Venus-Transit

Am heutigen 8. Juni 2004 von etwa halb acht vormittags bis halb zwei nachmittags war in Deutschland ein sehr seltenes Ereignis am Himmel zu sehen. Die Venus passierte von der Erde aus gesehen die Sonne. Die Nachrichtensendungen und Wissenschaftsmagazine haben dieses Ereignis gebührend gewürdigt, wer bis jetzt davon nichts mitbekommen hat, kann sich unter dem Stichwort Venus-Transit bei Google informieren. Einen sehr schönen Artikel biete auch die Zeit.

Die letzte Passage ist bereits 120 Jahre her, die nächste findet im Jahr 2012 statt, kann aber in Europa nicht gesehen werden, weil bei uns zu diesem Zeitpunkt Nacht sein wird. In meiner Firma werden Kameras und andere optische Geräte gebaut, da lag es nahe, selbst ein paar Beobachtungen zu machen. Gleich am frühen Morgen haben wir versucht, die Augen durch dicke Gläser geschützt, den schwarzen Fleck vor der Sonne zu sehen. Den meisten gelang es, einigen nicht. Für diese Kollegen war es ein deutlicher Hinweis, dass ein Besuch beim Optiker lohnend sein könnte.

Da wir zur Zeit ein 500mm-Objektiv zum Test haben, beschlossen wir so gegen 10 Uhr, Aufnahmen mit unserer Kamera und diesem Objektiv zu machen.

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Es ist schon erstaunlich, dass es heutzutage gelungen ist, eine Brennweite von 500 mm in einem Objektiv unterzubringen, das nicht einmal 10 cm lang ist. Da wir die Aufnahmen mit unserer eigenen Kamera machen wollten, die einen CCD-Chip mit der Größe von 10,2 x 8,3 mm nutzt, vergrößert sich die scheinbare Brennweite im Vergleich zu einer Kleinbildkamera nochmals um das Verhältnis der genutzten Bilddiagonalen. Da eine Kleinbildkamera eine Bildgröße von 24 x 36 mm hat, entspricht unser 500mm-Objektiv also einem 1600mm-Objektiv einer Kleinbildkamera. Das ergibt eine gewaltige Vergrößerung, die Kamera bildet nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels ab. Folgerichtig hatten wir einige Mühe, die Sonne am Himmel überhaupt zu finden. Als es uns endlich gelungen war, konnten wir folgende Aufnahme schießen:

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Das Größenverhältnis zwischen der Sonne und der Venus ist schon beeindruckend. Es wird aber noch viel beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die Venus von uns einen Abstand von 44 Millionen km hatte, weil sie die Sonne in einem Abstand von etwa 108 Millionen km umkreist, die Sonne aber 150 Millionen km von uns entfernt ist. Für einen tatsächlichen Größenvergleich zwischen Sonne und Venus muss man sich die Sonne deshalb noch 3,4 mal größer vorstellen als auf dem Bild gezeigt. Die Erde ist übrigens etwa so groß wie die Venus.

Nachdem wir unsere Schwarzweißaufnahme gemacht hatten, wollten wir noch ein Farbbild von der Szene haben. Dazu muss man wissen, dass unsere Kamera eine Farbkamera nach dem Filterradprinzip ist. Das heißt, es werden nacheinander verschieden farbige Gläser vor die Kamera gedreht, mehrere Bilder aufgenommen und erst im Rechner zu einem Farbbild zusammen gesetzt. In unserer Kamera werden vier verschiedene solche Gläser verwendet und etwa 20 Aufnahmen zu einem einzigen Ergebnisbild verrechnet. Unser Farbbild sah so aus:

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Wir hatten zwar mit einem solchen Effekt gerechnet, aber so stark hatten wir ihn nicht erwartet. Was war geschehen? Während der 20 Aufnahmen, die insgesamt etwa 20-30 Sekunden dauerten, drehte sich die Erde ununterbrochen weiter. Das bedeutet, dass die Kamera bei den nacheinander erfolgten Aufnahmen in jeweils unterschiedliche Richtungen geschaut hat. Wenn man sich das Bild genauer ansieht, dann kann man verschiedene Farbkomponenten ausmachen, die jeweils die Bildanteile der verwendeten Filter zeigen. Jetzt ist uns klar, dass für über Minuten oder Stunden gehende astronomische Aufnahmen ein erheblicher Aufwand getrieben werden muss, um die verwendeten Teleskope entgegen der Drehrichtung der Erde zu bewegen, damit die Sterne Punkte bleiben und nicht zu langgezogenen Strichen werden.

Wie eingangs schon erwähnt, die nächste Passage der Venus im Jahr 2012 wird von Europa aus kaum zu sehen sein. In Deutschland bekommt man erst im 22. Jahrhundert wieder eine neue Gelegenheit. Vielleicht werde ich ja 2012 der Venus hinterher reisen, sollte ich dann noch leben und in einigermaßen guter geistiger und körperlicher Verfassung sein.

Kategorien: Physik

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41