In Kürze

@Flötenfuchs: Ich gebe Dir Recht, daß unter Änderung der Auszahlungsbeträge, also einer Ergänzung der Randbedingungen, sich das Verhalten der VP in Deinem beschriebenen Sinn verändern würde. Die VPn in einer solchen Zelle würden sich auch völlig irrational, sprich nicht egoistisch verhalten, wenn sie es nicht tun würden.
Jetzt kommt das aber, dabei bezüglich der ökologischen Validität:
Zeige mir ein Gesellschaftssystem bzw. eine Volkswirtschaft, welche sich das Belohnen von Trittbrettfahrern langfristig erlauben. Ich bin kein VWLer, mein Ding ist die Sozialpsychologie, aber ich wage zu behaupten, daß es ein solches System nicht geben kann. Selbst wenn sich die VPn erwartungsgemäß so verhalten würden:
es wäre ein absolutes Arte Fakt, da in der Realität nicht tragbar, i.e. nicht valide.
In diesem Sinne halte ich die ursprüngliche Versuchsanordnung nicht nur für ausreichend sondern auch bezüglich der Übertragbarkeit für valide.

(Schönes Osterfest - vielleicht habe ich zwischendurch nochmals Zeit.)

Flötenfuchs (anonym) - 14. April, 01:19

@Wilhelm

Ich formuliere Deine Auffassung noch mal um im Sinne des Experiments:

Gruppen mit Trittbrettfahrern sind langfristig erfolglos, deshalb müssen Sie Trittbrettfahrer bestrafen

OK, das könnte durchaus richtig sein. Das ist aber nur die Hypothese. Was Du jetzt machst, ist, dass du die Hypothese mit der Hypothese validieren möchtest. Aber das geht nicht. Selbst, wenn du ein mathematisches Kalkül für Deine Auffassung hättest (Spieltheorie, Systemtheorie, Entropiesatz, oder sowas), könntest Du damit nicht das Experiment validieren. Selbst Einstein brauchte ein paar Sonnenfinsternisse und Sternenbeobachtungen, um seine mathematisch sicher exakt berechnete Relativitätstheorie zu validieren (bestätigen). Wenn das nicht möglich ist, gilt das Experiment nicht.

Aber wenn das Experiment valide sein will, muss es nachweisen, dass es die Realität genügend genau nachbildet (mindestens im Expertenurteil). Du hast ja hier ( http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/292507 ) auf eine genaue Beschreibung des Versuchs in der Süddeutschen ( http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/292507) aufmerksam gemacht, um das noch hier zu ergänzen. Allerdings fehlt auch dort die Darstellung der Aufgabe, die die Gruppe hatte und die genaue Darstellung der Spielregeln. Komischerweise ist von der Aufgabe in keinem der Artikel bisher die Rede.

Validierung würde erfordern, dass die Aufgabe, die der Gruppe gestellt wurde, vergleichbar ist mit realen Situationen (repräsentativ). Die These gilt dann aber trotzdem nur für genau die im Spiel nachgebildete reale Situation. Bei dem Anspruch der Allgemeingültigkeit der These würde ich behaupten, dass es sehr schwierig ist, genügend viele Repräsentationen im Spiel abzubilden.

Übrigens. Wenn ich die These oben von Dir etwas umformuliere, kommt eine politisch ganz andere Aussage dabei heraus. Für diese Aussage würde dann ein (ebenso fragwürdiges experimentelles Design) komplett anders aussehen. Ich formuliere mal:

Gruppen mit Trittbrettfahrern sind langfristig erfolglos, deshalb müssen Trittbrettfahrer motiviert werden, ihr Verhalten zu ändern

Noch eine umformulieren mit einem möglichen anderen Design:

Gruppen mit Trittbrettfahrern sind langfristig erfolglos, deshalb müssen Trittbrettfahrer überzeugt werden, ihr Verhalten zu ändern

Alles Hypothesen, die eigentlich im Spielexperiment überprüft werden müssten. Deswegen (!) sehe ich schwere Designfehler aufgrund der gravierenden "politischen" Intention, die die Wissenschaftler selbst postulieren und die ja von den Medien am stärksten perzipiert wird.

Wer jetzt welche Hypothese präferiert, hängt ausschließlich von seiner politischen Auffassung ab (bestrafen=konservativ, motivieren=liberal, überzeugen=68'er).

Ich finde die Diskussion an diesem Beispiel deshalb so interessant, weil das Problem relativ überschaubar ist. Wenn man normalen Bloggern etwas Erkenntnistheorie vermitteln könnte, hätten die Diskussionen in der Bloggosphäre relativ schnell viel mehr Biss, davon bin ich überzeugt. Und das ist gar nicht so schwer. Deswegen wäre es für mich auch gar kein Problem, am Ende Unrecht zu haben. (Darstellung in Wikipedia dazu ist übrigens viel zu kompliziert).

So, jetzt muß ich aber wirklich mal eine Zeitlang die Klappe halten, damit andere auch mal wieder zu Wort kommen, verfolge aber die weitere Diskussion ebenfalls mit großem Interesse und versuche mich ab jetzt kürzer zu fassen.

Ebenfalls fröhliche Ostern.

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Kommentare hier ...

Der Artikel über den Atheismus in der...
Köppnick - 19. August, 19:26
Es ist schon ein großer Unterschied...
Talakallea Thymon - 19. August, 13:09
Also der Satz, dass es irrelevant ist, dass...
steppenhund - 18. August, 14:37
Noch eine Ergänzung
Gregor Keuschnig - 18. August, 14:00
@beide
steppenhund - 18. August, 13:52
Mittelfristig ist Russland keine Grossmacht...
Gregor Keuschnig - 18. August, 10:13
Naja,
Gregor Keuschnig - 18. August, 09:21
Nachtrag
Köppnick - 17. August, 12:26
@Peter Viehrig
Köppnick - 16. August, 08:46
Ein paar Einsprüche
Peter Viehrig - 16. August, 07:41