über wen” entsprechen.
Das Fragewort „welcher” kann im Fall, im Geschlecht und in der Zahl dem Satzkonstrukt angepasst werden. Und dann gibt es im Deutschen noch solche Zusammensetzungen wie „weswegen”, deren grammatische Einordnung mir vollkommen schleierhaft bleibt.
Zurück zur Eingangsfeststellung: In der deutschen Sprache beginnen die meisten Fragewörter mit einem „w”, im Englischen ist der Aufbau der Schriftsprache trotz unterschiedlicher Aussprache ähnlich. Man kann deshalb die Hypothese aufstellen, dass sich die Fragewörter im Laufe der Ausdifferenzierung der menschlichen Sprache aus einem einzigen oder wenigen Wörtern entwickelt haben. Zumindest in unserem Sprachraum könnte dieses Urfragewort mit einem „w” begonnen haben, da es in den vergangenen Jahrtausenden sicherlich noch keine Reformkommissionen gegeben hat, die den Menschen den Aufbau ihrer Sprache vorschreiben wollten. Beim letzten großen und wohl grandios gescheiterten Reformversuch ist den Beteiligten übrigens vollkommen entgangen, dass die korrekte Schreibweise des Worts „Frage” im Deutschen „Wrage” sein muss, wenn doch schon die meisten Fragewörter damit beginnen.
Welches aber war dieses allererste Fragewort, welches war für die frühen Jäger und Sammler die wichtigste aller Fragen? Bei dieser Fragestellung erscheint vor meinem inneren Auge das Bild einer steinzeitlichen Horde, friedlich um ein Feuer herum versammelt schlummernd. Eine soeben erwachte Menschin stößt den neben ihr liegenden Menschen an, deutet zuerst auf ihren Bauch, dann auf eine Keule Wildbret, dann auf einen Stock und zuletzt auf das Feuer. Im trüben Verstand des so gewaltsam aus dem Schlaf Gerissenen bildet sich ganz langsam die erste aller Fragen: „Warum gerade ich?”
Für mich ist dieses innere Bild deshalb so klar, weil ich mir in dieser Szene genauso einen neuzeitlichen Studenten vorstellen kann, der sich unmittelbar nach dem Aufwecken sowohl von seiner Frisur als auch seinen intellektuellen Fähigkeiten nicht wesentlich von einem Neanderthaler unterscheiden dürfte. Von seiner Freundin mit der Bitte geweckt „Mach Frühstück”, bildet sich deshalb in seinem Gehirn dieselbe Frage wie bei dem ungebildeten Jäger und Sammler: „Warum gerade ich?”
Natürlich unterscheiden sich der steinzeitliche Jäger und der heutige Student voneinander. Der Jäger erhob sich bei Sonnenaufgang, ging tagsüber auf die Jagd und legte sich bei Sonnenuntergang schlafen. Der Student hingegen …
Für mich ist diese Frage also weitgehend klar, aber vielleicht gibt es ja andere Meinungen. Außerdem sind die übrigen Fragen unbeantwortet, wieso fangen im Deutschen die Fragewörter mit einem „w” an, und wieso wird „Frage” nicht mit einem „W” am Anfang geschrieben?
Kategorien: Guter Deutsch
Das Fragewort „wo” wird im Deutschen in vielen Zusammensetzungen gebraucht: Woher, wohin, wofür, wogegen, woran, wodurch. Beim Fragewort „wann” hingegen wird ein eigenständiges Wort vorgestellt: Seit wann, bis wann. Im Russischen wird beim Übergang von „wo” zu „wohin” aus „gde” ein „kuda”. „Wohin” und „woher” unterscheiden sich durch die Präposition „ot” (deutsch=von): Kuda, otkuda.
„Wer” wird bei Bedarf dekliniert: Wessen, wem, wen. Das machen die Russen auch so: Kawo, komy, kawo. Dort gibt es noch einen 5. und 6. Fall (Präpositiv und Instrumental), dem im Deutschen die Fragen „mit wem” und „über wen” entsprechen.
Das Fragewort „welcher” kann im Fall, im Geschlecht und in der Zahl dem Satzkonstrukt angepasst werden. Und dann gibt es im Deutschen noch solche Zusammensetzungen wie „weswegen”, deren grammatische Einordnung mir vollkommen schleierhaft bleibt.
Zurück zur Eingangsfeststellung: In der deutschen Sprache beginnen die meisten Fragewörter mit einem „w”, im Englischen ist der Aufbau der Schriftsprache trotz unterschiedlicher Aussprache ähnlich. Man kann deshalb die Hypothese aufstellen, dass sich die Fragewörter im Laufe der Ausdifferenzierung der menschlichen Sprache aus einem einzigen oder wenigen Wörtern entwickelt haben. Zumindest in unserem Sprachraum könnte dieses Urfragewort mit einem „w” begonnen haben, da es in den vergangenen Jahrtausenden sicherlich noch keine Reformkommissionen gegeben hat, die den Menschen den Aufbau ihrer Sprache vorschreiben wollten. Beim letzten großen und wohl grandios gescheiterten Reformversuch ist den Beteiligten übrigens vollkommen entgangen, dass die korrekte Schreibweise des Worts „Frage” im Deutschen „Wrage” sein muss, wenn doch schon die meisten Fragewörter damit beginnen.
Welches aber war dieses allererste Fragewort, welches war für die frühen Jäger und Sammler die wichtigste aller Fragen? Bei dieser Fragestellung erscheint vor meinem inneren Auge das Bild einer steinzeitlichen Horde, friedlich um ein Feuer herum versammelt schlummernd. Eine soeben erwachte Menschin stößt den neben ihr liegenden Menschen an, deutet zuerst auf ihren Bauch, dann auf eine Keule Wildbret, dann auf einen Stock und zuletzt auf das Feuer. Im trüben Verstand des so gewaltsam aus dem Schlaf Gerissenen bildet sich ganz langsam die erste aller Fragen: „Warum gerade ich?”
Für mich ist dieses innere Bild deshalb so klar, weil ich mir in dieser Szene genauso einen neuzeitlichen Studenten vorstellen kann, der sich unmittelbar nach dem Aufwecken sowohl von seiner Frisur als auch seinen intellektuellen Fähigkeiten nicht wesentlich von einem Neanderthaler unterscheiden dürfte. Von seiner Freundin mit der Bitte geweckt „Mach Frühstück”, bildet sich deshalb in seinem Gehirn dieselbe Frage wie bei dem ungebildeten Jäger und Sammler: „Warum gerade ich?”
Natürlich unterscheiden sich der steinzeitliche Jäger und der heutige Student voneinander. Der Jäger erhob sich bei Sonnenaufgang, ging tagsüber auf die Jagd und legte sich bei Sonnenuntergang schlafen. Der Student hingegen …
Für mich ist diese Frage also weitgehend klar, aber vielleicht gibt es ja andere Meinungen. Außerdem sind die übrigen Fragen unbeantwortet, wieso fangen im Deutschen die Fragewörter mit einem „w” an, und wieso wird „Frage” nicht mit einem „W” am Anfang geschrieben?
Kategorien: Guter Deutsch
Sonntag, 01.Mai 2005




