Das deutsche Staatslotto

Zwei Themen haben die Nachrichten dieser Woche dominiert: Der geknackte Lotto-Jackpot und die gescheiterte Föderalismusreform. Was hat beides miteinander zu tun?

Normalerweise spiele ich kein Lotto. Wenn mir die Gewinnchancen vorgerechnet werden (1:140 Millionen), dann lasse ich es einfach. Am Dienstag dieser Woche erzählte mir aber mein Kollege, dass er sich einen Lottoschein gekauft hat. Es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Was wäre wenn er mehrere Millionen oder auch nur ein paar Hunderttausend gewinnen würde? Kurze Zeit später half er mir beim Online-Ausfüllen eines Tippscheins, damit mein Verstand endlich Ruhe gibt. Es wurde aber nur noch schlimmer. Ich malte mir aus, was ich mit den Millionen so alles anstellen würde, völlig irrational.

Beim Gang zum Mittagessen diskutierten wir - alle statistisch einigermaßen vorgebildet - darüber, wie man Otto Normalbürger ausreden kann, dass, wenn es heißt, dass es sechsmal wahrscheinlicher ist, von einem Meteoriten getroffen zu werden, ein Lottogewinner nicht erst sechsmal getroffen werden muss, ehe er einen Gewinn einstreichen kann. Trotzdem konnte es sich einer meiner Kollegen nicht verkneifen davon zu berichten, dass er gerade in der letzten Woche am späten Abend einen glühenden Meteoriten über die Stadt hat fliegen sehen. (Vermutlich schlug der aber erst in Nordrhein-Westfalen ein, dem Gewinnerland des Jackpots.)

Am Mittwoch war die Aufregung dann vorbei, ich hatte null Richtige, eine falsche Zusatz- und Superzahl. Gar keine Zahl richtig ist zwar relativ unwahrscheinlich, aber auf jeden Fall wahrscheinlicher als der Gewinn des Jackpots.

Am Freitag verkündete die Föderalismuskommission das Scheitern ihrer Verhandlungen. Dieses Ergebnis konnte nicht wirklich überraschen. Wenn sich Müntefering, Chefunterhändler für Bundestag, SPD und Grüne auf der einen Seite, und Stoiber, Vertreter des Bundesrates, CDU, CSU und FDP auf der anderen Seite, auf ein gemeinsames Gesetz verständigen sollen, ist die Aussicht darauf gleich null. Der Gewinn des Lottojackpots ist mit 1/140 Millionen wahrscheinlicher.

Das gleichzeitige Nachdenken über diese beiden Ereignisse brachte mich auf die Idee, ob man den deutschen Staat nicht in die Hände einer Lotteriegesellschaft legen sollte? Alle Bürger werden dazu verdonnert, eine gewisse Mindestanzahl an Losen zu kaufen. Natürlich kann man freiwillig mehr bezahlen, um seine Gewinnchancen zu erhöhen. Verlost werden Arbeits- und Ausbildungsplätze, Schönheitsoperationen, die Altersrente und Eintrittskarten für die Fußball-WM. Die Vorteile sind unschlagbar:
  • In eine Lotterie zahlt jeder freudig ein, weil Gewinne warten, die größer als das Eingezahlte sind. Dagegen werden Steuern und Sozialabgaben eher widerwillig entrichtet.
  • Da die Ausschüttung der Gewinne immer kleiner als die eingezahlte Summe ist, sind die Staatsfinanzen in Null-Komma-Nichts saniert.
  • Die Laune im Land bessert sich sofort, weil jeder von einem möglichen Gewinn träumt, obwohl die Chancen darauf eher minimal sind. Mit jedem neuen gekauften Schein wird diese Hoffnung erneuert.
Dieses System kann erweitert werden. Verlost man zum Beispiel Bundestags- und Bundesratsmandate, dann werden diese Institutionen innerhalb kürzester Zeit mit Menschen von durchschnittlicher Intelligenz besetzt. Da derzeit überhaupt keine Gesetze beide Kammern passieren, verbessern sich die Chancen auf eine vernünftige Politik beträchtlich.

Wenn sich dieses System bei uns bewährt hat, kann es in der gesamten EU eingeführt werden. Auch das Einwanderungsproblem wird damit leicht gelöst. An den Grenzen der EU sagen die Beamten nicht mehr: „Ihren Ausweis bitte!” Sondern: „Möchten Sie ein Los kaufen?” So würde man sich auch die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und das schwierige Problem der Immigration ersparen - die Türken müssen erst mal Lose erwerben! So zahlen sie bereits kräftig in unsere Kassen ein, obwohl sie noch gar nicht im Lande sind. Und wenn sie einmal kommen, sind sie gleich voll integriert, weil sie ja den benötigten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in der Lotterie gewonnen haben.

So unwahrscheinlich das auch klingen mag, andere Länder machen es doch bereits jetzt ähnlich und haben damit großen Erfolg. Die USA verlosen zum Beispiel Greencards. Wer sich darum bemüht, hat ein deutlich positiveres Bild von Amerika als der Durchschnitt unserer Bevölkerung. Er möchte gern in ein Land auswandern, das von unfähigen Politikern regiert wird, eine gigantische Staatsverschuldung, ein marodes Gesundheits- und Sozialsystem besitzt und sich wenig um die Probleme anderer Länder schert. Genau so wie Deutschland, das die Auswanderungswilligen gern verlassen wollen.

Wir sollten endlich über unseren Schatten springen und unser Land in eine große Lotteriegesellschaft verwandeln. Es ist doch auch viel schöner, von Ausländern als ein Volk von 80 Millionen fröhlichen Zockern wahrgenommen zu werden, als ewig als verbiestert und reformunfähig dazustehen.

Kategorien: Visionen

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Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16