Jürgen Fliege: Der falsche Prophet
Die Überschrift ist etwas irreführend, denn nicht Jürgen Fliege ist „Der falsche Prophet“, sondern das ist der Titel eines seiner Bücher, mit dem sinnklärenden Untertitel „Wie US-Präsident George W. Bush den Glauben vergiftet“. Er hat das Buch 2003 herausgebracht und sich darin mit dem christlichen Bekenntnis von Bush auseinandergesetzt. Fliege ist studierter Theologe und arbeitet oder hat als evangelischer Pfarrer gearbeitet.
Das Buch ist als eine Art offener Brief geschrieben, wobei klar ist, dass der Adressat nicht Bush selbst ist, sondern die Leser. Viele Atheisten, Agnostiker und Angehörige anderer Religionen dürften sich mit den meisten Christen auf der Welt darin einig sein, dass Bush mit seinem selbst ausgerufenen Kreuzzug gegen das Böse das Christentum beschädigt hat. Flieges Buch ist eine emotionale Anklage von einem theologischen Standpunkt aus:
Ebenfalls bemerkenswert seine Beobachtungen zu trockenen Alkoholikern, wie Bush ja auch einer ist. Man kann nur trocken bleiben, wenn man radikal zu sich selbst ist, kein einziger Schluck ist mehr erlaubt.
Ebenfalls für mich eine neue Idee, obgleich eigentlich naheliegend, dass auch Gott eine Entwicklung in den Bibeltexten durchmacht. (Naheliegend für mich deshalb, weil man als Agnostiker die Bibeltexte als Menschenwerk betrachtet.) Am Beispiel der Noahgeschichte, zum Ende der Sintflut heißt es dort:
Am Ende des Buches eine Reihe von Zitaten anderer Christen, das letzte stammt von Eugen Drewermann:
Das Buch ist als eine Art offener Brief geschrieben, wobei klar ist, dass der Adressat nicht Bush selbst ist, sondern die Leser. Viele Atheisten, Agnostiker und Angehörige anderer Religionen dürften sich mit den meisten Christen auf der Welt darin einig sein, dass Bush mit seinem selbst ausgerufenen Kreuzzug gegen das Böse das Christentum beschädigt hat. Flieges Buch ist eine emotionale Anklage von einem theologischen Standpunkt aus:
Säßen wir gemeinsam im Gottesdienst, würden Sie mit uns sogar in Luthers Choral einstimmen: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten!“ Das würden Sie glatt mitsingen. Ohne den geringsten Skrupel. Das tun Mitglieder der „christlichen“ Parteien bei uns, die Sie bis aufs amerikanische und britische Blut unterstützen, ja auch. Aber wenn Sie das singen und gleichzeitig bomben, dann müssen Sie doch, wenn Sie bei Sinnen sind, glauben, dass Gott durch Eure Bomben den Frieden bringen wird. Ja, seid Ihr denn bei Sinnen? Soll das denn Gottes Geist sein, der da gegenwärtig ist?Für mich wurde das Buch beim Lesen dadurch interessant, weil es einige bemerkenswerte Beobachtungen enthält und weil es einigen mir flüchtig bekannten Bibelstellen einen neuen Sinn verleiht. Fliege klassifiziert Bush als typischen Sektierer, wie sie einem im religiösen Umfeld häufiger begegnen. Diese sind weniger dadurch charakterisiert, dass sie immer Minderheiten darstellen, denn auch Minderheiten könnten ja recht haben. Aber sie sie sind selbst davon überzeugt, recht zu haben, und der Hauptantrieb ist ihre meist uneingestandene Angst, innere Unruhe und Unzufriedenheit, und ihre Drohung mit dem Ende der Welt, wenn nicht dies oder das getan würde.
Ebenfalls bemerkenswert seine Beobachtungen zu trockenen Alkoholikern, wie Bush ja auch einer ist. Man kann nur trocken bleiben, wenn man radikal zu sich selbst ist, kein einziger Schluck ist mehr erlaubt.
Was bedeutet das eigentlich, wenn das seelische, geistige und auch körperliche Korsett eines Menschen nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn es den vielfachen Versuchungen nur dann widerstehen kann, wenn das Innere, der Kern des Menschen nur in einem radikalen Programm Rettung findet? Kann man das trennen von anderen geistigen, seelischen Programmen? ... Wer radikal mit sich selbst ist, unterstellt doch, dass Radikalität segensreich ist. Der neigt auch auf anderen Gebieten zu radikalen Entscheidungen und Programmen.Mir fiel an dieser Stelle die Haltung einer anderen Sorte von Sektierern, den Islamisten, ein. Auch hier: Kein Tropfen Alkohol. Vorauseilender Gehorsam bei bereits von einer anderen Droge befallenen Sektierern, die aus historischer Erfahrung wissen, dass sie nicht zu einem gemäßigten Umgang mit Alkohol fähig sind?
...
Und dann kommt die Beobachtung aus vielen Jahren Erfahrung mit alkoholkranken Menschen hinzu. ... Könnte es sein, dass Sie die Droge Alkohol gegen die Droge Glaube getauscht haben? Dass Sie ebenso abhängig wie vom Whisky jetzt vom Glauben sind, so wie Sie ihn sich vorstellen?
Ebenfalls für mich eine neue Idee, obgleich eigentlich naheliegend, dass auch Gott eine Entwicklung in den Bibeltexten durchmacht. (Naheliegend für mich deshalb, weil man als Agnostiker die Bibeltexte als Menschenwerk betrachtet.) Am Beispiel der Noahgeschichte, zum Ende der Sintflut heißt es dort:
Und der Herr ... sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.Flieges Interpretation: Gott hat die Sintflut verursacht, um das Böse auszutilgen. Nach der Sintflut stellt er fest, dass es in den Menschen weiter existiert, die er trotzdem liebt. Er verzichtet fortan auf eine Wiederholung der Sintflut und garantiert bis zum Ende der Erde „Saat ... Nacht“. Eine bemerkenswerte Sicht auf Gottes All-Macht: Diese reicht aus, um die Fortexistenz der Erde und Menschen zu garantieren, aber nicht dazu, die Zukunft vollständig vorherzusehen oder gar zu bestimmen. Bemerkenswert für mich vor allem deshalb, weil damit aus christlich-theologischer Sicht die Menschen tatsächlich für ihr Handeln verantwortlich sind, es selbst beeinflussen können und sich weder im Guten noch im Bösen auf Gott zurückziehen dürfen.
Am Ende des Buches eine Reihe von Zitaten anderer Christen, das letzte stammt von Eugen Drewermann:
Wer aus dem Neuen Testament die Pflicht zum Präventivkrieg herausliest, wer aus der Bergpredigt die Legitimation nimmt, Hunderttausende Menschen mutwillig zu töten, hat entweder das Christentum nicht verstanden oder entfernt sich mit Siebenmeilenstiefeln davon. Man kann nicht über Leichen gehen, wenn man den Weg Christi gehen will.Kategorien: Bücher
Sonntag, 31.Dezember 2006





Es geht mir nämlich nicht um die Diskussion um die Todesstrafe sondern um die militärische Frage, wie ich mich gegen einen Aggressor verteidigen kann. In manchen Fällen ist hier eine Unschädlichkeit nur durch Exitus zu gewährleisten. Wie der letzte Satz zu verstehen ist, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern...