Argumente pro Doping
Derzeit werden immer mehr Dopingfälle im Radsport aufgedeckt und die Medien sind sich in der Verurteilung des Dopings weitgehend einig. Es stellt sich die Frage, ob die Situation wirklich so eindeutig ist und ob alle Dopingbasher für jedes mögliche Proargument ein plausibles Kontra geben können. In der Geo Wissen 39/2007 findet man ein Streitgespräch zwischen drei Professoren, die früher selbst aktive Sportler waren und heute durch ihr Fachgebiet mit dem Sport zu tun haben (Soziologie des Sports, Sportpädagogik, Sportwissenschaften). Einige Gedanken aus diesem Artikel:
Der Hauptanreiz zum Doping kommt von staatlicher Stelle, weil der Staat (und, so möchte man ergänzen, auch jeder Sportzuschauer und das Telekommanagement) Geld gegen Leistung vergibt. Zitat:
In einer längeren Passage im Artikel wird über Profifußball und Tennis diskutiert. Hier ist Doping offenbar an der Tagesordnung, weil die Kontrollen laxer als in der Leichtathletik und beim Radsport gehandhabt werden. Zwei Zitate:
In dem Streitgespräch standen die Fronten 1:2. Einer der Beteiligten gab diese Pro-Argumente zu bedenken. Ob man nicht besser das Thema leistungsfördernder Medikamente entteufeln und ernsthafte Forschung zu den Langzeitfolgen des Dopings durchführen sollte. Die beiden anderen waren dagegen.
Das einzige mich wirklich überzeugende Argument gegen Doping ist die falsche Signalwirkung auf Jugendliche. Erwachsene sollten selbst entscheiden, was sie tun und was sie lassen, wie sie sich ernähren und wie sie Sport treiben. Aber auch hier kann man einwenden, dass Jugendlich noch ganz anderen Einflüssen ausgesetzt sind: Alkohol, Nikotin, Drogen, „körperverschönernde“ Maßnahmen wie Piercing, Branding, etc. Im Drogenbereich hat man dieselben Zufälligkeiten wie bei den Mitteln auf der Dopingliste: Alkohol und Nikotin sind erlaubt, dadurch weit verbreitet und billig, Heroin & Co. sind verboten, schwerer zu beschaffen und teuer. Die Antibabypille ist erlaubt, andere leistungsfördernde Präparate sind verboten.
Es gibt eine viel einfachere Lösung des Dopingproblems: Keine unterschiedliche Bezahlung verschieden guter sportlicher Leistungen oder, noch besser, überhaupt keine Sportwettkämpfe mehr. Damit entfällt jeglicher Anreiz, besser sein zu wollen als andere. Und im Fernsehen ist mehr Platz für Reich-Ranitzki und Co. ... Und dann noch alle Muckibuden dichtgemacht, in denen sich junge Männer ihre Muskeln medikamentenunterstützt aufblasen, weil sie damit ihren Chicksen imponieren wollen.
Die Deutschen wollen jetzt ihre Begeisterung anlässlich des Tour-de-France-Sieges von Jan Ullrich gern vergessen. Ich bin gespannt, was sie in ein paar Jahren über die Profifußballer denken werden, die letztes Jahr bei der WM solche Jubelstürme ausgelöst haben. Und Bobele soll endlich auspacken, was außerhalb der Besenkammer noch so gelaufen ist.
Der Hauptanreiz zum Doping kommt von staatlicher Stelle, weil der Staat (und, so möchte man ergänzen, auch jeder Sportzuschauer und das Telekommanagement) Geld gegen Leistung vergibt. Zitat:
Die Funktionäre stecken in einem fürchterlichen Dilemma. Wenn sie effektiv gegen Doping vorgehen, sinken die Leistungen, und es fließt weniger Geld. Gleichzeitig verkünden sie, dass alle Leistungsanforderungen, um an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teilzunehmen, ohne Doping zu erreichen seien. Aber allen ist klar, dass das manchmal nicht geht.Interessant auch das folgende Argument:
Leistungssport hat mit Gesundheit generell nicht viel zu tun. Unzählige Turnerinnen haben nach Ende der Karriere eine kaputte Wirbelsäule. Wenn es um das Wohl der Sportler gehen würde, müssten erst einmal Ski alpin und Boxen verboten werden. ... Boxen ist aber schon sehr früh eine olympische Disziplin gewesen. Die meisten Medikamente auf der Dopingliste sind viel ungefährlicher als der Sport selbst.Verblüffend auch der Gedanke, dass die Antibabypille ein leistungssteigerndes Präparat ist, weil sie die Regeneration des Körpers nach dem Training beschleunigt und außerdem massiv in den natürlichen Hormonhaushalt der Frauen eingreift. Wenn das Kriterium „unzulässige Leistungssteigerung“ gelten soll, dürften Frauen, die an Wettkämpfen teilnehmen, keine Pille nehmen. Ein weiteres Thema sind Asthmamedikamente. Diese wirken ebenfalls leistungssteigernd – aus diesem Grund sind viele Weltklasseschwimmer Asthmatiker. Als Beispiel wird hier die Schwimm-WM von 1998 in Australien genannt: 100% der Briten, 50% der Amerikaner. Was ist hier Wirkung, was Ursache?
In einer längeren Passage im Artikel wird über Profifußball und Tennis diskutiert. Hier ist Doping offenbar an der Tagesordnung, weil die Kontrollen laxer als in der Leichtathletik und beim Radsport gehandhabt werden. Zwei Zitate:
Weißt du, warum die französischen Fußballer in der zweiten Halbzeit immer besser spielen als in der ersten? Die Dopingkontrollen finden in der Pause statt, und direkt danach werden die Stimulanzien eingeworfen.
Die früheren Regeln der ATP, der Spielergewerkschaft der Tennisprofis: Kein Heroin, kein Kokain, kein Marihuana, keine Amphetamine. ... Man wollte keine Drogenszene auf den Turnieren und keine Hitzetoten nach einem Fünfstunden-Match. ... Das hieße, alles andere wäre erlaubt, Anabolika, Testosteron, Wachstumshormone, Steroide.Im Übrigen zieht auch das Argument der fehlenden Chancengleichheit bei einer Freigabe des Dopings nicht: Genauso wie beim Doping die reicheren Sportler (heute heimlich) einen leichteren Zugang zu neuen Präparaten haben, die noch kaum nachweisbar sind, haben sie (ganz offiziell) Zugang zu besseren Trainingsbedingungen und besserem Material in den technischen Disziplinen.
In dem Streitgespräch standen die Fronten 1:2. Einer der Beteiligten gab diese Pro-Argumente zu bedenken. Ob man nicht besser das Thema leistungsfördernder Medikamente entteufeln und ernsthafte Forschung zu den Langzeitfolgen des Dopings durchführen sollte. Die beiden anderen waren dagegen.
Das einzige mich wirklich überzeugende Argument gegen Doping ist die falsche Signalwirkung auf Jugendliche. Erwachsene sollten selbst entscheiden, was sie tun und was sie lassen, wie sie sich ernähren und wie sie Sport treiben. Aber auch hier kann man einwenden, dass Jugendlich noch ganz anderen Einflüssen ausgesetzt sind: Alkohol, Nikotin, Drogen, „körperverschönernde“ Maßnahmen wie Piercing, Branding, etc. Im Drogenbereich hat man dieselben Zufälligkeiten wie bei den Mitteln auf der Dopingliste: Alkohol und Nikotin sind erlaubt, dadurch weit verbreitet und billig, Heroin & Co. sind verboten, schwerer zu beschaffen und teuer. Die Antibabypille ist erlaubt, andere leistungsfördernde Präparate sind verboten.
Es gibt eine viel einfachere Lösung des Dopingproblems: Keine unterschiedliche Bezahlung verschieden guter sportlicher Leistungen oder, noch besser, überhaupt keine Sportwettkämpfe mehr. Damit entfällt jeglicher Anreiz, besser sein zu wollen als andere. Und im Fernsehen ist mehr Platz für Reich-Ranitzki und Co. ... Und dann noch alle Muckibuden dichtgemacht, in denen sich junge Männer ihre Muskeln medikamentenunterstützt aufblasen, weil sie damit ihren Chicksen imponieren wollen.
Die Deutschen wollen jetzt ihre Begeisterung anlässlich des Tour-de-France-Sieges von Jan Ullrich gern vergessen. Ich bin gespannt, was sie in ein paar Jahren über die Profifußballer denken werden, die letztes Jahr bei der WM solche Jubelstürme ausgelöst haben. Und Bobele soll endlich auspacken, was außerhalb der Besenkammer noch so gelaufen ist.
Mittwoch, 23.Mai 2007





Unzureichend
Sportwettkämpfe zu verbieten dürfte nicht erfolgreich sein; sobald in einem Dorf drei Leute gegeneinander über 1000 m antreten, beginnt wieder alles von vorne.
Eine Bezahlung des Profisports von oben abzuwürgen ist ebenfalls eines freien Gemeinwesens unwürdig - ein nicht unerheblicher Anteil derjenigen, die diesen Sport schauen, wollen an das "Gute" glauben.
Es wäre einfacher, wenn jetzt nicht alle Sportler, die jemals gedopt haben, sich äussern - sondern nur diejenigen, die bisher nicht gedopt haben.
Es gibt nur eine Möglichkeit, Doping irgendwann loszuwerden: Man muss es freigeben. Dann weiss jeder, dass die Leistungen mit einem gewissen Hautgout belegt sind. In der Konsequenz bedeutet das, dass erst Schluss gemacht wird, wenn beispielsweise die Radfahrer tot aus dem Sattel fallen.
Repressionen haben oft keinen Sinn, sondern treiben Gesellschaften erst ins Gegenteil - man sieht das an der Prohibition während in den USA in den 20er Jahren. Es gibt glaubwürdige Quellen, die sagen, es sei nie mehr getrunken worden, als in dieser Zeit.