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Haiku
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So what?
Das einzige, was ich erkenne ist, dass es interkulturell gleichartige Handlungspräferenzen gibt. Was das mit Moral zu tun hat, müsste man erst noch analysieren. Aber selbst wenn es ein Moralinstinkt ist: So what? Solange wir nicht kurzschlüssigerweise glauben, dass alles, was instinktvermittelt ist, gut, unvermeidbar oder natürlich, wesenhaft, human o.ä. ist, solange hilft uns das doch nicht. Oder habe ich etwas Wichtiges übersehen?
Erstens ist die Grundlage für moralisches Handeln nicht erst mit der Kultur über uns gekommen, sondern ist offenbar ein evolutionäres Erbe, dass wir nur "verfeinert" haben. Da es, wie du schreibst, interkulturell ist, gibt es die Möglichkeit der Verständigung über kulturelle Grenzen hinweg. Also eine Gegenthese zum Clash of cultures.
Zweitens wird im Artikel betont, dass uns unser biologisches Erbe auch in die Irre führen kann. Im Artikel wurde explizit die Sterbehilfe angesprochen, das habe ich oben nicht zitiert. Mit unserem heutigen Wissen über die Grenzen menschlichen Lebens müssen wir hier neu nachdenken. Die Tiere, von denen wir unseren Moralinstinkt geerbt haben, wissen nichts über den Tod und sind auch nur eingeschränkt empathiefähig.
Nun ja:
Das sehe ich so nicht. Man kann schlussfolgern, dass es gleiche Entscheidungspräferenzen für Handlungen gibt. Dass diese etwas mit "Moral" zu tun haben, müsste zunächst aufgewiesen werden. Totschlagargument: Von 100 Menschen, die die Hand auf eine heiße Herdplatte legen, ziehen 100 sie innerhalb einer Sekunde zurück. Daraus kann man nicht schließen, dass eine moralische Bewertung "Heiße Herdplatte ist ethisch inakzeptabel" instinktmäßig angeboren sei. Es ist ÜBERHAUPT kein Instinkt, sondern neuronal verschaltet (OK, ist eine Definitionssache, ob ein Instinkt auch so tief herunter geht, möglichst bis zum Reflexbogen. Halte ich aber für wenig zielführend).
Selbst wenn man aber nachweist, dass dieser interkulturell gleiche Handlungspräferenz etwas mit Moral zu tun hat, hat man immer noch nicht belegt, dass sie Nur instinktmäßig ist. Gegenbeispiel Lorenz: 100% aller Graugansküken folgen ihrer Mutter. Das heißt nicht, dass sie instinktmäßig immer der Mutter folgen, sondern eben dem Lebewesen, das sie zuerst sehen.
Kurz: Das "schlussfolgern" ist in meinen Augen doppelt kurzschlüssig.