Menschen sind keine Geldmaschinen
Ist laut Spiegel Online der Glaube oder Wunsch des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus. Er hat den Nobelpreis für die Gründung und Leitung der Grameen Bank erhalten, die Mikrokredite an Arme vergibt und ihnen dadurch zum eigenständigen Bestreiten des Lebensunterhalts verhelfen will. Man muss allerdings anmerken, dass er nicht den Nobelpreis für Ökonomie, sondern den Friedensnobelpreis erhalten hat. Es zählte also nicht sein theoretischer Beitrag zur Reformation des Kapitalismus, sondern der in die eigene Tat umgesetzte gute Wille.
Ein Ausschnitt aus dem Spiegel-Interview:
Das zentrale Problem ist, dass die Profiterzielung weitgehend von der Verantwortung für die an seiner Entstehung beteiligten Menschen entkoppelt ist. Der schlimmste Auswuchs ist der Aktionär, der häufig dann am stärksten profitiert, wenn durch Entlassungen von Mitarbeitern der Kurs „seiner“ Aktien in die Höhe getrieben wird.
(*) Mein Modell entspricht eher den Grundgedanken von Amartya Sen, der ebenfalls Nobelpreisträger ist, allerdings diesmal für Ökonomie, der ebenfalls auf die Kräfte des Marktes setzt und der genau wie Yunus Bengale ist. Für ihn zählt vor allem der Zusammenhang zwischen Armut und dem Verlust der Freiheit. Genau hier setzt mein Modell an: Der Entzug von Lebenszeit ist Verlust an Freiheit, der wenigstens teilweise den Gewinn an Freiheit durch mehr Geld kompensiert.
Kategorien: Visionen, Ethik
Ein Ausschnitt aus dem Spiegel-Interview:
SPIEGEL ONLINE: Sie propagieren den Markt auch als bestes Mittel gegen Armut.In diesem Interview bleibt er die Antwort schuldig, welche Mechanismen im Kapitalismus den „Markt“ in die von ihm gewünschte soziale Richtung lenken können. Rein ökonomisch geht das nicht, wie man am Beispiel seiner Bank erkennen kann. Da die in ihr erzielten Profitraten unter denen rein profitorientierter Unternehmen liegen müssen, kann diese Bank auf Dauer nur durch die freiwillige Bereitschaft vermögenderer Zeitgenossen und deren Willen zur Umverteilung existieren. Unterstellt man, dass der Kapitalismus ökonomisch die besser funktionierende Alternative gegenüber allen bisherigen Vergesellschaftungsmodellen ist, dann müssen die entsprechenden Mechanismen, um ihn für alle Mitbürger attraktiv oder wenigstens erträglich zu machen, durch die Politik implementiert werden.
Yunus: So einfach ist das nicht. Die Grundlagen des freien Marktes in der jetzigen Form sind schädlich. Man muss andere Werte als nur die Gewinnmaximierung durchsetzen. Dann funktioniert der Markt. Banken zum Beispiel geben Armen üblicherweise keine Kredite. Man muss Banken sagen: Auch die Armen haben ein Recht auf Kredite, damit sie sich selbständig machen und sich eine Existenzgrundlage schaffen können.
SPIEGEL ONLINE: Neue Marktwirtschaften wie China und Indien schlagen genau die Richtung ein, die Sie als falsch beschreiben. Der Abstand zwischen Superreichen und Bettelarmen wird immer größer.
Yunus: Diese Länder gestalten den Markt in der Tat nicht richtig. Der Markt entwickelt sich nicht automatisch zum Nutzen der Gesellschaft. Man muss ihn formen, man muss Regeln schaffen und vor allem Werte durchsetzen.
SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, es gibt einen guten und einen schlechten Kapitalismus?
Yunus: Kapitalismus per se ist nur die halbe Sache. Es erfordert Arbeit, dass Kapitalismus wirklich allen nützt. Ein Beispiel ist eben das, was die Grameen Bank mit ihren Mikrokrediten unternimmt, nämlich armen Menschen Kredite, manchmal nur umgerechnet fünf Dollar, zu gewähren, damit sie sich selbst helfen können. Wir verlangen das Geld ja mit Zinsen zurück - natürlich ist das Kapitalismus, aber er hilft den Menschen, zumal im Fall der Grameen Bank die Kreditnehmer auch Anteilseigner der Bank sind.
SPIEGEL ONLINE: Das also ist der gute Kapitalismus. Und der schlechte?
Yunus: Im Kapitalismus ist Gewinnmaximierung die grundlegende Philosophie. Aber Menschen sind keine Geldmaschinen. Jeder macht Geschäfte, um Profite zu machen. Warum nicht andere Ziele definieren, zum Beispiel sozial zu sein?
Das zentrale Problem ist, dass die Profiterzielung weitgehend von der Verantwortung für die an seiner Entstehung beteiligten Menschen entkoppelt ist. Der schlimmste Auswuchs ist der Aktionär, der häufig dann am stärksten profitiert, wenn durch Entlassungen von Mitarbeitern der Kurs „seiner“ Aktien in die Höhe getrieben wird.
| Ein einfacher theoretischer Ansatz zur Lösung dieses Problems: Man koppelt den Zugewinn an Geld, der für alle Menschen aufgrund ihrer Stellung in der Gesellschaft unterschiedlich groß ausfällt, an den gleichzeitigen Verlust einer Ressource, über die alle Menschen wenigstens näherungsweise gleich verfügen - an ihre Lebenszeit (*). Praktisch: Geldverbrauch könnte an das Ableisten gemeinnütziger Arbeit gekoppelt werden. Damit „Leistung sich lohnt“, darf allerdings der Zeitverbrauch nur logarithmisch an den Geldbenutz gekoppelt werden. Eine Beispielrechnung rechts. Die Summen in der linken Spalte steigen von Zeile zu Zeile mit der vierten Wurzel von 10, d.h. jede 4. Zeile enthält die zehnfache Summe. Die Anzahl der Tage in der rechten Spalte steigt mit der Wurzel von 2, d.h. jede zweite Zeile enthält die doppelte Anzahl an Tagen. Nimmt man die Spalte mit den Summen als das Jahreseinkommen bzw. genauer gesagt als den materiellen Verbrauch der betreffenden Person im Laufe eines Jahres, dann gibt die rechte Spalte an, welchen Anteil die Gesellschaft von dieser Person an gemeinnütziger Arbeit innerhalb dieses einen Jahres erwartet. Für Durchschnittsverdiener ist ihr Anteil problemlos an ein paar Wochenenden im Jahr zu leisten. Wer allerdings 31 Millionen verschwenden will, hat dazu im Jahr nur 3 Tage Zeit, weil er fast ununterbrochen im Dienste der Allgemeinheit zu tun hat. Ein noch höherer Verbrauch ist theoretisch nicht möglich, weil Lebenszeit nicht übertragbar ist, andere für sich arbeiten zu lassen ist untersagt. Wer sich einen Mercedes SLK für geschätzte 100.000 € kaufen möchte, kann zuvor die Ernsthaftigkeit seines Wunsches durch ein zweiwöchiges Praktikum im Dienste der Allgemeinheit beweisen. Vermutlich passt sogar die 45tägige Gefängnisstrafe für Paris Hilton in das vorgeschlagene Zahlenraster: Eine geschätzte Verschwendung ihrerseits von 1.000.000 € im Jahr dürfte in der richtigen Größenordnung liegen. - Nach meinem Modell wären die 45 Tage für sie allerdings ab jetzt jährlich fällig. Sie sieht bestimmt sehr sexy aus in einem orangenen Gefängnisoverall ;-) |
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(*) Mein Modell entspricht eher den Grundgedanken von Amartya Sen, der ebenfalls Nobelpreisträger ist, allerdings diesmal für Ökonomie, der ebenfalls auf die Kräfte des Marktes setzt und der genau wie Yunus Bengale ist. Für ihn zählt vor allem der Zusammenhang zwischen Armut und dem Verlust der Freiheit. Genau hier setzt mein Modell an: Der Entzug von Lebenszeit ist Verlust an Freiheit, der wenigstens teilweise den Gewinn an Freiheit durch mehr Geld kompensiert.
Kategorien: Visionen, Ethik
Dienstag, 08.Mai 2007




