Antinomien

Eine kleine Sammlung bekannter Antinomien, meine Referenz an Kurt Gödel. Antinomien sind Aussagen, die weder wahr noch falsch sind, also logische Widersprüche, die sich nicht auflösen lassen. Vieleicht weiß jemand weitere schöne Beispiele?

Brief des Apostels Paulus an Titus (der Kreter war vermutlich Epimenides!?):
Einer von ihnen hat als ihr eigener Prophet gesagt: Alle Kreter sind Lügner und faule Bäuche, gefährliche Tiere.
Ist der kretische Prophet ein Lügner oder nicht?

Der Dorfbarbier:
Der Dorfbarbier ist derjenige Mann des Dorfs, der alle Männer im Dorf rasiert, die sich nicht selbst rasieren.
Rasiert er sich selbst oder nicht?

Eine (anti-?)religiöse Version einer Lehrerin aus meiner Kindheit:
Der allmächtige Gott kann einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass ihn niemand anheben kann.
Kann Gott selbst diesen Stein anheben?

Ein-Satz-Antinomie:
Dieser Satz ist falsch.

Zwei-Satz-Antinomie:
Der folgende Satz ist wahr.
Der vorhergehende Satz ist falsch.


Russellsche Antinomie:
M sei die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten.
Enthält M sich selbst oder nicht? (In der Mathematik wird als Menge die Zusammenfassung von Zahlen, Dingen oder Begriffen bezeichnet.)
Talakallea Thymon - 21. Mai, 09:51

Die erste Antinomie ist gar keine. Man muß sich nur überlegen, welche Wahrheitsbedingungen ein Allsatz (also hier "Alle Kreter Lügen") hat, bzw. welche Aussage ihn widerlegt. Da reicht schon ein einziger Kreter, der die Wahrheit sagt. Sein Name sei Philaletheios. Angenommen, dieser wahrheitsliebende Kreter ist nicht identisch mit Epimenides. Also lügt Epimenides, und er lügt widerspruchsfrei, wenn er sagt, daß alle Kreter lügen, denn das ist falsch, wie die Existenz von Philaletheios, bzw die wahren Aussagen "Philaletheios sagt immer die Wahrheit" und "Philaletheios ist Kreter" zeigen.
Man kann das noch verschärfen und eine Situation konstruieren, in der Epimenides der einzige verlogene Kreter ist. Auch dann lügt er widerspruchsfrei, wenn er sagt: "Alle Kreter lügen", denn in Wahrheit lügt keiner außer ihm selbst.
Bekanntlich läßt sich ein Satz, der den Operator "alle" enthält, umformen in einen Satz, der den verneinten Operator "es gibt keinen, der ... nicht ..." enthält. Im Falle von Epimenides kann man dann entgegenhalten, doch, es gibt mindestens einen, der nicht lügt. Also lügen nicht alle. Also ist Epimenides Aussage falsch und gelogen.

Köppnick - 21. Mai, 17:50

An eine solche Interpretation hatte ich bis jetzt noch nicht gedacht: Man interpretiere "alle Kreter" als eine Menge, wobei jedes der Elemente ein anderes Verhalten zeigen kann.

Aber man kann die Antinomie doch noch "retten", wenn man "alle Kreter" als "das Volk der Kreter" deutet, in dem alle Mitglieder gleiches Verhalten zeigen, also entweder alle lügen (=das Volk der Kreter lügt) oder alle die Wahrheit sagen.

Der Preis, den man für die (notwendige) Redundanz von natürlicher Sprache bezahlt, ist Doppeldeutigkeit.

Trackback URL:
http://kwakuananse.twoday.net/stories/3965066/modTrackback

Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16