Die Feier
Ich kam zu spät. Mein Chefredakteur hatte mir den Auftrag gegeben, von der heutigen Festveranstaltung zu berichten. Nur in der letzten Reihe war noch ein Platz frei. Es war mir außerordentlich peinlich, „Entschuldigung, Entschuldigung“ murmelnd, schob ich mich an den anderen Zuhörern vorbei, die meinetwegen alle nochmals aufstehen mussten. Endlich kam ich neben einem uralten Mann zu sitzen, der mich eindringlich musterte.
Der Bürgermeister hatte sich bereits warm geredet. „... die vor über hundert Jahren hierher kamen und die erste Siedlung auf dem Stück Land gegründet haben, wo unsere heutige Feier stattfindet. Ihrem Heldenmut ist es zu verdanken ...“ Den alten Mann neben mir schien der Vortrag zu belustigen, er kicherte von Zeit zu Zeit. Als ich ihn fragend ansah, flüsterte er: „Jungchen, soll ich dir mal erzählen, wie es damals wirklich war?“ Ich hatte schon öfter mit solchen alten Schrullerköpfen zu tun gehabt und wusste, dass man ihnen besser nicht widersprach. Ich nickte. Die notwendigen Informationen für meinen Bericht würde ich mir eben später aus der Pressemappe des Landratsamtes zusammenstückeln müssen.
„Vor hundert Jahren war ich noch ein kleiner Junge. Meine Mutter war Pilotin, sie lebte in Scheidung. Mein Vater war bereits bei uns ausgezogen. Weil Schulferien waren und meine Mutter nicht wusste, wo sie mich lassen sollte, hatte sie mich in die Firma mitgenommen. Es fand die letzte Besprechung vor dem Start statt. Offiziell sollte es nur ein Routineflug zur Station sein, um den beiden dort seit über einem Jahr lebenden Russen Lebensmittel, frische Bettwäsche und eine neue Zeitung zu bringen. Intern aber war natürlich jedem bekannt, dass die Russen gemeutert hatten, weil ihr Wodkavorrat zur Neige ging. Sie hatten gedroht, einfach die Luke zu öffnen und den Müll herauszuwerfen, wo er frei schwebend zu einer Gefahr für den internationalen Fernverkehr werden würde. Zähneknirschend hatte die Firma einen außerplanmäßigen Versorgungsflug versprochen.
Während des Vortrags hörte keiner so richtig hin, solche Flüge waren für alle Beteiligten reine Routine. Einer kritzelte Strichmännchen auf seinen Block, ein anderer gähnte verstohlen und sah zum Fenster hinaus. Ein Dritter kratzte sich ungeniert an einer Stelle, wo ich von meiner Mutter eins auf die Finger gekriegt und zum Händewaschen geschickt worden wäre. Eine Frau lackierte sich unter dem Tisch ihre Fingernägel. Ich wusste, dass meine Mutter übermorgen einen Termin beim Anwalt hatte, auf einem Zettel hatte sie sich die Worte Haus, Auto und Konto unterstrichen, jetzt schrieb sie noch 'das Schwein' darunter und setzte ein Ausrufezeichen.
Nach der Sitzung ging die Besatzung zum Schiff, ich sollte bis zur Rückkehr hier in der Firma auf meine Mutter warten. Aus irgendeinem Grund klappte der erste Start nicht. Die Fähre erhob sich ächzend ein paar Meter über die Plattform, dann krachte sie wieder herunter. Ein paar Kacheln platzten ab. 'Scheiße', sagte einer der Monteure, der den Start neben mir beobachtet hatte. Die Tür öffnete sich und eines der Besatzungsmitglieder kam heraus geklettert. 'Ich geh mal in den Baumarkt und hol ein paar Fliesen. Wir haben genug Zeit verloren, das können wir auch im Orbit reparieren.' 'Vergiss das Pattex nicht!', rief ihm der Kommandant hinterher. Einer der Männer hatte seinen Anzug abgelegt, offenbar war ihm übel geworden, er rannte zur Toilette. Mittlerweile waren auch die Anderen ausgestiegen, sie standen zusammen in der Raucherecke.
Ich war inzwischen aus dem Gebäude zur Plattform gelaufen, neugierig sah ich die Leiter hinauf. Ob ich mal? Ich war neugierig, ich hatte das Schiff noch nie von innen gesehen. Es war toll. In der Kanzel standen die Stühle im Halbkreis. Über einer Lehne hing der Anzug desjenigen, der es so eilig gehabt hatte. Als draußen Stimmen zu hören waren, erschrak ich. Meine Mutter hatte mir doch streng verboten, hier hinein zu klettern. Rasch öffnete ich ein paar Klappen, in einem Fach war noch etwas Platz, ich zwängte mich hinein. Durch einen Spalt konnte ich sehen, was draußen vor sich ging.
Es wurde eine große Kiste Fliesen hinein gehievt, dazu ein Eimer Fliesenkleber. 'Pattex war nich mehr', sagte der Mann, der im Baumarkt gewesen war. Aber dafür hatte er noch eine große Rolle Folie unter dem Arm, die er zwischen der Kiste und dem Eimer einklemmte. 'Ich will nach der Landung gleich in den Garten, du weißt schon, meine Frau und ihr Gemüse und so.' Der Kommandant guckte zwar etwas grimmig, nickte aber schließlich. 'Wodka, Zwiebeln, Mischgemüse, frische Bettwäsche, die Zeitung, Fliesen und Kleber, da kommt es auf die Folie auch nicht mehr an', murmelte er. 'Alle da?', fragte er und schaute in die Runde. Der Mann, der sich aufs Klo verdrückt hatte, fehlte zwar noch, aber das merkte der Kommandant nicht, weil auf dem Platz desjenigen ja sein Anzug lag. Die Tür wurde geschlossen, der Kommandant sagte ins Mikro 'Houston, wir machen los' und schob den Regler nach vorn.
Während des Starts wurde das Schiff ordentlich durchgerüttelt, der leere Anzug fiel herunter, aber zum Umkehren war es jetzt zu spät. Durch die Vibrationen sprang irgendwann die Klappe meines Verstecks auf. Ich hatte zwar versucht, sie von innen festzuhalten, aber es war mir nicht gelungen. Meine Mutter sperrte ihren Mund auf und konnte zunächst gar nichts sagen. Auch die anderen starrten mich an. 'Heinz, ich konnte wirklich nicht ahnen...' setzte meine Mutter an, aber der Kommandant unterbrach sie mit einer Handbewegung. 'Das können wir jetzt eh nicht mehr ändern, aber das wird ein Nachspiel haben, das garantiere ich dir!' Meine Mutter nickte beklommen. 'Der Zwerg soll den Anzug anziehen, man weiß ja nie, was noch so alles passieren wird.'
Im Orbit war sein Ärger bereits wieder verraucht. Ich saß auf dem Schoß meiner Mutter, der Pilotin, und sah zum Fenster hinaus. Mit der Zeit wurde mir langweilig. 'Kann ich mal an den Bordcomputer, mein Freund hat mir ein ganz neues Spiel mitgebracht?', fragte ich meine Mutter. Die sah den Kommandanten an: 'Heinz?' 'Meinetwegen', knurrte der, 'kann ja nichts passieren. Windows ist ein sehr stabiles Betriebssystem.' Ich schob die Diskette in den Schlitz und startete das Spiel. Das Unwahrscheinliche passierte, der Rechner stürzte ab. Mitten im Reset zündete wahrscheinlich irgendein verzweifelt um sein Leben kämpfendes Treiberprogramm die Steuerdüsen, wir drifteten ins All. Erst nach einer Weile gelang es der Besatzung, den Rechner neu zu booten, aber unser Treibstoff war inzwischen restlos verbrannt. Wir trieben Richtung Mond.
Ich weiß nicht mehr, wie wir überhaupt heil herunter kommen konnten, jedenfalls haben damals alle den Absturz überlebt. Das Schiff war nur noch ein Haufen Schrott. Genauso waren sehr viele Flaschen des guten russischen Wodkas und des Mischgemüses zu Bruch gegangen. Houston hatte unseren Flug von der Erde aus beobachtet. Sie waren erst beruhigt, als der Kapitän ihnen versichern konnte, dass wir für die nächsten Tage gut versorgt waren. Niemand von uns ahnte zu diesem Zeitpunkt, wie lange wir ohne Hilfe würden ausharren müssen. Jedenfalls erwies es sich als absoluter Glücksfall, dass wir über die Gartenfolie und die Zwiebeln verfügten. Daraus konnten wir im Verlauf der nächsten Wochen eine stabile und für Pflanzen sehr geeignete Atmosphäre erzeugen. Der Kapitän las derweil die Zeitung wieder und wieder, meiner Mutter war die frische Bettwäsche für mich am Wichtigsten. Später gelang es unserer Bordbiologin, aus dem Mischgemüse Samen von Möhren und Erbsen zu gewinnen, die zusammen mit den Zwiebeln in den ersten Jahren unsere Hauptnahrungsquelle bildeten.
Auf der Erde hatten sie derweil ganz andere Sorgen. Die Russen hatten ihre Drohung wahr gemacht. Der gesamte nähere Weltraum war durch ihre überall herum fliegenden Müllsäcke unpassierbar geworden. Im Suff hatten sie völlig vergessen, dass sie sich dabei selbst von jeglicher Versorgung abgeschnitten hatten. Wir saßen derweil unter unserer Gartenfolie, aßen selbst gezogene Möhren und Erbsen, labten uns an dem restlichen Wodka und sahen den Irren auf der Erde beim Einsammeln der Müllsäcke im Orbit zu. Erst viele Jahre später kam das erste Schiff von der Erde zu Besuch.“
Der alte Mann schwieg und auch der Bürgermeister schien am Ende seiner Rede angekommen zu sein. „Und so bitte ich den einzigen noch Lebenden der ersten Siedler auf die Bühne, unseren allseits verehrten Horst Köppnick!“ Alle applaudierten. „Lassen Sie mich mal durch, junger Mann“, sagte der Alte und drängt nach vorn. Ich saß jetzt allein da und wusste überhaupt nicht mehr, was für eine Geschichte ich am nächsten Tag in unserer Zeitung schreiben sollte.
Kategorien: Köppnicks Welt
Der Bürgermeister hatte sich bereits warm geredet. „... die vor über hundert Jahren hierher kamen und die erste Siedlung auf dem Stück Land gegründet haben, wo unsere heutige Feier stattfindet. Ihrem Heldenmut ist es zu verdanken ...“ Den alten Mann neben mir schien der Vortrag zu belustigen, er kicherte von Zeit zu Zeit. Als ich ihn fragend ansah, flüsterte er: „Jungchen, soll ich dir mal erzählen, wie es damals wirklich war?“ Ich hatte schon öfter mit solchen alten Schrullerköpfen zu tun gehabt und wusste, dass man ihnen besser nicht widersprach. Ich nickte. Die notwendigen Informationen für meinen Bericht würde ich mir eben später aus der Pressemappe des Landratsamtes zusammenstückeln müssen.
„Vor hundert Jahren war ich noch ein kleiner Junge. Meine Mutter war Pilotin, sie lebte in Scheidung. Mein Vater war bereits bei uns ausgezogen. Weil Schulferien waren und meine Mutter nicht wusste, wo sie mich lassen sollte, hatte sie mich in die Firma mitgenommen. Es fand die letzte Besprechung vor dem Start statt. Offiziell sollte es nur ein Routineflug zur Station sein, um den beiden dort seit über einem Jahr lebenden Russen Lebensmittel, frische Bettwäsche und eine neue Zeitung zu bringen. Intern aber war natürlich jedem bekannt, dass die Russen gemeutert hatten, weil ihr Wodkavorrat zur Neige ging. Sie hatten gedroht, einfach die Luke zu öffnen und den Müll herauszuwerfen, wo er frei schwebend zu einer Gefahr für den internationalen Fernverkehr werden würde. Zähneknirschend hatte die Firma einen außerplanmäßigen Versorgungsflug versprochen.
Während des Vortrags hörte keiner so richtig hin, solche Flüge waren für alle Beteiligten reine Routine. Einer kritzelte Strichmännchen auf seinen Block, ein anderer gähnte verstohlen und sah zum Fenster hinaus. Ein Dritter kratzte sich ungeniert an einer Stelle, wo ich von meiner Mutter eins auf die Finger gekriegt und zum Händewaschen geschickt worden wäre. Eine Frau lackierte sich unter dem Tisch ihre Fingernägel. Ich wusste, dass meine Mutter übermorgen einen Termin beim Anwalt hatte, auf einem Zettel hatte sie sich die Worte Haus, Auto und Konto unterstrichen, jetzt schrieb sie noch 'das Schwein' darunter und setzte ein Ausrufezeichen.
Nach der Sitzung ging die Besatzung zum Schiff, ich sollte bis zur Rückkehr hier in der Firma auf meine Mutter warten. Aus irgendeinem Grund klappte der erste Start nicht. Die Fähre erhob sich ächzend ein paar Meter über die Plattform, dann krachte sie wieder herunter. Ein paar Kacheln platzten ab. 'Scheiße', sagte einer der Monteure, der den Start neben mir beobachtet hatte. Die Tür öffnete sich und eines der Besatzungsmitglieder kam heraus geklettert. 'Ich geh mal in den Baumarkt und hol ein paar Fliesen. Wir haben genug Zeit verloren, das können wir auch im Orbit reparieren.' 'Vergiss das Pattex nicht!', rief ihm der Kommandant hinterher. Einer der Männer hatte seinen Anzug abgelegt, offenbar war ihm übel geworden, er rannte zur Toilette. Mittlerweile waren auch die Anderen ausgestiegen, sie standen zusammen in der Raucherecke.
Ich war inzwischen aus dem Gebäude zur Plattform gelaufen, neugierig sah ich die Leiter hinauf. Ob ich mal? Ich war neugierig, ich hatte das Schiff noch nie von innen gesehen. Es war toll. In der Kanzel standen die Stühle im Halbkreis. Über einer Lehne hing der Anzug desjenigen, der es so eilig gehabt hatte. Als draußen Stimmen zu hören waren, erschrak ich. Meine Mutter hatte mir doch streng verboten, hier hinein zu klettern. Rasch öffnete ich ein paar Klappen, in einem Fach war noch etwas Platz, ich zwängte mich hinein. Durch einen Spalt konnte ich sehen, was draußen vor sich ging.
Es wurde eine große Kiste Fliesen hinein gehievt, dazu ein Eimer Fliesenkleber. 'Pattex war nich mehr', sagte der Mann, der im Baumarkt gewesen war. Aber dafür hatte er noch eine große Rolle Folie unter dem Arm, die er zwischen der Kiste und dem Eimer einklemmte. 'Ich will nach der Landung gleich in den Garten, du weißt schon, meine Frau und ihr Gemüse und so.' Der Kommandant guckte zwar etwas grimmig, nickte aber schließlich. 'Wodka, Zwiebeln, Mischgemüse, frische Bettwäsche, die Zeitung, Fliesen und Kleber, da kommt es auf die Folie auch nicht mehr an', murmelte er. 'Alle da?', fragte er und schaute in die Runde. Der Mann, der sich aufs Klo verdrückt hatte, fehlte zwar noch, aber das merkte der Kommandant nicht, weil auf dem Platz desjenigen ja sein Anzug lag. Die Tür wurde geschlossen, der Kommandant sagte ins Mikro 'Houston, wir machen los' und schob den Regler nach vorn.
Während des Starts wurde das Schiff ordentlich durchgerüttelt, der leere Anzug fiel herunter, aber zum Umkehren war es jetzt zu spät. Durch die Vibrationen sprang irgendwann die Klappe meines Verstecks auf. Ich hatte zwar versucht, sie von innen festzuhalten, aber es war mir nicht gelungen. Meine Mutter sperrte ihren Mund auf und konnte zunächst gar nichts sagen. Auch die anderen starrten mich an. 'Heinz, ich konnte wirklich nicht ahnen...' setzte meine Mutter an, aber der Kommandant unterbrach sie mit einer Handbewegung. 'Das können wir jetzt eh nicht mehr ändern, aber das wird ein Nachspiel haben, das garantiere ich dir!' Meine Mutter nickte beklommen. 'Der Zwerg soll den Anzug anziehen, man weiß ja nie, was noch so alles passieren wird.'
Im Orbit war sein Ärger bereits wieder verraucht. Ich saß auf dem Schoß meiner Mutter, der Pilotin, und sah zum Fenster hinaus. Mit der Zeit wurde mir langweilig. 'Kann ich mal an den Bordcomputer, mein Freund hat mir ein ganz neues Spiel mitgebracht?', fragte ich meine Mutter. Die sah den Kommandanten an: 'Heinz?' 'Meinetwegen', knurrte der, 'kann ja nichts passieren. Windows ist ein sehr stabiles Betriebssystem.' Ich schob die Diskette in den Schlitz und startete das Spiel. Das Unwahrscheinliche passierte, der Rechner stürzte ab. Mitten im Reset zündete wahrscheinlich irgendein verzweifelt um sein Leben kämpfendes Treiberprogramm die Steuerdüsen, wir drifteten ins All. Erst nach einer Weile gelang es der Besatzung, den Rechner neu zu booten, aber unser Treibstoff war inzwischen restlos verbrannt. Wir trieben Richtung Mond.
Ich weiß nicht mehr, wie wir überhaupt heil herunter kommen konnten, jedenfalls haben damals alle den Absturz überlebt. Das Schiff war nur noch ein Haufen Schrott. Genauso waren sehr viele Flaschen des guten russischen Wodkas und des Mischgemüses zu Bruch gegangen. Houston hatte unseren Flug von der Erde aus beobachtet. Sie waren erst beruhigt, als der Kapitän ihnen versichern konnte, dass wir für die nächsten Tage gut versorgt waren. Niemand von uns ahnte zu diesem Zeitpunkt, wie lange wir ohne Hilfe würden ausharren müssen. Jedenfalls erwies es sich als absoluter Glücksfall, dass wir über die Gartenfolie und die Zwiebeln verfügten. Daraus konnten wir im Verlauf der nächsten Wochen eine stabile und für Pflanzen sehr geeignete Atmosphäre erzeugen. Der Kapitän las derweil die Zeitung wieder und wieder, meiner Mutter war die frische Bettwäsche für mich am Wichtigsten. Später gelang es unserer Bordbiologin, aus dem Mischgemüse Samen von Möhren und Erbsen zu gewinnen, die zusammen mit den Zwiebeln in den ersten Jahren unsere Hauptnahrungsquelle bildeten.
Auf der Erde hatten sie derweil ganz andere Sorgen. Die Russen hatten ihre Drohung wahr gemacht. Der gesamte nähere Weltraum war durch ihre überall herum fliegenden Müllsäcke unpassierbar geworden. Im Suff hatten sie völlig vergessen, dass sie sich dabei selbst von jeglicher Versorgung abgeschnitten hatten. Wir saßen derweil unter unserer Gartenfolie, aßen selbst gezogene Möhren und Erbsen, labten uns an dem restlichen Wodka und sahen den Irren auf der Erde beim Einsammeln der Müllsäcke im Orbit zu. Erst viele Jahre später kam das erste Schiff von der Erde zu Besuch.“
Der alte Mann schwieg und auch der Bürgermeister schien am Ende seiner Rede angekommen zu sein. „Und so bitte ich den einzigen noch Lebenden der ersten Siedler auf die Bühne, unseren allseits verehrten Horst Köppnick!“ Alle applaudierten. „Lassen Sie mich mal durch, junger Mann“, sagte der Alte und drängt nach vorn. Ich saß jetzt allein da und wusste überhaupt nicht mehr, was für eine Geschichte ich am nächsten Tag in unserer Zeitung schreiben sollte.
Kategorien: Köppnicks Welt
Samstag, 12.August 2006




