Epigenetik

Eigentlich enthalten alle Zellen eines Lebewesens dieselbe DNA, weil alle Körperzellen durch Zellteilung aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervorgegangen sind. Trotzdem sind die einzelnen Zellen sehr unterschiedlich. Möglich wird das, weil je nach Aufgabe einer Zelle unterschiedliche Genabschnitte aktiv oder passiv geschaltet sind. So werden in jeder Zelle andere Proteine synthetisiert. Andererseits wirken die in einer Zelle vorhandenen Proteine aber auf das Ein- und Abschalten von Genen zurück. Es ist deshalb nur logisch, dass es auch durch Umwelteinfluss zu derartigen Umschaltungen kommen muss.

Bekannt ist, dass sich auch eineiige Zwillinge im Laufe ihres Lebens immer stärker voneinander unterscheiden, weil die auf sie wirkenden Umwelteinflüsse niemals vollkommen gleich sein können. In der Geo 4/2007 gibt es dazu mehrere Artikel. Der interessanteste dieser Artikel ist derjenige zur Epigenetik: „Ein Dogma fällt“. Zum Begriff Epigenetik erfährt man in der Wikipedia:
Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression. Eng damit verknüpft sind physiologische Prozesse der Individualentwicklung von Organismen, die besonders in der Zwillingsforschung untersucht werden. In beiden Fällen geht es vornehmlich darum zu verstehen, wie Information über die Genregulation, die nicht in der DNA-Sequenz codiert ist, von einer Zell- oder Organismen-Generation in die nächste gelangt.
Der Grundgedanke ist frappierend einfach: Die Keimzellen enthalten ebenfalls Proteine und auf der DNA in den Keimzellen sind bestimmte Abschnitte aktiv und andere nichtaktiv, und zwar in Abhängigkeit vom Zustand von Mutter und Vater zum Zeitpunkt der Ausreifung der Keimzellen. Aus identischer DNA können sich deshalb unterschiedliche Nachkommen entwickeln. Da sich der Zustand der Eltern im Laufe ihres Lebens ändert, gehen „Erfahrungen“, die sie gemacht haben, in ihre Nachkommen über, ohne dass es dazu mutative Veränderungen des Erbmaterials gegeben haben muss. Hier lebt gewissermaßen der Gedanke von Lamarck in modifizierter Form wieder auf:
Einen mysteriösen Drang zum Halsrecken werden auch Epigenetiker nie finden. Lamarcks „Vervollkommnungstrieb“ bleibt ein naiver Ausdruck des Fortschrittsglaubens seiner Zeit. Doch die „Vererbung erworbener Merkmale“, bislang dogmatisch verneint, könnte sich auf ganz anderer Ebene bewahrheiten, als von Lamarck vermutet. Mütter und Väter reichen ihren Kindern womöglich mit den Chromosomen, aber nicht mit der Bausteinfolge der DNS, Informationen darüber weiter, wann welche Gene wie lange aktiv sein sollen – Informationen, die ihr Körper selbst erst im Lauf des Lebens erworben hat.
Ziemlich gute Indizien für diese neue Form der "Vererbung" gibt es zum Beispiel beim Thema "Ernährung in der Schwangerschaft" (oder Rauchen oder Alkohol). Denn wenn sämtliche Proteine der Zellen im Laufe der Zeit gegen Nachfolger ausgetauscht werden, wer merkt sich denn die Affinität für Fastfood, Nikotin und Alkohol? Es sind spezielle Settings der Gene, die für diese bedauernswerten Kinder von Beginn ihres Lebens auf den falschen Positionen stehen.

Kategorien: Evolution

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Kommentare hier ...

In einem Binärbaum ist die Suchdauer...
Köppnick - 13. Mai, 12:19
Ein wesentlicher Vorteil ist da noch gar...
steppenhund - 12. Mai, 21:17
Ergänzung
Gregor Keuschnig - 5. Mai, 21:58
Diagonalenproblem
Köppnick - 5. Mai, 14:12
Fehlen des besten Zuges
Köppnick - 5. Mai, 13:58
Wie man das Nash-Diagonalen-Problem löst
steppenhund - 5. Mai, 13:29