Köppnick ist aus dem Urlaub zurück

Köppnick ist aus dem Urlaub zurück. Zum Kaffeetrinken saßen die Kollegen seit zwei Wochen erstmals wieder zusammen und er erzählte von seinen Erlebnissen. Am Anfang wurde gelacht. Dann herrschte gespannte Aufmerksamkeit, doch langsam machte sich wachsender Zweifel unter ihnen breit.
..........
Vor zwei Wochen kam der Chef zu ihm an den Arbeitsplatz. "Mein lieber Köppnick" begann er. "Sie sind ja ein sehr fleißiger Kollege, aber in der letzten Zeit häufen sich die Beschwerden der Kunden über sie, es werden mehr Fehler gemeldet, als wir es von ihnen gewohnt sind. Wissen Sie was, Sie haben ja noch zwei Wochen Resturlaub, machen Sie sich ein paar schöne Tage, entspannen Sie sich, fahren Sie einfach mal irgendwohin. Das ist ein Befehl!" Köppnick nickte zögernd.

An diesem Tag machte er etwas zeitiger Feierabend, damit er noch in einem Reisebüro vorbeischauen konnte, vielleicht eine kleine Reise buchen oder wenigstens einen Katalog einstecken. Die Dame in dem Laden blickte ihn etwas seltsam an, als er ihr seine Wünsche vortrug. Kein Lärm, keine Kinder, keine Animiermädchen, sonnig und warm und eine Möglichkeit zum Angeln. Jedenfalls kein Hotel auf dem Mars, dort war er vor ein paar Jahren mit seiner letzten Freundin gewesen, einfach grauenhaft. Ständig Partys, Alkohol, Krach.Nach langem Suchen im Buchungscomputer schlug sie ihm ein Ferienhäuschen auf dem Mond vor. "Da war schon lange keiner mehr, ist nicht mehr angesagt, total langweilig, genau das Richtige zur Entspannung, vermutlich werden sie der Einzige sein." Köppnick bezahlte und eilte nach Hause. Dort stopfte er ein paar Sachen in den Koffer, holte seinen Angelrucksack aus dem Keller und packte die Reste aus dem Kühlschrank ein. Am nächsten Taxistand lieh er sich eine Maschine aus und düste einfach los.

Sofort, nachdem er die Hauptstraße verlassen und in Richtung Mond eingeschwenkt war, blieb er allein. Ohne Probleme fand er die Ferienanlage. Ein paar kleine Häuschen standen am Ufer des Sees, in der Nähe ein leerer Parkplatz. Köppnick landete, legte den ersten Gang ein und zog zusätzlich die Handbremse an. Ihm fiel ein, dass er vergessen hatte, die Dame im Reisebüro zu fragen, ob sein Häuschen einen Telefonanschluss hat, er musste doch Mutti anrufen, weil er am Wochenende nicht zum Essen kommen würde. Er holte seine Sachen aus der Maschine und ging die paar Schritte zu seinem Quartier zu Fuß. Der Weg führte direkt am Ufer durch einen kleinen Palmenhain. Im Schlafzimmer legte er sich auf das Bett, und ohne seine Sachen groß auszuräumen, schlief er ein, es war eine anstrengende Reise gewesen.

Die nächsten Tage verbrachte er genauso, wie er sich seinen Urlaub vorgestellt hatte. Am Tag angelte er, abends setzte er sich in einen Liegestuhl, las in einem Buch oder schaute auf die sich langsam unter ihm drehende Erde hinab und sinnierte über den Sinn des Lebens. Da es außer den Fischen keine weiteren Tiere zu geben schien, war es sehr still. Im Laufe der Zeit schärften sich seine Sinne immer mehr, vor allem Köppnicks Gehör wurde immer besser. Gegen Ende seines Urlaubs begann er ein zartes Dumdum, Dumdum, Dumdum zu vernehmen, das aus einer ganz bestimmten Richtung zu kommen schien. Weil es ihm mittlerweile doch etwas langweilig geworden war, beschloss er am letzten Tag seines Aufenthalts eine kleine Wanderung zu unternehmen und der Sache auf den Grund zu gehen.

Nachdem er eine Weile gelaufen war und der Lärm, Dumdum, Dumdum, Dumdum, dabei immer vernehmlicher wurde, tauchte am Horizont ein größeres Gebäude auf, es musste eine Art Fabrik sein. Köppnick hielt direkt auf den Eingang zu. Die Tür war nicht verschlossen, er öffnete sie und rief ein vorsichtiges "Hallo?" in die große Halle. Da niemand antwortete, ging er hinein. Im Innern arbeiteten eine Reihe von ihm völlig unbekannten Maschinen, die ganz offensichtlich den Lärm produzierten, den er schon von weitem gehört hatte.

Am gegenüberliegenden Ende der Halle war eine große Schalttafel angebracht. Als Köppnick vor ihr stand, fiel ihm ein großer Schalter auf, über dem in mehreren Sprachen die Warnung "Nicht ausschalten!" stand. So ein Unsinn, dachte Köppnick, seit über hundert Jahren ist hier schon keiner mehr gewesen, und diese dämlichen Maschinen arbeiten weiter und machen solchen Krach. Entschlossen betätigte er den Schalter. Wie er vermutet hatte, liefen die Maschinen langsam aus, Dumdum, Dum, ... Endlich herrschte die wohltuende Stille, nach der sich Köppnick die ganze Zeit in der Fabrik gesehnt hatte. Herrlich.

Plötzlich quietschte die Eingangstür, Köppnick erschrak, als sich ein riesiger Mann durch die für ihn vergleichsweise winzige Tür zwängte. Er hatte weiße, ziemlich verfilzte Haare und einen Vollbart, der nicht viel besser aussah. Kein Wunder, hatte doch wegen dem Ausbleiben der Touristen auch der letzte Frisör seit langem den Mond verlassen. Um den Körper trug der Alte eine Art Bettlaken, das ziemlich schmuddelig aussah. Seine Bekleidung wurde durch ein paar Latschen komplettiert, seine daraus lugenden Zehen sahen seltsam aus. Außerdem roch der Mann etwas streng.

"Wer sind Sie denn?", entfuhr es Köppnick. "Ich bin Herr Gott, wer sind Sie und was haben Sie in meiner Fabrik zu suchen, wollen Sie etwa eine Sonnenfinsternis herauf beschwören?" erwiderte der andere, während er eilig den Schalter zurückdrehte. Die Maschinen liefen langsam wieder an. "Mein Name ist Köppnick, ich mache in der hiesigen Ferienanlage Urlaub. Morgen reise ich ab!", setzte er beschwichtigend hinzu. Der Andere sah nämlich sehr wütend aus. "Verdammter Mist, haben sie mich doch aufgespürt, diese Plagegeister, diese neugierigen. Na ja, ist jetzt auch egal, muss ich halt morgen ebenfalls abreisen", brummelte er in seinen Bart. Nachdenklich setzte der Alte hinzu: "Da können wir heute Abend auch zusammen verbringen, diese Geschichte wird Ihnen auf der Erde sowieso niemand glauben. Geben Sie mir einen aus oder sind Sie etwa Antialkoholiker?" Ohne Köppnicks Antwort abzuwarten, ging er zielstrebig in Richtung Ferienanlage voraus, Köppnick folgte ihm zögernd. Beim Bier erzählte der Alte aus seinem Leben.

urlaub


"Bei den Menschen auf der Erde hält sich seit langem der Aberglaube, sie würden auf der Erdkugel leben. Dabei gab es bereits im 20. Jahrhundert die Hypothese, man könne auch in der Erdkugel leben. In diesem Fall wäre außen das Erdreich. Das komplette Weltall einschließlich der Sonne, des Mondes und der Sterne läge innen (Link1, Link2, Link3, Link4). Aber mir gelang es erfolgreich, diese Idee als das Hirngespinst einiger weniger Verrückter darzustellen.

Tatsächlich sind wir bei Erdarbeiten zum ersten Mal in die Gegend vorgestoßen, die ihr heute als das Universum bezeichnet. Ich war damals Bergbauingenieur und habe persönlich die Sprengung geleitet, die Eure Physiker heute in völliger Verkennung der Tatsachen als Urknall bezeichnen. Im Laufe der Zeit wurde immer mehr Material abtransportiert und der Hohlraum vergrößert.

Durch die offene Verbindung zu unserer Welt sind im Laufe der Jahre auch ein paar Tiere eingewandert. Einige dieser Viecher sind so groß und gewaltig gewesen, dass sich unsere Jäger alle Mühe gegeben haben, sie wieder aus dem Hohlraum zu vertreiben oder zu erlegen. Da die faulsten Schützen einige Kadaver einfach liegen gelassen haben, kann man heute auf nahezu allen Kontinenten Knochen ausgraben, auf deren Herkunft sich die Paläontologen keinen Reim machen können. Ab und zu gab es auch einen größeren Wassereinbruch. Wir hatten alle Mühe, das Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen, trotzdem habt ihr ja bei Euch da unten immer noch eine Menge Wasser, viel mehr als notwendig, oder?

Später war ich für die Grubenbeleuchtung zuständig. Wir haben einen Stab quer durch den Raum gezogen und an ihm eine Reihe von Lampen aufgehängt. Nachdem wir diese Achse in Drehung versetzt hatten, trieb der Schwung die Lampen von der Achse weg und sorgte so für eine gleichmäßige Beleuchtung im ganzen Bergwerk. Ja das war schon eine tolle Zeit."

Der Alte schwieg eine Weile und Köppnick bemerkte, dass er glänzende und verträumte Augen bekommen hatte. Doch dann verdüsterte sich seine Miene wieder. "Von einem Urlaub hatte ich mir ein Affenpärchen mitgebracht, Adam und Eva. Die haben einige Kunststücke gelernt. Am Schluss konnten sie auf den Hinterbeinen gehen, brabbelten in einem eigenen Kauderwelsch vor sich hin, konnten Nüsse knacken und rannten mit angespitzten Holzstäben hinter anderen Tieren her. Als ich eines Tages mal nicht richtig aufgepasst hatte, sind die beiden abgehauen. Du meine Güte, es vergingen keine 3 Millionen Jahre, dann hatten sich die Viecher so vermehrt! Auf keinem Kontinent konnte man sich mehr sehen lassen, ohne von diesen aufrecht gehenden Affen belästigt zu werden. Sogar Tempel haben sie unseretwegen errichtet.

Die Station zum Antrieb der Lampen konnte nicht mehr auf dem Boden bleiben. Wir hatten zwar die Gegend ordentlich abgekühlt und die beiden Lager der Achsen zur Tarnung mit Eisbergen und Nordlichtern umgeben, aber diese neugierigen Affen drangen überallhin vor und ließen sich offensichtlich durch nichts abschrecken. Deshalb buken wir aus einem Haufen Bergbauabfälle eine große Kugel, versetzten das Kraftwerk dorthin und zogen alles an der Achse hinauf. Übrigens sitzen wir jetzt genau auf diesem Gesteinsbrocken, den ihr inzwischen Mond nennt. Dein Ausschalten vorhin hat die erste Sonnenfinsternis in diesem Jahrhundert ausgelöst. Zum Glück bemerken Eure Astronomen nicht so schnell, dass alle übrigen Sterne auch kurz geflackert haben, weil das Licht von ihnen bis zu Euch ein paar Jährchen unterwegs ist.

Vor einigen tausend Jahren beschlossen wir, den Bergbau hier einzustellen. Es ist sowieso fast nichts mehr zu holen, alle uns interessierenden Minerale sind abgebaut. Irgendwie hatte ich aber eine seltsame Sympathie für Euch entwickelt, auch wenn ihr Euch der Kälte wegen inzwischen in alberne Pelze gehüllt habt und auch ansonsten einen Haufen Blödsinn unternehmt. Da ich sowieso im Pensionsalter war, schlug ich meinen Behörden vor, die Lampen auf meine Kosten weiter zu betreiben und mich zur Wartung der Anlage hier zu lassen. Sie willigten ein."

Der Alte zuckte resignierend mit den Schultern. "Ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben, die Luft aus dem Weltraum gepumpt, ordentliche Gravitation eingeführt und so weiter. Ihr verdammten Affen habt es trotzdem bis hierauf geschafft. Es hat alles nichts genützt, aber irgendwann musste es wohl so kommen. Na ja, ist jetzt auch egal, Prost!"

Köppnick war jetzt schon ziemlich betrunken. "Einen Rat hätte ich noch. Da Du jetzt schon mal weißt, dass meine Leute nicht in diesem Universum wohnen, kannst Du Euren Wissenschaftlern ja den Tipp geben, wo sie die Außerirdischen suchen müssen. Er grinste schelmisch, Graben müsst Ihr, g-r-a-b-e-n! Im Weltraum herumfliegen nützt Euch überhaupt nichts, da werden ihr die Götter nicht finden. Graben müsst Ihr!" Mit diesen Worten stand der Alte auf, klopfte Köppnick zum Abschied väterlich auf die Schulter und ging gebückt zur Tür hinaus. Köppnick schlief noch am Tisch an.

Am nächsten Morgen erwachte er viel zu spät mit einem richtigen Brummschädel und war sich nicht mehr sicher, ob er das alles wirklich erlebt oder nur geträumt hatte. Es blieb jedoch keine Zeit mehr, das Kraftwerk zu suchen, er musste seine Sachen packen und schnell nach Hause fliegen, morgen würde sein erster Arbeitstag sein. Seine Kollegen würden staunen, wenn er ihnen die Wahrheit über Gott und das Universum berichten würde.
..........
Die Kollegen schwiegen, wollte Köppnick sie verscheißern oder hatte er die Wahrheit erzählt? Viel sprach für eine Lügengeschichte, aber wenn es wahr sein sollte, wer durfte es dann wagen, an Gottes eigenen Worten zu zweifeln?

Kategorien: Köppnicks Welt

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16