Bitte Beate, komm zurück!

Ich möchte mich über Köppnick beschweren, ja genau über diesen Köppnick, über Horst Köppnick. Als der vor einiger Zeit plötzlich verschwunden ist, hat er mich einfach in einem Schubkasten zurückgelassen. Und wenn ich auch seit langem nicht mehr benutzt wurde, so gehen doch trotzdem meine Batterien zur Neige. Damals als Beate ihn verließ, hat mich Horst in einem Wutanfall in den Schubkasten gepfeffert, in dem ich noch heute liege. Dabei hatte alles so schön mit uns angefangen …

… Beate hatte mich damals im Laden entdeckt und sich auf den ersten Blick in mich verliebt. Meine Hinterseite ist rosafarben, die Plastik vorn ist leicht durchsichtig, sodass man mein Inneres besser erkennen kann. Die Bedienknöpfe hinten, es sind nur sehr wenige, alles ist übersichtlich und einfach gestaltet, man kann mich auch im Dunkeln sehr gut benutzen. Außerdem war ich damals ein preiswertes Sonderangebot. Die Verkäuferin riet Beate zu: „ich habe selbst mehrere zu Hause, dieser ist mit Abstand der Beste.” Allerdings schwindelte sie dabei etwas, denn wenn man mehr Geld ausgeben würde, dann wäre die Zahl der Möglichkeiten natürlich noch viel größer. Aber eigentlich brauchte sie Beate gar nicht mehr zu überzeugen, diese streichelte bereits zärtlich über meine Hülle. Die Verpackung ließ sie gleich im Laden zurück. Die Verkäuferin erinnerte Beate noch daran, dass für meinen Gebrauch Batterien benötigt werden, diese ließ mir in der Elektrowarenabteilung die größten und kräftigsten einbauen, die es gab.

Im Schlafzimmer angekommen, bekam ich einen gehörigen Schreck. So groß hatte ich mir diesen Raum nicht vorgestellt, würde ich meiner neuen Aufgabe überhaupt gewachsen sein? In der Fabrik, auf dem Fließband stehend und die Verpackung erwartend, hatte ich mich mit den anderen unterhalten. Diese erzählten davon, dass unsere Vorfahren noch mit der Hand aufgezogen werden mussten und deshalb nicht so lange durchhielten, aber in Aktion einen Höllenlärm machten und dabei ordentlich vibrierten.

Als Horst mich zum ersten Mal sah, verdüsterte sich seine Miene. „Was willst du denn mit dem?”, fragte er Beate. Ich bin doch eh jeden Tag vor dir wach, habe ich denn auch nur einen einzigen Tag vergessen, dich zu…" Beate unterbrach ihn: „Das weiß ich doch Schatz, und ich bin ja auch sehr zufrieden mit dir. Aber schau mal, du bist so häufig auf Dienstreise, und seit du den neuen Computer hast und ganze Abende in diesem Internetforum zubringst, wie heißt das doch noch gleich? Jedenfalls musst du zugeben, dass du in der letzten Zeit morgens ganz schön müde warst.” Innerlich musste Horst zugeben, dass es in den vergangenen Wochen nicht immer geklappt hatte, manchmal hatte er sich einfach auf die andere Seite gedreht und war wieder eingeschlafen. Auch von ihren Kollegen erntete Beate in letzter Zeit verstohlene Blicke und selbst der Chef hatte sich schon diskret nach ihren Problemen erkundigt und ob er helfen könne.

Jedenfalls bekam ich einen Platz ganz in Beates Nähe. In den nächsten Tagen probierte Beate alle meine Möglichkeiten aus. Ich hatte sehr vielseitige Programme zu bieten, ich konnte brummen oder fiepen, Melodien spielen, ja sogar Intervallprogramme waren mit mir möglich. Fünfmal in der Woche machte Beate Gebrauch von mir. Nur am Wochenende wollte sie nichts von mir wissen, sie schlief aus, traf sich später mit ihren Freundinnen zum Shoppen oder besuchte ihre Eltern.

Ich bin mir nicht sicher, ob es an mir lag, oder ob die Beziehung zwischen Horst und Beate schon vor meiner Ankunft in der Krise war. Aber wenn Horst mich früh hörte, knurrte er beleidigt, zog sich die Bettdecke über den Kopf und versuchte die Geräusche, die ich erzeugte zu überhören. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es ihm nicht gelang.

In diesem Jahr nahm Beate mich sogar mit in den Urlaub. Das Verhältnis zwischen Horst und Beate verbesserte sich dort wieder etwas, ich war richtig eifersüchtig auf die beiden, nur ein paar Mal wurde ich zu Hilfe gezogen. Aber diese wenigen Male gefielen mir ausnehmend gut. Es war später als sonst zu Hause, ich war zuvor schon einige Zeit von der Sonne beschienen worden, deshalb machten mir meine halbleeren Batterien nicht so große Schwierigkeiten.

Trotzdem zog Beate bald nach der Rückkehr aus dem Urlaub bei Köppnick aus. Der Rest ist bekannt. Seitdem friste ich mein Leben in der hintersten und dunkelsten Ecke des Nachtschränkchens. Darum bitte ich dich Beate, komm zu mir zurück, und bring gleich zwei neue Batterien für deinen geliebten Radiowecker mit!

Kategorien: Köppnicks Welt

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16