Kleine Beobachtung am Rande (des Waldes)
Ich wohne am Stadtrand. Buchstäblich an meiner Haustür beginnt der Aufstieg zum „Kickelhahn“, dem Hausberg meiner Stadt. Ich bin also nach dem Verlassen des Hauses sofort im Wald. Von drei Seiten wird dieser unser Hausberg von Straßen umschlossen, die meine Stadt mit den benachbarten Orten verbindet. Wenn man noch weiß, dass sich alle Wege, damit sie nicht zu steil sind, spiralförmig auf den Berg winden, dann wird einem auch verständlich, dass man, auf dem Berggipfel stehend, in alle Richtung Wegweiser findet, die unseren Stadtnamen tragen. Beim ersten Besuch kommt einem das sehr merkwürdig vor.
Kurz unterhalb des Gipfels gibt es eine kleine Hütte, in deren Wand Goethe sein „Über allen Gipfeln ist Ruh“ geschnitzt hat. Er war in seiner Zeit als Geheimer Rat sehr häufig hier zu Gast, weil er den Bergbau beleben wollte. Daher stammen auch die Namen einiger Wanderwege im Wald: Oberer, mittlerer, unterer Berggrabenweg. Ursprünglich waren das keine Wanderwege, sondern Wege zur Unterhaltung der künstlichen Wasserwege, die parallel dazu liefen. Das Wasser wurde zu den Bergwerken geleitet, trieb dort Mühlen an, die wiederum dazu benutzt wurden, das Wasser aus den Stollen zu pumpen.
Bereits zu Goethes Zeiten begann man den Wald intensiver zu bewirtschaften. Ursprünglich war der Thüringer Wald ein Mischwald. Da es höhere Erträge versprach, wurde der Mischwald nach und nach durch reinen Nadelwald ersetzt. Heute sind praktisch alle Flächen, die sich gut bewirtschaften lassen, reiner Nadelwald. Als vor einigen Wochen der Sturm hier durchgezogen ist, wurden einige Hänge komplett entwaldet. Es gab keinen einzigen Weg auf den Kickelhahn mehr, der begehbar war. Da sich dort oben eine Schankwirtschaft befindet, hat es allerdings nur ein paar Tage gedauert, bis es wieder eine befahrbare Schneise gab.
Aber das Gros des Holzbruchs liegt noch immer da oben. Der Winter war warm, sodass die Waldschädlinge kaum dezimiert worden sind – was diesen Sommer mit dem Holz passieren wird, dürfte klar sein. Nachbarorte haben skandinavische Holzfäller angefordert, die erste Idee, mit 1-Euro-Leuten in den Wald zu gehen, musste verworfen werden, in dem Baummikado ist es für Amateure einfach zu gefährlich. Jetzt überlegt man, mit welchen Hölzern man aufforstet. Dass es keine reinen Nadelbaumbepflanzungen mehr geben wird, ist allen klar. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Hölzer reif sind, wird das Klima bei uns so sein, dass es für sie zu warm sein wird. Andererseits kann man jetzt auch noch keine „tropischen“ Gehölze pflanzen, noch kann es nämlich sehr kalte Winter geben. Es gibt Szenarien, nach denen die Gipfel des Thüringer Waldes in der Mitte des Jahrhunderts komplett waldlos und erodiert sein werden – weil es keine Bäume gibt, die dieses wechselnde Klima ertragen können.
Zum Aufschreiben dieser kleinen „Beobachtung“ wurde ich dadurch inspiriert.
Kategorien: Natur, Alltag
Kurz unterhalb des Gipfels gibt es eine kleine Hütte, in deren Wand Goethe sein „Über allen Gipfeln ist Ruh“ geschnitzt hat. Er war in seiner Zeit als Geheimer Rat sehr häufig hier zu Gast, weil er den Bergbau beleben wollte. Daher stammen auch die Namen einiger Wanderwege im Wald: Oberer, mittlerer, unterer Berggrabenweg. Ursprünglich waren das keine Wanderwege, sondern Wege zur Unterhaltung der künstlichen Wasserwege, die parallel dazu liefen. Das Wasser wurde zu den Bergwerken geleitet, trieb dort Mühlen an, die wiederum dazu benutzt wurden, das Wasser aus den Stollen zu pumpen.
Bereits zu Goethes Zeiten begann man den Wald intensiver zu bewirtschaften. Ursprünglich war der Thüringer Wald ein Mischwald. Da es höhere Erträge versprach, wurde der Mischwald nach und nach durch reinen Nadelwald ersetzt. Heute sind praktisch alle Flächen, die sich gut bewirtschaften lassen, reiner Nadelwald. Als vor einigen Wochen der Sturm hier durchgezogen ist, wurden einige Hänge komplett entwaldet. Es gab keinen einzigen Weg auf den Kickelhahn mehr, der begehbar war. Da sich dort oben eine Schankwirtschaft befindet, hat es allerdings nur ein paar Tage gedauert, bis es wieder eine befahrbare Schneise gab.
Aber das Gros des Holzbruchs liegt noch immer da oben. Der Winter war warm, sodass die Waldschädlinge kaum dezimiert worden sind – was diesen Sommer mit dem Holz passieren wird, dürfte klar sein. Nachbarorte haben skandinavische Holzfäller angefordert, die erste Idee, mit 1-Euro-Leuten in den Wald zu gehen, musste verworfen werden, in dem Baummikado ist es für Amateure einfach zu gefährlich. Jetzt überlegt man, mit welchen Hölzern man aufforstet. Dass es keine reinen Nadelbaumbepflanzungen mehr geben wird, ist allen klar. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Hölzer reif sind, wird das Klima bei uns so sein, dass es für sie zu warm sein wird. Andererseits kann man jetzt auch noch keine „tropischen“ Gehölze pflanzen, noch kann es nämlich sehr kalte Winter geben. Es gibt Szenarien, nach denen die Gipfel des Thüringer Waldes in der Mitte des Jahrhunderts komplett waldlos und erodiert sein werden – weil es keine Bäume gibt, die dieses wechselnde Klima ertragen können.
Zum Aufschreiben dieser kleinen „Beobachtung“ wurde ich dadurch inspiriert.
Kategorien: Natur, Alltag
Montag, 09.April 2007




