Das Leben der Anderen

Heute Abend habe ich „Das Leben der Anderen“ mit Ulrich Mühe in der Hauptrolle gesehen, der Film hat eine große Verunsicherung hinterlassen. Einige Szenen erinnern an andere Filme über die Stalin- und die Hitlerzeit. In diesen Filmen darüber nimmt man das Gezeigte als authentisch hin, als ob es tatsächlich so gewesen ist, wie dort gezeigt. In der DDR aber habe ich gelebt. War es wirklich so, wie im Film gezeigt? Mein Problem ist: Erinnerungen sind keine fotografischen Aufzeichnungen der Vergangenheit, sondern ein Abrufen von Was-weiß-ich mit dem Ziel, heute mit dem Leben klarzukommen. Die Juroren, die dem Film in den USA den Oscar für den besten ausländischen Film gegeben haben, waren in einer anderen Lage. Sie haben von außen auf den Film geschaut – eben genauso, wie sie Filme aus der Stalin- und Hitlerzeit beurteilt hätten oder haben.

Ulrich Mühe war lange mit Jenny Gröllmann zusammen. 2006 ist sie an Krebs gestorben. In ihren letzten Jahren gab es einen bösen Rechtsstreit mit Ulrich Mühe, weil dieser ihr IM-Tätigkeit vorgeworfen hat. Das alles kann man in einer kurzen Zusammenfassung auch in den Wikipedia-Artikeln über beide nachlesen. Wirklich geklärt ist diese Sache nicht. Auch das hatte ich beim Sehen des Films im Hinterkopf. Und dass viele Künstler in der Wendezeit eine andere DDR wollten. Auch das sind Wirklichkeitsebenen, die eine andere Sprache als dieser Film sprechen, es gab nicht nur den Spitzeltypus und den des Widerständlers, sondern eine ganze Menge mehr, eben die Grautöne zwischen schwarz und weiß.

Die Verunsicherung über die „richtige“ Sicht auf die Vergangenheit strahlt auch auf die Gegenwart aus. Woher nimmt man die Sicherheit zu glauben, heute wäre es besser? Wird man heute nicht manipuliert oder in seiner Freiheit behindert? Im Wesen des Ersteren liegt, dass man es nicht bemerken kann (oder zumindest nicht soll), und Behinderungen seiner Willensfreiheit empfindet man heute öfter, man kann auch jetzt nicht immer genau das machen oder bekommen, was man will.

Über den Film, den „West“-Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und über Ulrich Mühe gab es vor einigen Wochen einen längeren Artikel im Spiegel. Mein stärkster Eindruck dort: Menschen, die in der DDR sozialisiert worden sind, werden eine gewisse Verunsicherung ihr ganzes Leben nicht los. „Wessis“ sind viel eher davon überzeugt, das Richtige zu tun, die Wahrheit zu kennen, im Recht zu sein und in der besten aller Welten zu leben. Mir stellt sich da immer die Frage, ob das nicht die perfideste Form der (Selbst-)Manipulation ist, das Fehlen des Selbstzweifel.

Kategorien: Filme

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Kommentare hier ...

Die Grünen sind links.
Metepsilonema - 22. Juli, 22:34
Aufgrund der Komplexität des Themas...
Köppnick - 22. Juli, 07:50
Irgendetwas mit der url stimmte nicht. Wie...
Metepsilonema - 22. Juli, 01:07
Deine Links funktionieren nicht,
Köppnick - 21. Juli, 12:05
Hier findet man die beiden Artikel:
Metepsilonema - 21. Juli, 01:40
Ich würde es etwas anders ausdrücken:...
Metepsilonema - 18. Juli, 21:48
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Metepsilonema - 15. Juli, 21:54
Ich halte es durchaus für vertretbar,...
Köppnick - 14. Juli, 22:05
Beweiskraft gibt es generell keine, denn...
Metepsilonema - 14. Juli, 19:16