Das gleiche Geschlecht
Dauerthema der Verhaltensforschung ist die Streitfrage nach dem Verhältnis von Genen und Umwelt. Den wohl dicksten Wälzer zu diesem Thema hat Steven Pinker mit „Das unbeschriebene Blatt“ verfasst. (Ich frage mich, wieviel Prozent der Leser es bis zur letzten Seite geschafft haben.) Seine Hauptthese ist, dass unser Verhalten viel weniger flexibel und durch Erziehung beeinflussbar ist, als man im Allgemeinen denkt. Brisant sind seine Thesen auch dadurch, dass die Lagerzuordnung – mehr Genanhänger, mehr Umweltanhänger – bis in die politische Grundhaltung durchschlägt. Traditionell sind Rechte eher den Genanhängern zuzuordnen (einmal Verbrecher, immer Verbrecher; manche sind eben fleißiger als andere; usw.), während Linke eher den Umweltaspekt betonen (bis im Extrem zur Einsperrung Umzuerziehender in Lager).
Eine Sonderform der Streitfrage findet man bei der Untersuchung des Verhältnisses von Männern und Frauen in der heutigen Gesellschaft. Man braucht sich nur das prozentuale Verhältnis von Männern und Frauen in bestimmten Berufsgruppen anzusehen und wird mit der Nase darauf gestoßen, dass sich heute die beiden Geschlechter zu unterschiedlichen Tätigkeiten und Dingen hingezogen fühlen und sich insgesamt unterschiedlich verhalten. Common sense ist aber, dass Männer und Frauen im statistischen Durchschnitt gleich intelligent sind.
Der Spiegel hat in seiner Ausgabe 6/2007 vom 5.2. einen Artikel „Das gleiche Geschlecht“ veröffentlicht, der die Ergebnisse von Verhaltenstests wiedergibt. Zielscheibe der Kritik ist Louann Brizendine, eine Neuropsychiaterin, die das Buch „Das weibliche Gehirn – warum Frauen anders sind als Männer“ geschrieben hat. Dem widersprechen die Ergebnisse anderer Wissenschaftler auf denen das Schwergewicht der Spiegelargumentation liegt.
Durchschnittlich unterschiedliche körperliche Voraussetzungen führen zu einer unterschiedlichen Arbeitsteilung der Individuen, der eine kann durch minimale körperliche Unterschiede etwas minimal besser als der andere. Durch die spezialisierte Tätigkeit steigen seine Fähigkeiten auf seinem Spezialgebiet weiter an, der ursprünglich kleine Unterschied vergrößert sich im Laufe der Zeit. Arbeitsteilung wurde bei unseren Vorfahren vererbt, überwiegend vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter. Arbeitsteilung ist zum Vorteile aller und ist einer der Gründe für den Erfolg unserer Spezies im Vergleich zu allen anderen Tierarten.
Man kann sogar ein kleines Zahlenbeispiel aufstellen: Angenommen, ein ursprünglich einprozentiger Unterschied wird in jeder Generation um ein Prozent verstärkt, dann hat man nach 100 Generationen oder 2000 Jahren bereits einen Unterschied von 170%. Der ursprüngliche Unterschied von einem Prozent zwischen zwei Individuen ist kaum messbar, der Zugewinn an Spezialisierung von einem Prozent innerhalb einer Generation ebenfalls kaum. 170% Unterschied sind überdeutlich.
Zum Problem wurde die im Laufe von Jahrtausenden gewachsene „natürliche“ Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen erst (oder spätestens?) im Kapitalismus. Der Kapitalist bezahlt nämlich diejenigen, traditionell in die männliche Domäne fallenden, Tätigkeiten besser als die typisch weiblichen. Da zudem alle Austauschverhältnisse im Kapitalismus über Geld geregelt werden, befand sich die Frau auf einmal in einer abhängigen und benachteiligten Position. Der Feminismus, beginnend mit dem Kampf um das Frauenwahlrecht Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, bis hin zu gleichen Bildungs- und Berufschancen heute hat sich eigentlich den falschen Gegner gesucht. Es sind nicht die „Männerschweine“ als solche, sondern es sind die ökonomischen Verhältnisse, unter denen sowohl Männer als auch Frauen leben müssen.
Das an dem ist, zeigt ein einfaches Gedankenexperiment: Die Gesellschaft bezahle einfach typische Frauenberufe genauso gut wie typische Männerberufe, also gleiches Gehalt für Lehrerinnen, Altenpflegerinnen und Hausfrauen wie z. B. für Ingenieure, Bauarbeiter und Werktätige in der Automobilindustrie. Da das mit dem Gehalt für Hausfrauen sicher schwierig werden würde, ist die praktikabelste Lösung das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Das senkt sofort die Attraktivität gut bezahlter „männlicher“, aber abhängiger Tätigkeiten in der Industrie und steigert die Bereitschaft zu alternativen, eher „weiblichen“, alternativen Lebensentwürfen.
Kategorien: Evolution, Frauen
Eine Sonderform der Streitfrage findet man bei der Untersuchung des Verhältnisses von Männern und Frauen in der heutigen Gesellschaft. Man braucht sich nur das prozentuale Verhältnis von Männern und Frauen in bestimmten Berufsgruppen anzusehen und wird mit der Nase darauf gestoßen, dass sich heute die beiden Geschlechter zu unterschiedlichen Tätigkeiten und Dingen hingezogen fühlen und sich insgesamt unterschiedlich verhalten. Common sense ist aber, dass Männer und Frauen im statistischen Durchschnitt gleich intelligent sind.
Der Spiegel hat in seiner Ausgabe 6/2007 vom 5.2. einen Artikel „Das gleiche Geschlecht“ veröffentlicht, der die Ergebnisse von Verhaltenstests wiedergibt. Zielscheibe der Kritik ist Louann Brizendine, eine Neuropsychiaterin, die das Buch „Das weibliche Gehirn – warum Frauen anders sind als Männer“ geschrieben hat. Dem widersprechen die Ergebnisse anderer Wissenschaftler auf denen das Schwergewicht der Spiegelargumentation liegt.
Was nach Klärung verlangt, ist nichts anderes als die alte, große Frage Simone de Beauvoirs: „Was ist eine Frau?“ Ist sie ein biologisch geformtes, von tiefverwurzelten Verhaltensprogrammen getriebenes Geschöpf? Oder ist das Geschlecht überhaupt ein Konstrukt, das Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungen? Was genau unterscheidet die Frau im Kern vom Manne?Ok, die Quintessenz dieser Ergebnisse wäre, alle in der heutigen Gesellschaft zu findenden Unterschiede sind kulturell bedingt, Jungs werden durch die Gesellschaft zu Männern, Mädchen zu Frauen erzogen. Da stellt sich dann allerdings die noch unbeantwortete Frage nach den Ursachen dieses Prozesses. Ist es ein Zufall, dass IngenieurInnen überwiegend Männer, LehrerInnen überwiegend weiblich sind und es mehr Hausfrauen als Hausmänner gibt, hätte es in der Geschichte auch andersherum kommen können? Meiner Meinung nach ist das ein Trugschluss. Man benötigt nur ein paar Sekunden, um auch bei identischer Kleidung und Haarschnitt Männer und Frauen voneinander zu unterscheiden, im Durchschnitt sehen sie unterschiedlich aus. Es gibt also biologische Unterschiede (von der unterschiedlichen Funktion von Mann und Frau bei der Reproduktion mal ganz abgesehen).
„Lange nicht so viel, wie alle immer denken“, sagt Lutz Jäncke – und das klingt ziemlich lapidar angesichts der Tragweite dieses kleinen Halbsatzes. Denn der Neuropsychologe von der Universität Zürich hat, gemeinsam mit vielen Fachkollegen, eine – von Brizendine wie dem Laienpublikum weitgehend unbemerkte – Revolution losgetreten. Die Forscher legen unter der dicken Makulatur der Stereotype ein neues Bild frei von Mann und Frau.
Ihre Erkenntnis, inzwischen wissenschaftlich wohl belegt: Mann und Frau unterscheiden sich kaum. Dort, wo sich Andersartigkeit messen lässt, spielt sie entweder keine Rolle für den Lebensalltag oder ist unbedeutend klein.
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Nicht politische Korrektheit oder feministischer Eifer treibt die neuen Gleichmacher unter den Forschern – das macht sie glaubwürdig. Denn all jene Biologen, Neuropsychologen, Anatomen, die jetzt die Gleichheit der Geschlechter ausrufen, begannen einst als hauptamtliche Fahnder nach der biologischen Differenz von Mann und Frau. Aber sie konnten den großen Unterschied nicht finden.
Durchschnittlich unterschiedliche körperliche Voraussetzungen führen zu einer unterschiedlichen Arbeitsteilung der Individuen, der eine kann durch minimale körperliche Unterschiede etwas minimal besser als der andere. Durch die spezialisierte Tätigkeit steigen seine Fähigkeiten auf seinem Spezialgebiet weiter an, der ursprünglich kleine Unterschied vergrößert sich im Laufe der Zeit. Arbeitsteilung wurde bei unseren Vorfahren vererbt, überwiegend vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter. Arbeitsteilung ist zum Vorteile aller und ist einer der Gründe für den Erfolg unserer Spezies im Vergleich zu allen anderen Tierarten.
Man kann sogar ein kleines Zahlenbeispiel aufstellen: Angenommen, ein ursprünglich einprozentiger Unterschied wird in jeder Generation um ein Prozent verstärkt, dann hat man nach 100 Generationen oder 2000 Jahren bereits einen Unterschied von 170%. Der ursprüngliche Unterschied von einem Prozent zwischen zwei Individuen ist kaum messbar, der Zugewinn an Spezialisierung von einem Prozent innerhalb einer Generation ebenfalls kaum. 170% Unterschied sind überdeutlich.
Zum Problem wurde die im Laufe von Jahrtausenden gewachsene „natürliche“ Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen erst (oder spätestens?) im Kapitalismus. Der Kapitalist bezahlt nämlich diejenigen, traditionell in die männliche Domäne fallenden, Tätigkeiten besser als die typisch weiblichen. Da zudem alle Austauschverhältnisse im Kapitalismus über Geld geregelt werden, befand sich die Frau auf einmal in einer abhängigen und benachteiligten Position. Der Feminismus, beginnend mit dem Kampf um das Frauenwahlrecht Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, bis hin zu gleichen Bildungs- und Berufschancen heute hat sich eigentlich den falschen Gegner gesucht. Es sind nicht die „Männerschweine“ als solche, sondern es sind die ökonomischen Verhältnisse, unter denen sowohl Männer als auch Frauen leben müssen.
Das an dem ist, zeigt ein einfaches Gedankenexperiment: Die Gesellschaft bezahle einfach typische Frauenberufe genauso gut wie typische Männerberufe, also gleiches Gehalt für Lehrerinnen, Altenpflegerinnen und Hausfrauen wie z. B. für Ingenieure, Bauarbeiter und Werktätige in der Automobilindustrie. Da das mit dem Gehalt für Hausfrauen sicher schwierig werden würde, ist die praktikabelste Lösung das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Das senkt sofort die Attraktivität gut bezahlter „männlicher“, aber abhängiger Tätigkeiten in der Industrie und steigert die Bereitschaft zu alternativen, eher „weiblichen“, alternativen Lebensentwürfen.
Kategorien: Evolution, Frauen
Donnerstag, 01.März 2007




