Wollen wir wirklich allein bleiben?

Ein Artikel in der Telepolis, Panik im Angesicht des maximal Fremden hat in mir die Erinnerung an zwei Bücher wachgerufen, die ich in diesem Herbst gelesen habe:
Doch zunächst zum Telepolis-Artikel von Michael Schetsche. Darin spekuliert er über drei mögliche Szenarien des Zusammentreffens von Menschen und Außerirdischen:
  1. Das Fernkontakt-Szenario, bei dem Radioteleskope oder andere technische Einrichtungen Signale aus den Weiten des Weltalls auffangen, die künstlichen Ursprungs sind.
  2. Das Artefakt-Szenario, bei dem auf der Erde (oder im Rahmen zukünftiger Weltraummissionen irgendwo im Weltraum) materielle Hinterlassenschaften Außerirdischer entdeckt werden.
  3. Das Direktkontakt-Szenario, bei dem ein nichtirdisches Objekt, das offensichtlich von einer Intelligenz oder wenigstens einem klug geschriebenen Programm gesteuert wird, im erdnahen Weltraum auftaucht, in den Erdorbit eintritt oder gar auf der Erde landet.
Schetsche beklagt:

Die beiden letztgenannten Szenarien werden heute von der SETI-Forschung , die sich der Suche nach intelligentem Leben außerhalb der Erde verschrieben hat, weitgehend ignoriert. Dabei leuchtet deren zentrales Argument - die großen Entfernungen zwischen Planetensystemen und die aus ihnen resultierenden extrem langen Reisezeiten - jedoch nur ein, wenn man eine Reihe anthropozentrischer Vorannahmen macht: menschenähnliche Reisetechnologie und Zeitlichkeit der Reisenden, subjektorientierte Reiseplanung oder auch die 'biologische Qualität' potentieller Besucher.

Deshalb widmet er sich dem dritten Szenario. Welche Auswirkungen hätte es auf die Menschheit, wenn Außerirdische in Erdnähe gesichtet oder auf der Erde landen würden? Er prophezeit katastrophale Auswirkungen und verweist auf historische Beispiele, bei denen jeweils die Einheimischen furchtbar unter den Besuchern leiden mussten, so wie es im Zeitalter der Entdecker (z.B. Cortez oder Kolumbus) der Fall war:

Wenn wir diese Erfahrungen als historische Parallelen betrachten und den Mensch-Alien-Kontakt in Analogie zu asymmetrischen Begegenungen zwischen den Kulturen auf der Erde konturieren, hieße dies wohl: … dass es zu einem diesmal globalen massenpsychologischen Schock kommt, der eine Vielzahl sozialer, religiöser und politischer Institutionen überall auf der Erde zusammenbrechen lässt, …

Ich halte das in diesem Fall für wenig wahrscheinlich, weil wir im Gegensatz zu den damaligen Kulturen die Möglichkeit bereits gedanklich sehr häufig durchgespielt haben. Aber das Hauptargument gegen solche „Panikmache” ist die Unwahrscheinlichkeit des Eintretens dieses Ereignisses, genau mit solchen Betrachtungen beschäftigen sich die bereits erwähnten beiden Bücher.

Beide Bücher sind sich, obwohl durch 20 Jahre im Erscheinungsdatum getrennt, im Ansatz ähnlich. Sie zeichnen die Entstehung des Universums, unseres Sonnensystems, der Erde und des Lebens darauf nach. Beide Autoren zeigen die Kette außerordentlicher Zufälle, die letztlich bis zum heutigen Tag notwendig waren, damit es uns geben konnte. Und natürlich wird auch von beiden Bezug auf die Drake-Gleichung genommen, mit der die Anzahl der Zivilisationen in der Galaxis abgeschätzt werden soll.

Der Unterschied zwischen beiden Büchern besteht in dem außerordentlichen Pessimismus Erbens und dem gedämpften Optimismus Röhrlichs, was außerirdisches Leben betrifft. Heinrich Erben ist in seiner Haltung so konsequent, dass er sogar das Wortpärchen „irdisches Leben” als tautologisch bezeichnet, weil wir ja kein anderes Leben kennen. Dagmar Röhrlich geht in ihrem Buch wenigstens auf alternative Möglichkeiten von „Leben” ein.

Letztendlich sollte jedem aber bewusst sein, dass die Drake-Gleichung nicht viel besser als Kafeesatzlesen ist, solange wir so wenig über die Größe der darin vorkommenden Faktoren wissen. Aber der letzte Absatz von Erben reizt mich doch außerordentlich zum Widerspruch:

Schließen wir also ab: Ich halte es für wahrscheinlich, dass es im Universum an geeigneten Stellen zur Bildung von präbiotischen Systemen gekommen ist. Und ich halte es nicht für gänzlich ausgeschlossen (wenn auch sehr unwahrscheinlich), dass diese auf dem einen oder anderen Himmelskörper sogar zu Gebilden evoluierten, die einer Biozelle analog oder wenigstens ähnlich sein mögen. Doch die Chancen dafür, dass an irgendeiner Stelle des Universums die Entwicklung weiter bis zum Entstehen intelligenzbegabter Wesen und einer technischen Zivilisation fortschreiten konnte, diese Chancen müssen nach allem, was in der hier vorgelegten Betrachtung dargelegt wurde, also so gering eingeschätzt werden, dass ihre statistische Wahrscheinlichkeit mit Null so gut wie zusammenfällt. Wir sind wohl doch allein im Kosmos.

Wenn das so wäre, dann würde ausgerechnet die moderne Naturwissenschaft 400 Jahre nach Galilei die Erde wieder ins Zentrum des Universums rücken und uns zum auserwählten Volk darin erklären. Wollen wir das tatsächlich glauben oder nicht doch lieber weiter nach unseren Brüdern und Schwestern da draußen suchen?  

Kategorien: Physik

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41