Aufbruch ins Weltall, jetzt!
Grundlage des Beitrags sind die beiden Bücher:
Spätestens seit bekannt ist, dass unsere Sonne nur eine unter vielen Milliarden Sonnen in der Milchstraße, und diese wiederum eine Galaxis von sehr vielen Milliarden in dem für uns sichtbaren Teil des Universums ist, machen sich Menschen über Lebensformen auf anderen Planeten Gedanken. Von den beiden Astronomen Frank Drake und Carl Sagan stammt die berühmte Drake-Gleichung, mit der die Anzahl der intelligenten Lebensformen in unserer Galaxis geschätzt werden soll. In dieser Gleichung werden eine Reihe von uns unbekannten Wahrscheinlichkeiten miteinander multipliziert, z. B. wie häufig die Existenz eines Planetensystems ist, wie oft dort für das Leben geeignete Planeten existieren, wie wahrscheinlich bei der Existenz von einfachem Leben die Entwicklung von intelligentem Leben ist usw. Diese Formel wurde im Jahr 1961 veröffentlicht.
Wie selten intelligentes Leben im Universum entsteht
In den seitdem vergangenen über vierzig Jahren haben sich unsere Kenntnisse auf sehr vielen Gebieten vergrößert. Man weiß einerseits mehr über die Entwicklung der Erde, die Entstehung des Lebens hier, und andererseits wurden auch in der Astronomie und Physik große Fortschritte gemacht. Frank Drake ist heute Chef des SETI-Projekts, mit dem nach Signalen außerirdischer Zivilisationen gesucht wird.

In dem Buch „Unsere einsame Erde” von Peter D. Ward und Donald Brownlee wird ein gegensätzlicher Standpunkt zum Optimismus Sagans, Drakes und vieler anderer eingenommen. Ward und Brownlee halten primitives Leben im All für relativ häufig möglich, intelligentes Leben aber für einen außerordentlich seltenen Sonderfall. Um ihren Pessimismus zu begründen, untersuchen sie in ihrem Buch eine ganze Reihe von Faktoren, die für die Entwicklung intelligenten Lebens auf der Erde notwendig waren bzw. heute dafür gehalten werden. Auch wenn man schon etwas auf diesem Gebiet gelesen hat, findet man viele neue interessante Ideen und Fragestellungen. Einige Schwerpunktthemen in ihrem Buch sind:
Im Prinzip macht auch SETI nichts anderes, als im All nach Leben zu suchen, das uns ähnlich ist. Es wird nach technischen Zivilisationen Ausschau gehalten, die dieselben physikalischen Gesetzmäßigkeiten gefunden haben, dieselbe Art mathematischer Logik benutzen und, ganz wichtig, deren Existenz sich auf derselben Zeitskala wie unsere abspielt. (Wer sich für vollkommen andere Ideen interessiert, sollte einen Blick in das Buch „Die fünf Zeitalter des Universums” von Fred Adams, Greg Laughlin werfen, eines der grandiosesten kosmologischen Bücher, das ich je gelesen habe.)

Wenn Ward und Brownlee mit ihrer Hypothese recht behalten und wir tatsächlich die einzigen Höherentwickelten oder Intelligenten zumindest in unserer Galaxis sind, dann rückt die moderne Wissenschaft kurioserweise die Erde wieder zurück in das Zentrum des (intelligenten) Universums, aus der sie sie vor vielen Jahren mit der Erkenntnis, dass die Sonne nur irgendein Stern unter Milliarden anderer ist, zunächst entfernt hatte. (Und die Frage, warum das Universum da ist, stellt sich auch unter einem ganz neuen Blickwinkel, wenn wir die einzigen Intelligenten darin sind.)
Wie schnell sich intelligentes Leben selbst wieder zerstören kann
Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, warum wir bei einer Suche nach Brüdern im All nicht erfolgreich sein könnten. Was wäre, wenn jede irgendwo irgendwann von der Evolution erschaffene intelligente Lebensform ihre Intelligenz sofort dazu benutzt, um sich selbst auszurotten? Dieser Fragestellung widmet sich das Buch von Martin Rees „Unsere letzte Stunde”.

Im Unterschied zum vorangegangenen Buch „Unsere einsame Erde” erzählt „Unsere letzte Stunde” fast nichts Neues. Martin Rees listet nur akribisch nacheinander alle Bedrohungen auf, denen die Menschheit heute unterliegt, und schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür ab, dass eine davon zur Vernichtung der gesamten Menschheit führt. Der Untertitel seines Buches „Warum die moderne Naturwissenschaft das Überleben der Menschheit bedroht” zeigt, aus welcher Richtung er diese Bedrohungen kommen sieht. (Rees selbst ist übrigens ein bekannter Astrophysiker, kein technik- oder wissenschaftsfeindlicher Spinner.)
Die erste Bedrohung, die Rees analysiert, ist die nukleare, die sich aus den im 20. Jahrhundert angehäuften Atomwaffen ergibt. Das 20. Jahrhundert war dasjenige, in dem erstmalig in der Geschichte mehr Menschen in Kriegen umgekommen sind als durch Naturkatastrophen. Führende Politiker haben das Risiko, dass sich die Menschheit im 20. Jahrhundert einen nuklearen Totalschlagabtausch hätte liefern können, mit etwa 1/6 abgeschätzt. Das drängt den Vergleich mit einem russischen Roulette auf. Kein durchschnittlich intelligenter Mensch würde sich einen Revolver an den Kopf setzen, bei dem in einer der sechs Patronenkammern eine Patrone steckt, und abdrücken. Die Menschheit als Kooperative intelligenter Lebensformen hat genau das mit ihren Atomwaffen aber getan.
Im Weiteren analysiert er eine Reihe der gegenwärtigen und für die nahe Zukunft geplanten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik:
In der Vergangenheit war es so, dass ein terroristischer Anschlag oder Unfall nur wenige tausend oder einige Millionen Menschen betroffen hat. Selbst solche großen Katastrophen wie Tschernobyl, oder die Freisetzung von Milzbranderregern aus Labors, in denen mit ihnen experimentiert wurde, oder die terroristischen Aschläge 2001 in New Yorck hatten auf die gesamte Fortexistenz der Menschheit kaum ernsthafte Auswirkungen. Was aber passiert, wenn sich in relativ naher Zukunft ein einziger geistesgestörter Selbstmordattentäter freiwillig mit einer Supermikrobe infiziert, in ein Flugzeug setzt, das zwischen Europa und den USA verkehrt und auf diese Weise binnen weniger Stunde Millionen und weiterer Tage Milliarden Menschen infiziert?
Das Problem besteht darin, dass mit der Weiterentwicklung einer Technik der Aufwand für ihre Nutzung ständig sinkt, während der Personenkreis, der Zugang zu ihr hat, fortlaufend steigt. Die Atomtechnik ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Die ersten drei Bomben zu entwickeln, erforderte den Einsatz hunderttausender Arbeitskräfte, darunter vieler qualifizierter Techniker und der weltbesten Physiker. Heute kann man sich das benötigte Material in einem der vielen Atomkraftwerke, die überall auf der Welt in sehr zweifelhaften Ländern betrieben werden, besorgen und den Rest der Teile auf dem Schwarzmarkt kaufen. In der Zukunft wird es in der Biotechnologie noch viel besorgniserregender kommen. Kleine Hinterhofklitschen in der Dritten Welt werden zum Experimentieren genügen.
Auf der anderen Seite bleiben die Schutz- hinter den Schadensmöglichkeiten weit zurück. Niemand kann sich mit vertretbarem Aufwand gegen eine Atomexplosion oder gegen eine Attacke mit tödlichen Mikroben in seiner Umgebung schützen, aber jeder durchgeknallte Terrorist oder unvorsichtige Wissenschaftler kann sie auslösen.
Fazit
Ein Moratorium der Wissenschaften, eine freiwillige Selbstbeschränkung wird nicht funktionieren, es werden sich immer Möglichkeiten finden lassen, bestehende Verbote zu unterlaufen. Natürlich muss man alle diesbezüglichen Möglichkeiten der Kontrolle und des Verbots ausschöpfen, verhindern, dass Technik allzu leicht in unbefugte Hände gerät, den zeitlichen Verlauf bestimmter Forschungen strecken usw. Aber prinzipiell lassen sich diese Entwicklungen nicht aufhalten.
Deshalb steht für mich eine zentrale Schlussfolgerung außer Frage, die sich (nicht nur) aus der Aussage beider Bücher ergibt: Die Menschheit muss sich im All ausbreiten, zuerst den Mond und den Mars kolonisieren, um dann zu noch weiteren Zielen aufzubrechen. Gerade weil dort vielleicht niemand außer uns zu finden ist, und gerade weil die Erde so ein gefährlicher Ort für uns wurde. Das ist keine Frage, die in einer fernen Zukunft auf der Tagesordnung steht, sondern es ist eine Aufgabe, die jetzt und sofort in Angriff genommen werden muss, weil wir nicht wissen, wie viel Zeit wir dafür noch haben werden.
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- Peter D. Ward, Donald Brownlee: „Unsere einsame Erde” und
- Martin Rees: „Unsere letzte Stunde”.
Spätestens seit bekannt ist, dass unsere Sonne nur eine unter vielen Milliarden Sonnen in der Milchstraße, und diese wiederum eine Galaxis von sehr vielen Milliarden in dem für uns sichtbaren Teil des Universums ist, machen sich Menschen über Lebensformen auf anderen Planeten Gedanken. Von den beiden Astronomen Frank Drake und Carl Sagan stammt die berühmte Drake-Gleichung, mit der die Anzahl der intelligenten Lebensformen in unserer Galaxis geschätzt werden soll. In dieser Gleichung werden eine Reihe von uns unbekannten Wahrscheinlichkeiten miteinander multipliziert, z. B. wie häufig die Existenz eines Planetensystems ist, wie oft dort für das Leben geeignete Planeten existieren, wie wahrscheinlich bei der Existenz von einfachem Leben die Entwicklung von intelligentem Leben ist usw. Diese Formel wurde im Jahr 1961 veröffentlicht.
Wie selten intelligentes Leben im Universum entsteht
In den seitdem vergangenen über vierzig Jahren haben sich unsere Kenntnisse auf sehr vielen Gebieten vergrößert. Man weiß einerseits mehr über die Entwicklung der Erde, die Entstehung des Lebens hier, und andererseits wurden auch in der Astronomie und Physik große Fortschritte gemacht. Frank Drake ist heute Chef des SETI-Projekts, mit dem nach Signalen außerirdischer Zivilisationen gesucht wird.

In dem Buch „Unsere einsame Erde” von Peter D. Ward und Donald Brownlee wird ein gegensätzlicher Standpunkt zum Optimismus Sagans, Drakes und vieler anderer eingenommen. Ward und Brownlee halten primitives Leben im All für relativ häufig möglich, intelligentes Leben aber für einen außerordentlich seltenen Sonderfall. Um ihren Pessimismus zu begründen, untersuchen sie in ihrem Buch eine ganze Reihe von Faktoren, die für die Entwicklung intelligenten Lebens auf der Erde notwendig waren bzw. heute dafür gehalten werden. Auch wenn man schon etwas auf diesem Gebiet gelesen hat, findet man viele neue interessante Ideen und Fragestellungen. Einige Schwerpunktthemen in ihrem Buch sind:
- Die Entstehung der Sonne und des Planetensystems. Hier ist es interessant zu wissen, dass inzwischen zwar eine ganze Reihe anderer Sterne mit annähernd derselben Größe und demselben Alter wie die Sonne gefunden worden, die Sonne aber unter all diesen diejenige mit dem größten Gehalt an schweren Elementen ist. Das muss Einfluss auf die Zusammensetzung ihrer Planeten gehabt haben. Auch bewegen sich die Planeten auf nahezu kreisförmigen Bahnen um die Sonne, was keinesfalls selbstverständlich ist und zu einer weitgehenden Konstanz der Bedingungen auf den Planeten beiträgt.
- Die Bedeutung anderer Himmelskörper für die Bedingungen auf der Erde. Ziemlich bekannt ist, dass der Mond eine große Bedeutung für die Erde hat, weil er die Erdachse stabilisiert, eine wichtige Bedingung für langfristig relativ stabile Umweltbedingungen. Vergleichsweise neu ist aber das Wissen um die große Bedeutung des Jupiters. Dieser Riesenplanet weit draußen im Sonnensystem wirkt aufgrund seiner Gravitation wie ein riesiger Staubsauger, der in das Sonnensystem einfliegende Körper ablenkt, so dass sie die Erde nicht treffen. Berechnungen haben ergeben, dass ohne ihn die Erde weit häufiger von solchen Brocken getroffen würde, die zum Aussterben der Dinosaurier geführt haben.
- Das Rätsel der „kambrischen Explosion des Lebens”. Primitives Leben auf der Erde ist schon vor vielen Milliarden Jahren nachweisbar, praktisch sofort nachdem sich die Temperaturen in einen Bereich begeben hatten, unter denen flüssiges Wasser existieren kann.
Trotzdem stagnierte die Entwicklung des Lebens für eine lange Zeit, aber vor etwa 500 Millionen Jahren, im Kambrium, kam es dann zu einem entscheidenden Schub. Innerhalb sehr kurzer Zeit wurden von der Natur praktisch alle „Baupläne” der Lebewesen erfunden, die es heute noch gibt. Bis heute ist nichts wesentlich Neues mehr hinzugekommen, die Evolution modifizierte seitdem nur noch die damals entwickelten Formen. - Die Bedeutung der Plattentektonik. Die Erde ist der einzige uns bekannte Planet, bei dem eine dünne planetare Kruste auf einem zähflüssigen Kern aus Eisen und Nickel schwimmt. Ganz nebenbei erzeugen die in diesem flüssigen Kern umlaufenden und von der Radioaktivität angetriebenen Strömungen das Erdmagnetfeld, das uns vor einem großen Teil der kosmischen Strahlung schützt. Weiterhin ist bekannt, dass durch diese Magmaströme die Kontinente bewegt und verändert werden.
Im Buch wird die Ansicht geäußert, dass die Plattentektonik eine wesentliche Ursache für die weitgehende Konstanz der Temperaturen auf der Erde sein könnte: Einerseits emittieren Vulkane eine große Menge Treibhausgase (vor allem Kohlendioxid), anderseits sinken aber an den Stoßkanten der Kontinentalplatten große Mengen an Mineralien, und damit auch Kohlenstoff, in das Erdinnere zurück.
Im Prinzip macht auch SETI nichts anderes, als im All nach Leben zu suchen, das uns ähnlich ist. Es wird nach technischen Zivilisationen Ausschau gehalten, die dieselben physikalischen Gesetzmäßigkeiten gefunden haben, dieselbe Art mathematischer Logik benutzen und, ganz wichtig, deren Existenz sich auf derselben Zeitskala wie unsere abspielt. (Wer sich für vollkommen andere Ideen interessiert, sollte einen Blick in das Buch „Die fünf Zeitalter des Universums” von Fred Adams, Greg Laughlin werfen, eines der grandiosesten kosmologischen Bücher, das ich je gelesen habe.)

Wenn Ward und Brownlee mit ihrer Hypothese recht behalten und wir tatsächlich die einzigen Höherentwickelten oder Intelligenten zumindest in unserer Galaxis sind, dann rückt die moderne Wissenschaft kurioserweise die Erde wieder zurück in das Zentrum des (intelligenten) Universums, aus der sie sie vor vielen Jahren mit der Erkenntnis, dass die Sonne nur irgendein Stern unter Milliarden anderer ist, zunächst entfernt hatte. (Und die Frage, warum das Universum da ist, stellt sich auch unter einem ganz neuen Blickwinkel, wenn wir die einzigen Intelligenten darin sind.)
Wie schnell sich intelligentes Leben selbst wieder zerstören kann
Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, warum wir bei einer Suche nach Brüdern im All nicht erfolgreich sein könnten. Was wäre, wenn jede irgendwo irgendwann von der Evolution erschaffene intelligente Lebensform ihre Intelligenz sofort dazu benutzt, um sich selbst auszurotten? Dieser Fragestellung widmet sich das Buch von Martin Rees „Unsere letzte Stunde”.

Im Unterschied zum vorangegangenen Buch „Unsere einsame Erde” erzählt „Unsere letzte Stunde” fast nichts Neues. Martin Rees listet nur akribisch nacheinander alle Bedrohungen auf, denen die Menschheit heute unterliegt, und schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür ab, dass eine davon zur Vernichtung der gesamten Menschheit führt. Der Untertitel seines Buches „Warum die moderne Naturwissenschaft das Überleben der Menschheit bedroht” zeigt, aus welcher Richtung er diese Bedrohungen kommen sieht. (Rees selbst ist übrigens ein bekannter Astrophysiker, kein technik- oder wissenschaftsfeindlicher Spinner.)
Die erste Bedrohung, die Rees analysiert, ist die nukleare, die sich aus den im 20. Jahrhundert angehäuften Atomwaffen ergibt. Das 20. Jahrhundert war dasjenige, in dem erstmalig in der Geschichte mehr Menschen in Kriegen umgekommen sind als durch Naturkatastrophen. Führende Politiker haben das Risiko, dass sich die Menschheit im 20. Jahrhundert einen nuklearen Totalschlagabtausch hätte liefern können, mit etwa 1/6 abgeschätzt. Das drängt den Vergleich mit einem russischen Roulette auf. Kein durchschnittlich intelligenter Mensch würde sich einen Revolver an den Kopf setzen, bei dem in einer der sechs Patronenkammern eine Patrone steckt, und abdrücken. Die Menschheit als Kooperative intelligenter Lebensformen hat genau das mit ihren Atomwaffen aber getan.
Im Weiteren analysiert er eine Reihe der gegenwärtigen und für die nahe Zukunft geplanten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik:
- Biotechnologie. Manipulationen am Erbgut, Entwicklung neuer Mikroben. Die DNS sehr vieler Mikroorganismen, die des Menschen und anderer Lebewesen sind bereits heute im Internet frei verfügbar.
- Computertechnik. Was passiert, wenn Roboter entwickelt werden, die über eine größere Intelligenz als wir selbst verfügen, oder wenn wir Entscheidungen an maschinelle Systeme delegieren, die wir aufgrund der erforderlichen Geschwindigkeit oder Komplexität nicht mehr selbst treffen können?
- Nanotechnologie. Hier verbinden sich die möglichen Schrecken, die von außer Kontrolle geratenen mikroskopisch kleinen Lebewesen ausgehen, mit denen der Computertechnik. Einen Eindruck von der Furcht vor selbstreproduzierenden Mikrorobotern kann man sich verschaffen, wenn man unter dem Stichwort „Grauer Schleim” im Netz sucht.
- Physikalische Experimente. Bereits bei den ersten Atom- und Wasserstofbombentests im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die beteiligten Wissenschaftler nicht garantieren, dass die dadurch ausgelösten Kettenreaktionen nicht die gesamte Atmosphäre vernichten. Die Versuche wurden trotz dieses Risikos durchgeführt. Für heutige Experimente in Teilchenbeschleunigern gibt es ebenfalls Hypothesen, dass dabei exotischen Teilchen erzeugt werden könnten, die die gesamte Erde oder noch größere Teile des Raums zerstören könnten. Im vorhinein gibt es keine absolute Sicherheit. Auf der einen Seite sind die berechneten Wahrscheinlichkeiten sehr klein, auf der Risikoseite steht aber die Totalvernichtung der Erde. Darf man solche Experimente durchführen? Können sie auf Dauer verhindert oder kontrolliert werden?
In der Vergangenheit war es so, dass ein terroristischer Anschlag oder Unfall nur wenige tausend oder einige Millionen Menschen betroffen hat. Selbst solche großen Katastrophen wie Tschernobyl, oder die Freisetzung von Milzbranderregern aus Labors, in denen mit ihnen experimentiert wurde, oder die terroristischen Aschläge 2001 in New Yorck hatten auf die gesamte Fortexistenz der Menschheit kaum ernsthafte Auswirkungen. Was aber passiert, wenn sich in relativ naher Zukunft ein einziger geistesgestörter Selbstmordattentäter freiwillig mit einer Supermikrobe infiziert, in ein Flugzeug setzt, das zwischen Europa und den USA verkehrt und auf diese Weise binnen weniger Stunde Millionen und weiterer Tage Milliarden Menschen infiziert?
Das Problem besteht darin, dass mit der Weiterentwicklung einer Technik der Aufwand für ihre Nutzung ständig sinkt, während der Personenkreis, der Zugang zu ihr hat, fortlaufend steigt. Die Atomtechnik ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Die ersten drei Bomben zu entwickeln, erforderte den Einsatz hunderttausender Arbeitskräfte, darunter vieler qualifizierter Techniker und der weltbesten Physiker. Heute kann man sich das benötigte Material in einem der vielen Atomkraftwerke, die überall auf der Welt in sehr zweifelhaften Ländern betrieben werden, besorgen und den Rest der Teile auf dem Schwarzmarkt kaufen. In der Zukunft wird es in der Biotechnologie noch viel besorgniserregender kommen. Kleine Hinterhofklitschen in der Dritten Welt werden zum Experimentieren genügen.
Auf der anderen Seite bleiben die Schutz- hinter den Schadensmöglichkeiten weit zurück. Niemand kann sich mit vertretbarem Aufwand gegen eine Atomexplosion oder gegen eine Attacke mit tödlichen Mikroben in seiner Umgebung schützen, aber jeder durchgeknallte Terrorist oder unvorsichtige Wissenschaftler kann sie auslösen.
Fazit
Ein Moratorium der Wissenschaften, eine freiwillige Selbstbeschränkung wird nicht funktionieren, es werden sich immer Möglichkeiten finden lassen, bestehende Verbote zu unterlaufen. Natürlich muss man alle diesbezüglichen Möglichkeiten der Kontrolle und des Verbots ausschöpfen, verhindern, dass Technik allzu leicht in unbefugte Hände gerät, den zeitlichen Verlauf bestimmter Forschungen strecken usw. Aber prinzipiell lassen sich diese Entwicklungen nicht aufhalten.
Deshalb steht für mich eine zentrale Schlussfolgerung außer Frage, die sich (nicht nur) aus der Aussage beider Bücher ergibt: Die Menschheit muss sich im All ausbreiten, zuerst den Mond und den Mars kolonisieren, um dann zu noch weiteren Zielen aufzubrechen. Gerade weil dort vielleicht niemand außer uns zu finden ist, und gerade weil die Erde so ein gefährlicher Ort für uns wurde. Das ist keine Frage, die in einer fernen Zukunft auf der Tagesordnung steht, sondern es ist eine Aufgabe, die jetzt und sofort in Angriff genommen werden muss, weil wir nicht wissen, wie viel Zeit wir dafür noch haben werden.
Kategorien: Bücher
Sonntag, 24.Oktober 2004




